Breiti, wie seid Ihr auf Oxfam aufmerksam geworden?

Bob Geldof hatte uns 2005 und 2007 zu den Festivals eingeladen, die anlässlich der G8-Gipfel in Edinburgh und Heiligendamm stattfanden. Die Konzerte sollten Druck auf die Politiker erzeugen, damit diese ihre Versprechen einhielten, die sie den armen Ländern in Bezug auf Entwicklungshilfe gegeben hatten. Vor dem G8-Gipfel in Deutschland hat Geldof uns gefragt, ob wir nicht selbst einmal nach Afrika fahren wollten, um uns die Situation persönlich anzuschauen – damit wir auch wissen, worüber wir reden. Wir fanden das eine gute Idee. Organisiert hat die Reise dann Oxfam.

Wie war Euer erster Kontakt, Euer erster Eindruck?

Wir sind mit Oxfam zwei Wochen lang durch drei afrikanische Länder gefahren: Uganda, Sambia und Malawi. Wir haben uns jeden Tag unterschiedlichste Projekte angesehen, uns mit verschiedenen Organisationen und Leuten getroffen. So haben wir nicht nur die Arbeit von Oxfam kennengelernt, sondern auch die anderer Organisationen. Wir haben selbst vor Ort gesehen, dass die Arbeit von Oxfam eine große Qualität hat, absolut professionell und für die Betroffenen sehr wichtig ist. Mir hat auch gefallen, daß die Arbeit überall fast ausschließlich von Einheimischen gemacht wird. Die kennen sich schließlich am besten mit den Problemen und Besonderheiten vor Ort aus. Hier könnt ihr euch den Kurzfilm von Hella Wenders, die damals die Band in Afrika begleitet hat, ansehen:

Hella Wenders hat uns auf der Afrikareise begleitet und ein paar bewegte Bilder mitgebracht und zu einem 7-minütigen Kurzfilm zusammen gestellt.

16.08.2012

Wann habt Ihr entschieden, mit Oxfam enger zusammenzuarbeiten, ähnlich wie Ihr es zu dem Zeitpunkt bereits mit Pro Asyl gemacht habt?

Wir finden es gut, die Arbeit von Oxfam zu präsentieren, soweit wir als Band die Möglichkeit dazu haben. Es ergab sich, dass Oxfam Deutschland gerne Stände auf unseren Konzerten der „Machmalauter“-Tour aufbauen wollte, um Unterschriften für eine Kampagne zu sammeln. Dadurch ist unsere Zusammenarbeit enger geworden, dadurch haben wir uns auch persönlich besser kennengelernt. Jetzt wollen wir Oxfam auf eine ähnliche Art und Weise unterstützen, wie wir das bereits seit Jahren mit Pro Asyl machen. Auch deshalb, weil sich die Arbeit beider Organisationen gut ergänzt. Die Mitarbeiter von Pro Asyl haben sich übrigens sehr gefreut, dass die Oxfam-Crew jetzt auch mit auf Tour dabei ist. Da gibt es keine Konkurrenzsituation, im Gegenteil.

Nach Ende der "Machmalauter"-Tour 2008/09 sprach Breiti mit Sabine Gernemann (Oxfam) und Nicole Viusa (Pro Asyl). Hier könnt ihr das Interview lesen.

Wie sieht die Hauptarbeit von Oxfam aus?

Oxfam macht einerseits direkte Entwicklungs- und Aufbauarbeit vor Ort, um Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen, das heißt zum Beispiel Zugang zu sauberem Wasser sicherzustellen, ausreichende Ernährung, medizinische Versorgung, Schulbildung, die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine zweite wichtige Aufgabe ist Nothilfe, zum Beispiel jetzt nach dem Erdbeben in Haiti, wo es um das nackte Überleben geht. Und drittens macht Oxfam Kampagnenarbeit, auch zusammen mit anderen Organisationen, um Regierungen dazu zu bewegen, gerechtere Handelsabkommen abzuschließen, um den Waffenhandel zu begrenzen oder um mehr und bessere Entwicklungshilfe zu erreichen.

Was habt Ihr denn genau vor Ort gesehen? Kannst Du ein Beispiel nennen?

Im Norden von Uganda zum Beispiel leben viele Menschen seit Jahren in Flüchtlingslagern, weil sie wegen des brutalen Terrors einer selbsternannten "christlichen" Rebellenarmee nicht mehr in ihren Dörfern leben können. Da geht es dann erst einmal darum, dass sie Zugang zu sauberem Wasser haben, dass Ernährung und Gesundheitsversorgung zumindest auf einem überlebensnotwendigen Level gewährleistet ist. Als nächstes, dass ihnen das, was in Sachen Landwirtschaft durch den langen Krieg brach lag und zum Teil in Vergessenheit geriet, wieder angekurbelt wird. Die Mitarbeiter von Oxfam zeigen den Leuten, wie man effektive Viehwirtschaft betreibt und stellen ihnen Herden zur Verfügung. Alles Weitere müssen sie von da an selbst machen. Hilfe zur Selbsthilfe.

Gibt es darüber hinaus weitere Maßnahmen in dieser Richtung?

Oxfam vergibt Kleinstkredite nach dem System des Wirtschaftswissenschaftlers und Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Das hat in Bangladesh sehr gut funktioniert und tut es mittlerweile überall auf der Welt. Sie stellen den Leuten kleinste Beträge als Kredite zur Verfügung. Und es ist unglaublich, welche Kreativität diese dann entwickeln, sobald sie nur ein bisschen Kapital in die Hand bekommen, um irgendeine Geschäftstätigkeit auszuüben. Sie können Handel treiben, ihre Gewinne investieren, so dass immer mehr daraus wird. Das ist sinnvolle Entwicklungsarbeit – immer mit dem Ziel, die Leute in die Lage zu versetzen, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Breiti im Gespräch mit Sabine Gernemann von Oxfam und Nicole Viusa von Pro Asyl

Pünktlich vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm sind Campino, Andi und Breiti durch das Herz des ärmsten Kontinents gereist.

Indem sie ihre Marktmacht missbrauchen und den Produzenten ruinöse Preise diktieren.