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Dokumente, Lobeshymnen und Verrisse:

Die Spur, die die Toten Hosen in Magazinen und Zeitschriften hinterlassen haben.

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"Wir machen uns nicht in die Hosen" (ZDF.online, 28.09.2000)

Interview zur "Comet" Verleihung 2000

Das Jahr hatte für die Toten Hosen so gut begonnen: Chart-Spitzenpositionen mit dem Album und der Single "Unsterblich" sowie dem Fußball-Schmähsong "Bayern" folgte eine frühzeitig ausverkaufte Tournee - bis sich Sänger Campino Anfang Juni bei "Rock am Ring" bei einem Sturz einen Kreuzbandriss im Knie zuzog. Die Zwangspause nutzte die Band, um mit Star-Regisseur Wim Wenders - wie sie gebürtiger Düsseldorfer - und Pornodarstellerin Gina Wild den Videoclip zur aktuellen Single "Warum werde ich nicht satt" zu produzieren. Über die Dreharbeiten und die Zukunftspläne der Hosen, die in Hannover den Cometen als bester nationaler Act bekamen, sprach ZDF.online mit Andi und Campino.

ZDF.online: Campino, bei der Probe Eures Auftritts warst Du ja schon wieder ganz beweglich - wie geht es Deinem Knie?

Campino: Super, ich mache gute Fortschritte. Ich war jeden Tag in der Reha-Klinik, das hat sich ausgezahlt. Ich kann schon wieder durch den Wald joggen, aber springen, sprinten oder stoppen, diese ganz harten Sachen, das wird noch ein bisschen dauern. Deshalb war die Entscheidung damals richtig, die Tournee abzusagen. Ich denke aber, nächstes Jahr läuft wieder alles normal - ich bin auf Kurs.

ZDF.online: Wird die Tour dann fortgesetzt?

Campino: Wir wissen noch nicht genau, wie's weitergehen wird. Es macht für uns nicht so viel Sinn, die abgebrochene Tour mit so viel Verspätung wieder anzusetzen. Aber wir werden schon an irgendwas weiterarbeiten und in irgendeiner Form zurück kommen.

Andi: Man muss ja auch sagen, dass ein Großteil der Konzerte, die wir absagen mussten, Open Airs waren. Die kannst du sowieso nicht nachholen. Oder auch eigene Shows auf Open Air-Bühnen - das kann man natürlich im Winter schlecht machen... Wir sind jetzt erst mal im Proberaum, gucken, ob uns ein paar neue Sachen einfallen, und dann schauen wir mal, was nächstes Jahr passiert.

ZDF.online: Ihr habt die Zwangspause genutzt, indem Ihr an neuen Stücken gearbeitet habt. Sind schon Titel für eine neue Platte darunter?

Campino: Bei uns läuft alles sehr, sehr verhalten, wir sind ja nicht unter zeitlichem Druck. Es kommt hinzu, dass man mit so einer Verletzung kopfmäßig doch sehr beschäftigt ist. Es ist schon ein echter Hammer: Es dauert bis zu acht Monaten, bis man wieder an die alten Zustände herankommt. Das besetzt meine Rübe so sehr, dass ich mit neuen Sachen jetzt keinen großen Beitrag leisten konnte. Aber es wird immer besser, und wir sind auf einem guten Weg. Wir machen uns da nicht in die Hosen.

Andi: Wir würden jetzt gerne erzählen "Wir haben schon 200 Stücke im Kopf", wie das so viele Musiker tun. Aber so ist es nicht, so machen wir leider nie Platten...

ZDF.online: Das Video zu Eurer aktuellen Single "Warum werde ich nicht satt" habt Ihr mit Wim Wenders gedreht. Was war der Grund dafür, dass Ihr ihn engagiert habt?

Andi beim ZDF Interview zur Comet-Verleihung
Andi beim ZDF Interview zur Comet-
Verleihung

Andi: Wir fanden schon immer, dass Wim Wenders großartige Filme gemacht hat, sind aber nicht davon ausgegangen, dass er jetzt gleich sagt: "Ja, das will ich machen." Wir haben ihm das Stück geschickt in der Hoffnung, dass er vielleicht reagiert. Er hat daraufhin ein so detailliertes Exposé geschickt, wie wir es noch von keinem anderen Regisseur erhalten haben - wir waren schon sehr überrascht. Mit ihm zu arbeiten, war eine klasse Erfahrung, weil er ein brillanter Mensch ist und genau weiß, was er tut. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was herausgekommen ist. Wim Wenders kennen gelernt zu haben, war sicherlich eines der Highlights des Jahres.

ZDF.online: Bei dem Dreh war ja auch eine nicht ganz unbekannte Darstellerin beteiligt: Gina Wild. Habt Ihr Euch gegenseitig noch etwas beibringen können? Künstlerisch, meine ich natürlich...

Campino: Nee, auf ihrem Gebiet ist die wohl perfekt, da muss man sich nicht von den Toten Hosen belehren lassen, wie's geht...

ZDF.online: Hättet Ihr nicht auch eine Nominierung für das beste Video verdient? Ihr seid ja hier "nur" als bester Live-Act und als bester nationaler Act nominiert.

Campino: Man weiß ja nie, wie diese Videos ausgewählt werden. Vielleicht ist unseres auch zu neu gewesen und in dieser Kategorie der Jury gar nicht mehr vorgestellt worden. Es gibt eine wahnsinnige Bandbreite an Acts und Musik, und es ist sowieso schwer, die bei einer solchen Preisverleihung alle zu berücksichtigen. Wir sind nicht besonders beleidigt, dass wir da nicht genannt sind.

ZDF.online:Ihr werdet, was ja keine Selbstverständlichkeit ist, heute Abend live spielen. Ist es ein Prinzip von Euch, nur ungern mit Playback aufzutreten?

Campino: Überhaupt nicht. Ich bevorzuge Playback-Shows, weil man da weniger arbeiten muss... (lacht) Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich fühle mich wirklich wohl, live zu spielen, aber dann bei einem langen Konzert. Ich sehe uns als Band eher wie ein Marathonläufer: Man braucht drei, vier Nummern, um heiß zu werden und dann gut zu spielen. Wenn Du bei einem Fließbandprogramm, bei dem so viele Leute hintereinander weg kommen, für drei Minuten auf die Bühne gehen sollst, dann kann das nicht das Level sein, dass du normalerweise live erreichst, und das hinterlässt bei mir immer ein schlechtes Gefühl. Deshalb fühle ich mich bei Playback wohler, weil mit offenen Karten gespielt wird: Da ist keine Leistung, aber alle wissen, dass es so ist. Insofern ist das keine prinzipielle Frage. Vielleicht ist es mal ganz lustig, live zu spielen, aber diese Halle ist akustisch sehr schwer zu betonen. Es wird hoffentlich heute kein Problem werden, aber es wird ein Kampf.

Andi: Es gibt auch nicht so viele Sendungen, bei denen man genügend proben könnte, damit du die Chance hast, dass es vernünftig klingt. Ich weiß nicht, ob's heute Abend vernünftig klingen wird, denn es ist immer ein Risiko dabei. Aber hier hast Du wenigstens noch halbwegs die Möglichkeit, dass du es hinbekommst, deswegen haben wir uns entschlossen, hier live zu spielen. Aber es gibt eine Menge Sendungen, bei denen das nicht mehr möglich ist, und da bevorzugst du dann Playback, weil es mehr das ist, was du dir an Sound vorstellst, als dass irgendeiner das am Mischer regelt, der überhaupt keine Ahnung davon hat.

Campino: Das ist auch okay, aber wir gehören nicht zu den Leuten, die auf Bon Jovi abzielen, nur weil die mit Playback auftreten, das ist völlig egal. Bei so einer Preisverleihung interessiert das wirklich nicht.

Interview: Thomas Kirwel

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