Ihr habt auf Eurer CD "Launched" das Stück "Kings Of Metal" von Manowar gecovert. Warum habt Ihr eine Blues-Rock-Nummer daraus gemacht?

Peter: Damit man mal mehr auf den Text achtet! Ich kannte das Stück gar nicht, als Arnim im Proberaum damit ankam. Er hat den Text dann aber laut vorgelesen, und der ist einfach genial. Unser alter Bassist Ali hatte tatsächlich alle Manowar-Platten - und der hat das auch nie als Persiflage gesehen. Es war schon so, dass wir es nicht zu weit treiben durften. Der hat an Manowar geglaubt, während wir das eher als Spaß gesehen haben.

Wie sind die Beatsteaks in ihrer heutigen Besetzung entstanden?

Peter: Ich habe früher in einer Band gespielt, mit der wir Hosen- und Ramones-Songs gecovert haben. Da konnte keiner spielen, da ging es nur darum, im Proberaum durchzudrehen. 1992 bin ich dann vom Bund zurückgekommen und wollte wieder eine Band haben. Da haben wir dann als Beatsteaks begonnen, aber erst als Arnim 1994/95 dazugestoßen ist, haben wir angefangen, live zu spielen.

Torsten: Ich bin ja erst seit drei Jahren dabei. Ich habe früher in einer kleinen Band Gitarre gespielt, die übliche Drei-Akkorde-Nummer, und bin den Beatsteaks auf Tour hinterhergereist, weil ich die klasse fand.

Irgendwann haben die gesagt: "Probier es doch mal mit dem Bass!" Das funktionierte dann auch ganz gut — nur mein erstes Konzert fand dann gleich vor 13.000 Leuten in der Bremer Stadthalle statt, vor den Hosen.

Wie lief Deine Premiere?

Torsten: Ich hatte vorher noch nie vor mehr als 50 Kumpels gespielt. Noch mehr Angst hatte ich allerdings vor den vier Typen, mit denen ich auf der Bühne stand. Ich war damals echt noch ein Fan von denen, hatte die sogar mal für meine kleine Radioshow interviewt. Und jetzt stand ich da mit meinem halben Jahr Basserfahrung neben denen. Es hat aber ganz gut funktioniert; nach der Show hat mir keiner ein Rückfahrticket in die Hand gedrückt.

Die Beatsteaks gelten als Berliner Band - kommt Ihr alle aus Berlin?

Torsten: Thomas ist aus Schwaben nach Berlin gezogen, ich komme aus Leipzig, ansonsten sind schon alle Berliner.

Peter: Berlin ist einfach eine coole Stadt. Ich könnte mir im Moment nicht vorstellen, woanders zu leben. Einerseits gibt es dort mehr Leute, mit denen man sich über Musik austauschen kann, als in Hintertupfingen, andererseits leben in Berlin einfach unsere Freunde und Familien. Es ist in Berlin halt auch ganz normal und akzeptiert, dass wir Musik machen, wir sind dort nicht die ”schwarzen Schafe vom Dorf“.

Torsten: Bei unseren letzten beiden Konzerten in Berlin war das Columbia Fritz an zwei Tagen ausverkauft. Das war schon etwas Besonderes, so viele Menschen zu sehen, die nur wegen uns gekommen waren. Danach kann jetzt eigentlich nur noch die Waldbühne und das Olympiastadion kommen...

Bekannt seid Ihr dafür, dass Ihr das Crowd-Surfen erfunden habt. Wie ist das entstanden?

Peter: Begonnen hat das damit, dass Arnim irgendwann mal mit einem Instrumentenkoffer auf die Leute draufgesprungen ist. In Italien haben wir uns dann am Strand ein riesengroßes Surfbrett organisiert, dass so gerade in unseren Tourbus passte, und von da an ist er dann eben mit dem Board ins Publikum gehüpft. Das ist aber kein fester Bestandteil unseres Bühnenprogramms, das passiert einfach immer mal wieder ganz spontan.

Bei der letzten Tour mit den Hosen ist ein Hosen-Fan mit auf das Brett geklettert und dann von dort aus ins Leere gesprungen. Das sah stark nach Rex Gildo aus.

Thorsten

Torsten: Ich habe ihn jetzt aber bei der Last-Minute-Tour auf Sylt wiedergesehen, dem geht es wieder gut. Dass sich Leute zu Arnim auf das Brett stellen, kommt schon mal vor.

Ende der 90er Jahre wart Ihr die erste deutsche Band auf dem legendären Punk-Rock-Label Epitaph...

Peter: Wir haben zu der Zeit halt viel live gespielt, unter anderem auch in Amsterdam, wo die europäische Vertretung von Epitaph sitzt. Die haben uns da durch einen Zufall gesehen und seitdem standen wir mit denen in Kontakt. Wir fanden das natürlich super, weil da so geile Bands wie NOFX oder Bad Religion auf dem Label sind. Epitaph waren aber auch die ersten, die uns einen Vertrag vorgelegt haben, der auch noch vernünftige Bedingungen garantierte. Die haben uns künstlerische Freiheit zugesichert, und dass die Platten europaweit herauskommen werden. Was will man mehr als kleine Band?

Inwiefern hat es sich für Euch sonst noch gelohnt, bei Epitaph untergekommen zu sein?

Peter: Wir sind ja jetzt nicht die Band, die richtig viele Platten verkauft, aber es ist einfach toll, überall spielen zu können. Wenn wir zum Beispiel nach Italien kommen, und da können die Leute im Publikum die Texte mitsingen, haben wir das schon Epitaph zu verdanken.

Torsten: Für eine Band, die sich eine Basis aufbauen will, um europaweit live zu spielen, ist Epitaph einfach perfekt. Das haben wir umso intensiver gemerkt, nachdem wir bei der Warped-Tour in den USA mitgespielt haben. Da waren wir mit so großen Bands wie Green Day, NOFX oder den Mighty Mighty Bosstones unterwegs. Bei der europäischen Warped-Tour haben uns dann auch die Ärzte und Hosen zum ersten Mal gesehen, in der Wuhlheide in Berlin.

Die Beatsteaks als Hosen- Vorband

Wie war der Kontakt zu den großen amerikanischen Punk-Rock-Bands?

Torsten: Bei der Warped-Tour haben wir am ersten Tag in Boston auf der Parkplatzbühne gespielt. Da waren circa 35.000 Leute, und es gab fünf Bühnen. Irgendwie haben wir es im Laufe der Tour geschafft, dass wir auf der Hauptbühne spielen durften, und da haben uns dann auch die Jungs von NOFX zugeschaut. Und der Sänger von den Mighty Mighty Bosstones hat uns hinterher gefragt, ob wir mal zusammen auf Tour gehen. Arnim hat bei der Deconstruction-Tour auch mal ein Stück zusammen mit dem Sänger von Pennywise gesungen. Und er ist auch bei den Mighty Mighty Bosstones von der PA gehüpft, weil sich das in Amerika keiner traut. Die haben da halt Panik, dass es gleich eine Millionenklage gibt, wenn mal etwas dabei schief geht.

Wann habt Ihr gemerkt, dass die Beatsteaks immer mehr in den Mittelpunkt Eures Lebens rücken?

Peter: Das war vor etwa drei Jahren, als unser alter Schlagzeuger ausgestiegen ist. Dafür kam Thomas dazu, der wohl bis heute der einzige richtige Musiker bei den Beatsteaks ist, und plötzlich haben wir gedacht: Wow, jetzt klingen wir wirklich wie eine Band! Es kamen damals auch immer mehr Leute zu den Konzerten, und wir sind beruflich und privat immer wieder an irgendwelche Grenzen gestoßen. Da haben wir gedacht: Alle Ampeln stehen auf grün, lasst es uns wenigstens versuchen! Torsten hat sein Studium geschmissen, ich habe aufgehört im Schichtdienst zu arbeiten, wir leben jetzt nebenher noch von kleineren Jobs.

Das Jahr 2002 darf man als das bislang erfolgreichste der Bandgeschichte bezeichnen?

Ja, definitiv. Wir waren ja öfter im Fernsehen als Shakira. (lacht)

Thorsten

Es ist wirklich eine Menge passiert. Wir haben auf jedem Festival gespielt, das in Deutschland mit dem Auto zu erreichen ist. Unsere eigene Tour ging über vier Wochen, die mit den Hosen auch noch mal ungefähr so lang. Mehr als wir in diesem Jahr in Deutschland gemacht haben, kann man eigentlich nicht machen.

In den ersten Jahren wurden vornehmlich Eure Live-Qualitäten gerühmt, in den letzten Jahren werden aber auch Eure verschiedenen Songs wahrgenommen...

Peter: Zur aktuellen CD gab es erstmals auch zwei Video-Clips. Dadurch sind den Leuten, die sonst nicht auf Rockkonzerte gehen, die aber zu Festivals fahren, Stücke wie "Summer" oder "Let Me In" schon mal bekannt gewesen. Die fahren dann wegen Korn zum Bizarre-Festival und schauen sich vielleicht auch noch unseren Auftritt an. Das ist ein positiver Teufelskreis. Wir haben dann die Möglichkeit, durch unsere Live-Auftritte ein bisschen Werbung für uns zu betreiben.

Das Video zu "Summer" hat Peter Thorwarth gedreht, der für die Hosen "Bayern" und "Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)!" in bewegte Bilder umsetzte. Wie kam der Kontakt zustande?

Torsten: Den haben wir auf einer Halloween-Party der Ärzte getroffen. Wir haben ihm den Song im Auto vorgespielt - und er hat sofort zugesagt. Wir fanden seine Idee für den Clip auch direkt sehr gut. Es ging darum, einfach zum Urlaub nach Portugal zu fahren, mit einem coolen Wagen, und dort live zu spielen. Das Ganze sollte hinterher so aussehen, als ob uns ein Kumpel mit der Digitalkamera gefilmt hat.

Ihr seid in Deutschland sicherlich auch dadurch bekannt geworden, weil Ihr vor den Ärzten und Hosen gespielt habt. Wann haben die Euch erstmals angesprochen?

Peter: Die Ärzte haben uns nach unserem Auftritt auf der Warped-Tour 1999 gefragt, ob wir mal zusammen auf Tour gehen. Uns war damals aber nicht klar, ob die das ernst meinten oder das allen jungen Bands sagen, die sie ganz gut finden. Sie haben sich dann aber wirklich gemeldet und 2000 waren wir zusammen unterwegs. Diese Bands wie Ärzte oder Hosen sind da im ersten Kontakt auch viel lockerer als man selbst, weil man halt früher immer deren Platten gehört hat. Die Ärzte können wir heute auch mal anrufen, wenn wir ein Problem haben.

Torsten: Das ist bei den Hosen genauso. Wenn eine Band, die diesen Status hat, sich für die Beatsteaks als Vorband entscheidet, dann finden die einen auch wirklich gut. Zunächst waren ja in diesem Jahr nur die Konzerte im Rahmen der Tour geplant, dass sich die Hosen aber auch noch mal zwischendurch gemeldet haben, um uns nach Sylt einzuladen, das hat uns umso mehr gefreut. Die hätten ja auch eine andere Band fragen können...

Die Hosen haben Euch zur "Radio Fritz-Nacht", "Viva-Woche", "Last-Minute-Tour" und zur "Grillparty" eingeladen. Wie ist der Umgang mit den alten Helden?

Peter: Ich merke gerade auf Festivals, dass ich längst noch kein Teil des Ganzen bin. Ich bin immer noch viel mehr Fan als Musiker.

Torsten: Wenn wir mit den Hosen oder Ärzten unterwegs waren, habe ich mir immer noch jedes Konzert angeschaut, obwohl wir mit beiden bestimmt schon zehnmal gespielt haben. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich im Osten aufgewachsen bin. Ich muss das alles, was ich früher nur gehört habe, irgendwie noch live aufsaugen. Zur Wende war ich 16 Jahre alt, vorher hatte ich immer nur zigfach überspielte Kassetten von beiden Bands gehabt, natürlich mit dem unvermeidbaren Rauschen.

Peter: Mein Vater war als Schauspieler öfter mal im Westen und hat mir damals die "Im Schatten der Ärzte"-LP mitgebracht. Das war ein ganz besonderer Moment für mich.

Ich wünsche mir heute noch manchmal, dass man wieder so Erlebnisse hat, wo man sich derart über etwas freuen kann. Wir verbinden mit den beiden Bands mehr als nur ihre Musik, obwohl ich bei ”Teenagerliebe“ oder dem ”Wort zum Sonntag“ immer wieder eine Gänsehaut kriege.

Torsten: Dass ich bei meinem ersten Konzert in einem Hotel mit Campino und Breiti geschlafen habe, war unglaublich. Die hätten mich auch in eine Jugendherberge schicken können.

Ihr geht am Ende einer Tour auch mal gerne mit den anderen Bands auf die Bühne, um eine Coverversion zu spielen...

Torsten: Mit River City High und Revolver haben wir zuletzt ”Territorial Pissings“ von Nirvana gecovert. Mit den Hosen haben wir ”The KKK Took My Baby Away“ von den Ramones gespielt - und die Ärzte mussten wir von der Bühne scheuchen und haben dann ”Bravopunks“ von deren Platte "5,6,7,8 - Bullenstaat" gecovert.

Ihr habt zuletzt auch die Idee der Wohnzimmer-Konzerte aufgegriffen - wie liefen die ersten Stippvisiten?

Torsten: Wir haben in Chemnitz, Leipzig und Aschau am Inn gespielt. Das war einmal eine 137-Quadratmeter-Wohnung, dann ein Abrisshaus und in Bayern ein kleiner Bunker. Jeder einzelne Tag war super für uns. Wir konnten da auch mal wieder richtig Coverversionen von Social Distortion und den Ramones spielen. Und die Leute haben sowas von entrückt und glücklich geguckt.

Peter: Ich verstehe seitdem, warum die Hosen das immer noch machen!