Zürich, Letzigrund, 2015

Foto Carla Meurer

Mit Ostberlin hatte das Reisefieber der Hosen 1983 begonnen, in Ungarn, Polen und der CSSR ging es weiter, über Estland und Jugoslawien bis nach Russland, schließlich nach Latein- und Südamerika, ebenso wie Kuba; 2010 gab es für die Jungs noch mehr „Länderpunkte“ einzufahren: Konzerte in Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan, Jordanien, Türkei und Israel. Neben der großen Freude ist die Band beeindruckt von dem Aufruhr, den ihre Konzerte in diesen teils autoritär geführten Ländern noch hervorruft.

In Tadschikistan muss Campino den örtlichen Polizeichef mit Umarmungen und Küssen beruhigen, um das Konzert nicht zum Abbruch zu bringen, denn genau das hat die Polizei aufgrund des begeistert tanzenden Publikums zunächst im Sinn.

Andi in der Turkiston Open Air Arena vor dem Konzert, 2010. Für 3000 Leute gilt: Aufstehen und Tanzen nicht erlaubt.

Foto Carla Meurer

Die Kohi Borbad Halle in Dushanbe, 2010

Foto Carla Meurer

Im Toten Meer, 2010

Foto Carla Meurer

In Polen erscheint das Lied ”Zamrozona Wyborowa“, was so viel heißt wie ”Eisgekühlter Bommerlunder“ und ist Soundtrack der dortigen Tournee.

2011 verbringen die Toten Hosen weitgehend im Studio im Münsterland und im Proberaum in Düsseldorf – und verzweifeln fast. Das geplante Album zum 30-jährigen Bandbestehen soll besonders gut werden und will zunächst doch nicht gelingen. Man holt Verstärkung: Marteria, den Arrangeur Tobias Kuhn und die Schauspielerin Birgit Minichmayr bringen sich als Ratgeber ein und so wird das Ruder schließlich herumgerissen.

Campino mit Marteria

Foto Paul Ripke; Campino

Ballast der Republik“ erscheint im Mai 2012, enthält „Altes Fieber“ und „Tage wie diese“. Nach inzwischen rund 18 Millionen verkauften Tonträgern wird dieses Lied der größte Hit der Bandgeschichte.

Er läuft auf Volksfesten, Hochzeiten, Beerdigungen und Radiostationen, die die Toten Hosen zuvor noch nie gespielt hatten. Es ist der Soundtrack der Fußballnationalmannschaft für die EM 2012 und wird zwei Jahre später noch im Maracana Stadion laufen, als das Team Weltmeister wird.

Auf der Bonus-CD „Die Geister, die wir riefen“, die dem Album beigelegt ist, covern die Hosen Songs von Vorbildern und Freunden. Von Hannes Wader bis zu Kraftwerk, von Falco bis zu den Ärzten. Im Fernsehen ist im Dezember 2012 die Tote-Hosen-Dokumentation „Nichts als die Wahrheit“ zu sehen, für die der preisgekrönte Dokumentarfilmer Eric Friedler die Band monatelang begleitet hat.

Die Tournee zum Album mit dem Titel „Krach der Republik“ beginnt im April 2012 mit kleinen Magical-Mystery-Konzerten unter anderem in einem städtischen Krankenhaus, einer Punk-WG in Gießen und einer Barkasse im Hamburger Hafen. Die Tour endet anderthalb Jahre später, im Oktober 2013, mit einem zweitägigen Finale im Düsseldorfer Stadion vor insgesamt 90.000 Zuschauern. Mehr als eine Million Besucher waren inzwischen zu Gast.

2015

Foto Paul Ripke

Köln, Bochum, 2013

Foto Paul Ripke

Die größte Rocktour, die jemals in Deutschland stattgefunden hat.

Köln 2013

Foto Paul Ripke

Bereits eine Woche später spielen sie zusammen mit Musikern der Robert Schumann Hochschule ein Gedenkkonzert anlässlich des 70. Jahrestages der Ausstellung „Entartete Musik“. Mit dieser Ausstellung verhöhnten die Nazis Künstler und Komponisten, die nicht ihrem Weltbild entsprachen. Zur Aufführung kommen betroffene Stücke aus der damaligen Zeit und einige neuere Lieder der Toten Hosen, die sich mit der derzeitigen politischen Situation befassen.

mit Philipp Oehmke

Im Jahr 2014 erscheint das Buch „Am Anfang war der Lärm“, eine Bandbiografie vom SPIEGEL-Reporter Philipp Oehmke, der die Band viele Stunden lang interviewte, sich in die Archive eingrub und ihr über ein Jahr lang ständiger Begleiter war.

”Eine Show der Toten Hosen handelt davon, der Gleichförmigkeit des Lebens mit schierer Wucht entgegenzutreten.”

Angesichts der im Herbst 2014 eskalierenden Ebola-Epidemie in mehreren westafrikanischen Ländern lässt Campino sich von Bob Geldof überreden, eine Art deutsches Band Aid zusammenzutrommeln und den 30 Jahre alten Charity-Klassiker „Do They Know It‘s Christmas“ neu einzuspielen. Unterstützt von Udo Lindenberg, Seeed, Marteria, Thees Uhlmann und vielen anderen gelang es, den Song in wenigen Tagen fertigzustellen und auf Platz Eins der deutschen Charts zu schießen.

BandAid30

Foto Paul Ripke

Die Aktion spielt weltweit innerhalb von wenigen Wochen 4 Millionen Euro ein, die unmittelbar zur Bekämpfung der Krankheit in den betroffenen Regionen verwendet werden kann.

Jochen Hülder
*18.10.1957 †15.01.2015

Eine Konzertreise nach Myanmar rundet das Jahr ab. 2015 beginnt mit einem harten Schlag: Jochen Hülder, Manager seit der ersten Stunde und engster Freund der Toten Hosen, verstirbt im Januar nach schwerer Krankheit. Doch Die Toten Hosen tragen die Fackel weiter: Rock am Ring lädt sie zur Einweihung des neuen Geländes in Mendig ein. Dieses Festival ist mit der Band wie kein anderes verbunden und so ist die Euphorie über den gelungenen Einstand auf allen Seiten groß.

Rock am Ring, 2015

Foto Paul Ripke

Vorher spielt die Band in der argentinischen Hauptstadt die ausverkaufte „Buenos Aires City Tour“ in ihren dortigen Lieblingsclubs.

Groove, Buenos Aires, 2015

Foto Paul Ripke

Argentinien, 2012

Foto Carla Meurer

Im August spielte die Band zwei ausverkaufte Konzerte im Züricher Letzigrund Stadion und vor 70.000 Fans in Leipzig. Diese Konzerte gehen ebenso in die Geschichte ein, wie der Auftritt auf dem Wiener Heldenplatz vor 150.000 Zuschauern beim „Voices For Refugees“ Festival, das ein politisches Statement gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus ist.

Zürich, 2015

Foto Carla Meurer

Zum Jahresende erscheint eine Neuversion von „Peter und der Wolf“ mit Campino als Erzähler und auch endlich das Album „Entartete Musik: Willkommen in Deutschland – ein Gedenkkonzert“ mit den Musikern der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Es sind Aufnahmen der Konzertreihe aus dem Jahr 2013, die an die von den Nazis verfemte Musik zur Zeit des Dritten Reichs erinnert. Sämtliche Gewinne werden der Musikschule für Stipendien und Projekte gespendet.

Wolfgang „Wölli“ Rohde
*09.01.1950 †25.04.2016

Im April 2016 stirbt der ehemalige Schlagzeuger Wolfgang „Wölli“ Rohde an einer tapfer ertragenen Krebserkrankung. Im Herbst des vorigen Jahres hatte er sich noch von den Fans als Gast auf der Bühne des großen Hosen-Open Airs in Leipzig verabschieden können. Die Toten Hosen bestatten ihren Freund im Gemeinschaftsgrab der Band auf dem Düsseldorfer Südfriedhof, wo zuvor schon Faust und Jochen Hülder ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Das Leben geht weiter: den Rest von 2016 verbringt man im Studio und im Übungsraum, wo Lieder für ein neues Album entstehen. 2017 können sich die Fans auf ein Wiedersehen mit den Toten Hosen bei Festivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz freuen.

To be continued…

London

80er

ZK, Bommerlunder, Opel-Gang, John Peel, Ostberlin, Wackersdorf, Helgoland, Roten Rosen, Clockwork Orange, Hier kommt Alex