Was macht man eigentlich als Tourleiter?

Ein wichtiges Thema lautet: Wie kommt man von A nach B? Es geht vor allem um die Organisation von Zeitabläufen, in denen die Band während einer Tour drin steckt. Manchmal bin ich auch noch in die Hotelbuchungen eingebunden. Und bei manchen Touren muss ich die Konzerte auch noch hinterher abrechnen. Bei den Hosen beginnt der Tag mit Weckanrufen. Die Rechnungen im Hotel müssen bezahlt werden und dann steigen wir in den Bus oder fahren mit Taxis zum Flughafen, weiter in die nächste Stadt!

Und wer tut sich denn am schwersten mit dem Aufstehen?

Campino kommt meist als Letzter zum Frühstück (lacht).

Musst Du die Taxinummern aller Tourstädte im Kopf haben?

Nein, ich habe irgendwann mal bei Kiki angeregt, die lokalen Taxirufe in das „Tourbuch“ zu schreiben. (Er holt ein zerfleddertes rot-schwarzes A6er-Heft aus seiner Hosentasche). Das ist das Gehirn eines Tourleiters! Ohne dieses Tourbuch wäre ich total aufgeschmissen. Es wird vor jeder Tour von Kiki und meinen anderen Kollegen bei KKT zusammengestellt und wird mittlerweile auch digital im Voraus herum geschickt. So in der Hosentasche ist es aber viel praktischer.

Bei Dir laufen während einer Tour also alle Fäden zusammen?

Ich bin mit Sicherheit nicht der am härtesten arbeitende Mensch auf Tour, wenn Du das meinst, aber: Einem Tourleiter stellen viele Menschen viele Fragen. Sechs Wochen lang immer 24 Stunden im Dienst zu sein, ist natürlich unmöglich. Ich lasse auf Tour zum Beispiel mein Handy nachts immer angeschaltet, zumindest mittlerweile. Manche Fehler macht man eben nur ein Mal. Mit den Beatsteaks gab es mal die Begebenheit, dass mich deren Bassist Torsten nicht erreicht hat. Wir fahren mit den Beatsteaks, wo ich seit 2000, glaube ich, Reiseleiter bin, halt immer mit dem Nightliner zum nächsten Konzertort. Damals standen wir irgendwo in Österreich, die anderen waren noch in einer Bar feiern, ich bin früher zurück zum Bus und habe mich schon mal in meine Koje gelegt. Torsten war mit einigen Anderen etwas spät für die angesetzte Busabfahrt dran und konnte mich nicht erreichen, weil ich das Handy ausgeschaltet hatte. Er war dann aber zum Glück so schlau, den Busfahrer anzurufen und zu sagen: „Hey, warte mal einen Moment!“ Aber einen Spruch bekam ich am nächsten Tag natürlich schon aufgedrückt.

Wie bist Du eigentlich in den Tournee-Zirkus geraten?

Ich habe alle 14 Tage zusammen mit Torsten, der später bei den Beatsteaks landete, eine Radiosendung im Offenen Kanal Berlin moderiert: „Hardcore Nightfight“. Torsten hat die Musik zusammengestellt, ich habe mich um so etwas Ähnliches wie Wortbeiträge bemüht. 1996 sahen wir in einem kleinen Club in Berlin-Moabit die Beatsteaks bei einem ihrer ersten Konzerte und waren total begeistert. Ich habe mir damals genug Mut angetrunken, um die Jungs nach dem Konzert anzusprechen und in die Sendung einzuladen. Kurz darauf waren vier von ihnen tatsächlich bei uns im Studio. Wir hatten damals irgendwie den gleichen Humor, haben uns rasch angefreundet. Ein Jahr später spielten die Beatsteaks ihre erste Tour: drei Tage in Holland und Belgien, zusammen mit Lagwagon. Da hat mich Arnim vorher gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihre drei T-Shirts zu verkaufen. Von da an bin ich als T-Shirt-Verkäufer mitgefahren.

Womit hast Du zu der Zeit ansonsten Deine Brötchen verdient?

Ich hatte ursprünglich mal Koch gelernt, arbeitete zu der Zeit aber für Xerox, ein Unternehmen für Kopier- und Drucksysteme. Ich war im Außendienst tätig, also ein klassischer Anzugträger. Für die Touren habe ich immer meinen ganzen Jahresurlaub genommen. Das Herumfahren war ein schöner Ausgleich zum trockenen Büroalltag. Ich war drei Jahre lang T-Shirt-Verkäufer, bis Arnim und ich festgestellt haben, dass ich dafür nicht mehr gut genug war. Mir sind halt keine blöden Antworten mehr eingefallen auf die manchmal sehr abwegigen Fragen der Käufer (lacht). Zufällig war das zu dem Zeitpunkt, als die Beatsteaks dachten, dass sie jetzt auch mal einen Reiseleiter bräuchten. Da habe ich kurzerhand die Reiseleitung übernommen.

Wie ist es Dir zu dieser Zeit gelungen, die beiden Jobs miteinander zu koordinieren?

Irgendwann gar nicht mehr. Im Jahr 2000 habe ich mich selbständig gemacht. Mein Chef bei Xerox war vorher total kooperativ, aber als der bezahlte Urlaub nicht mehr reichte, musste er mir irgendwann unbezahlten geben. Er bekam natürlich auch mit, dass ich mich – wenn ich im Büro war – überwiegend um die Beatsteaks-Belange kümmerte. Irgendwann sagte er: „Jetzt musst Du Dich aber leider entscheiden!“ Mein Kopf hat dann zwei Wochen lang überlegt, mein Bauch hatte sich aber eigentlich schon entschieden. Ich hätte es mir nie verziehen, solch eine Chance sausen zu lassen: Einen Job zu machen, bei dem man mit ganzem Herzen dabei sein kann und dazu noch mit seinen Freunden unterwegs ist. Und ich habe immer an die Beatsteaks geglaubt, bin immer noch ein großer Fan der Band.

Fast zehn Jahre später: Wie lange warst Du zuletzt im Rock´n´Roll-Außendienst unterwegs?

Zuerst war ich zwei Jahre mit den Beatsteaks beschäftigt, wenn man deren Studioaufenthalt dazu rechnet. Der Zeitabschnitt endete im September/Oktober 2008 in Argentinien. Nachdem die Beatsteaks im Jahr 2005 mit den Hosen dort waren, haben sie das jetzt zum ersten Mal alleine gemacht. Das macht man als Tourabschluss, als Belohnung an sich selbst, mit einer kleinen Crew. Geld kann man in Argentinien nicht verdienen. Direkt nach dem Trip startete dann der erste Teil der „Machmalauter“-Tour und seitdem war ich fast ununterbrochen mit den Hosen unterwegs. Es gibt sicherlich auch mal Phasen, in denen ich drei Monate hintereinander zu Hause bin. Nur waren die in den letzten drei Jahren eher selten.

Welchen Erfahrungen hast Du bei den Konzerten in Argentinien gemacht?

Die Fans sind bisweilen schon sehr emotional, Buenos Aires ist hingegen sehr mitteleuropäisch, erinnert an Madrid oder Barcelona. Nur dass es noch größer, noch lauter, noch stickiger ist. Es macht schon Spaß, wenn man sich an die Mentalität gewöhnt hat. Ich bin allerdings schon eher sehr deutsch, sobald es um den Job geht. Wenn ich auf einen bestellten Fahrer für die Band eine halbe Stunde warten muss, werde ich ungehalten. Man muss da einfach etwas mehr improvisieren. Die Beatsteaks haben diesmal ein Club-Konzert gespielt, da kamen etwa 400 Leute. Es geht ihnen dabei aber nicht um irgendeinen Durchbruch, sondern es soll einfach Spaß machen. Die Hosen haben in dem Land einfach eine ganz andere Geschichte, nicht zuletzt, weil sie mit den Ramones im River-Plate-Stadion gespielt haben. Sie haben einfach ein Gefühl für das Land, haben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Tickets für ein paar Peso verkauft. Die Loyalität ihren Fans gegenüber zeichnet die Hosen sowie so aus.

Alles schläft, Robert Köhler wacht über die Gästelisten.

Mit welcher Einstellung gehen die Hosen nach Deinen Beobachtungen ein Konzert an?

Man spürt bei den Hosen wie auch bei den Beatsteaks, dass denen die Leute nicht egal sind. Jeder Gig, den sie spielen, hat seine Wichtigkeit und wird auch so behandelt. Es wird kein Konzert mit halber Kraft angegangen. Das ist eine Einstellung zum Beruf, die mir Respekt abverlangt, und deshalb arbeite ich auch so gerne mit ihnen. Durch ihre Einstellung fühlt man sich auch selbst jeden Tag gefordert, den Erwartungen zu entsprechen. Ich habe in den ersten Jahren meiner Selbständigkeit viele Tourneen mit amerikanischen, englischen oder skandinavischen Bands gemacht. Da hat man viele andere Einstellungen kennen gelernt, da war es für viele einfach nur ein Job. Die vertreiben sich den ganzen Tag mehr oder weniger sinnlos die Zeit, stellen sich wie jeden Abend auf die Bühne und fahren dann mit dem Geld nach Hause. Damit konnte ich mich nie so richtig identifizieren. Wer mit seiner Band Geld verdienen kann, hat den geilsten Job der Welt und sollte das auch würdigen. Demut ist heutzutage eine viel zu unterschätzte Charaktereigenschaft.

Du kommst aus der ehemaligen DDR. Schon mal überlegt, wie Dein Leben verlaufen wäre, wenn die Mauer 1989 nicht gefallen wäre?

Ich habe mich neulich noch mit jemandem aus der Crew darüber unterhalten, der auch in der DDR geboren wurde. Ich war 16 Jahre alt, als die Mauer fiel, hatte gerade meine Schule beendet. Das war der idealste Zeitpunkt. Ich hatte also sowieso gerade einen Bruch im Leben und dann kam noch dieser gewaltige Bruch dazu. Das gesamte Koordinatensystem, in dem man 16 Jahre groß geworden war, war mit einem mal verschwunden. Keine Institution funktionierte mehr. Da musste man sich erstmal zurechtfinden.

Was waren Deine ersten Konzerte nach dem Mauerfall?

1988 habe ich noch in der DDR Depeche Mode in der Werner-Seelenbinder-Halle gesehen. Nach dem Mauerfall bin ich mit Torsten zu ganz vielen Ska-Konzerten gegangen, zum Beispiel zu Mother´s Pride. Danach kam dann die Hardcore-Phase, mit Stagediven und so. Wenn man mir die Teenager-Frage stellen würde, ob ich Hosen- oder Ärzte-Fan war, müsste ich antworten, dass ich Ärzte-Fan war. Ich hatte zu DDR-Zeiten sogar Bravo-Artikel von denen an der Wand hängen. Wenn irgendeine Tante, von jemandem aus der Schule, die neue Bravo aus dem Westen mitgebracht hatte, wurde auf dem Schulhof damit gehandelt. Eine Seite kostete fünf Ostmark, zwei Seiten zehn Ostmark, Poster waren noch teurer.

Wenn eine große Hosen-Tour ansteht, ab wann wird der Reiseleiter informiert?

Bei den Beatsteaks bin ich schon in die Vorbereitungen involviert und maße mir auch an, meine Meinung zu bestimmten Hallen zu sagen. Die Planung mache ich da mit Kiki zusammen. Bei den Hosen ist hingegen das Tourbuch das Erste, was ich von der Tour sehe. Da übernehme ich von Kiki sozusagen eine fertige Tour – und muss sie nur noch umsetzen. Die ersten Konzerte sind dabei oft der schwierigste Tourteil. Die Hosen hatten vor der „Machmalauter“-Tour drei Jahre lang keine Konzerte gespielt. Dann braucht man erst einmal etwas Zeit, um die Stücke auf die Bühne zu bringen, um sich selber eine Sicherheit zu erspielen. Das ist in den ersten Tagen immer ein etwas fragiler Prozess. Die Festivals, die wir jetzt gerade spielen, sind schon etwas lockerer, man hat zwischendurch viel mehr frei. Die sechs Wochen im November/Dezember waren allerdings schon ein sehr tightes Programm.

Was macht das Tourleben so interessant, dass Du nicht davon lassen kannst?

Was in der aktuellen Phase besonderen Spaß macht, ist, dass wir kleinere und größere Konzerte spielen oder eben auch mal ein Festival in Ungarn. Es ist wirklich ein sehr abwechslungsreiches Programm. Und es tut allen aus der Crew natürlich gut, auch mal etwas anderes zu sehen. Wenn man anfangs in den ewig gleich aussehenden Hallen unterwegs ist, kann das schon sehr eintönig sein. So etwas kann aber auch anderswo passieren. In Argentinien hatte ich in der Woche, die wir dort waren, nur einen halben Tag für mich. Ich sitze ansonsten überwiegend im Hotelzimmer am Computer und muss irgendwelche Excel-Tabellen ausfüllen. Das gehört auch zum Job...

Was waren für Dich die Höhepunkte der „Machmalauter“-Tour 2008/09?

Immer sehr dankbar ist es für jede Band, im Osten zu spielen. Darüber haben wir uns zuletzt intern auch sehr viel unterhalten. Konzerte in Leipzig, Chemnitz, Erfurt oder Dresden sind schon sehr schöne Begebenheiten, weil da sonst sehr wenige Bands vorbeikommen. Wenn Bands aus den USA nach Deutschland reisen, spielen sie meistens nur in Berlin, Hamburg, München und Köln. Der Osten ist etwas unterversorgt. Die Fans in diesen Städten zerreißen sich dann aber dafür auf den Konzerten. Das ist bei den Beatsteaks ähnlich wie bei den Hosen. Wenn man in Cottbus im Gladhouse das Publikum beobachtet, wie es da abgeht, da denkt man: Die hauen sich gleich aufs Maul vor Begeisterung. Wenn hinterher alle den Club verlassen haben, erwartet man, dass auf dem Boden überall Blutlachen sichtbar werden. Die Menschen im Osten sind einfach von einer etwas raueren Art, als zum Beispiel die in Berlin. Im Osten geht es noch richtig zur Sache, das ist schon beeindruckend!

Wer war Deine Lieblings-Support-Band auf der aktuellen Tour?

Ganz klar: The Subways. Ich bin gar nicht so ein großer Fan ihrer Platten, aber die haben letztes Jahr auch schon mit den Beatsteaks in der Wuhlheide gespielt und können einfach Stadionrock. Zudem machen sie einen wahnsinnig guten Job als Vorgruppe, wie ich das noch bei keiner anderen Band erlebt habe. Sie verstehen es, a) die Chance zu nutzen, vor 17.000 Leuten zu stehen, und b) heizen sie das Publikum wirklich an. Das schaffen nicht viele Bands. Bei manchen Bands denke ich: Ihr blickt das wohl gerade nicht, was Ihr für eine Chance geboten bekommt. Manche spielen einfach ihr Programm runter. Das war bei den Subways vor den Hosen jetzt eindeutig anders!

Hast Du denn wenigstens auf den Festivals Zeit, Dir mal ein paar andere Bands anzuschauen?

Eher weniger bis gar nicht. Mit den Hosen, die fast überall als Headliner auftreten, kommen wir meist nachmittags auf dem Festivalgelände an. Dann geht es eigentlich sofort los. Gästelisten schreiben, Auftritt vorbereiten, Fahrzeuge koordinieren, Excel-Tabellen ausfüllen (lacht).

Wer stand denn während der Tour so auf der Gästeliste?

Größenunterschiede! Peter Crouch nach einem "kleinen" Abstecher.

Zuletzt im Tanzbrunnen in Köln war Sami Hyypiä von Bayer Leverkusen da, den Campino aus seiner Zeit beim FC Liverpool kennt. Am Chiemsee sind Gerhard Polt und die Biermösl Blosn vorbei gekommen, hatten es ja nicht so weit. Die beste Geschichte ist allerdings in Braunschweig passiert. Der englische Fußballer Peter Crouch war mit 14 Freunden zum Junggesellenabschied eines Freundes in München. Dort entdeckte er ein Konzertplakat der Hosen, mit einem aktuellen Termin: allerdings in Braunschweig, nicht in München. Er hat dann Campino angerufen und ist mit seinen Freunden kurzerhand nach Hannover geflogen. Und abends stand er im Eintracht-Stadion bei "You´ll never walk alone" mit auf der Bühne!

Was musst Du bei den Bandmitgliedern beachten? Sagen wir mal bei Breiti?

Bei Breiti glaube ich manchmal, dass er gar keinen Reiseleiter braucht. Sobald seine Gäste versorgt sind, ist er glücklich und zufrieden. Er ist selbst sehr gut organisiert und hat dementsprechend wenig Bedarf an Betreuung.

Kuddel?

Kuddel ist der Mucker in der Band. Da geht es mehr um Instrumente als um die Gästeliste. Bei ihm kommt schon mal häufiger irgendein Vertreter einer Gitarrenfirma vorbei und bringt ihm dann mal wieder irgendein neues Spielzeug mit. Dann kümmere ich mich darum, dass das Spielzeug zu Kuddel kommt, sei es nach Hause oder in den Proberaum.

Andi?

Andi ist der totale Checker. Ich habe ganz großen Respekt davor, was der alles auf dem Schirm hat. Ich glaube, dass Andi von allen 90 Leuten in der Crew den Namen kennt und weiß, was derjenige macht. Das ist schon sehr beeindruckend.

Vom?

Vom ist sicher nicht der ordentlichste Mensch auf der Welt, aber er gibt sich total Mühe. Mehr kann man nicht erwarten. Ich habe einfach ein Faible für Engländer, für deren Humor, deren Mentalität und deren Trinkkultur. Soviel zum Thema Vom (lacht).

Campino?

Campi ist halt Campi. Ich würde keine Sekunde mit ihm tauschen wollen, weil der Typ wirklich jedem Menschen bekannt ist. Er steht permanent im Mittelpunkt, wird von jedem erkannt, ist immer Teil der Öffentlichkeit. Trotzdem ist er immer zu allen freundlich. Selbst wenn die komischsten Sprüche kommen, wenn er beispielsweise am Flughafen angesprochen wird. Neulich in Stuttgart näherte sich so ein Typ von hinten. Sein erster Satz war: „Eigentlich ist mir Eure Musik nicht hart genug.“ Der zweite: „Aber mein Freund hätte gerne ein Autogramm.“ Da fragte Campino ihn, was er denn so höre. Seine Antwort: „Papa Roach“. Tja… Es ist schon ganz schön anstrengend für ihn, aber er empfindet das nicht so. Wenn er mal Pause hat, genießt er das aber umso mehr. Er geht dann wie so ein Igel in sich zusammen.

Du bist ja 2008 in eine ziemlich verschworene Gemeinschaft hineingeraten. Einige in der Crew sind schon seit vielen Jahren dabei. Wie war das zum Start?

Eine ziemlich harte Nummer. Die Crew ist über 20 Jahre unterwegs und fast alle älter als ich. Da seinen Platz zu finden, ist nicht einfach. Damit habe ich in den ersten Wochen schon ganz gut zu tun gehabt. Ich habe jetzt aber nicht mehr den Eindruck, dass ich immer noch „Der Neue“ bin. Ich mache den Job, weil er mir Spaß macht und unterliege aber natürlich auch einer gewissen Gefallsucht. Bevor ich nicht den Eindruck hatte, dass die Art und Weise, wie ich meine Arbeit auf Tour mache, auch den anderen Mitreisenden passt, hatte ich keinen Kopf für andere Sachen. Es war ein schleichender Prozess, bis ich wirklich angekommen war. Ich habe aber speziell von Andi einen ganz großen Vertrauensvorschuss bekommen.

Deine zweite Bezugsperson war Manfred Meyer…

Manfred war auf meiner ersten Tour mit den Hosen eindeutig eine der wichtigsten Personen für mich; er hat mir wahnsinnig geholfen. Ich kannte ihn schon ein bisschen, weil er auch hin und wieder für die Beatsteaks gearbeitet hatte. Gott seid Dank konnte er die Tour auch noch mitfahren, selbst wenn er wegen seiner Krankheit nicht mehr so mitmachen konnte wie in all den Jahren zuvor. Dass er selbst nicht mehr im Graben stehen konnte, daran hat er schon ganz schön zu knabbern gehabt. Untätig sein, war wirklich nicht sein Ding! Mit ihm ist ein großer Typ gegangen. Ich habe noch bis ein paar Stunden vor seinem Tod mit ihm gemailt, um die zweite Tourhälfte vorzubereiten. Ohne jetzt zu theatralisch werden zu wollen: Er hat innerhalb der Tourcrew ein Vermächtnis hinterlassen, an dem man sich jederzeit festhalten kann. Er ist halt irgendwie noch da. Reiner Pfisterer hat in seinem Hosen-Fotobuch geschrieben: „Wenn man über Manfred Meyer nachdenkt, dankt man als Erstes an das Wort Souveränität.“ Das bringt es auf den Punkt.

Wie ungewöhnlich ist es eigentlich, innerhalb von knapp 15 Monaten an fünf verschiedenen Orten in Berlin zu spielen?

Columbiahalle, O2 World, Wuhlheide, Waldbühne und SO 36 – fünf Konzerte an fünf verschiedenen Orten muss man erstmal schaffen! Da fällt mir jetzt auch keine andere Band ein, die das schon mal gemacht hätte. Klar, dass die Ärzte sechsmal in der Wuhlheide spielen, aber eben nicht an unterschiedlichen Orten. Das ist eine Besonderheit bei den Hosen: Die wollen einfach jede Halle oder jeden Club mindestens einmal gespielt haben. Da kann man sich allerdings auch mal vertun, wie bei der O2 World. Bei der Halle haben sich einfach zu viele Ingenieure verausgabt, da kommt einfach keine Stimmung auf, da wird jede Lautstärke einfach geschluckt. Ich habe da zwei Tage vor dem Hosen-Konzert mein langweiligstes Eishockeyspiel aller Zeiten gesehen.

Dein Jahr mit den Hosen endet im Dezember mit den sechs Weihnachtskonzerten in Düsseldorf…

Sechsmal hintereinander in derselben Halle – das finde ich auch irgendwie ganz komisch. Die Konzerte kriegen dadurch so eine Vergleichbarkeit. Wenn man es eigentlich gewohnt ist, immer an einem neuen Ort zu sein und irgendwie doch immer von vorne anzufangen, dann hat so etwas wie in Düsseldorf fast schon etwas von Las Vegas. Aber es wird schon gut gehen! Für mich wird es lediglich etwas komisch sein, wenn ich meinen Drucker über Nacht in der Halle stehen lassen kann. Sonst ist da ja jeden Tag auf Tour wie ein kleiner Umzug, alles wieder zusammenpacken. Wie auch immer: Ich werde im Dezember einen Tag vor dem ersten Konzert anreisen und am Tag nach dem letzten wieder verschwinden. Und danach schaue ich mal, was die Beatsteaks so machen!