Zum Anfang erstmal eine Arbeitsplatzbeschreibung: Was macht eigentlich ein Monitor-Mischer?

Ein Monitor-Mann ist dazu da, Musiker zusammenzubringen, natürlich rein musikalisch. Man könnte sagen, er ist für den Ton auf der Bühne verantwortlich. Nach vorne hin gibt es ja immer ziemlich laute Anlagen. Wenn dann der Sänger mit seiner zarten Stimme ins Mikrophon singt und sich darauf verlässt, würde er aber das Ganze erst hören, wenn es aus der PA raus – und über die Wand zu ihm zurückgekommen ist. Das wäre aber im Zweifelsfall immer etwas zu spät für ihn, weil die Schallgeschwindigkeit nicht die schnellste ist. Das sind ein paar Millisekunden, vielleicht genau die erste Silbe beim Einsatz, und schon hätte er sich versungen. Früher haben sich die Sänger immer ein Ohr zugehalten, damit sie das schädelmäßig intonieren konnten...

Wie entstand denn dann das Berufsbild des Monitor-Ingenieurs?

Irgendwann kam ein findiger Mensch auf die Idee: Wir nehmen einfach eine Box, sägen die ab und legen die mal direkt davor. So wurde der Monitor geboren. Das hat man früher von vorne gemacht, aber irgendwann wurde das so aufwändig, dass man gesagt hat: Da brauchen wir ein eigenes Mischpult für. Die Anforderungen wurden härter, weil die Lautstärken auf den Bühnen größer wurden und dadurch die Rückkopplungs-Gefahr stieg. Das wollte man alles in den Griff kriegen. Und dadurch war der Beruf des Monitor-Ingenieurs geboren.

Das entwickelte sich alles ziemlich genau vor 30 Jahren, und ich war dann der erste in diesem Land, der ein eigenes Monitor-Mischpult hatte.

Was hast Du eigentlich gemacht, bevor Du in der Musikbranche gelandet bist?

Ich bin Linkshänder, da war es ja schwierig, Gitarre zu lernen. Ich weiß gar nicht, wie Kuddel das hingekriegt hat (lacht). Bevor ich zur Musik kam, war ich 100-Meter-Läufer, also richtiger Hochleistungssportler. Bei den Deutschen Meisterschaften 1974 war ich dabei, bin aber leider nicht über den Vorlauf hinausgekommen.

Wenn alles gut gelaufen wäre, hätte ich mir Hoffnungen auf die Olympischen Spiele 1980 in Moskau machen können. Ich habe den verhinderten Lauf dann aber nachgeholt, beim "Moscow Music Peace Festival".

Da bin ich während des Abbaus einfach mal auf die Bahn gegangen, weil ich das einfach mal haben musste, in diesem Stadion!

Warum bist Du denn vor knapp 30 Jahren in den Rock'n'Roll-Zirkus gewechselt?

Ich habe bis heute von Musik eigentlich nur so viel Ahnung, dass ich früher in der Disco immer gerne getanzt habe und Vier-Viertel-Takt und verzerrte Gitarren ganz gut finde. Mich hat dann mal in meiner Heimatkneipe, der Blockhütte in Hannover, ein Typ dumm angequatscht, und da bin ich einfach mal mit auf Tour gefahren.

Nach drei Tagen musste ich dann an irgendein Mischpult ran und habe gesehen, dass ich damit ganz gut zurecht kam.

Zu der Zeit war Hannover ja wirklich Rock-City, da gab es diese ganzen Haarspraybands und Schwermetaller, zum Beispiel die Scorpions, Jane, Eloy, Victory und Fargo.

Ich habe bei Ramses 2 angefangen, der härtesten Besinnungsrockband dieser Zeit (lacht).

Hinter den Kulissen bei "TV Total":
Horst Hartmann & Gerd Knüttel

Wo liegen die Unterschiede zwischen einem Monitor-Mann und einem "Front Of House"-Mischer, als der Du angefangen hast?

Das sind ja alles eher die Selbstverwirklicher, ich sehe mich dagegen jetzt als Servicekraft, als Kellner für die Band. Ich muss sowieso das akzeptieren, was mir die sagen, die auf der Bühne stehen. Natürlich hat jeder seine eigene Handschrift. Schließlich erkennt man ja auch einen guten und einen schlechten Kellner. Ich mache aber auch nie eine komplette Mischung: Dem Trommler reicht es ja, wenn er die Gitarren hört, der braucht keinen Gesang oder der Gitarrist links will die Gitarre rechts haben, aber nicht so laut wie seine eigene. Der Sänger will natürlich mal in erster Linie seine eigene Stimme hören...

Lautet der meist gesagte Satz bei Live-Konzerten deshalb auch "Ich brauche mehr Sound auf dem Monitor"?

Der Job ist prinzipiell schon ein Schleudersitz. Der Monitor-Mann ist relativ oft "schuld", auch wenn die Umstände ganz anders sind. Das ist ein bisschen wie der Trainerjob im Fußball...

Wie verständigst Du Dich während des Konzerts mit der Band?

Man redet natürlich schon vorher miteinander und klärt, was überhaupt nicht gewünscht ist. Bei den Proben wird das dann schon relativ weit ausgetüftelt, so dass man bei der Show nur noch wenig verstellen muss. Während der Show gibt es dann gebräuchliche Zeichen wie Finger hoch oder Finger runter. Ich kann in geringem Maße natürlich auch mal was von den Lippen ablesen, wenn da jemand die Snare lauter haben will. Da muss dann gar nicht mehr gesprochen werden.

Du musst also schon sehr konzentriert sein während eines Konzerts?

Ich gucke relativ selten weg von der Bühne, außer es läuft so geschmiert, dass nichts schief gehen kann. Man muss die Augen schon immer wieder mal rotieren lassen, ob alle zufrieden sind. Nichts ist aus der Sicht der Musiker schlimmer, als wenn da jemand am Mischpult lehnt, abgelenkt ist und nichts von dem mitbekommt, was auf der Bühne schief läuft. Die Jungs sind während einer Show ja auch so angespannt, dass zwei Sekunden eine Ewigkeit sein können. Wenn du ihnen dann signalisierst, dass du sie gesehen hast, hat das eine beruhigende Wirkung. Deshalb ist es natürlich mindestens genauso wichtig, dass sie mich sehen.

Wo ist während eines Konzerts denn Dein Stammplatz?

Ich sitze an der Bühne, gerne auch auf dem Boden, unterhalb der Bühne. Es reicht ja, wenn man meinen Kopf sieht. Ich muss ja dann nur den Arm hochreißen, nicken oder solche Sachen machen. Eine Bühne hat im Schnitt 16 Meter, also bin ich im schlechtesten Fall 16 Meter von einem Musiker entfernt. Das ist aber alles noch überschaubar. Übrigens sitzen die meisten Monitor-Männer, wenn man auf die Bühne schaut, auf der linken Seite. Da sitze ich zwar auch immer, aber dafür gibt es eigentlich gar keinen plausiblen Grund.

Wohin hat es Dich denn aufgrund Deines Jobs in all den Jahren schon verschlagen?

Horst Hartmann & Vom:
"Friss oder stirb"-Tourauftakt in Bayreuth

Ich war noch nie in Afrika... Ich habe es jetzt aber endlich mal nach Australien geschafft, mit den Scorpions. Die Scorpions sind eine der wenigen Bands, mit denen man heutzutage auch noch international ein bisschen rumkommt, besonders im asiatischen Raum und in Nordamerika. Die Hosen grasen ja eher Südamerika ab.

Mitte der 80er war ich mit Falco, Kraftwerk und Nena öfter mal weltweit unterwegs. Japan war zu der Zeit Standard, da musste man immer hin.

Das größte Konzert, an dem ich jemals beteiligt war, das war auch mit den Scorpions, vor 500.000 Zuschauern irgendwo in Indien.

Wie bist Du danach an die Hosen geraten?

Ende der 80er Jahre habe ich sie mal kurz "Front Of House" gemischt, dann kollidierte das immer mit anderen Bands, und 1999 bin ich dann als ihr Monitor-Mann eingestiegen. Seitdem habe ich eigentlich alle Touren mitgemacht, zuletzt zum Beispiel auch die Ostblock-Tour. Bei solchen Club-Touren gibt es quasi alles, was man eigentlich überhaupt nicht mag, angefangen von ganz lausigen Mischpulten. Das sind im Zweifelsfall alles Kartoffelkisten, die man nicht laut genug bekommt. Und dann wird es schwierig, das leiseste Instrument, die Stimme des Sängers, zu verstärken. Wir haben aber noch keinen Gig absagen müssen.

Was sind ansonsten Deine speziellen Bewährungsproben bei den Hosen?

Es gibt öfter mal Probleme, wenn Campino bei ruhigen Stücken leise und tief singt. Da muss man ihn trotz allem noch lauter kriegen, und das ist manchmal wirklich schwierig. Eine ähnliche Problemstellung gibt es, wenn Kuddel eine zweite Stimme singen muss und dabei in einen Bereich kommt, der ihm eigentlich nicht liegt. Da muss man sich halt etwas einfallen lassen. Und manchmal fällt mir auch wirklich etwas ein (lacht). Und wenn nicht, kommt hinterher wieder die Ansage von der Band: "Das war aber scheiße heute, das machen wir morgen aber besser!"

Du warst jetzt auch zum ersten Mal bei einem Magical Mystery Gig dabei...

Das war wirklich mein erstes Wohnzimmerkonzert, letztens in Pirmasens. Da wäre ich von der Technik her eigentlich gar nicht nötig gewesen, aber für Gerd Knüttel ist es einfach etwas angenehmer, wenn da noch ein zweiter Mann dabei ist. Wir wussten zwar, was es da für eine Gesangsanlage gab. Aber ich habe natürlich vorsichtshalber immer ein paar Mikrophone in der Tasche.

Alles, was die Hosen so basismäßig brauchen, habe ich normalerweise in meinem Handtäschchen dabei, zum Beispiel Campinos Stative oder seinen Sender.

Magical Mystery Crew:
Horst Hartmann & Gerd Knüttel in Pirmasens

Generell ist es bei den Hosen aber auch nicht so aufwändig. Da gibt es ja keine Keyboards oder sowas.

Was machst Du eigentlich während einer langen Tour, wenn es dann doch mal etwas Freizeit gibt?

Für mich besteht Abwechslung darin, dass ich einfach mal in die Stadt gehe. Ich gucke mir tatsächlich auch mal ein Museum an. Und an einem freien Tag fährt man auch mal nach Hause zur Familie. Die Partys, die man feiern konnte, sind ja irgendwie auch alle schon gefeiert. Das hat vor 15 Jahren dann doch mal schlagartig aufgehört. Die drei Städte, auf die ich mich immer meisten freue, sind Paris, Hamburg und natürlich Düsseldorf (lacht). Früher hatte ich auch mal mein Fahrrad mit auf Tour, weil ich bis heute keinen Führerschein besitze.

Angesichts der "Friss oder stirb"-Tour: Woran merkst Du, ob ein Abend gut läuft?

Das merke ich dann doch immer noch an den Zuschauerreaktionen. Es gibt ja durchaus bessere und schlechtere Abende, sowohl bei mir wie auch bei der Band.