Wie kommt man als Winzer zum Rock’n’Roll im Allgemeinen und zum Punk im Besonderen?

So mit 12, 13 – das sind so die ersten Erinnerungen: Ich war in Bingen damals in der Schule und hatte dann schon so ein bisschen was mitbekommen „Okay, da gibt’s irgendwas für die Größeren“, die hören jetzt andere Musik, ziehen sich anders an. Das erste Ding mit Rock’n’Roll war, als die großen Jungs alle mit Buttons rumgelaufen sind mit diesem Kreuz drauf, als Bon Scott gestorben ist. Man hatte irgendwie das Gefühl „Scheiße Mann, da gibt’s was und das ist jetzt vorbei. Das steht für mich selber nicht mehr zur Verfügung“. Dann weiß ich noch, wie ich das erste Geld für Musik ausgegeben habe: Das war eine 25% Minderheitsbeteiligung für „Back In Black“. Also drei Typen, einer mit zehn Mark und zwei hatten fünf Mark und zwei Leerkassetten. Wir konnten das nicht glauben: „Ey, das ist unmöglich, der Typ ist tot. – Doch, das müssen wir jetzt haben.“ Ich weiß noch genau, wie wir das Ding aufgelegt haben: Das ging mit der Glocke los und ich habe gedacht „Scheiße, Kirchenmusik“. (lacht)

Man konnte zu Punk ja auch irgendwie nicht so supergut Jasmintee trinken.

Dann kam wirklich erst Anfang der 80er Punk zu uns. (lacht) Das war wirklich wie ein Schock. Meine Klassenkameraden hörten Supertramp, Barclay James Harvest und Pink Floyd oder so – man selbst hat sich nicht zugehörig gefühlt, man konnte zu Punk ja auch irgendwie nicht so supergut Jasmintee trinken. Diese Ausläufer von Punk, waren für mich so was wie The Clash, das war für mich „große weite Welt“. Das war jetzt nicht so dieses Hardrock-Ding, das war was Neues, die sahen auch anders aus. Das war schon so eine Sache, die man dann sehr intensiv mitgemacht hat. Es hat dann wirklich dazu geführt, dass ich mit 15 von zuhause ausgezogen bin. Das waren kurze, intensive 2½ Jahre.

Und wo hast Du in der Zeit dann gewohnt?

Ich bin dann aufs Internat gegangen, weil ich's zuhause echt vergeigt hatte.

Im Zuge von Punkrock in Bingen…

Ja, das klingt jetzt so blöd, aber man hat natürlich sein eigenes Ding zusammengebastelt und sich mit allen möglichen Leuten angelegt. Man hat eine große Fresse gehabt, man ist sitzengeblieben, man hat einfach gedacht, so muss das Leben jetzt sein. Und das hat dann – Gott sei dank, muss ich jetzt sagen – dazu geführt, dass ich dann nach Bonn gegangen bin und gemerkt habe, dass Punk da ja eigentlich schon lange vorbei war (lacht). Ich war auch eher in so einer Endlosschleife gelandet, und dann kamen auf einmal andere Dinge dazu, die das am Ende glücklicherweise wieder aufgebrochen haben. Für viele Leute, die damals mit dabei waren, war das in der Realität fast tödlich. Da sind viele, viele nie mehr gesehen worden.

Woher hast Du Deine Musik damals bezogen?

Das war so, dass man die Musik eigentlich in der Regel genauso bekommen hat, wie viele andere es heute tun: Man hat sie geklaut. Es gab damals wirklich Kassetten, da hast du nichts mehr drauf gehört, weil die schon 80 Mal ohne Überspielkabel von Lautsprecher zu Mikrofon kopiert wurden. Und fandest es trotzdem gut. Von vielen Sachen hat man gar keine Platten bekommen. Es gab den „Musicshop“ in der Schmidtstraße, der hatte hin und wieder mal Platten besorgt. Das war aber die einzige Quelle, wo man wirklich so die Klassiker The Clash, Dead Kennedys, Sex Pistols – bekommen konnte. Wenn man jetzt heute so liest, was in anderen Städten los war, davon hatten wir damals nie was gehört. Das ist total an uns vorbeigegangen, dafür hat sich im ländlichen Raum keiner zuständig gefühlt. (lacht)

Bei mir lief es teilweise so, dass ich Musik echt nach dem Cover gekauft hab’, weil ich’s nicht kannte. Es gab ja auch ein paar Fanzines, aber die Informationen waren auch dünn da drin. Ich hab mir zum Beispiel einmal, wahrscheinlich die größte Enttäuschung meines Lebens, eine Scheibe von Jean Michel Jarre, die „Oxygene“, gekauft, weil ich gedacht habe, das wäre eine echt harte Platte. Da war vorne ein Totenkopf drauf. Zuhause gab’s dann das blaue Wunder und man konnte das Ding nicht mehr umtauschen. (lacht)

Wann hast Du die Toten Hosen zum ersten Mal getroffen?

Opel-Gang, 1983

82 oder 83. Die haben einmal in Bingen gespielt. Das wurde damals wahrscheinlich vom JUZ organisiert, so einem Jugendzentrumsding. Es gab in Bingen schon auch eine Punk-Band und da hatte man versucht, irgendwie so ein kleines Mehrgruppenfestival zu machen. Ich war 13, 14, das war das allererste Mal, halbvolle Turnhalle…

Was mich damals unwahrscheinlich beeindruckt hat, war, als die Polizei kam. (lacht) Das war so „Oh, jetzt kommen große Jungs!“ und da stand wirklich ein VW-Bus mit vergitterten Scheiben und so und an der Autobahnabfahrt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, aber man hatte Angst, wenn vier Leute mit schwarzen Lederjacken und Stachelhaaren zusammenkamen. Die Hosen, das waren die „großen Leute“ - weil, die hatten schon eigene Lieder und die hatten auch schon eine richtige Platte, was damals auch schon besonders war.„Bommerlunder“ und „Ficken! Bumsen! Blasen!“, das waren eben Lieder, die hat man gesungen, um die Lehrer zu ärgern, das hat nicht besonders viel Tiefgang gehabt, aber dann die „Opel-Gang“… die ist schon bei uns eingeschlagen. Bei „Armee der Verlierer“ hat man auch schon gemerkt „Hoppla, da ist auch ein bisschen mehr“.

Wie kommt man auf die Berufswahl „Winzer“?

Da wirst du reingeboren. Weingutsneugründungen sind außerordentlich selten. Es gibt schon Leute, die kaufen sich, weil sie sehr viel Geld haben, mal so ein Weingut. Aber in der Regel sind das Kinder von Winzern, die wieder Winzer werden wollen. Unser Weingut ist 300 Jahre alt, ich habe als Kind mitgearbeitet und geholfen, da weiß man dann schon, wie das alles läuft. Nur bin ich dann irgendwann von zuhause weg und dann mit Ende 20 zurückgekommen. Bei mir war das eine aktive Entscheidung, Winzer zu werden. Es war nicht so, dass ich von der Schulbank aus dem Kindergarten weg den einzigen Traum hatte, Winzer zu werden. Ich hab mich dafür entschieden, weil ich in meinem anderen Beruf absolut karriereuntauglich war. Ich war nicht diplomatisch genug, konnte keine Seilschaften bilden und so…

Was war Dein anderer Beruf?

Ich bin von Haus aus Mikrobiologe.

Du bist auf einem Weingut zur Welt gekommen und hast Dich dann zwischendurch mal nach etwas anderem beruflich umgeschaut?

Genau. Ich habe Biologie studiert. Das, was lebt, hat mich schon mein ganzes Leben interessiert. Tiere, Pflanzen – das ist schon sehr nah an mir dran. Nachdem ich von zuhause weg war, habe ich dann erst etwas ganz anderes gemacht. Klassisches Biologiestudium, hab dann Mikrobiologie studiert und Biotechnologie gemacht. Irgendwann habe ich dann aber aufgehört, Wissenschaftler zu sein. Du hast die gleiche Ausbildung wie Deine Kollegen, du hast das gleiche Projekt, du hast das gleiche Fußballspiel gestern Abend gesehen, du hast das gleiche Essen mittags auf dem Teller, du fährst zum gleichen Kongress – also es ist alles gleich. Irgendwann geht dir der Gesprächsstoff aus.

Jetzt als Winzer ist das anders: Wenn du mit dem Landarbeiter, der die Rebe schneidet, nicht klarkommst, hast du ein Problem. Und wenn du mit dem Restaurantleiter, der den Wein kauft, nicht klarkommst, hast du auch ein Problem. Und dazwischen musst du mit allen Leuten klarkommen. Es ist menschlich das volle Spektrum. Der Vorteil meines Berufes ist mit Sicherheit, dass du eine unwahrscheinlich hohe Lebensqualität hast.

Warum?

Freie Zeiteinteilung. Aber klar: Wenn Du draußen im Weinberg einen wichtigen Tag zur Bodenbearbeitung hast, musst Du das machen und wenn der Wein abgestochen werden muss, musst Du das auch machen.

Was heißt „Wein abstechen“?

D.h. wenn Du den klaren Wein von der Hefe wegnimmst. Eben Fass anstechen. Das sind eben so natürliche Zwänge, die man hat, man hat aber im Prinzip so gut wie keine menschlichen Zwänge.

Du bist natürlich auch der Chef und Inhaber Deines Weingutes, d.h. Dir kann sowieso keiner mehr reinreden.

Außer der Kunde. Wenn der Kunde sagt „Der Wein schmeckt nicht.“, dann hab ich ein Problem. Aber ja gut, im Prinzip von der Struktur her ist es ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb mit 4 Mitarbeitern.

Wie kann man einem Außenstehenden Winzerei erklären?

Wein machen, so wie wir das tun, ist ein sehr vielfältiger Beruf. Wir fangen an mit einen Berg Dreck, der nennt sich Weinberg, ein Hügel. Da werden dann Pflanzen drauf gepflanzt in Dauerkultur, d.h. die werden über 30, 40, 50 Jahre lang gepflegt. Das hat also im Sommer eine ganz starke landwirtschaftliche, gärtnerische Komponente. Irgendwann werden die Trauben geerntet, gepresst und dann ist man ja im Prinzip mit der Veredlung beschäftigt. Ab dann arbeitet man im Prinzip ähnlich wie ein Koch: Man hat ein geschmackliches Ziel und versucht das zu realisieren. Wenn man den Wein dann fertig hat, muss man ihn noch verkaufen. Das sind also mehrere extrem unterschiedliche Dinge, die man da zusammenbringt. Das macht eigentlich auch den Reiz daran aus.

Es gibt heute in unserem zivilisierten Land fast keine Berufe mehr, wo man von der Pflanze bis zum Endprodukt alles in einer Hand hat.

Wie läuft das bei Euch?

Ich bin derjenige, der das meiste stemmt. Ich hab drei feste Leute, die mir im Weingut helfen plus viele Aushilfen. Wir haben sehr, sehr viel Handarbeit, bei uns werden alle Trauben noch von Hand geerntet, was auch nicht mehr selbstverständlich ist heutzutage. Man kann sagen, ein Hektar Wein – also 100x100 Meter – braucht im Jahr so 1.000 bis 1.200 Arbeitsstunden.

Und wie viele Weinberge habt Ihr?

Wir haben im Moment etwas über 20 Hektar. Das sind 100 Meter x 2 Kilometer. Das verteilt sich dann auf verschiedene Hänge. Das wichtige ist eben, dass die Arbeitskraft im Sommer zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Fläche bringst, das ist eigentlich das Entscheidende.

Insgesamt habt ihr wirklich nur vier feste Mitarbeiter? Das war’s?

Ja.

Und wie viele Flaschen macht ihr pro Jahr?

Wir produzieren momentan 150.000 pro Jahr.

Hört sich jetzt erst einmal nicht wenig an…

Ist klein. Ziemlich klein.

Ihr erntet selber, Ihr keltert selber und füllt das dann auch selber in die Flaschen ab?

Richtig. Also wir haben in der Basis Literflaschen, die machen wir zusammen mit anderen Winzern, wo wir auch Trauben zukaufen. Alles was unter dem Weinguts-Label läuft, also da wo dieser alte Herr auf dem Etikett ist, ist alles der Eigenanbau.

Und wer ist der alte Herr?

Das ist mein sechsfacher Urgroßvater.

Und wie verkauft Ihr Eure Flaschen?

Wir verkaufen die im Prinzip an jeden, der Geld hat. (lacht)

Eure Weine findet man aber nicht im Supermarkt?

Nein, Supermarkt, da bin ich kein Freund von. Weil die Flaschen im Regal stehen und darüber hängt eine Lampe, die macht die Weine fertig, keine Sau kümmert sich drum, keiner erklärt was. Wenn man eine Frage hat, kommt nichts. Also wir verkaufen vornehmlich an Weinhändler, an Restaurants. Wir exportieren weltweit – den „Unplugged“, gibt’s auf allen 5 Kontinenten. Das geht in homöopathischen Dosen in die ganze Welt.

Das ist aber doch ein sehr kleinteiliges Geschäft…

Ja, mühsam. Mühsam, aber auch stabil. Also ich finde das toll, dass wir alle europäischen Nachbarländer bedienen mit unserem Wein. Und ich freue mich wie Bolle, wenn man etwas gemacht hat, wo irgendjemand in Polen glaubt, er braucht da Jahr für Jahr zwei Paletten von. Dann gibt es Märkte, da ist das etwas größer wie z.B. England oder die USA oder Japan, Australien, da ist das mal ein halber Container oder so, aber größer ist das nicht. Weil auch die Leute, die sich für Weine dieser Klasse interessieren, wenige sind.

Man muss sich vorstellen, wenn man jetzt mal an ALDI und so denkt, wo die Masse läuft: Nur vier Prozent der Weine werden in Deutschland zu einem Flaschenpreis von über 5 Euro verkauft. Vier Prozent! Bei uns kostet die Basis 5 Euro. Alles andere liegt drüber. Das heisst, wir sind voll in diesen vier Prozent drin.

Wein und Rock’n’Roll passen nach landläufiger Meinung eher schlecht zusammen, weil das Getränk ein eher konservatives Image hat…

Wenn da jemand zur Tür reinkommt, kriegt der erst mal ein Seminar.

Das stimmt für die meisten Leute. Es ist so, dass Wein bei uns ja unwahrscheinlich viele Barrieren vor sich hat. Das ist ja sogar bei vielen Winzern so: Wenn da jemand zur Tür reinkommt, kriegt der erst mal ein Seminar. Das wäre genauso, als wenn die Hosen beim Konzert erstmal fragen „Könnt Ihr alle Noten lesen – und alle, die nicht Noten lesen können: Raus!“ (lacht) Damit wäre die Halle eher locker gefüllt, sag ich jetzt mal, das wäre dann nicht mehr so dolle…Wein ist aber das Getränk, was ich am höchsten individualisieren kann, da schmeckt ein Weinberg anders als der andere, ein Winzer anders als der andere, ein Weinbaugebiet, eine Traube, alles ist unwahrscheinlich kleinteilig. Deswegen haben viele Leute das Gefühl, ich darf erst Wein trinken, wenn ich das so einigermaßen beherrsche. Das halte ich aber für Bullshit. Deswegen sind wir einen anderen Weg gegangen, das ist einer, der in der Weinbranche extrem umstritten ist, muss man auch sagen. Da kriege auch heute noch richtig Lack für, weil es eben heißt „Lachnummer“, „nicht Ernst zu nehmen“, „Pipi Langstrumpf“-Weingut“, weil wir diesen Weg der extremen Vereinfachung gegangen sind.

Vereinfachung inwiefern?

Wir haben uns immer mehr spezialisiert im Laufe der Jahre auf eine Rebsorte. 90% Riesling. Und alle Weine sind trocken. Wenn du eine Flasche Tesch kaufst, dann weißt du eigentlich, was du kriegst.

Trockenen Riesling.

Ende. (lacht)) Ja. Und bei anderen Weingütern ist das nicht so. Andere Weingüter funktionieren so: man hat erst einmal einen Haufen Rebsorten. Dann macht man rot und weiß, und halbtrocken, trocken, süß. Dann macht man auch Sekt und Gelee oder keine Ahnung was. Man versucht, es so weit wie möglich aufzufächern in der Hoffnung, dass jeder, der zur Tür reinkommt, irgendwas findet, was ihm schmeckt und das kauft.

Wir sind aber den entgegengesetzten Weg gegangen, wir haben uns extrem spezialisiert. Als ich nach Hause gekommen bin, also am Ende meiner Biologenkarriere, war es so, dass das Weingut 20 Jahre lang Dornröschenschlaf gehalten hatte, weil mein Vater noch einen anderen Beruf hatte. Es war wie eingefroren. Wir hatten keine Moderebsorten der 80er und 90er Jahre. Es war irgendwie noch oldschool. Und dann ist man erst einmal hingegangen und hat gesagt „Okay, ich muss jetzt erst all das loswerden, was mich belastet“. Da haben wir erst einmal Müller Thurgau, Scheurebe, Gewürztraminer, alles was sonst noch so angebaut war, gekillt. Wir hatten aber damals schon im Kopf, dass eben diese Riesling-Weinberge, eigentlich der Schatz ist, den man hier findet. Die sind genau zu der Zeit gepflanzt worden, als ich geboren wurde, also ab 1968. Für guten Wein musst Du Pflanzen vorfindest, die schon mal 30, 40 Jahre auf dem Buckel haben. Jemand muss das angelegt haben. Du kannst nicht sagen „Ich will das jetzt…“

”Große Weine kommen in der Regel aus alten Rebstöcken.”

Das heißt, Weinreben müssen ein gewisses Alter haben?

Damit sie eine gute Qualität haben, ja. Es ist so: Eine Weinrebe trägt im dritten Jahr, ganz gute Qualität kriegst du ab dem siebten, wenn ein Wurzelkörper und ein Holzkörper ausgebildet sind – dass es eben Stabilität bekommt – aber richtig abgehen, würde ich sagen, tut’s ab 20. Große Weine kommen in der Regel aus alten Rebstöcken. Das haben wir irgendwie ganz gut gecheckt am Anfang, dass es das ist, worum es hier geht.

Dann kam irgendwann dieser Riesling „Unplugged“-Unfall, den haben wir dann eben gemacht und dass es dann in diese Richtung geht, also dass irgendwann tatsächlich beim Wein Rock’n’Roll rauskommt, das war nicht absehbar.

Ab wann wusstest Du, dass es in die Richtung geht?

Ende der 90er Jahre gab es einen Trend, da wurden auch trockene Riesling-Weine immer fruchtiger, immer süßer, immer mainstreaminger. Da kamen Leute zu mir aus meiner Region „Der Wein schmeckt nicht wie Riesling“. Und ich: „Wieso denn das? Auf den Hängen ist Riesling drauf, ich press die, ich füll die ab – was soll da nicht nach Riesling schmecken? Das geht ja gar nicht, da ist ja nichts anderes drin…“ (lacht) Und dann habe ich irgendwann gemerkt, dass die Leute schon diesen Mainstreamgeschmack als normal empfinden.

Mit der ersten Füllung „Unplugged“ wollten wir einfach nur zeigen „Passt mal auf, Riesling hat Rückgrat, hat Ecken und Kanten und Gräten, ist nicht „Easy Drinking“, das hat schon gewissen Bumms!“ Mit der Namensgebung wars so, in Deutschland war damals bei Weinen alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt war, also musstest du jemanden fragen, ob du das jetzt so nennen darfst…

Wer bestimmt so was?

Weingesetzgebung. Der erste Gedanke, den wir hatten mit Riesling „Unplugged“ war „gefüllt wie gewachsen“ – kann jeder kapieren. Das war z.B. illegal. „Wie gewachsen“, der Wein wurde ja gepresst und der wurde natürlich auch geschwefelt und gefiltert wie alle anderen Weine auch, sonst wäre er nicht transportfähig. Dann sagen vielleicht die Juristen auch zu recht „Das ist Verbrauchertäuschung“. Das ist ja nicht so dieses Naturkind, sondern wir haben ja was dran getan. Dann diskutiert man das mit denen und ich war Gott sei Dank so schlau, dass ich die gefragt hab „Wenn ich jetzt irgendwas nehme, was nichts mit Lebensmittel zu tun hat?“ – Dann bin ich raus aus dem Gesetz, sagten die dann und ich dachte „Alles klar…“ (lacht)

Dieser Begriff „Unplugged“ stand für mich in den 90ern, als das aufkam für „Guck mal, so geht’s ja auch!“. Und das fanden wir eigentlich eine ganz nette Anleihe, als wir gesagt haben „Okay, jetzt lassen wir alles weg.“. Im Fall von Wein heißt das eben ohne Erhöhung des Alkoholgehaltes, ohne Mostkonzentration, ohne Eichenholzaroma, und ohne Süßung. Und das fanden wir eigentlich eine gute Idee. War es ja letztendlich auch.

Riesling „Unplugged“ war der Wein, der das ganze Weingut zuerst umgeworfen und dann wieder aufgebaut hat.

Wieso umgeworfen?

Viele Weintrinker sind unwahrscheinlich konservativ. Vieles hat auch sehr stark mit nationalem Gefühl zu tun. Wenn ich mich geistig in Frankreich zuhause fühlen würde, savoir vivre und so, dann bleibe ich mein Leben lang bei Bordeaux, Bourgogne, Champagne. Da fühle ich mich wohl, das ist so ein nationaler Flair, der da mitschwingt. Das Gleiche gilt für Italien, Dolce Vita und Tomaten-Mozarella-Fraktion, die werden immer Prosecco trinken oder Sangiovese. Das gleiche Gefühl haben Leute für Deutschland. Das war mir aber nicht klar. Jetzt im Nachhinein verstehe ich das schon, aber das war damals wirklich so, das war die Generation Werner Höfer (Anm.: Moderator der sonntäglichen Polit-Talkshow "Internationalen Frühschoppen" in der ARD von 1953-1987). (lacht) Typen in karierten Jacken, die da sitzen, Wein aus spitzen Flaschen trinken und sich gegenseitig die Welt erklären. So stellt man sich mir den typischen Deutschweintrinker vor. Die waren damals natürlich unwahrscheinlich angefressen. Also ein 300 Jahre altes Weingut mit „Unplugged“, das haben diese Leute nicht kapiert. Bauhaus-Etikett, schwarze Flasche, das war ein Angriff auf dieses Kuschelromantik-Ding.

Du hast auf einen Schlag einen Großteil Eurer Kunden verloren…

Ja, das war wirklich hart, die Zeit. Das war ja EIN Wein unter 47 anderen auf der Liste. Wir hatten ja damals eine vollkommen andere Struktur.

Wir haben gesagt „Okay, das ist jetzt EIN Wein, den wir als Signal losschicken“ aber das ist ungefähr so, als wenn Du Steine in eine Scheibe schmeißt. Die ist dann kaputt.

Das ist nicht nur „Machen wir wieder zu“ oder so, dieser „Imageschaden“ passiert und dann schreiben dir Leute „Durch meine deutsche Kehle wird kein Tropfen ‚Tesch’-Wein mehr rinnen“. Schriftlich. Oder „Ich bin so froh, dass kein Amerikaner mehr in Rüsselsheim ist und jetzt fangen Sie an mit Anglizismen“. Oder die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ schaltet sich ein und das geht dann richtig rund. Nur weil man was ausdrücken wollte, was eigentlich ein ganz toller Gedanke ist: Nämlich das deutsche Naturweinprinzip.

Diese Reinheit im Wein ist eigentlich schon was Deutsches. Das wurde hier erfunden. Und die haben das einfach nicht kapiert. Gut, mein Vater ist jetzt auch nicht MTV-Generation oder so was, klar dass die das nicht kapieren. Man kann dann aber auch nicht drei Tage später wieder hingehen und sagen „War alles nur Spaß“.

Der erste Wein, mit dem Du an die Toten Hosen herangetreten bist, war Riesling „Unplugged“…

2003/04 sind wir überall rumgerannt und haben den Wein jedem gezeigt, von dem wir gedacht hätten, den könnte man mal fragen. Wir wollten nicht sterben. (lacht) Und dann haben wir relativ schnell eine aufgeschlossene Kundschaft gefunden. Das war so die Zeit, wo auch Tim Mälzer gestartet ist und so was, wo sich dann natürlich auch vieles in der Küche entspannt hat und da war dann auf einmal neues Publikum da. Genauso sind wir hingegangen und haben gesagt „Hey, die Hosen kenne ich.“.

So ab 98 habe ich auch wieder angefangen, deren Platten zu kaufen. Deren neue Lieder die man im Radio spielte, sprachen mich wieder an. Als ich von dem „Unplugged“-Projekt gehört habe, da hab ich mir gesagt „Okay, die machen eine „Unplugged.“, die kennen den Wein bestimmt noch nicht und das kommt ja im Prinzip vom Gedanken her aus einer ähnlichen Richtung, da können sie glaub ich was mit anfangen.“ – so war das.

Wie ist dann die Verbindung zur Band weitergegangen?

Für mich war das erst einmal unwahrscheinlich positiv, dass sich da überhaupt jemand für interessiert, das ist ja nicht selbstverständlich. Und dann haben meine Frau und ich sie live gesehen bei dem „Abvent“- Konzert in Frankfurt. Da hat man uns Karten gegeben und meine Frau war dann eher so „Naaa, Toten Hosen – ich lass mir keine Bierdose an den Kopf werfen“ und so (lacht). Ich sagte dann so „Nee, alte Oper, ich kenn das, da kannste mit“ und so. Ich fand das dann SO gut. Dass man wirklich was mit anderen Leuten zusammen macht, die aus ganz anderen Bereichen kommen, dass man nicht auf Seins beharrt, sondern dass man wirklich versucht, das zu teilen und trotzdem die Stimmung rüberbringt, das fanden wir unglaublich gut.

Als wir nach Hause gefahren sind, das weiß ich noch, haben wir gesagt „Und scheiße, jetzt hören die auf“. Das war irgendwie so… (lacht)

Das nächste Zusammentreffen gab’s bei Rock am Ring 2008, „Hals & Beinbruch“?

Da wurden wir dann gefragt „Jungs, habt Ihr Lust, mitzumachen?“. Da wird mir meine Frau zustimmen, das war eine der besten Parties unseres Lebens.

Es war ein tolles Konzert nach dem Fußballspiel und dann danach mit dem Biertrinken und Abhängen, das habe ich mir einfach nicht so vorstellen können. Das muss ich ganz ehrlich zugeben. Das war für mich einfach eine Offenheit, das habe ich noch nie irgendwo erlebt. Zwar hab ich auch relativ viel mit anderen Musikern zu tun, aber dass es so abgeht, war für uns toll.

Welche Musik gefällt Dir privat?

Da gibt’s viel. Man verliert da natürlich nie so diese Prägung aus den Jahren damals und ich bin heute noch an neuen Hardrock-Bands interessiert. Airbourne finde ich im Moment großartig. Das ist wirklich noch mal wie frischer Wind, da merkst du: „Hey, der alte Witz funktioniert noch“. Musik, die ich mit Riesenfreude so beim Kochen höre, sind die Beatsteaks oder Smoke Blow, Bands, wo du merkst „Okay, das läuft wirklich mit einer großen Tiefe“.

Dann nach wie vor Klassik – ich hab neulich mal wieder meine CDs sortiert und war überrascht, dass das Meiste, was ich da hatte, Klassik war. Was mich im Moment am meisten interessiert, das sind so Sachen, die die Wurzeln, sagen wir mal, im Traditionellen haben. Zum Beispiel fand ich in den 80ern die Pogues fantastisch! Dass man von so einem Kneipenlied das Ding weiterentwickelt bis zum großen Kino. Bei uns sind immer die Kelterhausplatten wichtig, also die während der Arbeit im Kelterhaus laufen. Die Soloplatten von Mike Ness zum Beispiel. Ich hab Social Distortion immer gehört, wusste aber nicht, dass Mike Ness zwei Soloscheiben gemacht hat. Ich hab die, wieder typisch ländlicher Raum, acht Jahre später entdeckt, ist ja egal, Hauptsache es kommt irgendwann. Ich hab die rauf und runter gehört, weil ich das so großartig finde, etwas aufzunehmen, was irgendwo gewachsen ist und es einfach, in die neue Zeit zu retten.

Bei Wein und Musik gibt es ja durchaus Parallelen. So wie nicht jedes Jahr ein guter Weinjahrgang in die Läden kommt, macht ein Musiker auch nicht jedes Jahr eine gute Platte. Was macht einen erfolgreichen Wein aus?

Beim Wein findest du immer den Jahrgang geil, den du gerade gemacht hast. Weil du hast grad so viel Kraft da reingesteckt. Und es braucht einen gewissen Abstand, um zu merken „Okay, Sonne hat nicht gereicht, es war zu trocken.“ (lacht). Das willst du zuerst einmal nicht sehen. Man kämpft, man versucht das in den Keller zu bekommen und steckt die Energie da rein und hat dann auch erst einmal die Befriedigung, wenn es eingebracht ist. Ich glaub, die Qualität vom Produzenten beurteilen zu lassen, ist fast unmöglich. Bei Wein wahrscheinlich wie bei vielen anderen Dingen auch. Das müssen die anderen beurteilen. Jedes Etikett, was man auf die Flasche klebt, ist ja irgendwo ein Versprechen. Und wenn man klare Ansagen draufschreibt und das funktioniert dann auch, dann ist’s gut.

Was macht für Dich einen guten Wein aus?

Erstens sind halt die Geschmäcker super verschieden, das ist so. Ein guter Wein ist für mich relativ einfach zu definieren: Es gibt Weine, die hab ich irgendwo mal getrunken und da kann ich mich nach 15 Jahren noch genau erinnern, wie die geschmeckt haben. Je länger und präziser diese Erinnerung bleibt, desto besser der Wein. Unabhängig von dem, was er gekostet hat

Wie stark ist denn dann die Konkurrenz und wie hebt man sich als Winzer von den Mitbewerbern im Markt hab?

(grinst) Die Konkurrenz ist sehr stark. Also je höher Du aufsteigst an die Spitze, desto härter wird auch die Konkurrenz. Weil es natürlich nur eine kleine Gruppe von Leuten gibt, die bereit ist, überdurchschnittlich viel für Wein auszugeben. Es gibt wahrscheinlich keine Branche, die sozial so stark reguliert ist wie der Weinbau. Es gibt also ein Ideal: Man ist fleißig, redlich, reißt sich das Herz raus für seine Weine, bleibt sein Leben lang unterbewertet – so eben (lacht), das ist in der Musik doch das Gleiche: Es gibt wirklich Fachzeitschriften für Bands, die keinen Menschen interessieren, aber eine ganz kleine Gruppe interessiert sich dafür. Genauso ist es im Spitzenweinbau auch und man kriegt eigentlich, weil Wein auch Gegenstand von Kritik geworden ist, gesagt, wie man zu sein hat. Wenn man das nicht so tut, dann gibt’s auf die Ohren.

Als deutsche Band ist es unwahrscheinlich schwer, im Ausland erfolgreich zu sein. Wie sieht das im Weingeschäft aus?

Leichter. Es gibt überall Leute, die Wert auf Essen und Trinken legen und die auch zunehmend neugieriger werden. Also wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, wir verkaufen unseren Riesling in Frankreich, hätte ich gesagt „Vergiss es, geht niemals!“ – aber da hat sich unwahrscheinlich viel geändert. Auch die ganzen Nordspanier, diese berühmten Köche, die da auf einmal alles aufgebrochen haben, die auf einmal auch gesagt haben „Hier, kuck mal, Wein vom anderen Stern, deutscher Riesling“. (lacht) Das ist schon toll. Und dann sind Weinanbaugebiete immer auch gute Weinabsatzgebiete. Die Leute haben Ahnung von Wein, sind interessiert und dann kann man also auch Wein in Südafrika verkaufen, Wein in Australien verkaufen… Wein wird ja traditionell schon schön weit gestreut und man weiß auch manchmal gar nicht, was mit den eigenen Produkten im anderen Land passiert. Ich denke, man muss es genauso wie bei einer Band sehen, irgendwann musst Du sagen, „Okay, in Deutschland haben wir das – so und jetzt gehen wir den Schritt WEITER“. Dann erlebt man auch ganz viele neue Sachen. Das ist das Tolle. Also als ich angefangen hab, Wein zu verkaufen, wurde dieser Billigflughafen da in Frankfurt-Hahn eröffnet und auf einmal war für mich London näher als Hamburg. Da bin ich dann auch nach London geflogen, weil das nichts gekostet hat… (lacht)

Das war wirklich so, wir haben da Bartüren eingetreten, haben gesagt „Guten Tach!“ – Am Anfang war das so „Was, wo kommen Sie her? Deutschland? Was wollen Sie? Mir Wein verkaufen? Sind Sie sicher?“. Das war nicht so erfreulich. Und irgendwann ging das los, dass wir gesagt haben „Ja, aber unser Riesling ist trocken, stellen wir mal die Australischen, Elsässischen, Österreichischen wenigstens auf den Tisch, unseren dazwischen und dann gucken wir mal, wie die schmecken.“ und das ging dann immer besser.

Irgendwann waren wir an dem Punkt, an dem was Neues passierte. Da sind auf einmal indische oder pakistanische Restaurants, High End – mit Stern teilweise. Und Du hast keine Ahnung, wovon die sprechen. Vegetarische Hinduküche oder so: Du kennst die Kräuter nicht, kennst die Gewürze nicht, Dann muss man erst mal sagen: „Hey, passt mal auf, Freunde, ich komme aus Deutschland, bei uns gibt es keine pakistanische Gemeinde. Wir haben auch keine Lebensmittelmärkte, wo es so etwas gibt.“ (lacht)Dann rennen die Köche in die Küche, holen den Kram und da merkt man „Okay, jetzt passiert echt was Neues“ und auf einmal – AHA: Funktioniert. Also, nächster Inder. Nächster Inder. Nächster Inder. Und so wächst das so langsam.

„Machmalriesling“: Wie kam die Idee, was ist das für ein Wein?

Der Wein ist ein typischer Tesch-Riesling. Ganz typisch. Ist jetzt zwei Jahre alt, gut ausgereift. Wir hatten vor ein paar Jahren eine Weinpräsentation in Düsseldorf. Esther Kim, die auch bei den „Unplugged“-Konzerten Klavier gespielt hat, sorgte für die musikalische Untermalung, später kamen auch ein paar von den Hosen vorbei. Die Tournee wurde gerade angekündigt und im Lauf des Abends entstand, mehr aus Spass, die Idee zu einem passenden Wein… man müsste irgendwie „Machmalriesling“ machen… alle fanden das gut. Weil dieses „mach mal“ – also jemanden anderen mal machen zu lassen, das war für uns toll. Wir haben viel Energie da rein gesteckt. Diese riesige Alkoholangabe auf dem Etikett, auch das hat für uns eine spezielle Kraft. Alkohol im Wein ist eigentlich immer ein Tabuthema. Wir machen ja keinen „Alkohol“, wir machen ja „gesunde Kulturgetränke“, nur dass die halt auch lustig machen... (grinst), darüber schreibt ja eigentlich niemand. Und ich finde Alkohol im Wein ist auch irgendwo ein Problem. Man sollte Alkohol schon thematisieren. Ist wichtig. Hat Suchtpotenzial. Braucht man auch nicht drüber diskutieren. Das ist irgendwie tabuisiert und wir haben das eiskalt mit ausgenutzt, dass wir sagen „Hier, es geht um Lautstärke, es geht um Volumenprozent.“. Wir dürfen es zwar nicht ansprechen, aber „Bommerlunder“ und „Jägermeister“, – die dürfens. Und deswegen haben wir das so groß draufgeschrieben.

Wenn Du einen Wunsch für die Zukunft frei hättest?

Ich würde mir dann wünschen, dass ich einen Halbtagsjob hätte – und zwar den gleichen, den ich im Moment mache. Die letzten 10 Jahren, das war zum Teil knochenhart, das auf den eigenen Schultern dahinzubringen, wo es jetzt ist. Dass man also die Strukturen hätte und sagen könnte: „Okay, irgendwann geht es auch, dass meine Leute das übernehmen“ und wo man merkt, es muss nicht mehr teilweise mit der Brechstange gemacht sein. Sondern dass man merkt, das Ding hat seine Akzeptanz, es ist auf dem Weg. Als Winzer muss ich mir ja keine Ziele setzen, weil die Herausforderung jedes Jahr ganz automatisch mit dem Wetter kommt. Das Spannende ist eigentlich immer die Beschäftigung mit deiner Umwelt, die du jeden Tag hast und die wird sich in meinem Leben auch nicht mehr ändern. Ich werde nie so reich werden, dass ich aufhören kann, zu arbeiten, es wird immer weitergehen, dass ich mich mit dem Wetter herumschlagen werde¸ das ganze Berufsleben bis zum Ende meiner Tage. Aber es ist manchmal schon leichter, wenn du nicht drei kaputte Traktoren sondern zwei ganze hast (lacht).

Was trinkst Du selber gerne – außer Deinen eigenen Weinen?

Alles. Ich bin also schon sehr breitgefächert… gut es gibt Dinge, die ich absolut nicht mag. Aber es gibt prinzipiell nichts, was ich nicht erst einmal probiere. Dann gibt es natürlich schon Vorlieben. Ich hab schon eine ganz große Vorliebe für Weine aus der Bourgogne, Spätburgunder, Pinot Noir im Rotweinbereich, aber auch Chardonnay im Weißweinbereich. Das ist ein Weinstil, der nicht so viel „Make-Up“ hat: ganz fein, klar, tief. Aber ich trinke auch viel Bier. Es ist heute noch so, dass ich im örtlichen Supermarkt manchmal angemacht werde, wenn ich mir einen Kasten Bier kaufe „Hey, hast Du nicht’n Weingut?“ und ich sag „Ja, doch, aber…“. (lacht) Man darf das nicht vernachlässigen, was die Brauer so machen. Gerade wenn man körperlich arbeitet, gibt es nichts Schöneres, als ein Bier.

Bei Wein ist es für mich fast eine Regel, dass ich eigentlich nur Wein kaufe von Leuten, die ich persönlich kenne, weil man den Menschen dahinter sieht und der ist auch wichtig.

Letzte Frage: Weißwein oder Rotwein zum Fisch?

Kommt auf den Fisch an (lacht). In dem Moment, wo man im Garten Sardinen über den Grill hält, mit ordentlich Knoblauch, vielleicht irgendwie eingekocht mit Tomaten oder Oliven dabei, würde ich niemals Weißwein trinken, weil das einfach viel zu kräftig gewürzt ist für die meisten Weißweine. Wenn man Rotwein zur gedünsteten Seezunge oder Forelle Blau trinkt, dann ist die platt. Es kommt immer auf den Fisch an.

Und dann gibt’s auch Fische, Matjes oder so was, da finde ich, passt wieder überhaupt kein Wein dazu, da gehört Schnaps dazu… (lacht)