Esther und Raphael, wie seid Ihr zur klassischen Musik gekommen?

Raphael: Ich habe mit acht Jahren angefangen, Cello zu spielen. Nachdem ich die so genannte musikalische Früherziehung nicht so toll gefunden hatte, war das damals mein erstes Instrument. Ich konnte mich zwischen Klarinette, Horn und Cello entscheiden und fand das Cello einfach am besten. Über den normalen Parcours mit der Musikschule, verschiedenen Lehrern und dem Jugendorchester bin ich ins Lehrerseminar gekommen. Das ist in der Schweiz eine Ausbildungsstätte für Grundschullehrer. Dort hatte ich dann Cellounterricht bei einem sehr guten Lehrer, der mich motiviert hat, eine professionelle Ausbildung zu beginnen. Und die habe ich dann in Frankfurt am Main gemacht

Esther: Ich wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren und erhielt meinen ersten Klavierunterricht mit sechs Jahren bei meiner Tante. Als ich acht wurde, sind wir nach Deutschland immigriert. Mein Vater ist evangelischer Pastor und wurde für die Koreaner in Deutschland eingeladen. Eigentlich wollte er Sänger werden? Tja, so sind die Wege des Herrn.(lacht) Die ersten zwei, drei Jahre waren für mich echt hart: Deutsch lernen und Klavier üben waren mein Tagesablauf. Es stand schon damals fest, dass ich nach meiner Schulzeit Klavier studiere. Was anderes konnte ich ja nicht.(lacht) Die Schule war zwar auch ganz lustig, aber ich wollte eher mit dem Studium anfangen, andererseits wollte ich die Schule nicht schmeißen. Also lief erstmal Beides gleichzeitig. Ich hatte nebenbei Cello- und Geigenunterricht. Und während meines Studiums gab es dann nur noch die Klassik. Alles andere war für mich keine richtige Musik - so dachte ich damals wirklich.

Wann ist die Musik für Euch zum Beruf geworden?

Raphael: Direkt nach dem Studium habe ich angefangen, mich als Freelance-Cellist durchzuschlagen, bin dann auch im Zuge dessen nach Barcelona gezogen. Ich fand es dort nicht nur sehr schön, es war 1997 für jemanden, der noch keine feste Anstellung hatte, auch eine sehr günstige Stadt. Da konnte man es sich erlauben, mit relativ wenig Geld auszukommen und das eigene kreative Potential auszuschöpfen. Ich habe in Barcelona mit sehr vielen verschiedenen Combos aus sehr vielen verschiedenen Stilrichtungen gespielt. Ich bin mit Flamenco, arabischer Musik und total improvisiertem Free-Jazz in Kontakt gekommen. Und ich fand es damals schon cool, mit Bands zu spielen. Das hat also alles irgendwie in Barcelona angefangen.

Esther: Zum Ende meines Studiums jobbte ich überall, um mein Studium finanzieren zu können. Irgendwann fing ich an, verschiedene Künstler zu begleiten, wie zum Beispiel Bintia, Kate Hall, Ronan Keating oder Westernhagen. Was mir am meisten Spaß gemacht hat, war die Arbeit mit Zuccherro. Er war ja ein richtiger Künstler, hatte schon mit den berühmtesten Musikern gespielt, schon so viel von der Welt gesehen. Spätestens da begann ich mich auch für die Popmusik zu interessieren. Ich bedauerte, dass ich mich jahrelang nur mit der klassischen Musik beschäftigt hatte, aber es ist ja nie zu spät! Nebenbei begann ich auch damit, Kinder zu unterrichten. Das ist zwar nicht unbedingt der Job, den ich meine Leben lang machen möchte, aber ich genieße die Zeit mit ihnen sehr.

Wie war denn bislang Eure Beziehung zu Düsseldorf?

Esther: Ich wurde vor langer Zeit in einem super angesagten Schuppen in Düsseldorf vom Chef persönlich angesprochen, ob ich nicht mal dort arbeiten möchte. Warum nicht? Ich hatte schon alles Mögliche bis dahin gemacht. Da fehlte noch der Job in einem coolen Laden - ich wollte ja schließlich meine Laufbahn interessant gestalten. Mein Freundeskreis in Düsseldorf wurde in der folgenden Zeit immer größer, also zogen mein Bruder und ich von Oberhausen nach Düsseldorf. Hier lernte ich die interessantesten Menschen kennen, habe die coolsten Jobs bekommen und seitdem bin ich in Düsseldorf hängen geblieben. Ich bin wirklich viel rumgekommen, aber keine andere Stadt gefällt mir so gut wie diese. Der Chef von dem Laden war übrigens Jochen Hülder.

Raphael: Ich bin zuletzt "aus familiären Gründen" von Barcelona nach Paris gezogen, also weil ich mich in Barcelona in eine Französin verliebt habe. Ich kannte Düsseldorf überhaupt nicht, bevor ich das erste Mal zu den Hosen in den Proberaum gefahren bin. Als Schweizer, geboren in Zürich, aufgewachsen in einem Dorf an der Grenze zu Liechtenstein, war Düsseldorf für mich irgendwie gleichbedeutend mit dem Ruhrpott. Ich habe mir das alles ziemlich grau vorgestellt - und wurde dann eines Besseren belehrt.

Foto Donata Wenders

Esther: Mein Leben wurde mit der Arbeit im mk-2 und anschließend im 3001 interessanter. Und langsam machte es dann die Runde, dass ich etwas Klavier spielen kann. Bevor es richtig losging, bediente ich Campino, Mousse T. und und... Dann kam der Tag, Jochen Hülder, der Big Boss von den Hosen und den Clubs, in denen ich gejobbt hatte, fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit seinen Jungs zu spielen. Er wusste ja dass ich aktiv spiele und viel unterwegs war. Ich hatte mir angewöhnt, mich nicht über ungelegte Eier zu freuen, als dann eines Tages mein Handy bimmelte und Campi dran war. Ich war natürlich sehr cool am Telefon.(lacht) Er lud mich zu einem "Probespiel" ein. Ab da war es für mich real. So zwei bis drei Tage war ich schon nervös und hatte immer wieder die Frage in meinem Kopf: "Kriege ich das hin"? Schließlich hatte ich noch nie mit einer Punk-Rock-Band gespielt, und das dann gleich bei MTV-Unplugged! Na ja, dann kam der Tag. Ich begrüßte alle Hosen, sie legten los und irgendwann habe ich einfach angefangen mitzuklimpern. Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich bis dahin nicht unbedingt viele Lieder von ihnen kannte.

Raphael: Im Frühjahr 2004 war ich in Frankfurt im Studio, um für ein anderes Projekt etwas aufzunehmen. Gleichzeitig war da im Studio auch Peter Schaul, ein sehr guter Freund von Kuddel, der Musik für einen Werbeclip aufnehmen wollte. Kurzfristig hat er mich gefragt, ob ich das einspielen könnte, wo ich eh schon nebenan war. Kuddel hat das dann zu Ohren bekommen und fand es klasse - und wollte dann unbedingt so ein Cello für ein neues Stück haben. Und so habe ich dann "Die Behauptung" für das Album "Zurück zum Glück" eingespielt.

Ich wusste aber anschließend gar nicht, ob das Stück wirklich auf das Album kommt, ob die Hosen also mit meiner Leistung zufrieden gewesen waren. Aber als ich dann die fertige CD von JKP zugeschickt bekommen habe, war das wohl der erste Schritt. Für Unplugged gab es dann so etwas wie eine "Anprobe". Da haben mich die Jungs in ihren Übungsraum eingeladen, damit ich mal ein bisschen zu den akustischen Gitarren spiele. Ich kannte Campino vorher noch gar nicht, so war das wohl auch so ein bisschen ein Abchecken, wie man sich persönlich versteht. Man musste es ja dann auch einige Wochen zusammen aushalten. Das war aber überhaupt kein Problem.

Wie lange habt Ihr mit den Hosen für "Unplugged" geprobt?

Esther: Wir hatten genau einen Monat. Und die Jungs spielten an den Wochenenden auch noch Konzerte, also hatten wir genau genommen weniger als einen Monat. Wir haben bei ihnen im Proberaum geprobt. Jeden morgen trafen wir uns dort. Manchmal vergaßen wir auch mal, zwischendurch was zu essen. Tja, ohne Fleiß kein Preis. Bis dahin hätte ich auch nicht gedacht, dass Rocker auch so fleißig üben.(lacht) Die Band hat uns die Stücke vorgespielt und wir sollten erst mal unsere ersten Einfälle mit einbringen. Das wollte Campi so, weil auf diese Weise ganz neue Ideen entstehen können. Ich hatte immer schon den Wunsch gehabt, Klassik und Rock verschmelzen zu können. Ja, ja, gibt es ja eigentlich schon genug, aber ich wollte mir die Stücke selbst aussuchen können... So entstand dann auch der Anfang von "Hier kommt Alex".

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass der Song dem Film "Clockwork Orange" bzw. dem Hauptdarsteller Alex gewidmet war. Und in diesem Film spielt Beethovens Musik eine große Rolle. Umso größer war die Freude, dass der Song mit der "Mondscheinsonate" von Beethoven beginnt. Zuhause hatte ich die verschiedensten Klassikstücke rausgekramt... Wir hatten aber auch eine sehr wichtige Person, die uns jederzeit zur Seite stand und uns mit neuen Ideen gefüttert hat: Hans Steingen. Die Feinarbeit kam in der letzten Woche. Und das war dann doch sehr anstrengend. Man konnte förmlich sehen, wie die Köpfe qualmten. Aber die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, auch wenn ich dafür früh aufstehen musste.

Raphael: Wir haben den ganzen August hindurch geprobt. Ich bin dann jeweils am Montag von Paris nach Düsseldorf gefahren und am Mittwoch oder Donnerstag zurück. Die Band hatte schon im Frühjahr eine allererste Demo-CD ohne uns eingespielt. Und das war auch die Ausgangssituation, in der Esther und ich dazu kamen. Es gab aber trotzdem Stücke, die dann am Schluss schon etwas anders klangen, aber der Gesamtrahmen war schon von der Band vorgegeben. Mit uns wurde es dann einfach ausgearbeitet: die Details, die Dynamik. Und dazu saß Hans Steingen immer als das "goldene Ohr" im Übungsraum und hat eigentlich immer direkt Feedback gegeben auf unsere Arbeit.

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Welches Stück hat im Vorfeld des Konzerts die größte Wandlung genommen?

Esther: Ich glaube, dass "Bommerlunder" die größte Wandlung genommen hat. Allein der Stil - komplett ein anderer. Ich hatte echt Lust, einen Hut aufzusetzen und eine Zigarre zu rauchen.(lacht) Campi hat besonders viel Wert auf den Song "Nur zu Besuch" gelegt. Da wurde sehr viel rumexperimentiert. Ich konnte ihm schon ansehen, dass er da besonders viel empfand, wenn er dieses Lied sang. Meine Freundin musste weinen, als sie es in Wien live gehört hat. Mal kamen neue Lieder dazu, am nächsten Tag flogen andere raus. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Arbeit es ist, die richtigen Lieder raus zu suchen und dann auch noch in die beste Reihenfolge...

Raphael: Das ist schwierig zu beantworten. Die Stücke, die sich am meisten verändert haben, sind die Stücke, bei denen Hans Steingen noch weitere Arrangements dazu geschrieben hat. Darunter war "Bommerlunder" als Jazz-Version wahrscheinlich das Auffälligste. Zu den schwierigsten Stücken zählte für uns "Nur zu Besuch", was für Campino aber ein ganz zentrales Lied im ganzen Set war. Da hatten wir zuerst auch ganz viele verschiedene Versionen. Und es war auch ein sensibles Thema, was die Auswahl der Instrumente anging. Für mich als Cellospieler ist das zwar kein technisches Stück, aber es hat ganz viele liegende Noten und Doppelgriffe, das heißt: zwei Noten klingen dann gleichzeitig. Beim Live-Auftritt, der trotz der akustischen Instrumente ziemlich laut rüber kam, war es für mich bei "Nur zu Besuch" oder auch bei "Böser Wolf" wirklich schwierig zu hören, was gerade passiert. Ich musste mich die ganze Zeit hundertprozentig auf mein Gehör verlassen, konnte das nirgendwo anders ablesen.

Was ist Euer persönliches Lieblingsstück von den Hosen?

„Wer die Hosen im deutschsprachigen Bereich nicht kennt, an dem geht die Gegenwart wohl spurlos vorbei.”

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Raphael: Wer die Hosen im deutschsprachigen Bereich nicht kennt, an dem geht die Gegenwart wohl spurlos vorbei. Ich kannte die Hosen auch vorher schon, musikalisch aber nicht so sehr. Parallel zu meinem Studium habe ich mal für ein Jahr in der Schweiz an einer Schule unterrichtet. Und da gab es irgendwelche Jungs, die im Musikunterricht Tote-Hosen-Songs singen wollten. Aus dieser Zeit stammt auch die einzige Kassette, die ich von den Hosen besessen habe. Ich hatte damals wohl vergessen, dem einen Schüler seine Kassette zurückzugeben? Weil ich meinen ganzen Umzug nach Paris aber noch nicht geschafft habe, liegt die Kassette aber zurzeit in einer Bananenkiste in Barcelona.(lacht) Ich habe die Hosen aber auch immer auf MTV gesehen, fand das auch immer sehr eigenständig und sehr frisch. Gerade im Vergleich zu dem, was sonst auf solchen Sendern läuft, fand ich das sehr wohltuend. Ein richtiger Fan bin ich aber nie gewesen. Wen ich aus dem klassischen Bereich fantastisch finde, ist Johann Sebastian Bach. Seine Stücke begleiten mich fast täglich. Von der Klangfärbung mag ich auch Debussy sehr gerne. Was ich aktuell gerade höre, ist die Französin Keren Ann, die sehr ruhige Musik macht. Meine All-Time-Favourites heißen derweil Spin Doctors, Beck, Ben Harper, Baby Animals, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Frank Sinatra und Cassandra Wilson. Während meiner Pubertät habe ich vor allem Hardrock gehört, aber von diesen Bands höre ich mir heute fast nichts mehr an.

Esther: Dadurch, dass wir täglich so intensiv und liebevoll mit den Liedern umgegangen sind, liebe ich alle Lieder. Interessant waren natürlich für mich persönlich die Songs, die mit Klavier beginnen. Es gibt den Songs eine ganz andere Farbe. Das war auch so lustig, als ich mal die Jungs nach Wien besuchte. Da haben sie gerade für das Tourfinale in der LTU arena geprobt. Und da habe ich erst ziemlich spät erkannt, dass es "Alex" war, was sie gerade übten... Als ich irgendwann in diesem Jahr gefragt worden bin, wollte ich die Hosen natürlich auch mal live erleben. Ich kannte sie schon, aber ich hatte nie so den Draht zu ihnen. Also, da saß ich in Dortmund in der Westfalenhalle und hatte ungelogen eine Stunde lang nonstop Gänsehaut. Ich war von ihrer Ausstrahlung auf der Bühne überwältigt. Das Publikum hat getobt. Das Ende vom Lied ist, dass ich mit Gänsehaut da raus kam und nicht fassen konnte, dass ich bald mit ihnen spielen werde. Ich habe zwar mit Zuccherro in der Arena di Verona gespielt, wo das Publikum ausgerastet ist, aber dass es auf der Bühne so geile Stimmung herrscht und dass zwischen der Band und dem Publikum kommuniziert wird, hätte ich nicht gedacht. Ist doch echt schade, dass man nicht in einem Klassikkonzert so ausrasten kann! Also, wenn ich Rachmaninoff höre, könnte ich auch toben, aber das ist ja jetzt nicht das Thema.(lacht)

Wie sind die beiden Konzertabende in Wien aus Eurer Sicht verlaufen?

Raphael: Der erste Abend war einerseits schon ein wenig Nervenkitzel, andererseits war da etwas ganz Spezielles in der Luft. Für uns als Band, aber sicher auch für die Zuschauer, war zu merken, dass da etwas Besonderes geschieht. Für mich war es auf jeden Fall sehr speziell. Beide Konzerte sind meiner Meinung wirklich gut gelaufen. Aus meiner ganz persönlichen Sicht als Cellospieler war der erste Abend vielleicht noch ein wenig besser als der zweite. Ich war am zweiten Abend vielleicht eine Spur weniger drin. Möglicherweise täuscht mich aber auch mein Gefühl, und das war technisch ebenso gut. Das Publikum bestand natürlich aus wahnsinnigen Hosen-Fans, die alle super reagiert haben. Am ersten Abend musste den Hardcore-Fans ja erstmal gesagt werden, dass sie nicht so viel Lärm machen wollen, weil sie sonst zu laut über die Mikrophone aufgenommen werden. Ich fand das sehr beeindruckend und trotz der gewissen Größe immer noch sehr familiär. Ein besonderes Highlight war für mich, wenn sich Campino zwischendurch die Zeit genommen hat, dem Publikum etwas mitzuteilen. Man hat da einfach gemerkt, was für eine Persönlichkeit Campino ist und dass er etwas zu sagen hat, ohne zu viele Worte brauchen. Ich fand, dass er seine Rolle als Bandleader sehr gut gespielt hat. Er hat dann ja auch mal ein Statement darüber abgegeben, was in den letzten Wochen überhaupt mit uns passiert ist. Was ich musikalisch letztendlich total cool fand, war "Rottweil" als Abgeh-Stück und "Viva la Revolution", das bei den Proben zwischenzeitlich auf der Kippe stand, dann aber doch gut funktioniert hat. Und natürlich muss man auch "Nur zu Besuch" zu den Highlights zählen.

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Esther: Als ich das erste Mal im Burgtheater stand, habe ich Gott gedankt, dass ich in so einem wunderschönen Theater mit der coolsten und nettesten Band spielen darf und kann. Kennst du das, wenn du irgendwo reinkommst und du einen elektrischen Schlag durch den ganzen Körper spürst und du dir einbildest, du könntest Bäume raus reißen? Gott sei Dank standen da keine.(lacht) Dass man vor einem Konzert nervös und aufgeregt ist, ist normal. Ich stehe auf der Bühne, seit ich ein Kind bin, und genieße meine Nervosität eigentlich. Aber am 1.9.2005 war auch ich das erste Mal unbeschreiblich nervös. Wir hatten alle sehr nasse Hände - auch die Hosen! MTV-Unplugged macht man halt nicht eben mal so. Als dann der Vorhang aufging und das Publikum schrie, wurde mir alle Angst genommen, und ich fühlte mich, als müsste ich vor Glück zerplatzen.

Ein Höhepunkt war natürlich, als Campi durch das Mikro ankündigte, dass die Pianistin heute Geburtstag hätte. Da haben mir alle ein Ständchen gesungen. Und das war das schönste Ständchen, das ich je bekam. Danke dafür!

Beide Abende verliefen aus meiner Sicht sehr verschieden und sehr gut. Der erste Abend war von der Stimmung her nicht zu toppen, der zweite Abend musikalisch besser.

Wie würdet ihr die Zusammenarbeit mit den Hosen beschreiben?

Raphael: Ich fand alles sehr konstruktiv, auch was die Kritik anging. Das fand alles auf einer sehr guten, menschlichen und auch professionellen Basis statt. Wir haben dabei außerdem sehr effizient gearbeitet und das Maximum aus dieser letztendlich doch relativ kurzen Zeit rausgeholt. Immerhin ging es um ein ganz neues Programm in einem neuen Gewand. Ich habe mich die ganze Zeit superwohl gefühlt. Es gab keinen einzigen Moment, in dem ich gedacht habe: ? Scheiße, was geht jetzt hier ab? Das war alles sehr stimmig. Ich habe mich nach diesen paar Wochen fast schon so gefühlt, als wäre ich einer von ihnen. Klar, im Proberaum war es manchmal schon sehr laut und Campino musste manchmal sein Ohr Richtung Cello-Amp drehen, um die Gewissheit zu haben, was da gerade passiert — aber das gehört ja zur Arbeit dazu.

Esther: Das war die schönste Zusammenarbeit, die ich je erlebt habe, und ich habe schon einige hinter mir! Sie sind so ehrlich, damit meine ich, dass sie auch mal zugeben können, dass sie manche Begriffe nicht kennen oder sie sich nicht unbedingt in der Klassik auskennen. Sie hatten uns schon von Anfang an so einen tollen Raum geschaffen, wo wir uns musikalisch richtig austoben durften. Wir waren wer! Unsere Meinungen waren ihnen auch wichtig. Und die Arbeit war professionell. Ich hatte gedacht, dass Punks echte Chaoten seien, aber sie hatten alles im Griff. Breiti war für die organisatorischen Dinge verantwortlich, zum Beispiel wann es wo und für wen Essen gab. Andi, ohne Dich hätte ich zu Hause niemals üben können! Er war immer der Letzte, der den Proberaum verließ, weil er uns die Demos brannte. Kuddel und seine Gitarre! Ständig hatte er was zu klimpern. Wenn ich in den Proben nicht weiter wusste, guckte ich gern zu Kuddel rüber. Vom ist so ein süßer Drummer! Er hielt uns immer auf Trab. Was habe ich gelacht! Immer fröhlich und gut gelaunt. Er strahlt so eine positive Energie aus. Unfassbar. Tja, und Campi ist ein Künstler! 24 Stunden lang schießen ihm irgendwelche Melodien und Texte durch den Kopf. Das soll ihm mal einer nachmachen — und das geht jetzt schon 23 Jahre lang. Ich war noch nie ein Fan von irgendjemandem oder irgendwas. Aber die Hosen haben mich echt überzeugt. Ich glaube, den Schlüssel ihres Erfolges zu kennen, nämlich dass sie nach so viel Erfolg so verdammt bescheiden und freundlich und normal geblieben sind.

Wo kann man Euch in der nächsten Zeit auf der Bühne erleben?

Esther: Ich plane demnächst einen Solo-Klassikabend. Mal sehen, ob ich auch zum Üben komme...

Raphael: Seit 2001 spiele ich bei der Band Glashaus aus Frankfurt. Wir hatten gerade die dritte Tour mit 14 Konzerten in Deutschland. Wir machen deutschen Soul mit irgendwelchen HipHop-Einflüssen, auf der Bühne klingt es dann manchmal auch etwas rockiger. Ich habe außerdem auch noch ein eigenes Projekt laufen und bin gerade dabei, eine erste CD zu editieren. Da hängt jetzt natürlich mein ganzes Herzblut dran.