In „3 Akkorde für ein Halleluja“ sind Sie als Else Stratmann dabei. Warum haben Sie die Kunstfigur, mit der Sie einem größeren Publikum bekannt geworden sind, damals noch einmal wiederbelebt?

Ich habe 1984 offiziell mit der Else aufgehört, bin nur 1988 für die Olympischen Spiele in Seoul noch einmal rückfällig geworden. Nur für die Hosen bin ich mit Lockenwicklern und irgendwelchen fürchterlichen Morgenröcken noch einmal darauf zurückgekommen – und habe mich als Tante von Campino ausgegeben. Das war natürlich völliger Quatsch, das hatten wir uns nur ausgedacht. Da ich aber mit Campino befreundet bin, haben wir das später in Talkshows und in Interviews immer wieder behauptet.

Es schrieben dann einige Zeitungen ernsthaft: „Elke Heidenreich ist die Tante von Campino“. Und die will ich auch gerne bleiben. Ich bin schließlich sehr stolz auf meinen „Neffen“.

Wie liefen 1988 die Dreharbeiten für Ihren Part in der Band-Dokumentation?

Beim Dreh für das Video habe ich ihre Live-Platte in die Hand genommen, auf der hinten die Kinderfotos drauf sind, und habe gesagt: „Nein, watt warn das kleine, liebe Jungs! Und was ist draus geworden? Tote Hosen!“ Christian Wagner, der den Dreh organisiert hat, war der Freund von Evi Seibert, mit der ich bei SWF 3 arbeitete. Der hat eine richtige Spießerwohnung in der Luxemburger Straße in Köln angemietet – mit Tütenlampen überm Tisch und karierter Plastikdecke. Da saß ich dann in meinem wunderbaren Outfit und wir haben gequiekt vor Vergnügen. Was ich dann vor der Kamera erzählt habe, waren natürlich komplett erfundene Sachen. „Danke an Mama für Wäschewaschen“ stand natürlich nicht wirklich hinten auf der Plattenhülle (lacht).

Sie sind in den 50er Jahren in Essen aufgewachsen. Wann haben Sie die Rolle der schnoddrigen Metzgersgattin aus Wanne-Eickel entworfen?

Else Stratmann ist beim Südwestfunk bei SWF 3 entstanden, als wir anfingen, diese „schnelle Welle für junge Leute“ zu entwickeln. Heute würde man wohl Comedy dazu sagen; damals war das so eine Funk-Witzfigur, abgeguckt von meiner Mutter. Meine Mutter war eine kluge Frau, hatte aber nichts lernen dürfen. Sie kam aus einer einfachen Arbeiterfamilie, saß die ganze Zeit vor dem Fernseher und kommentierte alles, mit großem Witz. Und das habe ich mir einfach abgeguckt.

Wenn sie Lady Diana gesehen hat, schrie sie manchmal: „Nein, Kind, sei vernünftig, nimm den nicht! Der lernt zwar König, aber der wird das doch nicht! Die Alte lässt ihn doch niemals ran.“

Meine Kunstfigur hat sich dann natürlich auch mit Politik und Königshäusern beschäftigt.

Wie haben Sie die Toten Hosen wahrgenommen, bevor es zu dieser Zusammenarbeit für die Band-Doku gekommen ist?

Ich habe die Toten Hosen immer geliebt. Natürlich sind mir zuerst solche frühen Sachen wie „Eisgekühlter Bommerlunder“ untergekommen. Ich besitze bis heute alle ihre Platten, zum Teil noch auf Vinyl, zum Teil als CDs. Und ich habe immer in der Zeitung verfolgt, was sie wieder Neues machten, als sie zum Beispiel mit dem Kindersarg als Gitarrenkoffer rumfuhren. Das Lustigste fand ich aber, dass Jungs, die sich Tote Hosen nennen und in Wirklichkeit harten Punk machen, Campino, Kuddel, Breiti, Wölli und Andi heißen, alles wirklich liebe Kindernamen. Und die haben ja auch so liebe Kindergesichter. Ich merkte sofort, dass sie sehr viel mehr als nur Punk können. Sie haben ja auch Schlager, Rap und Volksmusik gemacht, letzteres mit den Biermösl Blosn. Dann bin ich einmal in ein Konzert von ihnen gegangen und seitdem bin ich taub (lacht). Aber auch das habe ich ihnen verziehen. Es war aber wirklich ein unglaublich lautes Konzert in der KölnArena.

Welche Gemeinsamkeiten haben Sie mit den Hosen festgestellt?

Ich habe mich in meinem ganzen Denken den Toten Hosen immer sehr verwandt gefühlt. Die waren ja auch vielseitig, hatten immer andere Gesichter, waren frech und haben die Dinge furchtlos kommentiert. Es gab vom ersten Moment ein Draht zwischen den Toten Hosen und Frau Stratmann. Was mich bis heute mit ihnen verbindet, ist witzigerweise, dass wir uns noch jahrelang nach dem Video zu Weihnachten Briefe schreiben. Breiti schreibt dann immer: „Liebe Tante Else, dieses Jahr zu Weihnachten…“ – und dann bekomme ich entweder ein Gerippe oder einen aufklappbaren Weihnachtsbaum aus Plastik. Und ich schicke ihnen Kekse nach Düsseldorf. Wir haben also über Jahre einen sehr familiären Kontakt gehalten, auch wenn wir uns nicht so oft sehen.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist ihr politisches Engagement. Sie haben zum dritten Jahrestag der US-Invasion in den Irak zum „Tag der Lüge“ aufgerufen. Die Hosen sind bereits in der 80er-Jahre-Doku bei Protestkundgebungen in Wackersdorf und Rheinhausen zu sehen.

Wir alle, die wir etwas wacher sind im Kopf, unterstützen solche Sachen. Und die Toten Hosen waren nicht nur mit dem Lied „Sascha, ein aufrechter Deutscher“ immer auf der richtigen Seite.

Uns ist gemeinsam, in der Politik nicht klein beizugeben und dass wir uns nirgendwo anbiedern oder anpassen. Mir gefällt in dem Zusammenhang auch das Kontemplative an Campino, zum Beispiel wenn sie ihn jetzt prügeln, weil er gesagt hat, er wäre gerne ein Spießer. Ich erkenne darin seinen Witz.

Das ist ja eigentlich genau das, was schon bei Hermann Hesse im „Steppenwolf“ steht: Wild leben und trotzdem neidisch gucken, wenn irgendwo eine weiße Tischdecke liegt und eine Kerze drauf steht. Die Sehnsucht nach Harmonie und die Unfähigkeit, Harmonie zu leben – das verbindet mich auch mit ihnen.

Inwiefern sind Sie bei Ihrer Politisierung von den 68er-Protesten geprägt worden?

Ich habe 1963 angefangen zu studieren, war 1967, 1968 fast fertig – und bin noch richtig reingeraten. 1965 ging es in Berlin eigentlich schon los mit dem Sprechverbot für Erich Kuby. Wir waren alle schon sehr früh sehr politisiert. Und die Hosen waren die nächste Generation, die das aufgegriffen haben, quasi die Kinder der 68er. Denen hatten wir den Weg bereitet, einfach mal kritisch nachzufragen und vor Obrigkeiten nicht in die Knie zu gehen. In der Hinsicht waren sie wirklich die legitimen Nachfolger, obwohl sie als Punks viel wilder waren als wir vorher. Es war aber auch schon bei uns richtig gewesen, es erstmal nach allen Seiten zu übertreiben, um dann so etwas wie Greenpeace, Amnesty International oder die Grünen auf die Schiene zu setzen. Das kommt ja alles aus diesem Gedankengut.

1981 haben Sie als Moderatorin diverser Talkshows begonnen, zum Beispiel als Gastgeberin beim „Kölner Treff“ oder bei „Live!“ Was haben Sie anders gemacht?

"Else Stratmann", bei Olympia '84 im ZDF Studio

Ich war nie glücklich in den Talkshows. Ich habe immer ganz viel Lob und genauso viel Tadel gekriegt. Ich war für die einen die einzige unverkrampfte, ehrliche, glaubwürdige, anständige und respektlose Figur. Für die anderen war ich eine unerträgliche Ziege, die sich schlecht benimmt und die Leute nicht ausreden lässt. Beides stimmte. Es war mir aber auch einfach nicht so wichtig. Wenn ich aber dafür bezahlt werde, um mit Möllemann oder Helmut Schmidt zu reden, dann hole ich auch die Keule raus und halte nicht deren Händchen. Und das hat einigen nie gefallen. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich eine „Transprofessionelle“ bin, die da gar nicht hingehört. Prominente zu befragen, war nie mein Ding. Ich wollte auch selber nie prominent sein. Man sieht mich auch nur selten auf diesen einschlägigen Galas und Events.

Hat Sie irgendwann doch mal einer der Prominenten überrascht?

Heiner Geißler, ausgerechnet. Heiner Geißler kam damals in meine Sendung und hatte diese furchtbaren Äußerungen über die „Friedensbewegung“ und „Auschwitz“ gemacht. Er hatte gesagt, dass uns die Friedensbewegung der 20er so entpolitisiert hätte, dass erst dadurch Auschwitz möglich geworden sei. Er hat sich später dafür entschuldigt. Doch damals war er Generalsekretär der CDU und hat ordentlich geklotzt. Ich hatte mich richtig auf ihn eingeschossen – und ich lernte einen gescheiten, gebildeten und belesenen Mann kennen, der ein wunderbarer Pianist ist und fast Dirigent geworden wäre. Und jenseits aller politischer Differenzen, die wir durchaus hatten und auch noch haben, haben wir uns menschlich und kulturell unheimlich gut verstanden, sind bis heute gute Freunde geblieben und spielen zusammen vierhändig Schubert. Das sind die beiden großen Eckpunkte meines Lebens: vierhändig Schubert mit Heiner Geißler und die Freundschaft mit den Toten Hosen (lacht).

Wie hast Du Campino aus dieser Zeit als Talkgast in Erinnerung?

Ich erinnere mich an mehrere Begegnungen mit ihm, die einfach positiv und schön waren. Irgendwann hat er mir dabei erzählt, dass er regelmäßig zur Einkehr in ein Kloster in Meschede fährt. Dann bin ich da auch hingefahren, und es ist wirklich sehr schön da. Ich habe alle Mönche kennen gelernt und einen Vortrag gehalten. Und die haben mit mir über ihn geredet. Und ich kann sagen: Die schätzen ihn dort alle sehr. Und ich sehe daran auch seine Ernsthaftigkeit. Die sieht man jetzt auch wieder an seiner Theaterarbeit in der „Dreigroschenoper“.

Ich war mir sofort sicher, dass er das hinkriegt, selbst wenn vielleicht einige Töne nicht sitzen. Darauf kommt es bei Mackie Messer aber auch gar nicht an. Und darauf wäre es auch Brecht nicht angekommen.

Campino und Maria Happel bei den Proben zu "Dreigroschenoper". Foto: (Georg Soulek)

Warum passen Campino und Mackie Messer so gut zusammen?

Campino hat die Attitüde, er hat die Gangart, er hat die Lässigkeit. Und mit irgendeinem Charakter muss er ja anfangen. Für Campino kann die Rolle auch eine neue Richtung sein. Er kann ja nicht immer Tote Hose bleiben und nicht ewig mit seiner Band auf der Bühne stehen, aber er kann anfangen, andere musikalische Sachen zu machen, so wie es zum Beispiel Gerd Köster auch gemacht hat. Ich glaube, das ist genau der richtige Weg. Und den sollte er verfolgen. Ich sehe das jedenfalls aus der Entfernung mit großer Freude und werde wohl Weihnachten wieder mal ein Päckchen schicken (lacht).

In den 90er Jahren haben Sie sich sehr erfolgreich der Schriftstellerei gewidmet, sind Bestsellerautorin geworden. Warum hat es Sie 2003 doch wieder zurück zum Fernsehen gezogen, als Moderatorin von „Lesen!“?

Ich wollte mir und allen Anderen noch mal beweisen, dass es möglich ist, eine populäre Büchersendung zu machen. Das „literarische Quartett“ hatte aufgehört – und ich sollte es damals übernehmen, aber ich hatte dazu keine Lust. Ich habe dann vorgeschlagen: Macht doch eine andere schöne Literatur-Sendung – aber da kam nichts. Und dann habe ich gesagt: Lasst mich einfach eine halbe Stunde auf einem Stuhl sitzen und über Bücher reden. Die Leute kennen mich als Else Stratmann, als Talkmasterin, als Bestsellerautorin und als Brigitte-Kolumnistin. Die vertrauen mir. Ich habe die seit 30 Jahren unterhalten und begleitet. Wir haben es dann einfach mal versucht, und es hat geklappt. Jetzt finde ich es sehr schön, dass ich mit über 60 über Bücher reden kann, die Menschen erreiche und ihnen einen Pfad durch den Dschungel der Neuerscheinungen bahne.

Es fällt auf, dass Sie stets klare Prinzipien hatten und haben. Das Motto in Ihrer Büchersendung lautet zum Beispiel: „Was nicht gefällt, wird nicht besprochen.“

Wir haben halt nur 30 Minuten, sechs oder sieben Mal im Jahr. Wenn ich in den 30 Minuten ein Buch auseinander nehme, haben die Leute und ich nichts davon. Ich will sie ja ans Lesen bringen und nicht davor warnen. Es wird mir zwar vorgeworfen, dass ich eine Art Zensur ausübe, weil ich die Sachen weglasse, die ich nicht mag. Aber solche Bücher kann ich besser in irgendeiner Zeitung besprechen, was ich ja auch lange genug gemacht habe, im Spiegel und in der FAZ. Da kann ich schreiben: „Das Buch ist gründlich missglückt, weil…“ und alle üblichen literarischen Kriterien anwenden. Die Sendung heißt aber nun mal „Lesen!“ und deshalb gibt es dort auch nur Empfehlungen.

Ist der Eindruck also richtig, dass Sie einen sehr unbestechlichen Charakter haben?

Das liegt an meiner Erziehung, und das kann nicht auch nicht ändern. Das war schon bei SWF 3 so: Da gab es Moderatoren, die sich von der EMI schicke Stereoanlagen in ihr Auto einbauen ließen, damit sie die EMI-Platten im Auto hören konnten. So etwas verpflichtet dann aber auch. Irgendwann sagen die: Warum sind unsere Scheiben nicht in den SWF-3-Charts? Ich habe so etwas nie gemacht. Ich schicke sogar die Kisten Wein zurück, die mir Verleger schenken, wenn ich ein Buch von ihnen gut besprochen habe.

Ich schreibe ihnen dann: Macht ihr Euren Job, ich mache meinen. Wenn man bestechlich ist, ist man verloren.

Wir sehen das ja an unseren Politikern, an der ganzen Korruption, gerade hier in Köln. Die Glaubwürdigkeit ist das kräftigste Pfund, mit dem ich wuchern kann. Wenn ich mir die irgendwie kaputt mache, kann ich einpacken. Wir sehen es aktuell an Günter Grass. Es kommt doch alles raus, was man verschweigt oder unter den Tisch kehren will.

Für Ihren Kampf gegen den Slogan „Geiz ist geil“ haben Sie einen Journalistenpreis bekommen. Was missfiel Ihnen an dem Spruch?

Geiz ist überhaupt nicht geil, Geiz ist armselig und kleinkariert. Stelle ich mich vor einen Bettler hin, sage „Geiz ist geil“ und gehe weiter?

Sparsamkeit ist vielleicht geil, aber Geiz ist eine Todsünde. Ich finde diese Reklame nach wie vor empörend und hätte mir gewünscht, dass mehr Leute etwas dagegen gemacht hätten. Ich wünschte mir, dass Campino ein Lied macht, das den Titel hat: „Geiz ist gar nicht geil“.

"Geiz ist überhaupt nicht geil, Geiz ist armselig und kleinkariert."

Welche Werte würden Sie der Jugend stattdessen empfehlen?

Ich kann nur sagen, dass man in sich reinhört und so ehrlich wie möglich ist, was man vom Leben erwartet. Will ich Familie und Kinder, will ich Künstler sein und frei leben? Will ich Ruhm, will ich einen guten Beruf, will ich die Welt sehen? Und sich dann trauen, auf diesem Pfad zu gehen, mit allen Opfern, die das kostet. Und nicht zu sagen: „Ach, hätte ich doch…“ Und dabei so ehrlich und anständig wie möglich zu bleiben und sich nichts von anderen Leuten vormachen zu lassen, die denken, sie wären besser als wir. Nachfragen, wählen gehen, Politik machen, denken, lesen, das Weltbild erweitern, Freundschaften pflegen.

Ich wollte immer etwas mit Musik und Büchern zu tun haben – und das habe ich jetzt. Ob das jetzt toll ist, sei dahin gestellt, aber es ist mein Leben.

Als erklärte Lieblingsband von Ihnen gelten Element Of Crime…

Ich mag die wahnsinnig gerne. Ich habe die Toten Hosen immer gemocht, aber ich habe sehr gestaunt, dass plötzlich eine andere deutsche Band kam, die sehr, sehr gute Texte hatte, perfekt instrumentiert, mit toller Posaune. Die Texte waren literarisch richtig gut. Und weil mir die Musik auch gut gefiel, habe ich Teile davon sogar als Erkennungsmelodie für meine Sendung genommen. Ich habe ihren Sänger Sven Regener auch mal kennen gelernt, der ja nebenbei ein guter Schriftsteller ist und zum Beispiel „Herr Lehmann“ geschrieben hat. Das ist aber auf Deutschland beschränkt. Weltweit stehe ich schon noch auf John Mayall, Leonard Cohen und Bob Dylan, bin in den letzten Jahren aber sehr zur Oper abgedriftet.

Sie schreiben seit 1958 Tagebuch. Wie läuft dieser Prozess bei Ihnen ab?

Ich schreibe da einfach rein, was los ist. Früher stand da vor allem immer drin, wen ich geliebt habe, ob er angerufen hat und ob er mich geküsst hat. In der Studienzeit waren es dann mehr politische Sachen, später, was ich gelesen und erlebt habe. Heute notiere ich mir nur noch, wie ich irgendeine Premiere gefunden habe, mache mir aber immer noch ein paar Notizen, weniger aus dem Privatleben.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Campino schreibt auch Tagebuch, seitdem es die Toten Hosen gibt. Hätten die Erinnerungen das Potential für ein Buch?

Bei ihm könnte das eher Stoff für ein Buch sein als bei mir. Er ist ja immer draußen unterwegs, in den großen Hallen. Ich glaube, dass er eine Menge bundesrepublikanischer Wirklichkeit erlebt hat, wie sie angefeindet wurden, als sie Erfolg hatten, welche Seite des Erfolgs sie mochten, welche nicht. Weitere Themen wären: Die Ruhezonen, die er sich gesucht hat. Das Älterwerden und wie man das als Punk wegsteckt. Und da er schon eine Schwester hat, die sehr schöne Geschichten schreibt, kann er das bestimmt auch. Ich fände das ganz wunderbar, wenn er das machen würde und würde es auch gerne lesen.

Zum Schluss noch eine Buchempfehlung für die User dieser Homepage?

Ich empfehle „Das Buch der Katastrophen“ von Hermann Harry Schmitz – aus Düsseldorf. Er hat sich mit 33 Jahren umgebracht, weil er sagte: „Sonst hätte ich mich ja nur tot gehustet.“ Der Industriellensohn aus Düsseldorf war immer schwindsüchtig, mager und melancholisch. Und er war eigentlich auch ein Punk, der gut zu den Toten Hosen passt. Er wollte nicht so sein wie seine Eltern, ist ausgebüchst und hat in seltsamen Kaschemmen und Cabaretts ulkige Texte zum Besten gegeben. Es geht um den ganzen Wahnsinn bürgerlichen Heldenlebens und alle Beobachtungen sind heute noch gültig. Man lacht sich kaputt, aber eigentlich ist alles sehr traurig. Dieses Buch passt meiner Meinung nach literarisch sehr, sehr gut zu den Toten Hosen.