Wer sich etwas mit den Hosen beschäftigt, gewinnt den Eindruck, dass kaum einer die Bandoptik so geprägt hat wie Du. Stimmt der Eindruck?
Jeder in der Band hat sicher seinen eigenen Stil, aber es ist richtig, dass ich mich da immer schon ein bisschen drum gekümmert habe. Bevor es die Hosen gab, war ich ein Jahr lang bei einer Gastfamilie in Los Angeles, als Austauschsschüler. In der dortigen Punk-Szene habe ich den Künstler Mike Roman kennen gelernt, der später auch viele Covers von uns entworfen hat und bis heute ein guter Freund von mir ist. Er hat mir damals Siebdruck beigebracht, und das ist eine Technik, mit der man sich seine Klamotten relativ einfach selbst bedrucken kann. So hat es sich ergeben, dass ich irgendwann auch die Band-T-Shirts und Sachen für die Bühne gestaltet habe.
Dein kreativer Einsatz hört aber längst nicht bei den Klamotten auf…
Ich bin tatsächlich immer in genau diesen Hosen-AGs vertreten, in denen es um Plattencovers, Video-Clips oder DVDs geht. Mit Breiti zusammen kümmere ich mich auch um die Optik auf der Bühne: Was projizieren wir diesmal, was nehmen wir für Vorhänge? Bei uns ist es ein glücklicher Zufall, dass jeder die Sachen realisieren kann, die ihm am meisten Spaß machen. Da sind die Anderen auch meistens froh, wenn das derjenige, der sich für ein Thema besonders interessiert, auch wirklich macht. Es wird aber nie so sein, dass ich mir ein Plattencover alleine ausdenke. Da wird dann eher doch mal wieder ausgiebigst drüber diskutiert…
>> Ich bin tatsächlich immer in genau diesen Hosen-AGs vertreten, in denen es um Plattencovers, Video-Clips oder DVDs geht. << (Foto: Donata Wenders)
Hast Du bei einer solchen Diskussion eine besondere Stimme?
Zum Plattencover hat jeder gleich viel zu sagen und tut das auch. Da wird also auch heute noch basisdemokratisch drüber geredet. Ich entscheide dann eher mal selbständig, ob wir dieses oder jenes Band-T-Shirt ins Merchandise aufnehmen. Und als wir die DVDs vom „Unplugged“ und „Heimspiel“ fertig gestellt haben und wir den letzten Schnitt unseres Live-Regisseurs abnehmen mussten, bin ich auch alleine zur Freigabe hingefahren. Da haben die anderen Bandmitglieder dann schon das nötige Vertrauen – schauen aber hinterher doch noch mal alle drüber (lacht).
Welches Plattencover würdest Du nachträglich lieber aus dem Verkehr ziehen?
Grundsätzlich ist es schade, dass die Covers heute nur noch CD-Größe haben. Das war früher bei einer Vinylplatte noch etwas Anderes. Es gab sicher Cover, die nicht so glücklich waren. „Unsterblich“ fand ich zum Beispiel kein so gelungenes Cover, weil das nicht so richtig zur Platte passte. Die „Unplugged“ und die „Opium fürs Volk“ haben wir dafür ziemlich gut hinbekommen. Und aus der Sprühoptik der „Friss oder stirb“-Single resultierte alles, was wir für die letzte Tour benutzt haben. Die richtig gute Idee für die „Reich & Sexy“ haben wir für die „Reich & Sexy II“ selbst ad absurdum geführt haben – mit einer der lustigsten Foto-Sessions der Bandgeschichte. Wenn wir ins Ausland kommen, werden wir da immer noch drauf angesprochen. Insgesamt ist die Trefferquote eher ziemlich hoch. „Damenwahl“ fand ich rückblickend jetzt nicht so toll (lacht), aber danach kamen schon ein, zwei bessere.
>> Die richtig gute Idee für die „Reich & Sexy“ haben wir für die „Reich & Sexy II“ selbst ad absurdum geführt haben – mit einer der lustigsten Foto-Sessions der Bandgeschichte. << (Foto: Nina Pohl und Andreas Gursky)
Wie wichtig ist die Bandoptik für Dich im Vergleich zur Musik?
Wenn ich mir andere Bands angucke, schaue ich auch genau hin, was die für ein Plattencover haben oder wie sie sich auf der Bühne präsentieren. Gerade bei Konzerten, in denen die Hallen etwas größer sind, kommt der Optik eine besondere Bedeutung zu. Die Zuschauer sitzen heute auch schon mal sehr weit weg von der Bühne. Die kriegen also eher etwas von der Bühne mit, als dich selbst darauf zu sehen. Man kann dann ein totales Brimborium wie Pink Floyd auffahren, so dass es letztendlich egal ist, wer da auf der Bühne steht. Oder du fokussierst wie wir alles auf die Band, musst es aber so transportieren, dass das auch alle in der Halle mitkriegen. Letztendlich gilt aber: Wenn du eine gute Platte machst, kannst du auch ein scheiß Cover haben – und die Leute werden die Musik trotzdem gut finden. Die Musik und die Texte sind immer das Wichtigste.
Wer waren Deine persönlichen Stil-Ikonen, die Dich geprägt haben?
Wer immer wieder die richtige Mischung gefunden hat, dass waren für mich The Clash. Wie die ihre Plattencovers gestaltet haben, wie die herumgelaufen sind, wie die ihre Bühnen angelegt haben – da stimmte einfach alles. Sie haben ihre Optik dabei auch immer wieder mal verändert, was sicherlich ein ganz anderer Ansatz als bei den Ramones war: Die hatten einmal ihren Stil und haben den eisenhart durchgezogen. Ich bin froh, dass das bei uns anders ist. Sonst würden wir heute noch so rumlaufen, wie zu den Zeiten der „Opel-Gang“. Im zeitlichen Kontext hat das sicherlich optimal gepasst. Und es hatte damals zwei entscheidende Vorteile: Die Second-Hand-Klamotten kosteten fast gar nichts und es war immer gleich jedem klar, dass wir eine Gang sind. Wir hatten vielleicht einen an der Waffel, aber wenigstens einen gemeinsamen Stil. Ein Nachteil war höchstens der Synthetikstoff, der ab bestimmten Temperaturen zu riechen begonnen hat (lacht).
Wie wichtig war Deine Jugend in Mettmann für Deine Zukunft bei den Hosen?
Ich bin ein paar Häuser von Campino entfernt aufgewachsen. Wir waren zusammen im Hockeyclub, hingen immer zusammen ab – und dann ist der Punk-Rock um die Ecke gekommen. Wir haben diese Musik zusammen gehört und geliebt. Die Nähe von Mettmann zu Düsseldorf war da natürlich von großem Vorteil. Es war mit Hamburg und Berlin die erste Stadt in Deutschland, in der eine Punk-Szene existierte. Mit dem Ratinger Hof gab es einen Laden, in dem sich alle trafen und in dem die ersten Punk-Konzerte hierzulande stattgefunden haben.
Ich wurde dann Roadie und Fotograf bei ZK, wo zu diesem Zeitpunkt bereits Campino und Kuddel spielten, die aber eigentlich gar keinen Roadie brauchten. Es gab eigentlich wenig Anlage, die man schleppen musste. Es ging einfach darum, mit ihnen mitzufahren und gemeinsam zu feiern. Und auf diesen gemeinsamen Fahrten wurde einiges von dem begründet, was hinterher die Hosen geworden sind.
>> Ich wohnte aber ganz woanders und mir war gar nicht klar, wie groß Los Angeles eigentlich ist. Selbst mit einem eigenen Auto wäre man anderthalb Stunden dorthin unterwegs gewesen. << (Foto: Donata Wenders)
Was hat Dir das Jahr in den USA gebracht, musikalisch und persönlich?
Das Jahr war eher für mich wichtig, als für die spätere Bandgründung. Es war eine Zeit, zu der ich nicht so gut mit meinem Vater klar gekommen bin. Und mir schien es deshalb auch ein guter Zeitpunkt, um eine Auszeit zu nehmen. Es war dann ein glücklicher Zufall, dass ich in eine Stadt kam, in der es eine sehr vitale Punk-Szene gab, mit lokalen Bands wie The Germs, Fear oder Black Flag. Ich habe in Los Angeles eines der ersten Konzerte von Social Distortion gesehen, aber auch andere Punk-Bands wie The Clash, Dead Kennedys, Ramones, Sham 69 und „X“. Es war eine wilde und aufregende Zeit – und ich war genau am richtigen Ort. Nur in New York oder London wäre es wahrscheinlich genauso aufregend gewesen, aber Los Angeles war schon gar nicht so schlecht.
Und vor allem ein ziemlicher Kontrast zu Deiner beschaulichen Heimatstadt…
In den USA war alles komplett anders und zunächst einmal auch sehr fremd für mich. Als ich gerade in L.A. angekommen war, habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Buzzcocks in Santa Monica spielten. Ich wohnte aber ganz woanders und mir war gar nicht klar, wie groß Los Angeles eigentlich ist. Selbst mit einem eigenen Auto wäre man anderthalb Stunden dorthin unterwegs gewesen. Und ich hatte kein eigenes Auto! Die Dimensionen der Stadt haben sich mir nur nach und nach erschlossen. Ich konnte auch sehr wenig mit dem „American Way Of Life“ anfangen, wie er auf der High School praktiziert wurde, alleine schon die Tatsache, dass man morgens nach dem Aufstehen die amerikanische Nationalhymne singt. Diesen Gedanken fand ich natürlich vollkommen abwegig. Ich bin hinterher auch in keinen Football-Klub eingetreten (lacht). Aber das Jahr hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass ich ein bisschen Englisch gelernt habe. Das war vorher nie so mein Steckenpferd gewesen. Ich habe da also auch etwas mitbekommen, was ich heute noch nutzen kann. Und es hilft auf jeden Fall weiter, mit 16, 17 Jahren mal von zu Hause weg gewesen zu sein. Zurück in Mettmann habe ich die Schule fertig gemacht und bin dann ziemlich schnell nach Düsseldorf gezogen.
Warum wurde ausgerechnet der Stadtteil Flingern von Anfang zum Mittelpunkt des Bandlebens?
Das hatte damals ganz banale Gründe: Es war der billigste Wohnraum, den man in Düsseldorf kriegen konnte. Es gab dann ein wenig später tatsächlich eine Zeit, zu der wir fast alle an einer Ecke gewohnt haben: Trini, Campino und Walter November in einem Komplex auf der Gaußstraße, Breiti und ich 30 Meter entfernt auf der Bruchstraße. Flingern ist immer ein klassisches Arbeiterviertel gewesen, in das viele junge Leute gezogen sind, weil es billige Wohnungen gab. Dadurch hat sich dort eine Mini-Szene entwickelt. Und es war immer schon das Zuhause der Fortuna; der Flinger Broich lag für uns also um die Ecke.
Welche Bedeutung hat Flingern heute für Dich?
Inzwischen ist in Flingern viel Neues entstanden, es gibt jetzt auch viele neue „Szeneläden“. Und es hat sich alles gut vermischt. Es ist noch lange kein hippes Viertel, sondern man trifft durchaus noch den normalen Arbeiter oder den Typen, der samstags in Schlängellinien aus der Kneipe kommt. Für mich ist Flingern bis heute ein sehr netter Stadtteil, in dem ich oft unterwegs bin. Und letztendlich ist es das genaue Gegenteil davon, was sich die Leute immer unter Düsseldorf vorstellen, also von Königsallee, Modemesse und Werbeagenturen.
Die Rheinische Post bezeichnete die Ackerstraße als das „subkulturelle Gegenstück zur Königsallee“. Du hast dort 2005 ein Ladenlokal für Dein Modelabel „Misprint“ eröffnet.
Auf der Ackerstraße haben sich in der letzten Zeit viele Leute niedergelassen, die irgendwelche Sachen selbst machen. Mir gefällt es ganz besonders, dass dort etwas Eigenes entstanden ist. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als dass man in jeder europäischen Großstadt in die Stadtmitte geht und überall dieselben Läden wieder findet. Es ist immer gut, wenn irgendwo eine eigene Szene entsteht und dadurch Sachen zustande kommen, die man nicht überall bekommt.
>> Auf der Ackerstraße haben sich in der letzten Zeit viele Leute niedergelassen, die irgendwelche Sachen selbst machen. Mir gefällt es ganz besonders, dass dort etwas Eigenes entstanden ist. << (Foto: Slavica)
Wieso hast Du diesen Schritt jetzt gemacht – von der Gründung des Modelabels hin zum Ladenlokal?
Das ist als Idee an der Hotelbar entstanden, als ich auf der vorletzten Tour mit Susy Hertsch zusammen saß. Ich musste die Klamotten aus Zeitgründen irgendwann mit irgendjemandem zusammen machen. Und da kam dann irgendwann Susy ins Spiel. Sie hat unsere Sachen gedruckt, gebatikt und genäht, bis zuletzt immer öfter mal Nachfragen kamen, ob man das Zeug denn auch irgendwo kriegen könne. Wir haben uns dann überlegt, dass man vielleicht wirklich den gewohnten Stil fortführen und eigene Klamotten entwerfen könnte. Eine zeitlang lief das Modelabel nur über die Homepage, aber irgendwann brauchten wir zwangsläufig ein Ladenlokal. Für uns war sofort klar, dass das in Flingern sein sollte. Es ist jetzt auch keinesfalls riesig, sondern alles schön klein, was auch ganz gut zu unserer Produktion in Mini-Stückzahlen passt.
Wie viel Zeit verbringst Du mit dem Modelabel?
Momentan habe ich wegen der Bandpause natürlich etwas mehr Zeit, mich um das Geschäft zu kümmern. Den größten Arbeitsaufwand hat aber ansonsten Susy. Ich bin durch das, was ich in meinem Leben tue, ja zwangsläufig öfter mal weg. Und ich stehe da jetzt auch nicht im Ladenlokal und verkaufe die Sachen eigenhändig. Wir überlegen uns aber zurzeit schon gemeinsam, was unsere nächsten Schritte sind. Es macht auch großen Spaß, mir selbst ein paar neue Sachen auszudenken. Was wir größtenteils anbieten, sind Hemden und T-Shirts, weil die auch bei den Leuten am beliebtesten sind. Wenn wir aber mit den Hosen eine Platte aufnehmen oder auf Tour sind, bleibt für Misprint eher keine Zeit mehr. Die Band hat bei mir immer Priorität.
Du kümmerst Dich wie erwähnt auch federführend um das Band-Merchandise. Denkst Du da, gerade als Modemacher, manchmal: „Ach, schon wieder dieser ewige Totenkopf!“
Den Gedanken habe ich wirklich manchmal. Wenn man den viele Jahre lang sieht, denkt man natürlich so. „Den Adler und den Totenkopf haben wir jetzt schon so oft gemacht. Das muss doch nicht noch mal sein!“ Wenn ich mir dann aber umgekehrt ein Hemd von den Ramones hole, möchte ich auch das klassische Motiv darauf haben. Man kann damit ja auch herumspielen! Wir haben jetzt ein T-Shirt gemacht, auf dem der Adler unten auf dem Hemd „ausläuft“. Solange man zwischendurch noch ein paar andere Motive zur Verfügung hat, ist das schon ganz in Ordnung.
Wie würde das DTH-Bandlogo aussehen, wenn Du heutzutage ein neues entwerfen müsstest?
Das muss ich zum Glück nicht. Ein gutes Logo kann man sich merken und das steht auch für etwas Bestimmtes, wie bei uns der Adler und der Totenkopf. Den Totenkopf haben wir zuletzt etwas verändert, aber schon so, dass das nachvollziehbar war. Wer sich mit den Hosen beschäftigt, weiß immer noch, dass das unser Totenkopf ist. Wenn man zwei so prägnante Logos hat, ist das schon eine Menge und ein glücklicher Zufall. Wenn wir damals einen Grashüpfer genommen hätten, würde ich das heute nicht mehr so toll finden. Der Adler und der Totenkopf sind dagegen nachvollziehbare Größen. Und ein neues Logo zu etablieren, wäre auch gar nicht so einfach.
Du hast im Herbst 2005 zusammen mit dem Star-Fotografen Andreas Gursky eine Fotoausstellung in Düsseldorf kuratiert. Wie kam es zu dieser Konstellation?
Der Maler Ulli Maier ist ein alter Freund von mir. Er hat über die Jahre halt auch sehr viel fotografiert und dann Andreas und mich gefragt, ob wir die Ausstellung in der Revolver-Galerie in Flingern kuratieren wollten. Ich kenne Andreas Gursky, der ja auch das Coverfoto für die „Reich & Sexy II“ gemacht hat, ebenfalls sehr gut und die ganze Geschichte hat mir viel Spaß gemacht. Ich besitze da aber keine besonderen Fähigkeiten. Und es wird sicherlich nicht so sein, dass ich jetzt öfter mal Ausstellungen kuratiere.
>> Andreas Gursky guter Freund von mir und hat mit seinem Bild aus der Dortmunder Westfalenhalle sicherlich eine der schönsten Liveaufnahmen von uns gemacht. << (Foto: Andreas Gursky)
Im Fragebogen auf der Homepage hast Du Ulli Maier als Deinen Lieblingsmaler neben Jean-Michel Basquiat genannt. Was steht Dir näher – Fotografie oder Malerei?
Ich wollte immer Fotograf werden; das war mein Wunschtraum. Das hat sich irgendwann erübrigt, als klar wurde, dass man die Toten Hosen weitermacht. Man hatte eh nichts anderes gelernt. Da konnte man das auch weitermachen (lacht). Ich habe das Fotografieren auch nie so verfolgt, dass ich es richtig gelernt hätte. Ich sehe mich nicht als den großen Kunstfachmann. Ein bisschen Ahnung habe ich sicherlich, aber ich würde nicht für mich in Anspruch nehmen, dass ich mich da wirklich sehr, sehr gut auskenne. Ich gehe sehr gerne in Ausstellungen. Es gibt verschiedenste Fotografen, die ich gut finde zum Beispiel: Diane Arbus, Sebastiao Salgãdo, William Eggleston, Irving Penn – und Andreas Gursky. Der ist dazu auch ein sehr guter Freund von mir und hat mit seinem Bild aus der Dortmunder Westfalenhalle sicherlich eine der schönsten Liveaufnahmen von uns gemacht. Ich freue mich schon auf den Februar 2007, wenn seine großformatigen Bilder in München zu sehen sein werden.
Würdest Du Dich als Kunstsammler bezeichnen?
Nein, das wäre übertrieben. Ich besitze schon so ein paar Sachen, aber nur von Künstlern, die ich auch kenne. Ich habe mir zum Beispiel ein paar Fotos von Donata Wenders gekauft, die ganz tolle Sachen macht. Von Wim Wenders habe ich auch ein Bild, das er mir zum Geburtstag geschenkt hat. Das ist ein Foto von einem Konzert von uns in der Westfalenhalle, quasi das Pendant zu dem eben erwähnten Bild von Andreas Gursky. Bei Wim Wenders sieht man die Szenerie nach dem Konzert: den Müll auf dem Boden und die leere Westfalenhalle. Es ist aber auf keinen Fall so, dass ich Sachen von Künstlern kaufen würde, um die zu sammeln. Ich könnte die auch gar nicht aufhängen: So große Wände habe ich gar nicht. Und meinen zweiten Lieblingsmaler kann ich mir noch nicht leisten. Ein Basquiat ist einfach zu teuer; der spielt in einer anderen Liga. Da müsste man schon Ölbaron sein und nicht deutscher Musiker (lacht).
>> Von Wim Wenders habe ich auch ein Bild, das er mir zum Geburtstag geschenkt hat. Das ist ein Foto von einem Konzert von uns in der Westfalenhalle, quasi das Pendant zu dem eben erwähnten Bild von Andreas Gursky. << (Foto: Wim Wenders)
Wann fotografierst Du heute selbst am meisten?
Auf Reisen. Ich habe in der ersten Jahreshälfte drei Monate lang eine klassische Weltreise gemacht. Das wollte ich immer schon machen und jetzt hatte ich durch die Bandpause die Chance. Es gibt für eine solche Tour ein spezielles Flugticket, bei dem man sich am Anfang nur überlegen muss, ob man nach Westen oder Osten fliegt. Weil ich die vielen Eindrücke irgendwie festhalten wollte, habe ich auf dieser Weltreise viel fotografiert. Ich habe unterwegs auch viele Leute besucht, die ich lange nicht mehr gesehen hatte, war zum Beispiel in Los Angeles bei meiner alten Gastfamilie, habe den Video-Regisseur Hans Nelemann in New York getroffen und ein paar Freunde in Australien besucht. Das Postkarten-Relax-Programm fand auf den Cook-Inseln und auf Trinidad/Tobago statt. Und etwas ganz Anderes war dann Kambodscha. Ich war sehr beeindruckt davon, wie gut die Leute drauf sind, obwohl sie jahrelang nur den totalen Horror erlebt haben, zum Beispiel Ende der 70er Jahre, als die Roten Khmer eine ganze Generation auslöschten.
Warum hast Du Dich für dieses Kontrastprogramm entschieden?
Ich fand es wichtig, mal eine richtige Pause zu machen. Einfach mal andere Leute kennen lernen und ganz andere Sachen machen. Wenn man die Bandsache so intensiv über einen langen Zeitraum macht, wie wir das tun, ist das meiner Meinung nach sehr wichtig. Ich empfinde den aktuellen Zustand immer noch als sehr angenehm. Man frickelt natürlich auch immer mal zu Hause etwas herum, aber richtig losgehen wird es erst wieder, wenn wir uns alle im Proberaum wieder treffen, also frühestens dann, wenn Campino sein Theaterstück fertig gespielt hat. Bock hat man aber eigentlich immer. Ich war jetzt zuletzt bei „Rock am Ring“ – und als Metallica auf diese Bühne gekommen ist, da wäre ich in dem Moment auch gerne an ihrer Stelle gewesen. Das Kribbeln war sofort wieder da. Und das ist schon mal kein schlechtes Zeichen!