Andi, eigentlich Andreas Meurer, ist der Bassist der Gruppe. Die Toten Hosen waren seine erste eigene Band. Er lernte Campino noch zu Schulzeiten kennen, weil er wie dieser in Mettmann aufwuchs, einem kleinen Vorort von Düsseldorf. Nach einem Jahr als Austauschschüler in Los Angeles hatte er genug Punkkonzerte gesehen, um tiefer in die Szene in Düsseldorf einzutauchen. Zunächst ging er als Roadie von ZK mit auf Tour, der ersten Band von Campino und Kuddel, dann wurde er zum Gründungsmitglied der Hosen. Auf der Bühne nutzte er zunächst nur zwei Saiten seiner Bass-Gitarre, bis 1995 waren es dann immerhin drei. 2009 erschien der Andi Meurer Signature Bass von Fender, den er auf der “Machmalauter”-Tour erstmals unter Wettkampfbedingungen testete. Sein größter Triumph als Musiker. Würde es die Hosen nicht mehr geben, wäre er heute vielleicht Fotograf. Mindestens genauso wichtig wie seine Lieblingskomponisten Strummer/Jones sind ihm seine Lieblingsmaler Jean-Michel Basquiat und Ulli Maier. Auf Tour hängt er schon mal die Bilder in den Hotelzimmern ab und ersetzt sie durch bessere. In der Band ist er deshalb nicht zuletzt für die Optik zuständig, ihn interessiert einfach, wie ein Cover aussieht oder ein Video. Das Konzept für „Laune der Natur“ entstammt auch wieder seiner Kreativwerkstatt. Er weiß immer, wen man mal fragen könnte, etwas für die Hosen zu machen, sei es den Grafiker Dirk Rudolph oder Fotograf Andreas Gursky. Wenn die Band eine kurze Pause einlegt, fährt er gerne nach Amerika oder Australien. Andi gilt als das reiselustigste Bandmitglied.

Andi, New York, 1983

Ein Jahr als Austauschschüler in Los Angeles brachte Andi den Einblick in eine weitere legendäre Punk-Szene, in der Bands wie die Germs, Social Distortion oder Black Flag eine bedeutende Rolle spielten.

Rock im Park, 2015

Foto Carla Meurer

Zurück in Deutschland ging er wieder als Roadie und Fotograf von ZK mit auf Tour, der ersten Band von Campino und Kuddel, dann wurde er zum Gründungsmitglied der Hosen.

Kuddel, Campino, Andi, 1981 (ZK)

Auf der Bühne nutzte er zunächst nur zwei Saiten seiner Bass-Gitarre, „weil die anderen störten“, bis 1995 waren es dann immerhin schon drei.

Foto Carla Meurer
Foto Carla Meurer
Foto Carla Meurer

Würde es die Hosen nicht mehr geben, wäre er heute vielleicht Fotograf. Mindestens genauso wichtig wie seine Lieblingskomponisten Strummer/Jones sind ihm seine Lieblingsmaler Jean-Michel Basquiat und Ulli Maier.

Mindestens genauso wichtig wie seine Lieblingskomponisten sind ihm seine Lieblingskünstler wie Jean-Michel Basquiat, Andreas Gursky oder Imi Knoebel. Auf Tour hängt er schon mal die Bilder in den Hotelzimmern ab und ersetzt sie durch bessere, und er schaut in jeder Stadt als Erstes nach, ob es dort gerade eine interessante Ausstellung gibt.

In der Band ist er nicht zuletzt deshalb für die Optik zuständig. Ihn interessiert einfach, wie ein Cover aussieht oder welches Video gedreht wird und — zusammen mit Breiti — überlegt er auch, wie man die Bühne passend gestalten kann.

Krach der Republik Tour Berlin, 2013

Foto Gregor Fischer

Fragen an Andi

Was war anders bei den Aufnahmen zu „Laune der Natur“ als bei Euren früheren Plattenproduktionen?

Die Herangehensweise war vom Grundsatz ähnlich wie bei „Ballast der Republik“. Jeder von uns hat zu Hause eigene Ideen entwickelt, wir haben uns im Proberaum getroffen, und auch diesmal sind wir mehrere Male nach Senden gefahren, um im Studio von Vincent Sorg an neuen Stücken zu arbeiten. Es waren diesmal deutlich mehr Songideen, die wir aufgenommen haben - auch wenn die natürlich hinterher nicht alle auf der Platte gelandet sind. Aber in der Zeit sind zwei unserer engsten Wegbegleiter und Freunde gestorben: unser Manager Jochen Hülder und unser alter Schlagzeuger Wölli. Das ist der Grund, warum es auf „Laune der Natur“ ein Lied gibt, in dem es um Jochens Tod geht, und eines, für das wir nochmal mit Wölli musiziert haben. Von seinem sehr schönen Stück „Kein Grund zur Traurigkeit“ haben wir die Gesangsspur genommen und dazu im Studio gespielt. Grundsätzlich fängt man bei jeder Platte von vorne an. Wir haben alles, was mit „Ballast der Republik passiert ist, bewusst ausgeblendet und einfach wieder versucht, das Bestmögliche zu erreichen.

Wenn Du zurück denkst an die vergangenen Monate, was war der schönste Moment mit der Band?

Ganz konkret machen mir gerade die Wohnzimmerkonzerte großen Spaß. Ich spiele einfach gerne live - und die Magical Mystery Tour ist noch einmal eine besondere Form des Live-Spielens. Wir haben dort - anders als bei großen Konzerten - die Möglichkeit, vorher und nachher intensiv mit den Leuten zu sprechen und zu feiern. Und jede einzelne Station hatte ihre eigenen Höhepunkte, egal ob in Darmstadt, Geilenkirchen oder Posen.

Wir haben dort — anders als bei großen Konzerten — die Möglichkeit, vorher und nachher intensiv mit den Leuten zu sprechen und zu feiern.

Und jede einzelne Station hatte ihre eigenen Höhepunkte, egal ob in Darmstadt, Geilenkirchen oder Posen.

Es gab aber auch bei der Produktion der neuen Platte viele besondere Momente. Dass wir für die „Learning English - Lesson Two“ zwei Wochen in London im Studio waren und unsere alten Helden vorbei gekommen sind, war sicher ein Highlight. Für mich ist es auch immer ein ganz besonderer Moment, wenn die Platte fertig ist und man sie zum ersten Mal am Stück durchhört.

Für mich ist es auch immer ein ganz besonderer Moment, wenn die Platte fertig ist und man sie zum ersten Mal am Stück durchhört.

Welcher Song von der „Learning English - Lesson Two“ war für Dich persönlich am wichtigsten?

Da gibt es natürlich viele Kandidaten, aber „California Über Alles“ war für mich immer ein besonders wichtiges Stück. Ich habe die Dead Kennedys in Amerika schon ziemlich früh gesehen. Es war beeindruckend, was für eine Power von der Bühne rüberkam. Jello Biafra war schon damals ein charismatischer Frontmann, der einfach etwas zu sagen hatte. Und man nimmt ihm bis heute ab, dass er das alles so meint. Es war bei ihm nicht von Anfang an klar, ob er es hinbekommen würde, bei der Platte mitzumachen, und es war dann umso schöner, als es wirklich geklappt hat. Und es war beeindruckend zu sehen, wie er sich in die Aufnahmen reingekniet hat und wie viele Versuche er gemacht hat, bis er mit seinem Gesang zufrieden war. Er hat übrigens alles komplett im Dunkeln aufgenommen - das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Jello Biafra, Dead Kennedys

Foto Vincent Anton

Mich hat beeindruckt, wie er sich in die Aufnahmen reingekniet hat und wie viele Versuche er gemacht hat, bis er mit seinem Gesang zufrieden war. Er hat übrigens alles komplett im Dunkeln aufgenommen — das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Andi, 1991