Steuergelder für Die Toten Hosen? - Eine Richtigstellung

Einige von Euch haben es vielleicht mitbekommen: In den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“ standen vor einigen Wochen Artikel, in denen der Eindruck erweckt wurde, dass wir auf Kosten der Steuerzahler zwei hochdotierte Konzerte in Zentralasien gespielt hätten. Die Meisten von Euch werden ja mitverfolgt haben, dass wir im Herbst letzten Jahres nicht zwei, sondern fünf Konzerte in Zentralasien gegeben haben. Wir waren dazu vom Goethe-Institut eingeladen, die vor Ort einige Kosten übernommen haben. Knapp 100.000 Euro haben wir allerdings aus eigener Tasche getragen, nur so konnten die Konzerte überhaupt stattfinden. Selbstverständlich spielen wir solche Gigs dann auch ohne Gage. Schließlich war die Idee, dass zu den Konzerten jeder kommen kann und es keinen Eintritt kosten sollte. Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir die beiden Artikel vor diesem Hintergrund nicht lustig fanden. Die Sache ist zu unwichtig, um irgendwelche Anwälte einzuschalten, andererseits hinterlassen auch solche halbwahren und schlecht recherchierten Artikel immer einen blöden Beigeschmack. Um das richtigzustellen, haben wir an die beiden Zeitungen und den Journalisten, Herrn Lucas Wiegelmann, einen Leserbrief geschrieben in der Hoffnung, dass dieser abgedruckt und der Sachverhalt klargelegt wird. Dieses Schreiben findet Ihr weiter unten.

Kurz danach erhielten wir von dem Journalisten eine Nachricht, in der er sich zwar für den Eingang des Leserbriefs bedankte, uns aber gleichzeitig mitteilte, dass dieser nicht abgedruckt werden könnte.

Hier wird die ganze Angelegnheit richtig ärgerlich, da viele Menschen zwar die Artikel gelesen haben werden, aber nicht die Chance bekommen haben, den Sachverhalt korrekt kennenzulernen. Da uns die beiden Zeitungen den Abdruck des Leserbriefs und somit die Richtigstellung verweigert haben, möchten wir jetzt zumindest unseren Fans die Möglichkeit geben, die Sache im wahren Licht zu betrachten. Im Folgenden wie gesagt der Leserbrief, den wir an die Zeitungen und den Journalisten geschrieben haben, anschließend findet Ihr seine Antwort an uns. Da kann sich dann jeder selber seine Meinung bilden, für uns ist das Thema hiermit erledigt.

Vielen Dank und beste Grüße
Die Toten Hosen
Düsseldorf, Oktober 2011



Unser Leserbrief an die „Welt“:

Lieber Herr Wiegelmann,

in den Ausgaben der „Welt“ und der „Berliner Morgenpost“ vom 6. Oktober 2011 erschienen Artikel unter den Überschriften „Braucht Tokio Hotel unser Steuergeld?“ bzw. „68.793 Euro Steuergeld für die ‚Toten Hosen’“, in denen Sie u.a schrieben: „…die "Toten Hosen" dürfen mehr als das Doppelte für ihren Taschkent-Gig einplanen.“, „Da lacht Campino, Sänger der Band "Tote Hosen", auch seine Band wird vom deutschen Staat finanziell gefördert“, „Für zwei Gigs der Toten Hosen im selben Jahr in Taschkent (Usbekistan) und Almaty (Kasachstan) wurden insgesamt 68 793 Euro bewilligt.“ oder „Mit derselben Argumentation werden bei der Konkurrenz von Tokio Hotel übrigens noch ganz andere Preise gezahlt. Zwei Konzerte der Toten Hosen zum Beispiel, die mit etwa 22 Millionen verkauften Tonträgern bisher auch ganz gut allein über die Runden gekommen sind, wurden im vergangenen Jahr ebenfalls staatlich gefördert. Für die beiden Auftritte im usbekischen Taschkent und im kasachischen Almaty bewilligte das Auswärtige Amt 68.793 Euro.“

In Ihren Artikeln unterstellen Sie den Toten Hosen, uns würden persönlich Fördergelder zufließen und wir hätten auf Kosten des deutschen Steuerzahlers zwei hochdotierte Konzerte in Zentralasien gegeben.

Als seit 1982 fleißige Steuerzahler dieses Landes wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sie einige Tatsachen richtigstellen könnten:

Insgesamt handelte es sich um fünf Konzerte in Zentralasien – Astana, Almaty (Kasachstan), Taschkent, Samarkand (Usbekistan) und Duschanbe (Tadschikistan) – die von den dortigen deutschen Botschaften im Rahmen des „Jahres der Deutschen Kultur“ veranstaltet worden sind. Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob die Toten Hosen deutsches Kulturgut sind, aber Tatsache ist, dass diese Tournee nur stattfinden konnte, weil wir selber ca. 100.000.-€ aus eigener Tasche an Reisekosten, Transport und Crew-Löhnen beisteuerten. Wir sind zudem ohne Gage aufgetreten.

Die örtlichen Kosten – Hallenmiete, Technik, Unterbringung – wurden von den Botschaften getragen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen war frei. In den Ländern mit ohnehin geringem Durchschnittseinkommen sollte der Besuch der Konzerte für niemanden am Eintrittspreis scheitern.

Vor dem Mauerfall 1989 hatten wir oft, zumeist illegal, in den Ländern des ehemaligen Ostblocks gespielt, z.B. in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, der DDR oder der UdSSR. Wir wissen, wie es ist, von der Polizei verhaftet und verprügelt zu werden, aus einem Land ausgewiesen zu werden oder seine Spuren verwischen zu müssen, um nicht von der Geheimpolizei entdeckt zu werden. Wir wissen daher auch, mit welchen Schwierigkeiten Bands und Fans jeder Art von Rockmusik in von Diktaturen beherrschten Ländern zu kämpfen haben und was es für sie bedeuten kann, die Möglichkeit zum Besuch eines Rock-Konzertes zu haben.

Ohne die Hilfe der deutschen Botschaften hätten diese Konzerte in den Diktaturen Zentralasiens nicht stattfinden können. Die Unterstützung der Botschaften hatte zudem den Vorteil, legal spielen zu können, aber nicht mit lokalen staatlichen Organisationen zusammenarbeiten zu müssen, und so jeden Kontakt mit den jeweiligen Regimes zu vermeiden.

Die Reaktion des Publikums übertraf all unsere Erwartungen. Aus vielen Gesprächen wissen wir, dass die Besucher zum Teil weite Anreisen in Kauf nahmen, um die Konzerte sehen zu können, und trotz aller Sprachbarrieren vielfach erstaunlich gut über uns und die Inhalte unserer Musik informiert waren.

Wir würden uns über die Veröffentlichung dieses Leserbriefes freuen, um den Sachverhalt korrekt darstellen zu können.

Schöne Grüße Die Toten Hosen



Die Antwort des Redakteurs Lucas Wiegelmann:

Liebe Frau [Name unserer Mitarbeiterin],

haben Sie vielen Dank für Ihre freundliche Mail und die Übermittlung des Leserbriefs der Toten Hosen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese meine Antwort an die Musiker weiterleiten könnten.

Es tut mir sehr leid und ich habe vollstes Verständnis, wenn Sie sich über die Veröffentlichung geärgert habe. Ich selbst ärgere mich jetzt auch, weil bei der Verwertung des Textes zwei Fehler entstanden sind. Zwei der Zitate, die Sie aus meinem Artikel nennen, stammen nicht aus dem ursprünglichen Text, wie er in der gedruckten Ausgabe der "Welt" und auf der Website welt.de veröffentlicht wurde, sondern von der Website www.morgenpost.de, unserem Schwesterportal sozusagen. Wie Sie vielleicht wissen, bedienen sich die Nachrichten-Websites von Tageszeitungen in der Regel aus den gedruckten Artikeln, versehen sie mit neuen Fotos, etwas anderen (in der Regel zugespitzteren) Überschriften und vor allem mit einem knappen Vorspann ("Teaser"). Das übernehmen Online-Redakteure, die den jeweiligeln Text in aller Regel (wie auch in diesem Fall) nicht selbst geschrieben haben und leider viel zu oft unter großem Zeitdruck stehen. Dabei schleichen sich immer wieder Fehler ein, die uns sehr leid tun. In diesem Fall wurde leider im "Teaser" und in der Bildunterschrift zum Foto von Campino fälschlicherweise behauptet, das Fördergeld der Bundesregierung sei den "Toten Hosen" direkt zugute gekommen (abgesehen davon steht in der Bildunterschrift auch noch, dass das Konzert in Taschkent noch ausstehe; auch die angegebene Geldsumme stimmte nicht). Das ist ein Fehler - ich habe heute Morgen, nachdem ich Ihren Brief gelesen habe, den zuständigen Kollegen der "Berliner Morgenpost Online" ausfindig gemacht und ihn gebeten, die Fehler sofort zu korrigieren. Das ist mittlerweile geschehen.

Ansonsten beziehe ich mich in meinem Artikel (also in der "richtigen" Fassung von "Welt" und "Welt Online") auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der SPD-Bundesfraktion zur staatlichen Musikförderung. Darin steht nicht, dass das Fördergeld den Toten Hosen bzw. Tokio Hotel direkt zugute gekommen ist, sondern dass Konzerte dieser Bands gefördert wurden. Das geht auch aus den übrigen Stellen hervor, die Sie aus meinem Artikel zitiert haben. Z. B. "Für zwei Gigs der Toten Hosen im selben Jahr in Taschkent (Usbekistan) und Almaty (Kasachstan) wurden insgesamt 68.793 Euro bewilligt."

Ich bitte Sie noch einmal um Entschuldigung für die Versehen, die zu einer falschen Darstellung des Sachverhalts geführt haben. Sie hätten allen Grund zur Verärgerung - umso mehr habe ich mich über den netten und freundlichen Ton Ihres Schreibens gefreut.

Beste Grüße Lucas Wiegelmann

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