Meg, Du wohnst in Viernheim bei Mannheim, Jez in Düsseldorf. Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Meg: Als wir noch sehr klein waren, sind unsere Eltern mit uns in den Urlaub gefahren, nach Gran Canaria. Dort haben sich unsere Väter am Pool kennengelernt. Beide sind Engländer. Ich war drei Jahre alt, Jez und meine Schwester waren 18 Monate. Unsere Familien haben sich gut verstanden und von da an Weihnachtskarten geschrieben. Wiedergesehen haben wir uns erst acht Jahre später.

Wie lief das Treffen?

Jez: Wir Kinder hatten die ganze Zeit keinen Kontakt gehabt, nur unsere Eltern. Als meine Mutter sagte, dass Meggie vorbeikommt, habe ich gefragt: Wer ist das nochmal? Als sie dann da war, hat ihr Vater irgendwann gesagt: „Wir müssen heute noch Musik machen.“

Meg: Wir haben schnell herausgefunden, dass Jez Gitarre spielt – und ich hatte zu dem Zeitpunkt schon länger Gesangsunterricht. Da haben wir es einfach mal zusammen probiert.

Jez: Wir saßen zusammen im Wohnzimmer. Ich habe meine Gitarre genommen. Und sie hat angefangen zu singen. Eines der ersten Stücke, die wir zusammen gespielt haben, war „Everybody Hurts“ von REM.

Wann habt Ihr angefangen, Musik zu machen?

Jez: Das ist jetzt vier Jahre her. Ich war damals in der 4. Klasse, habe alles Mögliche ausprobiert. Fußball war mir zu langweilig. Meine Eltern haben ihr Leben lang Musik gemacht. Sie haben sich kennengelernt, als sie zusammen in einer Band spielten, bei B-Bang Cider. Zuerst habe ich Schlagzeug ausprobiert, fand das aber eher doof. Dann bin ich auf Gitarre umgestiegen und nicht mehr davon losgekommen.

Meg: Zum ersten Mal Gesangsunterricht bekommen habe ich mit acht, neun Jahren. Vorher hatte ich immer meinen Vater unterstützt, wenn der Gitarre gespielt und gesungen hat.

Meine Patentante ist halt zufällig Gesangslehrerin. Als meine Eltern merkten, dass ich sehr gerne singe und mich nicht ganz blöd dabei anstelle, haben sie mich mal vorbeigeschickt. Inzwischen hat Jez auch bei ihr Unterricht.

Im Vorprogramm der Toten Hosen, Kassel 2013

Was haben Euch Eure Eltern vorgespielt?

Jez: Meine Eltern wollten immer, dass ich einen eigenen Musikgeschmack entwickele. Deshalb haben sie mir alles vorgespielt, von AC/DC bis Prodigy. Sie selbst hören natürlich viel Punkrock, aber auch Musik, die man bei ihnen nicht erwarten würde. Vom hört zu Hause auch mal gerne Little Richard.

Meg, wie hast Du die Hosen wahrgenommen, bevor Du sie jetzt kennengelernt hast?

Meg: Ich fand sie als Band schon immer ganz toll. Ich saß immer mit meinem Vater im Auto und habe zu Liedern wie „Hier kommt Alex“ mitgerockt. Mein erstes Konzert habe ich mit acht Jahren in Karlsruhe gesehen. Dort trafen wir Vom zum ersten Mal seit Gran Canaria wieder, und ich habe ihn gefragt, wie es Jez geht.

Jez, wie war es eigentlich für Dich, als Sohn des Hosen-Schlagzeugers aufzuwachsen?

Jez: Ich weiß nicht, wie es ist, mit einem normalen Vater aufzuwachsen. Ist das weniger nervig oder nerviger? Was auf jeden Fall nervt, sind manche weibliche Fans auf Facebook, die über mich an ihn rankommen wollen.

Ich halte den Job meines Vaters eher geheim. Nicht, weil er mir peinlich wäre, überhaupt nicht. Es ist einfach mein Weg, mich vor falschen Freunden zu schützen.

Was findest Du besonders gut daran, dass Dein Vater Musiker ist?

Jez: Ein Vorteil ist natürlich: Man kommt leichter auf Konzerte... Was ich schon gesehen habe? Bad Religion, Donots, Beatsteaks, Metallica und viele andere.

Dein Vater verbringt viel Zeit im Proberaum und auf Tour. Wie viel bekommst Du zu Hause von den Hosen mit?

Jez: Nicht besonders viel. Immer wenn eine neue Platte fertig ist, setzen wir uns zusammen in unsere Kellerbar. Dann werden die Songs zum ersten Mal vorgespielt und vom Familienrat bewertet. Manchmal empfiehlt mir mein Vater auch unbekannte Hosen-Songs von irgendwelchen alten Platten. Das war's dann aber auch schon. Ich höre selber nicht ständig Hosen, auch wenn das alle denken.

Was sind Eure Hosen-Lieblingssongs?

Meg: Ich habe so viele...

Jez: Einen spielst Du mir dauernd vor!

Meg: Stimmt, ich liebe „Ballast der Republik“. Sonst auch noch „Schade, Scheiße“, „Strom“, „Ertrinken“ und natürlich „Hier kommt Alex“.

Jez: „Schrei nach Liebe“ (lacht). Ich habe tatsächlich gar keinen richtigen Lieblingssong.

Es fühlt sich halt doch immer etwas merkwürdig an, wenn man seinen Vater auf einer Platte hört.

Wann hast Du die Band Deines Vaters zum ersten Mal live gesehen?

Jez: Ich kann mich nicht richtig erinnern. Ich glaube, das war mit zwei Jahren bei „Rock am Ring“ – mit riesigen Micky-Maus-Kopfhörern.

Ihr spielt auf der Hosen-Tour zwei Songs von T.V. Smith. Wie ist Euer Kontakt zu ihm?

Jez: Ich habe einige Konzerte von ihm gesehen...

Meg: Und wir haben einmal vor ihm gespielt. Das war unser erstes Konzert!

Jez: Er hat im Dezember 2011 im KuBa in Jülich gespielt, eine kleine Kneipe. Meggie wollte sowieso zum Proben nach Düsseldorf kommen und dann habe ich ihr am Telefon erzählt, dass wir ein Konzert spielen können.

Meg: Ich saß in der Bahn auf dem Heimweg, als ich hörte, dass wir vor T.V. Smith spielen können. Ich bin total ausgerastet, habe mich richtig gefreut.

Meg 'n Jez mit T.V. Smith, 2011

Haben Eure Väter weiter Einfluss auf Eure Musik?

Meg: Wenn wir unten im Keller etwas vorspielen, kommen schon Verbesserungsvorschläge. Die meisten Tipps kriegen wir eigentlich von Mary. Das ist Jez’ Mutter, die früher Gitarristin war. Ich tausche mich natürlich mit meiner Patentante aus, beim Gesangsunterricht.

Wie viele Stücke habt Ihr mittlerweile drauf?

Jez: Insgesamt 15, darunter dreieinhalb eigene. Die eigenen, die fertig sind, heißen „Wishlist“, „Don't Worry“ und „By Myself“. Ein weiterer ist gerade in der Mache. „Wishlist“ hat Meggie zusammen mit ihrem Vater für ein Schulprojekt aufgenommen. Sie ist ein großer Bob-Geldof-Fan und hat über das Live-Aid-Konzert geschrieben, das er organisiert hat. Sie hat das Stück als CD veröffentlicht, auch für einen guten Zweck. Und dann haben wir ihn auf der Tour getroffen...

Meg, wie hast Du das Treffen erlebt?

Meg: Ich habe geweint, als ich vor ihm stand, voll peinlich.

Er war total gerührt von meiner Geschichte, hat sich bedankt und gesagt, dass ihm das viel bedeute.

Es war sehr schön. Ich habe mich richtig gefreut, dass ich die Gelegenheit bekommen habe.

Meg: ...aber wir versuchen, das immer auf unsere ganz eigene Art und Weise zu machen. So dass man fast nicht mehr erkennen kann, von wem der Song ursprünglich ist.

Jez: Es sind ganz unterschiedliche Interpreten, zum Beispiel Dusty Springfield, Kings Of Leon, Lady Gaga, Pink Floyd, Green Day, Foo Fighters, Oasis, Adele und natürlich T.V. Smith. Unsere eigenen Stücke sind eher Pop-Rock.

"Wir haben im Vorprogramm von Cryssis gespielt, der anderen Band meines Vaters."

Wie kam es jetzt eigentlich dazu, dass Ihr ins Live-Set der Hosen gerutscht seid?

Jez: Wir haben im Vorprogramm von Cryssis gespielt, der anderen Band meines Vaters. Das Konzert fand im Haus der Jugend in Düsseldorf statt. Campino, Andi und Kuddel sind vorbei gekommen und haben uns zum ersten Mal live gesehen. Und „The Lion and the Lamb“ hat ihnen wohl ganz gut gefallen.

Was haben die Hosen hinterher gesagt?

Campino hat nach dem Auftritt im Spaß zu uns gesagt: „Ihr müsst die ganze Tour mitfahren, ich nehme Euch zu jedem Konzert mit.“ Wir dachten eigentlich, wir hören nie wieder etwas davon. Er hat dann aber Vom immer wieder angesprochen, dass man das doch wirklich machen sollte.

Jez

Zum ersten Mal dabei wart Ihr dann beim Warm-Up-Gig in Bremen. Wie ist es gelaufen?

Campino: „Ihr müsst die ganze Tour mitfahren”

Jez: Das Konzert fand im Pier 2 statt, ein kleiner Laden, 3.000 Leute. Im Publikum: lauter Hardcore-Fans. Je nachdem, wie unsere Einlage ankäme, sollte die Entscheidung fallen, ob wir wirklich mitkommen dürfen.

Ich stand total unter Schock, weil die Fans so toll reagierten, bin weinend von der Bühne runter. Für mich ist es bis heute das beste Konzert, das wir erleben durften.

Meg

Jez: Hinterher haben die Hosen gesagt: So, jetzt kommt Ihr mit!

Meg: Und so ging's dann von 3.000 auf 27.000 in Bochum, und das zweimal hintereinander.

Die anderen Songs sind Coverversionen...

Im Stadion ist das Publikum ja doch immer ein bisschen von der Bühne entfernt. In Bremen waren sie direkt davor, und wir haben alles unmittelbar mitbekommen.

Wie ist das, wenn man bei einem Stadionkonzert die riesige Bühne betritt?

Meg: Es ist seltsam. Man nimmt das gar nicht richtig wahr. Ich bin vorher immer tierisch aufgeregt, aber sobald ich einen Fuß auf die Bühne gesetzt habe, ist das wie ausgeschaltet.

Jez: Wenn die Hosen den letzten Ton von „Niemals einer Meinung“ spielen und Campino zu sprechen anfängt, bin ich schon immer ganz schön aufgeregt. Meggie ist sicher noch emotionaler. Ich bin auch nervös, versuche aber, das nicht auszustrahlen.

Wie reagieren die Hosen-Fans auf Euch?

Jez: Zum Glück sehr offen. Mittlerweile kennen uns ja auch schon einige, gerade die direkt vor der Bühne. Es hat sich sogar schon ein kleines Ritual entwickelt, dass sich einige auf den Boden setzen, wenn wir auf die Bühne kommen.

Das war der Hammer in Kassel! Erst haben sich zwei hingesetzt, dann drei, dann vier – und später alle. Und dann sind sie alle gleichzeitig hoch gesprungen. Das sah nicht nur toll aus, sondern zeigte, dass sie respektieren, was wir machen.

Meg

Meg, Du bist 16, Jez 14, wie kriegt Ihr Schule und Konzerte unter einen Hut?

Meg: Wir sind nur am Wochenende dabei. Unsere Lehrer unterstützen uns aber auch, soweit ihnen das möglich ist. Einen Tag haben wir auch mal frei bekommen.

In Bocholt wart Ihr mit dabei, seid aber nicht aufgetreten. Warum nicht?

Jez: Wir unterliegen dem Jugendschutzgesetz, dürfen nur bis 22 Uhr auftreten. Weil die Hosen selbst erst um 21:30 Uhr angefangen haben, passte das leider nicht.

Meg: Das Gesetz ist totaler Quatsch. Es sieht ja jeder, dass wir nicht gezwungen werden, auf die Bühne zu gehen, sondern das nur deswegen machen, weil wir Spaß dran haben.

Was sagen eigentlich Eure Klassenkameraden?

Jez: Wir versuchen das Thema eher klein zu halten, erzählen von uns aus nichts davon, weil nicht jeder damit umgehen kann. Lustig ist, dass mir neulich in Bochum ein Klassenkamerad eine SMS schrieb.

„Jez, Ich bin bei den Hosen, und Du warst eben auf der Bühne!“

SMS an Jez

Wie geht es jetzt weiter?

Meg: Es ist eine tolle Chance, die wir durch die Hosen bekommen haben. Wir werden weiter proben, mehr Songs schreiben und wollen dann auf jeden Fall eigene Shows spielen. Ich liebe das Haus der Jugend in Düsseldorf. Dort würde ich sehr gerne wieder einmal auftreten.

Welchen Hosen-Song könntet Ihr Euch noch vorstellen zu covern?

Jez: Wir denken über „Bonny und Clyde“ nach...

Meg: ...oder „Ertrinken“.