Kuddel, eigentlich Andreas von Holst, ist der Linkshänder-Gitarrist der Band. Er spielte zusammen mit Campino schon bei ZK – jener Gruppierung, ohne die es die Toten Hosen wahrscheinlich nie gegeben hätte.

Würde man seine Bedeutung für die Band auf ein Orchester übertragen, wäre er wohl der musikalische Direktor.

Kuddel während der Aufnahmen zu "Laune der Natur", 2017

Foto Carla Meurer

Er darf die Erfindung des legendären „Hosen-Hobels“ für sich verbuchen, also den unverkennbaren Gitarrensound der 80er und 90er Jahre.

Marquee Club, London 1992

Gleichzeitig weiß er selbst nicht mehr allzu viel von dem, was seinerzeit passierte, weil er damals oft zu heftig dem Alkohol zusprach – inzwischen ist er abstinent. Viele der wichtigsten Songs jener Tage sind in Zusammenarbeit zwischen Campino und ihm entstanden. Teilweise hat er auch das Schlagzeug selbst eingespielt.

Foto Thomas Kruesselmann

Kuddel war es, der entscheidend dafür sorgte, dass sich die Hosen in den 00er Jahren nochmal musikalisch weiterentwickelten. Er entdeckte den neuen Produzenten Vincent Sorg im Münsterland, der später maßgeblichen Anteil an erfolgreichen Stücken wie „Tage wie diese“ oder „Altes Fieber“ hatte.

Buenos Aires, 2009

Foto Matias Corral

Während die anderen Bandkollegen es weiterhin vorziehen, in der Stadt zu leben, ist Kuddel mit der Familie schon früh raus aufs Dorf gezogen, lebt in der Nähe des Nürburgrings. Er pflegt eine imposante Linkshänder-Gitarren-Sammlung, kocht für seine Familie auf gefühltem Sterne-Niveau und ist inzwischen das Bandmitglied mit der höchsten Quote von Tätowierungen pro Quadratmeter.

Zürich, 2015

Foto Carla Meurer

Wenn ihm zwischen dörflicher Idylle und Düsseldorf die Decke auf den Kopf fällt, fährt er immer wieder gerne in die USA. Kuddel trinkt nicht nur seit Mitte der 90er keinen Alkohol, sondern ernährt sich seit 2011 auch vegetarisch/vegan.

Rock im Park, 2015

Fragen an Kuddel

Was war anders bei den Aufnahmen zu „Laune der Natur“ als bei Euren früheren Plattenproduktionen?

Man kann schon sagen: Wir hatten diesmal so viele musikalische Ideen wie noch nie.

Deshalb sind auch viele verschiedene Versionen von einzelnen Stücken entstanden. Im Computer waren am Ende knapp 500 Projekte angelegt, so nennt man das im Studio – darunter manche Songs in sieben Versionen. Campino hatte wie immer die „Arschkarte“, die erste Vorauswahl treffen zu müssen, weil er nunmal die Texte schreibt. Die kommen ja bei ihm nicht auf Knopfdruck. Und wir anderen können das einfach nicht. Ich habe es irgendwann mal probiert – es war eine Vollkatastrophe. (lacht)

Es bleibt also dabei: Texten – das kann bei uns wirklich nur Campino.

Kuddel

Man gibt die Songs an einer bestimmten Stelle an ihn ab und hofft einfach, dass das Bestmögliche dabei herauskommt. Und es hat ja auch diesmal wieder gut geklappt! Für ihn war es sicher nicht von Nachteil, dass er diesmal aus so vielen Songs schöpfen konnte. Wenn die Stücke soweit fertig waren, haben wir sie mit nach Hause genommen, alles nochmal angehört und anschließend weiter daran gearbeitet. Über diesen Prozess, in den auch unser Produzent Vincent Sorg voll eingebunden war, hat sich irgendwann ein Kern von circa 30 Liedern herauskristallisiert. Aus diesen Songs entstanden das Album und die B-Seiten – und ein paar sind noch übrig geblieben. Ich habe aber das Gefühl, dass wir bei unserer nächsten Produktion auch noch auf das Material zurückgreifen können, das wir diesmal nicht verwendet haben.

Wenn Du zurück denkst an die vergangenen Monate, was war der schönste Moment mit der Band?

Es gab für mich nicht den einen Moment. Es waren sehr viele gute Momente. Wir kennen uns schon so lange, dass wir im Studio sehr viel Spaß miteinander hatten – das geht nur, weil wir genau wissen, wie jeder andere tickt.

Andi und Kuddel im Studio, Januar 2017

Foto Carla Meurer

Das hilft sehr bei kreativen Prozessen, die natürlich auch mal anstrengend oder nervenaufreibend sind. Herausheben könnte man aber die Woche, als das Album fertig war. Als alles hintereinander geschnitten war und wir uns das angehört haben, machte sich bei allen große Zufriedenheit breit. Es hat auch immer etwas Befreiendes, wenn man endlich loslassen kann. Mitte/Ende Februar haben wir den Deckel drauf gemacht. Als Musiker kann man dann sagen: Wir haben unseren Teil getan, jetzt kommen noch das Cover und der Rest. Das war schon ein besonderer Augenblick, weil man richtig spüren konnte, dass wir uns in unserer Meinung komplett einig waren.

Welcher Song von der „Learning English Lesson 2“ war für Dich persönlich am wichtigsten?

Mein Lieblings-Punk-Stück war schon früher immer „Staring At The Rude Boys“ von den Ruts. Ich bin sehr froh, dass wir uns dafür entschieden haben, auch dieses Lied aufzunehmen. Die Aufnahme mit John “Segs” Jennings hat mir persönlich am meisten Spaß gemacht. Und ich bin auch mit dem musikalischen Ergebnis zufrieden. Woher die besondere Beziehung kommt? Ich bin Ende der 70er Jahre durch meinen Bruder Niko an den Punk-Rock gekommen. Er war einer der ersten Punks in Düsseldorf, kam mit den frühen Singles der Sex Pistols zu Hause an, als es in England gerade losging.

The Ruts

Irgendwann brachte er auch die Ruts mit - und dieses Stück hat mich umgehauen. Immer wenn der Song im Ratinger Hof oder Dschungel gespielt wurde, war das ein Highlight für mich.

Aufnahmen zu „Learning English – Lesson 2“, mit John “Segs” Jennings von den Ruts, 2016

Foto Andi