2002

Foto Donata Wenders

Für die „Unsterblich“-Singleauskopplung von „Warum werde ich nicht satt“ drehen die Hosen im Jahr 2000 das Video unter der Regie von Wim Wenders, dem Pionier des neuen deutschen Films. Ebenfalls ein Pionier, allerdings der Videokunst, ist Nam June Paik. Er benutzt im gleichen Jahr „Hier kommt Alex“ für eine Videoinstallation im New Yorker Guggenheim Museum. Beim Rock am Ring Auftritt zu Pfingsten 2000 erleidet Campino einen Kreuzbandriss.

Buenos Aires, 2000

Foto Slavica Ziener

Viele Konzerte müssen abgesagt werden.

Als Support von AC/DC, Müngersdorfer Stadion, Köln, 2001

Der erste Auftritt einer ausländischen Band mit freiem Ticketverkauf in Kuba wird im Mai 2001 von dem dortigen Militär beendet, nachdem Campino mit einem Kopfstoß eine Beleuchtung zum Bersten gebracht hat.

Die Toten Hosen werden Trikotsponsor von Fortuna Düsseldorf, um den Verein vor der Relegation in die vierte Liga zu bewahren. Gleichzeitig beginnt die Band mit der Arbeit an einem neuen Album. Es fällt ihnen so leicht wie selten, was man dem im Jahr 2002 erscheinenden Werk „Auswärtsspiel“ auch anhört. Es ist das insgesamt 16. und steigt ebenfalls unmittelbar von null auf eins in die Hitparaden ein. Mit „Nur zu Besuch“ enthält es auch die Ballade, die Campino über den Tod seiner Mutter geschrieben hat.

Ende des Jahres fotografiert der Künstler Andreas Gursky (zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Nina Pohl) das Cover von „Reich & Sexy 2“, dem zweiten Best-Of-Album. Es knüpft an das Cover der ersten Best Of an, zeigt aber diesmal die Band nicht mit 13, sondern gleich mit 100 unbekleideten Frauen. Trotzdem oder gerade deshalb erreicht auch dieses Album bald Platin-Status. Die Tournee „Auswärtsspiel“ wird mit über einer halben Million Zuschauern die bislang erfolgreichste in der Bandgeschichte.

Reich & Sexy II

Foto Nina Pohl; Andreas Gursky

In Buenos Aires spielen die Toten Hosen 2003 in der legendärsten Halle der Stadt, im Luna Park, vor 8000 Zuschauern. Für die Leser des argentinischen „Rolling Stone“ wird es das „Konzert des Jahres“.

Ein Filmteam von MTV besucht die Toten Hosen im Jahr 2004 für 16 Folgen der Serie „Friss oder Stirb“, die die Band bei diversen nicht immer ernst gemeinten Freizeitaktivitäten, aber auch im täglichen Kampf mit dem Leben begleitet. Im Oktober desselben Jahres erscheint das 17. Album „Zurück zum Glück“. Auch dieses geht an die Spitze der Charts, aber die Toten Hosen sind mit der Platte nicht wirklich glücklich und hadern damit, nicht konzentriert genug gewesen zu sein. Trotzdem sind auf ihr auch Klassiker enthalten: „Freunde“ oder „Alles wird vorübergehen“.

Anlässlich des G8-Gipfel unterbrechen die Toten Hosen im Sommer 2005 ihre „Friss oder stirb“-Tour und spielen auf dem von Bob Geldof initiierten Live 8-Festivals in Gleneagles in Schottland und in Berlin an der Siegessäule. Im Herbst gibt die Band unterstützt von Piano und Cello zwei MTV Unplugged-Konzerte im Wiener Burgtheater, die noch im selben Jahr unter dem Titel „Nur zu Besuch“ als CD und DVD erscheinen. Auch den Dezember verbringen die Toten Hosen im Theater, jetzt mit Gerhard Polt und den Biermösl Blosn und ihrem gemeinsamen vorweihnachtlichen Satire-Stück „Abvent“.

„Unplugged”, Wien 2005

Foto Donata Wenders

Nach 24 Jahren legen die Toten Hosen im Jahr 2006 erstmals eine längere Pause ein.

Campino gibt in Berlin unter der Regie von Klaus Maria Brandauer den Mackie Messer in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Andi und Breiti reisen um die Welt, Vom gründet ungezählte Zweitbands. Nur Kuddel bleibt zuhause und brütet in der Eifel schon über neuen Tote-Hosen-Ideen.

Die Pause erstreckt sich weitgehend auch über das Jahr 2007. Die Band absolviert nur einen einzigen Auftritt: beim Protestkonzert gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm. Dabei singt Campino zusammen mit Youssou N‘Dour, Bono und Bob Geldof. Letzterer hatte zuvor für Breiti, Andi und Campino eine Reise zu Hilfsprojekten in Uganda, Sambia und Malawi vermittelt. Seitdem ist neben dem Stand von Pro Asyl auf jedem Toten-Hosen-Konzert auch der von Oxfam zu finden.

Campino und Andi im Lager Mucwini

Foto Andree Kaiser

Die Bandpause ist auch deshalb länger als geplant, weil Campino in dem Wim-Wenders-Film „Palermo Shooting“ die Hauptrolle übernommen hat. Der Film wird hauptsächlich auf Sizilien gedreht und hat im Frühjahr 2008 beim Filmfestival in Cannes Premiere. Im Herbst des Jahres erscheint das 18. Album „In aller Stille“. Für diese Scheibe, die unter anderem die Stücke „Strom“ und „Alles was war“ enthält, wechselt die Band nach 26 Jahren zum ersten Mal den Produzenten.

Vincent Sorg, der ein eigenes Studio auf einem stillgelegten Bauernhof im Münsterland betreibt, verpasst den Toten Hosen einen zeitgemäßeren und breitbeinigeren Sound.

Obwohl es mit „Auflösen“ und „Tauschen gegen dich“ zwei melancholische Lieder gibt, klingt das Album insgesamt brachialer und die Texte wirken düsterer.

Im Jahr 2009, dem 27. der Bandgeschichte, stirbt Wegbegleiter Uwe Faust, der sich in den frühen achtziger Jahren als einziger bereit erklärt hatte, den Toten Hosen eine PA-Anlage zu leihen und später Mixer, Fahrer und guter Geist der Band wurde. Kurz danach folgt ihm Manfred Meyer, Rocker bei den Black Devils und zwanzig Jahre Securitychef der Toten Hosen. Beide Todesfälle sind für die Band ein großer Verlust.

Uwe Faust
*11.02.1956 †29.10.2009

Manfred Meyer
*02.04.1954 †06.01.2009

In Argentinien erscheint das Album „La Hermandad – En El Principio Fue el Ruido“ – eine adaptierte argentinische Version von „In Aller Stille“. In Deutschland kommt indes das dritte Livealbum, „Machmalauter: Die Toten Hosen – Live“ auf den Markt.

Teatro Colegiales Argentinien, 2009

Foto Matias Corral

So36 Benefizkonzert, Berlin 2009

Foto Enno Kapitza

10er

Länderpunkte, Ballast der Republik, Tage wie diese, Krach der Republik, Am Anfang war der Lärm, Bob Geldof, Willkommen in Deutschland