Vom, eigentlich Stephen George Ritchie, ist neben dem halben Engländer Campino der zweite Insulaner in der Band.

Vom während der Aufnahmen zu "Laune der Natur", 2017

Foto Carla Meurer

Bevor er der Liebe wegen nach Deutschland übersiedelte, hatte er praktisch schon eine Weltkarriere als Musiker hinter sich – als Schlagzeuger von Doctor & The Medics.

Der Song „Spirit In The Sky“ schoss 1986 an die Spitze der englischen Charts und bescherte weltweite Aufmerksamkeit. In seiner neuen Heimat Düsseldorf lernte er rasch die Hosen kennen, weil man dieselben Konzerte besuchte und in die selben Clubs ging, und wurde in den 1990er Jahren zum Schlagzeug-Roadie für Wölli.

Vom, 2013

Foto Gregor Fischer

Als Wölli 1998 nach einem Autounfall seinen Ausstieg aus der Band erklären musste, übernahm Vom folgerichtig seinen Posten.

Vom und Wölli, Lissabon 1999

Seither gelang ihm das Kunststück, trotz der ausgiebigen Tourneen mit den Hosen immer wieder neue Zweitbands zu gründen und unaufhörlich in den kleinsten Punk-Clubs Deutschlands aufzutreten. Bei ihm ist nach der Tour immer auch vor der Tour – und weil er dabei viele Nachwuchsbands kennenlernt, hat er inzwischen auch ein eigenes Label gegründet. Naheliegender Name: Drumming Monkey Records.

Lemmy und Vom, 1984

The Good, the Bad, the Lemmy and Vom

Es ist unwahrscheinlich, dass es einen Musiker auf der Welt gibt, mit dem Vom nicht bekannt ist, er kreuzte seine Wege mit so unterschiedlichen Typen wie Lemmy von Motörhead, Depeche Mode oder Robbie Williams. Fun Fact: Sein Sohn Jez trat zusammen mit der Sängerin Meg als Meg’n Jez als Gast bei der "Der Krach der Republik“-Tour 2013 auf.

Buenos Aires, 2009

Foto Matias Corral

Fragen an Vom

Was war anders bei den Aufnahmen zu „Laune der Natur“ als bei Euren früheren Plattenproduktionen?

Dieses Album ist mehr in Zusammenarbeit mit Vince im Studio entstanden als die vorigen.

Es gab weniger Vorbereitung im Proberaum, es wurde eigentlich alles gleichzeitig geschrieben und als Demo aufgenommen. Der Vorteil war, dass es so weniger Ablenkungen gab und wir quasi im Studio gelebt haben. Dieses Album hat sich auf viele Sessions verteilt und wir haben viel mehr Ideen und Songs aufgenommen als für vorherige Platten.

Für mich war das super, weil das Essen dort viel besser ist als zuhause und es dort einen Billard-Tisch gibt. Für das nächste Mal habe ich eine Dartscheibe beantragt. Ich habe mir fest vorgenommen Vinces Studio in einen sehr, sehr großen Pub zu verwandeln.

2017, Arbeit an der Platte

Wenn Du zurück denkst an die vergangenen Monate, was war der schönste Moment mit der Band?

Als ich sie nicht sehen musste. Scherz beiseite: Die Magical Mystery Tour war bis jetzt wirklich toll. Ein ganz großer Moment war, für die Leute in Dresden zu spielen, die jede Woche gegen Pegida demonstrieren. Die ganze Sache war sehr aufregend und bewegend – an der Polizei vorbeizukommen, bevor die überhaupt wussten, wer wir sind.

Und dann der Augenblick, als die Plane vom LKW aufging und wir in die überraschten Gesichter der Leute schauten.

Direkt an der Pegida-Demo vorbeizufahren, war ein ganz besonderer Moment, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Magical Mystery Tour 2017, Dresden, NoPegida

Welcher Song von der „Learning English Lesson 2“ war für Dich persönlich am wichtigsten?

Ich könnte gar nicht sagen, dass ein Song wichtiger war als die anderen. Was mir persönlich aber viel bedeutet hat, war „Sonic Reducer“ zusammen mit Cheetah Chrome aufzunehmen.

Ich war sehr eng mit Stiv Bators befreundet, dem Sänger der Dead Boys, und dies war der letzte Song, den ich mit ihm in London gespielt habe, bevor er starb.

Dead Boys – Sonic Reducer, 1977

Ich hatte Cheetah zum letzten Mal gesehen, als wir eben diesen Song auf einem Gedenkabend gespielt hatten und die gemeinsame Zeit im Studio ließ viele Erinnerungen wieder lebendig werden.

Aufnahmen zu „Learning English – Lesson 2“ mit Cheetah Chrome (Dead Boys), 2016

Vom, Zürich Letzigrund, 2015