All die ganzen Jahre //
Pressearchiv

Dokumente, Lobeshymnen und Verrisse:

Die Spur, die die Toten Hosen in Magazinen und Zeitschriften hinterlassen haben.

Zurück zum Pressearchiv

Das Kreuz mit dem Band - Campino im Interview (Aus: Überblick 08/2000)

Es schien einmal mehr der Sommer der Toten Hosen zu werden. Fast alle Festivals und Konzerte waren ausverkauft und "Bayern" setzte sich in den Top Ten der deutschen Single-Charts fest, da passierte der tragische Kniefall von Campino. Ausgerechnet Pfingstsonntag bei Rock am Ring landete der Hosenfrontmann nach einem Sprung so unglücklich auf der Bühne, dass er sich einen Kreuzbandriss (Lig. cruciatum anterius) im linken Knie zuzog. Der Überblick sprach mit dem Rekonvaleszenten, der sich derzeit täglich in der Praxis von Fortuna-Physiotherapeut Bernd Restle für sein Comeback schindet.

Überblick: Wie geht's dir?

Campino: Den Umständen entsprechend eigentlich ganz gut. Aber natürlich ist das alles schon ziemlich ärgerlich.

Überblick: Zu welchem Zeitpunkt eurer Show ist die Sache mit dem Knie überhaupt passiert?

Campino: Gleich beim ersten Stück...

Überblick: Aua... und dann?

Campino: Mir war ziemlich schnell klar, dass da irgendwas nicht in Ordnung, bzw. kaputt war. Aber ich habe mir gedacht, du kannst jetzt bei so einem wichtigen Konzert nicht gleich wieder von der Bühne gehen und hab' auf die Zähne gebissen.

Überblick: Wie hast du auf die Diagnose reagiert?

Campino: Erst mußte ich mal warten, bis die Schwellung im Knie etwas abgeklungen war, und dann war der Befund natürlich frustrierend. Zumal wir mit der Band in den nächsten Wochen und Monaten einiges auf dem Programm hatten.

Überblick: So eine Verletzung müßte, nach allem was man vom Hörensagen weiß, ziemlich langwierig sein.

Campino: Richtig. Das dauert nach der Operation mindestens ein halbes Jahr, bis ich wieder halbwegs vernünftig laufen kann. Vielleicht sogar noch länger. Da gibt es mindestens soviele Horrorstories von Endlosleiden wie Legenden von Wunderheilungen. Aber ich arbeite schon jetzt hart in der Reha bei Bernd Restle. Da bin ich ungefähr vier Stunden am Tag. Sechsmal die Woche. Und bis jetzt liege ich mit allen Reha-Maßnahmen voll im Soll, inklusive dem absoluten Verzicht auf Alkohol. Auf diese Art und Weise merkt man schon, das man ein bißchen privilegiert ist, denn so einen Zeitaufwand können sich nur Sportler oder Leute wie ich, ohne feste Arbeits- oder Bürozeiten, leisten. Für einen normalen Arbeitnehmer wäre diese Intensität der Reha vermutlich kaum möglich. Zur Zeit sind übrigens von Fortuna der Uwe Weidemann und Kris Zedi da. Und vor ein paar Wochen turnte auch Mario Basler hier rum.

Überblick: In der ersten Zeit konntest du ja zumindest nebenbei immer Euro-Fußball gucken.

Campino: Stimmt. Und sieht man mal vom Versagen der deutschen Mannschaft und dem unglaublichen Ausscheiden der Engländer ab, war das jawohl eine hervorragende Europameisterschaft.

Überblick: Das hat Aleksandar Ristic auch gesagt. Was denkst du über die dritte "Ehe" von Aleks und Fortuna?

Campino: Ristic war in den letzten zehn Jahren die einzige wirkliche Lichtfigur im Düsseldorfer Fußball. Hoffentlich schafft er es, die Lampe nochmals zum Leuchten zu bringen.

Überblick: Wie vertreibst du dir jetzt die Reha-freie Zeit im grauenhaften deutschen Sommer?

Campino (lacht): Zum einen mit dem Verfassen von Konzertberichten für den Überblick, und ansonsten pflege ich neben meinem "Wehwehchen" auch Kontakte zu meinen Freunden, für die ich sonst nicht immer soviel Zeit habe.

Überblick: Wir freuen uns mit dir auf Bad Religion und wünschen weiterhin gute und schnelle Genesung!

Interview: Andreas Huber

Zurück zum Pressearchiv