Was sind Deine ersten musikalischen Erinnerungen an Düsseldorf?

Ich erinnere mich an das stundenlange Warten in der Philipshalle. In den 70er Jahren musste man bei Jethro Tull schon mal bis 23 Uhr warten, bis sich irgendwas bewegte – und das nur, weil irgendwelche Lampen oder Vorhänge fehlten. Bei Emerson Lake & Palmer haben die Leute einmal sogar bis 1 Uhr gewartet, nur weil ein Sattelschlepper irgendwo hängen geblieben ist. Dabei waren längst alle Instrumente da, die hätten also auch ohne ihren Bombast spielen können.

Es wurde einfach jedes Jahr teurer, es wurde jedes Jahr gigantischer, und es wurde jedes Jahr beschissener. Deshalb ist es dann auch zu so einem Aufbruch gekommen. Die Kiddies waren damals echt sauer.

Wie bist Du zum Punk-Rock gekommen?

Ich hatte eine Interrail-Karte und bin nach Skandinavien gefahren. Nachdem aber in Kopenhagen mein Zelt von Ameisen in Beschlag genommen worden war, habe ich meine Klamotten in einen See geworfen und bin wieder nach Hause gefahren. Ich hatte aber noch eine Woche auf dem Interrail-Ticket gut. Da bin ich nur mit einem Handtäschchen zum Hauptbahnhof und wollte nach Amsterdam, Paris oder London. Der erste Zug, der kam, fuhr nach Oostende. So stand ich dann mit meiner Latzhose und meinem Schnäuzer 1975 in London. Und dann bin ich in irgendeinen Club gegangen, um eine Band zu sehen. Wie sich später herausstellte, waren das Dr. Feelgood.

ZK 1980

Wie hast Du das Konzert erlebt?

Das hat wirklich einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, da ging es total ab. Johnny Moped hat einen Tag später gespielt. Eddie & The Hot Rods habe ich auch noch gesehen. In London standen damals schon überall diese Menschen mit Anzügen und Badges vor der Bühne rum. Zurück in Deutschland habe ich mir dann noch einmal ein Konzert von Pink Floyd in der Dortmunder Westfalenhalle angeschaut – und danach wusste ich, dass ich genau das nicht mehr wollte.

Wie lange hat es gedauert, bis Du Deine eigene Band hattest?

Ich habe in der Altstadt immer im Creamcheese oder in der Miezi rumgehangen. In meinem Stadtteil Flingern gab es ja nur Fußball und Prolls. Plötzlich wechselten aber alle rüber in den Ratinger Hof. Mein Plattendealer saß zu der Zeit auch in der Altstadt, in der Kapuzinergasse. Der bekam plötzlich dauernd irgendwelche Platten aus England geschickt, die er aber unhörbar fand. Dadurch habe ich viele frühe Punk-Singles für kleines Geld bekommen. Ich wollte mir dann einen Bass kaufen, da sagte aber meine damalige Freundin zu mir: "Der Freund von meiner Freundin spielt in einer Band, und die suchen einen Schlagzeuger."

Das waren dann ZK, die Vorgänger-Band der Hosen...

Ich bin zum Proberaum am Kittelbach gefahren, und da saßen dann Isi, Dieter, Ingo sowie Campino und Andi. Ich konnte zwar kein Schlagzeug spielen, aber die hatten schon einen Auftritt in einem Kirchenportal in Neuss-Holzbüttgen festgemacht. Da bin ich zu einem Laden am Hauptbahnhof gefahren, habe 1000 Mark auf den Tisch gelegt und mir eine billige Nippon-Kiste gekauft.

Claus Ritter von Male hat mir die Grundbegriffe beigebracht – und den ersten Auftritt dann doch lieber selbst gespielt.

Ich bin dann ein paar Wochen später beim Sauhatz-Festival im Okie-Dokie eingestiegen. Dadurch kam es dann zu diesem typischen ZK-Rhythmus, diesem uffta-uffta. Andi war damals schon der beste Freund von Campino und wäre vielleicht auch in die Band eingestiegen. Er ist aber dann für ein Jahr als Austauschschüler nach Amerika gegangen. Und wir haben bei seiner Abschiedsparty im Keller seiner Eltern gespielt.

ZK-Cover 1980

Waren die Eltern nach der Party froh, dass Andi erstmal für ein Jahr weg war?

Seine Eltern waren eigentlich immer sehr aufgeschlossen. Campinos Vater war eher das Problem. Der war wirklich sehr, sehr streng. Ich war ja auch eher der Fußballproll aus Flingern, der immer gesagt hat, was er dachte. Mein Vater kam aus einer ganz anderen Liga, da gab es auch noch den Rohrstock zu spüren. Das war in Campis Elternhaus ganz anders. Ich habe mich da eigentlich immer bemüht, gar nichts zu sagen, sehr höflich zu sein und auch mal eine Tasse Kaffee zu trinken. Ich habe einfach alles mitgemacht, damit Campi rauskam aus der Hütte. Ich musste ja damals immer mit dem Wagen herumfahren, weil ich schon 22 Jahre war und als Einziger einen Führerschein besaß. Einmal hatten wir samstags ein Konzert in Augsburg. Da kam Campis Vater und schrie mich an:

"Fabian, kommen Sie mal her! Wenn mein Sohn morgen um 14 Uhr nicht zu Hause ist, dann können Sie alles vergessen! Der muss für die Schule üben."

Was war Campino denn als 15-Jähriger für ein Typ?

Er hatte schon damals einen bestimmten Weg und kam immer mit neuen Ideen um die Ecke, bei denen wir uns immer gefragt haben: "Wo hat der die jetzt wieder her?"

Er hat auf seinem langen Schulweg von Mettmann nach Düsseldorf immer schon eine tierische Zettelwirtschaft veranstaltet. Der kam nach der Schule zur Probe, entleerte seine Tasche – und der ganze Proberaum war ausgelegt mit Zetteln.

Das standen dann Ideen und Texte drauf. Und man konnte schon damals die Schrift in keinster Weise entziffern. Das war ein Gekrakel und Gekritzel, das war schon beeindruckend! Und wenn damals einer von uns eine Melodie dazu im Kopf hatte, nahm Kuddel die Gitarre und spielte das einfach so nach. Der war mittlerweile auch dazu gestoßen und hatte auch schon als schüchterner 15-Jähriger ein großartiges musikalisches Gehör.

ZK 1979

Wie sah ein typischer Auftritt von ZK aus?

Wir haben in den drei Jahren öfter in Berlin, Bremen und Hannover gespielt als in Düsseldorf. Und sämtliche Anfahrten nach Berlin waren eigentlich immer eine Katastrophe. Man konnte noch so früh losfahren, man kam einfach immer zu spät an. Einmal standen wir von Düsseldorf bis Berlin in einem einzigen Stau, Campi war schon vorgefahren, aber wir hatten keine Verbindung zu ihm. Es gab ja noch keine Handys und so mussten wir an jeder Raststätte raus und versuchen, ob er in Berlin ans Telefon ging. Als wir drei Stunden zu spät ankamen, war Campi total betrunken und schrie uns wütend an. Kuddel und Isi waren davon dermaßen angepisst, dass sie sich ebenfalls innerhalb weniger Minuten betrunken haben. Und dann haben wir den Auftritt trotzdem absolviert:

Es wurde natürlich kein einziges Stück zu Ende gespielt, Campi ist in das Schlagzeug gefallen – und alles, was mit der Anlage zu tun hatte, lag irgendwo auf dem Boden. Das war halt so ein typisches ZK-Konzert.

Was gehörte sonst noch zu einem ZK-Konzert dazu?

Campino hat auch mal in Erding vorher die Seite 177 aus dem Telefonbuch rausgerissen und den Rest ins Publikum geschmissen. Dann hat er gesagt: "Wer die Seite 177 rausreißt, kriegt drei Bier." Da haben sich dann hundert Punks um das blöde Telefonbuch geprügelt. Es gab immer Campino-Bonbons, Campi hat Trompete gespielt, wir haben Fähnchen gebastelt. Campi wollte damals sogar in Köln in eine Steppschule gehen und auf der Bühne mit Anzug und Hut steppen, sozusagen als der Fred Astaire des Punk-Rocks. Deshalb hieß er dann auch nur noch "Der große Campino". Wir hatten auch mal für kurze Zeit eine Gitarristin. Mit der haben wir im Ratinger Hof vor den Fehlfarben gespielt, und sie wollte sich um die Bühnen-Deko kümmern. Plötzlich waren da lauter Blümchen auf der Bühne – und sie trug ein Mickey-Mouse-T-Shirt mit Knoten drin. Diesen Auftritt haben wir noch mit ihr gespielt, aber danach gingen wir wieder getrennte Wege.

Die Mimmi's 1982

Dich hat es nach dem Ende von ZK nach Bremen verschlagen...

Ich bin nach der letzten ZK-Tour am Schreibtisch eingeschlafen. Darauf hat mir mein Düsseldorfer Chef gekündigt, nach acht Jahren als Medizintechnischer Kaufmann.

1981 hatte ich bereits Elli kennen gelernt, meine heutige Frau, und bin dann endgültig zu ihr nach Bremen gezogen. Wir haben dann auch unsere erste gemeinsame Band gegründet: Slipeinlage. Gleichzeitig habe ich aber auch noch in Düsseldorf Schlagzeug bei Aram & die Schaffner gespielt. Und mit denen bin ich dann auch zusammen mit den mittlerweile gegründeten Toten Hosen in Bremen und Berlin aufgetreten. Das waren die ersten beiden Hosen-Konzerte! Die Grundidee von Slipeinlage – ich am Gesang und Frauen an den Instrumenten – habe ich später bei den Mimmi's wieder aufgegriffen.

Wie hast Du in den 80er Jahren miterlebt, dass die Hosen immer bekannter wurden?

Die "Opel-Gang" war auch schon eine geile Punk-Rock-Scheibe – aber als die EMI sich über das Cover der "Unter falscher Flagge"-LP mokierte und das durch die ganze Presse ging, fühlte ich mich ein bisschen an die Sex-Pistols-Skandale in England erinnert.

Die Hosen hatten dann Glück, dass sie dann ihren gigantischen Auftritt in Wackersdorf hatten. Musikalisch war das zwar noch lange nicht ausgereift, aber sie haben immer schon mit anderen Dingen auf sich aufmerksam gemacht.

Ein großer musikalischer Schritt war für die Hosen sicherlich, dass Wölli in die Band kam.

Es gibt heute keine deutsche Band, die so groß ist wie die Hosen. Und die schaffen es immer wieder, sich eigene Highlights zu setzen, sei es durch Wohnzimmerkonzerte, den Karnevalsumzug oder die Gastspiele in Argentinien. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sie bis heute durchgehalten haben.

In den 80er Jahren waren Deine Mimmi's einer der originellsten deutschen Punk-Bands. Nach neun Jahren Pause existieren sie nun wieder, in veränderter Besetzung. Wie liefen die ersten Konzerte?

Ich hatte mir vor dem Force Attack-Festival beim Requisiteur des Goethe-Theaters für zehn Euro einen Sarg gekauft. Den Sarg habe ich rot angemalt, "Mit den Mimmi's in die Kiste" drauf geschrieben und bin beim Stück "Dosenbier" damit auf die Bühne gerollt worden. Natürlich hatte ich in dem Sarg auch genug Dosenbier dabei! Es gibt jetzt auch ein neues Lied, in dem eine Strophe heißt: "Mit Plauze und mit lichtem Haare, wie nichts vergehen 20 Jahre". Selbstironie gehört einfach dazu – und die Kiddiepunks finden das klasse. Wir sind letztens zusammen mit Male in Peine aufgetreten, und da waren 800 Punks. Die sind kollabiert! (lacht)

Fabsi 1996 in seinem Büro beim Weser Label

Im Oktober 2002 fand im Schlachthof in Bremen das Jubiläumskonzert "20 Jahre Weser Label" statt. Wie würdest Du Dein Label, das Du immer neben der Band betrieben hast, charakterisieren?

Am Anfang ging es nur um befreundete Bands, dann wurde der Kreis etwas größer – aber mir mussten die Sachen natürlich immer alle selbst gefallen. Wir hatten die Hostages Of Ayatollah, dann kamen die Panhandle Alks und die Rockabilly-Band Rumble On The Beach. Und dann folgten auch schon die Goldenen Zitronen. Campino hat mich damals angerufen und gesagt:

"Da nervt mich die ganze Zeit so eine Band, die heißen 'Die Goldenen Zitronen'."

Da habe ich mich daran erinnert, dass die auch jeden Monat Leserbriefe an die Spex geschrieben haben, immer nur über die Goldenen Zitronen. Das fand ich super. Ich habe dann ihre Single "Doris ist in der Gang" in meinen Vertrieb genommen. Und als ich sie dann für eine Mini-Tour in Hamburg abgeholt habe, musste ich feststellen, dass das genau die Typen waren, die immer bei den Mimmi's-Konzerten vor der Bühne standen – in total bekloppten Klamotten. Und sie hatten noch einen dabei, Rocko Schamoni. Das Einzige, was ich als Erklärung bekam, war: "Der spielt vor uns."

Die Goldenen Zitronen waren dann auch der erste kommerzielle Erfolg des Weser Labels?

Wir kamen unbewusst in die Presse. Der Ted hatte auf einem Konzert in Aachen einen BILD-Reporter von der Bühne geworfen. Und der hat dann riesengroß in der Bild am Sonntag geschrieben:

"Punk-Band wünscht Thomas Anders den Tod". Das war der Hammer! Ich habe danach 40.000 Singles von "Am Tag, als Thomas Anders starb" und fast 70.000 Alben von "Porsche, Genscher, Hallo HSV" verkauft.

Damals spielten auch die Radios solche Musik noch. Und die wurden durch die Sache auf mein Label aufmerksam und haben dann auch die anderen Bands gespielt. Ich hatte bald darauf außerdem mit den Busters und ihrer LP "Ruder Than Rude" die erste Ska-Band am Start. Davon habe ich in Deutschland 30.000 Stück verkauft und dazu noch mal jeweils 5.000 in Frankreich und England.

Das Label wurde immer größer. Anfang der 90er Jahre machtest Du 1,8 Millionen Jahresumsatz, hattest elf Angestellte und...

...und dann kam der große Bruch: Die CD kam. Und wir hatten plötzlich Verkaufseinbrüche bis zu 50 Prozent. Die CD war am Anfang ja so teuer, dass sich die Kids die gar nicht leisten konnten. Oder sie besaßen noch nicht die erforderlichen Geräte. Handelsketten wie Saturn haben aber damals Vinyl radikal aus dem Sortiment verbannt. Unser Mailorder beim Weser Label profitierte zwar davon, aber wir haben uns dann irgendwann eine sündhaft teure Computeranlage geleistet. Außerdem gab es in meinem persönlichen Umfeld zu der Zeit einige Unglücksfälle, dass ich 15 Monate lang nicht mehr nah genug dran war. Ich merkte zu spät, dass ich in der Zeit auch das Gefühl für die Bands verloren hatte. Dann haben wir das neue Chelsea-Album rausgebracht, ich hatte eine Europa-Tour mit über 40 Konzerten gebucht – und dann löst sich die Band drei Wochen vor der Tour auf!

Die taz schrieb anlässlich des Label-Jubiläums: "Auf der einen Seite ist Fabsi für immer Punk geblieben, auf der anderen Seite ein intelligenter Unternehmer geworden, der sich und seine Leidenschaften professionell vermarktet." Fühlst Du Dich da richtig beschrieben?

Wenn ich mich wirklich intelligent vermarkten würde, säße ich heute nicht mit einem Haufen Schulden da (lacht). Die taz übertreibt immer ein bisschen. Ich mache einfach immer zu viele bekloppte Fehler. Ich habe selbst in der schwierigen Zeit der Antifa in Walle noch eine Mark pro Bestellung zukommen lassen, das sind damals 4.500 Mark zusammengekommen. Ich kämpfe aber immer bis zum Ende.

Fabsi 1958: "Fabsi ist für immer Punk geblieben"

Warum ist es für Dich mit den Bands heutzutage schwieriger?

Schwarz Auf Weiß aus Bremen spielen sich den Arsch ab, die spielen am Chiemsee und in Düsseldorf – aber man verkauft einfach keine Tonträger mehr, weil der ganze Markt kaputt ist. Es ist so viel Müll auf dem Markt. Jeder, der auf der Heizung spielt, meint, er müsste einen Tonträger rausbringen! Und die Kids brennen sich ihre CDs, was ich aufgrund der CD-Preise aber auch irgendwie verstehen kann.

Was dem Markt fehlt, ist die Seven-Inch-Single. In der Punk-Zeit ist man in einen Club gekommen, die Band war ganz frisch und hatte eine Single mit drei Stücken gemacht. Da hat man sich für vier oder fünf Mark immer eine Platte mitgenommen.

Parallel zum Weser Label betreibst Du auch noch Superrock Records...

Das habe ich gegründet, nachdem ich Soulmate unter Vertrag genommen hatte. Die CD habe ich rumgeschickt und dann sagten viele: Die Band passt ja gar nicht zum Weser Label. Irgendwie assoziierten die mit dem Weser Label alle "Fun-Punk" – und weil ich nicht wollte, dass eine Band runtergemacht wird, bevor die Leute auch nur einen Ton von denen gehört hatten, habe ich das Zweitlabel gegründet. Anderer Name, gleiches Konzept. Ich habe aber auch nicht verstanden, warum die auf Fun-Punk gekommen sind – angesichts von Wiglaf Droste, Bela B., Lurkers und Chelsea.

Fabsi bei der Chelsea-Tour 1994

Wie sieht Deine aktuelle Tätigkeit aus?

Ich habe mir ein Jahr Pause genommen, um die Mimmi's wieder an den Start zu bringen.

Die Mimmi's sind mein Leben und deshalb mache ich jetzt nebenbei einen Job als Security bei großen Konzerten, zum Beispiel bei Sasha und seiner Band Dick Brave & the Backbeats, beim Chinesischen Nationalzirkus oder zuletzt beim Hurricane-Festival.

Das war sehr lustig, in Scheeßel an der VIP-Schleuse zu stehen, weil ich das Festival bei der ersten Auflage mit angezündet habe. In den 70ern war so ein Festival noch nicht so genau durchgeplant wie heute. Da kamen die Bands auch mal, wann sie wollten, oder spielten morgens um sieben. Doch in dem Jahr haben die schon nach Golden Earring am frühen Abend die PA abgebaut. Da sind irgendwelche Typen unter die Bühne gekrabbelt und haben die angezündet. Und wir haben da dann noch ein bisschen Brennholz nachgelegt. Das ist aber zum Glück verjährt (lacht).

Zusammen mit Wölli hast Du ja auch 2002 die Deutschland-Tour "Die Zeit ist reif" mit jungen Punk-Rock- und Ska-Bands veranstaltet. Welche Schwierigkeiten taten sich dabei auf?

Das war total schwierig! Wölli und ich haben alle Register gezogen. Die Bands sind im Nightliner durch die Gegend gefahren, wir haben Anzeigen geschaltet und das Ganze mit unseren Namen präsentiert. Ich war der Tourneeleiter, habe die Bands auf der Bühne angesagt, Roadie gemacht und die Backline mit auf- und abgebaut. Leider sind nicht in allen Städten so viele Zuschauer gekommen wie in Düsseldorf, wo das Haus der Jugend komplett ausverkauft war. Ich bin aber immer mit der Peitsche hinter den Bands hergerannt, damit wir auch vor nur 50 Leuten ein professionelles Bild abgegeben haben. Ich finde es echt bewundernswert, was Wölli nach seinem schweren Unfall und dem Ausscheiden bei den Hosen veranstaltet. Ein anderer Musiker hätte die Beine hochgelegt, Wölli nicht.

Du hast mit dem Mimmi's 1982 die Single "Deutscher Meister wird der SVW" rausgebracht, bist aber eigentlich alter Fortuna-Fan. Wie fandest Du die Hosen-Aktion mit dem Totenkopf-Trikot?

Die Single wollten wir eigentlich für die DEG rausbringen, aber da ist das Stück abgelehnt worden. Die Aktion mit dem Fortuna-Trikot klingt für mich wie die Erfüllung eines Kindertraums. Das fand ich klasse. Man hat das ja schon oft gehört, dass sich Elton John oder Rod Stewart einen Fußball-Klub gekauft haben. Die Hosen haben sich den Klub nicht einfach nur gekauft, sondern die Trikots auch mit ihrem Zeichen bedruckt! Und überall sieht man diese Trikots, letztens auch wieder auf dem Hurricane-Festival. Ich habe dafür aber die Rasenparzelle "CH3" im Paul-Janes-Stadion zum Geburtstag geschenkt bekommen. Schließlich bin ich am Flinger Broich groß geworden.

Was ist heute Deine Verbindung nach Düsseldorf?

Seit meinem 13. Lebensjahr laufe ich im Karnevalszoch mit, seit einigen Jahren bei den Reisholzer Quatschköppen. Wenn man damit groß geworden ist, kommt man davon nicht mehr los. Ich ziehe mir jedes Jahr für drei Tage meine Clownsmaske an und tauche in eine andere Welt ein. Dann habe ich auch noch Kontakt zu den Freizeitkickern vom FC Maiwiese, bei dem früher auch Campi, Andi und Trini mitgespielt haben. Und außerdem liebe ich natürlich nach wie vor das Altbier.

Aber das Wichtigste zum Schluß: Die Mimmi's suchen zur Zeit händeringend eine Gitarristin oder einen Gitarristen. Wir sollen nach all den Jahren wieder im Ratinger Hof spielen, aber wir können nicht, weil sich unsere alte Gitarristin – nach unserem Konzert im September auf Helgoland – auf ihre andere Band konzentrieren wird. Das darf doch wohl nicht wahr sein!