Du hast schon Cover für Such A Surge, Krupps, Philipp Boa, Rammstein und Element Of Crime entworfen. Welche Rolle spielt für dich das Image einer Band?

Davon wird man natürlich unterbewusst beeinflusst. Wenn sich eine Band schon in irgendeinem Bereich etabliert hat, wäre es auch Quatsch, alles umzukrempeln und zum Beispiel zu sagen: Ihr werdet jetzt auf hart getrimmt. Es würde keinen Sinn machen, wenn Element Of Crime plötzlich nur noch Slacker-mäßig mit zerschlissenen Jeans und fettigen Haaren rumliefen. Ich versuche als Grafiker adäquat auf die einzelnen Musiker zu reagieren. Dass man sich ein neues Image zimmert, kommt eher im Popsternchen-Bereich vor. Bei eigenständigen Musikern ist das schwieriger. Image ist natürlich auch immer ein schwammiger Begriff. Ist das die Musik, sind das die Videos? Das hat natürlich ganz viele Facetten.

Wenn du jetzt mit einer neuen Bands arbeitest, welchen Wissensstand brauchst du dann über die?

Ein Baustein ist sicherlich: Was hat die Band vorher gemacht? Der nächste: Wie klingt das, was sie vorher gemacht haben, und wie das, was sie gerade machen? Der dritte: Wie ist der neue Albumtitel und in welche Richtung geht es? Da fließt dann ein, was man von der Band schon früher mitbekommen hat und was sich aus Gesprächen mit den einzelnen Musikern ergibt. Man erarbeitet sich sozusagen ein neues Bild von der Band, wobei mir ”arbeiten“ etwas zu angestrengt klingt. Ich verlasse mich eigentlich immer auf mein Bauchgefühl.

Was macht deine Technik aus? In deinem Kunstbuch "Spark" sieht man, dass meistens Fotografien die Grundlage bilden.

Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass ich mich als Zeichner nicht besonders hervor tue (lacht). Ich habe schon früher viel fotografiert, auch Bandfotos gemacht. Deshalb ist das Foto auch heute noch der Ausgangspunkt meiner Arbeit, zu fast 90 Prozent. Der Film, der bei mir im Kopf abläuft, startet an diesem Punkt. Was ich außer dem Fotografieren schon auch sehr gerne mache, ist Gespritztes, Gesprenkeltes oder Geschmiertes, also eher rohe Sachen. Um erkennbar illustrativ zu werden, müsste ich mit Zeichnern zusammen arbeiten. Und wenn ich mit anderen Fotografen zusammenarbeite, versuche ich schon vorher eine ungefähre Vorstellung zu entwickeln. Sonst kriegt man im Zweifelsfall so originelle Motive geliefert wie: Musiker im Kino, Musiker im Café oder Musiker vor der Wand.

Blackmail – Friend or Foe?, 2003

Du verwendest außerdem auch spezielle Drucktechniken. Wie ist der Schriftzug der Single ”Ich bin die Sehnsucht in dir“ entstanden?

Schriften entstehen mit Pinsel, Stift, Kleber oder auch mal mit dem Computer. Dieser Schriftzug ist zum Beispiel handgemalt. Jeder Buchstabe ist mit Pinsel auf einen Din A4-Bogen gezeichnet, dann einzeln eingescannt und zusammengesetzt worden. Bei der Live-DVD bestehen die Buchstaben aus Packklebeband; jeder Buchstabe ist mit einem Packkleberoller auf Din A4-Papier ”geschrieben“ worden. Bei ”Zurück zum Glück“ ist es eine ganz normale Satzschrift, die es im Computer gibt. Hier sind dafür die Farbkleckse ein handgemachtes Element. Und es passiert dann eben relativ häufig, dass ich eine Montage aus diesen analogen Elementen und digitalen Bildern anfertige.

Wie baut man sich eine Campino-Schablone, wie du sie für die Single ”Friss oder stirb“ verwendet hast?

Wir haben ein Foto von Campino genommen, dieses verhärtet und dann am Rechner nachgezeichnet. Die entstandene Schablone ist dann ausgedruckt, ausgeschnitten und gesprüht worden. Und das Ergebnis haben wir dann eingescannt, um das Cover fertig zu machen. Die Schablonentechnik ist durch die Streetart zuletzt wieder sehr populär geworden, findet sich sogar in Galerien wieder, aber eigentlich hat sie eine ganz lange Tradition. Ich finde das aber durchaus schön, dass sich damit jetzt auch auf der Straße ausgedrückt wird. Und natürlich ist auch das Grafik-Design über die Jahre immer wieder aktuellen Trends unterworfen. Mal ist es chaotisch-wild wie bei David Carson, mal ist es wieder sehr sachlich, zurück zur Helvetica.

Wer waren deine Vorbilder im Grafik-Design?

The Pixies – Doolittle, 1989

Aubrey Powell und Storm Thorgerson von Hipgnosis, die in den 70er Jahren sehr konzeptionelle Cover-Geschichten für große Rock-Bands gemacht haben, auch immer auf Fotos basierend. Da gibt es zum Beispiel das fantastische Cover zum Pink-Floyd-Album ”Animals“, das ich übrigens noch nie gehört habe. Die haben die Battersea Power Station in London genommen und zwischen den Türmen ein aufblasbares rosa Schweinchen in die Luft steigen lassen. Sie haben damals eine unglaubliche Vielfalt an surrealen Bildideen geschaffen, und dabei lief das damals alles noch komplett analog, also das ganze Überblenden, Schneiden und Fotografieren. Klasse finde ich auch nach wie vor alle Arbeiten von Vaughan Oliver, der sehr viel für die Pixies gemacht hat.

In den 70er Jahren erschienen die Alben noch ausschließlich auf Vinyl. Hättest du manchmal gerne auch etwas mehr Platz für deine Arbeiten zur Verfügung?

Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Plattenindustrie damals nicht auf die Idee gekommen wäre, die CD in einem Jewel-Case zu verpacken. Es müsste für mich aber auch gar nicht so viel Fläche wie bei der LP-Hülle sein. Ich würde mir ein 10-Inch-Format mit Buch-Charakter wünschen, also etwa 25 mal 25 Zentimeter. Das wäre eine handliche Größe. Was ich bei der CD wiederum sehr schön finde, ist das Booklet. Dadurch hat man die Möglichkeit, mehr Bilder und Bildinformationen unterzubringen als das früher der Fall war. Früher setzte sich eine Platte ja meistens aus zwei Bildern zusammen: aus der Vorder- und der Rückseite.

Ein gut gemachtes Booklet gilt heutzutage sogar als Kaufargument für eine CD.

Da der Mensch für mich nach wie vor ein Jäger und Sammler ist, glaube ich daran, dass Fans das Produkt in der Form im Schrank stehen haben möchten, wie es von der Band autorisiert wurde. Es wird aber sicher auch immer Leute geben, die damit begnügen, das Ganze billig herunterzuladen. Im Vordergrund steht allerdings zum Glück immer noch die Musik. Wenn die Band keinen interessiert, dann reißt das ein aufwendiges Digi-Pack auch nicht raus. Wenn man aber eine Band ist, die bereits viele Fans hat, scheint es mir der richtige Weg zu sein, eine wertige Verpackung anzubieten. Für 15 Euro darf auch ruhig mal was geboten werden.

Wie bist du eigentlich zur Musik als dein bevorzugtes Thema gekommen?

Ich habe mit 12 Jahren angefangen zu fotografieren und 1979, 1980 im Zeitalter von Punk und New Wave eine kleine Band gegründet. Da habe ich dann auch mal ein Fanzine gemacht und für befreundete Bands Kassettenhüllen gestaltet. Wir haben außerdem Platten aus England importiert, Touren für die Television Personalities oder The Jesus & Mary Chain organisiert und zusammen mit einem Hagener Independent-Plattenladen Bootlegs herausgebracht. Weil der Plattenladen bei allen Vertrieben Schulden hatte und die ihm nichts mehr ausbezahlt haben, gehörte mir plötzlich ein Viertel von dem Plattenladen.

Hast du damals auch weiter selbst Musik gemacht?

Die Bands, an denen ich im Laufe der Jahre beteiligt war, hießen Fenton Weills, Die sauberen Drei oder Tag der Milch. Ein Kumpel von mir hat 1983, 1984 ein Konzert mit den Toten Hosen in unserem Heimatort Altena in Westfalen organisiert, also in der absoluten Frühphase. Da haben wir dann mit den “sauberen Drei“ im Vorprogramm gespielt, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich habe die Hosen aber sogar noch früher live auf der Bühne gesehen; da galten sie noch als die Nachfolgeband von ZK. Wir sind damals zu zweit nach Düsseldorf gefahren, das angekündigte Konzert fand dann aber in Neuss statt. Und ich kann mich noch dunkel daran erinnern, dass wir zusammen mit Jochen Hülder in irgendeinem Bus hingekarrt wurden.

Wie bist du vom Plattenladen aus im Grafik-Design-Büro gelandet?

In Extremo, 2003

Ich hatte für unser kleines Label mal hier ein Etikett, mal dort ein Tourposter entworfen. Und irgendwann stand dann Philipp Boa, der auch aus Hagen stammte, bei uns im Plattenladen und fragte mich, ob ich nicht seine neue Single gestalten wolle. Zum Glück hat er dann ein Jahr später einen Plattenvertrag bei der Polydor bekommen und dann ging es darum, ein Album-Cover zu entwerfen. Das habe ich natürlich gemacht. Und plötzlich gab es auch Geld dafür. Ich habe dann parallel noch eine Ausbildung zum Siebdrucker gemacht. Und als die Siebdruckerei pleite machte, habe ich mich 1989 selbständig gemacht.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Hosen?

Mein Kontakt war zuerst vor allem Andi. Bei der ”Reich & Sexy II“ gab es damals bereits eine Grundidee, das Gursky-Foto mit den 100 nackten Frauen. Meine Arbeit bestand also zunächst eigentlich nur aus dem Grafik-Design. Dann habe ich mit Andi telefoniert, und er meinte, dass er sich mal etwas Gesprühtes vorstellen könnte. So entstand dann plötzlich das Cover für die ”Friss oder stirb”-Single. Und auch vor der "Zurück zum Glück" gab es keine grundsätzliche Richtungs- und Findungsphase. Da haben wir wieder nach einem Telefonat kurzfristig eine alte Idee aufgegriffen. Es hat einfach funktioniert, und was ich machen wollte, traf offenbar auch den Nerv der Band. Das war also ein geradliniger Prozess ohne zu viel Herumgeeiere.

Wie sieht so etwas bei anderen Bands aus?

Element Of Crime haben zum Beispiel auch einfach gesagt: ”Mach mal!“ Da habe ich dann eine komplette Fotoproduktion durchgezogen, ohne dass wir vorher darüber gesprochen hätten - und es hat ihnen hinterher gefallen.

Ich habe aber auch schon die absurdesten Argumente gehört, wenn ich den Nerv nicht getroffen hatte. Spitzenreiter auf diesem Gebiet sind die Scorpions. Da wurde für unser Meeting nicht nur ein Konferenzraum im Hyatt Hotel angemietet, sondern da lagen dann auch 60 Entwürfe rum. Die sind aber trotzdem nicht fündig geworden, haben alles noch mal mit einem Kunstprofessor durchgekaut - und der hat ihnen dann einen meiner Entwürfe empfohlen. Plötzlich fanden dann auch die Scorpions diesen Entwurf weltklasse und bei mir hat kurz darauf das Telefon geklingelt.

Zum Abschluss: Was sind deine drei Lieblings-Platten-Cover aller Zeiten?

Joy Divison – Unknown Pleasures, 1979

Pink Floyd – Animals, 1977

Pink Floyd – ”Animals“

Joy Divison – ”Unknown Pleasures“

The Pixies – ”Doolittle“