Stand: 01.02.2012
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![]() FREUNDE DES HAUSESInterview mit Porst („Das Dreckige Dutzend“) im Dezember 2009![]() „Das Bett steht im Bus“ Porst ist seit 1998 einer der Auf- und Abbauhelfer der Hosen auf Tour, zuletzt auch bei den sechs Weihnachtskonzerten in Düsseldorf. Zur Stammcrew gehören insgesamt zwölf Auf- und Abbauhelfer, die den Namen "Das Dreckige Dutzend" tragen. Wenn Porst nicht für DTH anpackt, macht er das für die Ärzte oder Beatsteaks. Sechs Konzerte mit den Hosen in Düsseldorf, vor und nach Weihnachten. Wie hast Du Heiligabend verbracht?Ein großer Teil der Crew, incl. mir, hat in einer Kneipe gegenüber vom Hotel gefeiert. Der Name der Kneipe war passenderweise: Che Guevara. Da haben wir fast jeden Tag noch etwas Party gemacht. Normalerweise geht das nicht, weil wir sonst direkt nach dem Konzert abbauen und in die nächste Stadt weiterfahren. Insofern waren die sechs Konzerte in Düsseldorf für uns etwas Besonderes. Mit dem letzten Gitarrenriff einer Show war auch für uns Feierabend, außer am sechsten Tag. Wann seid Ihr als „Dreckiges Dutzend“ angereist, um alles aufzubauen, was während der sechs Konzerte gebraucht wurde?Drei Tage vorher war unser erster Arbeitstag. Erster Tag: Aufbau. Zweiter Tag: Probe und Teilabbau, weil am Tag vor dem ersten Konzert noch ein Eishockeyspiel der DEG stattfand. Damit die Herren den Puck nicht um die Bühne herum spielen mussten, haben wir einfach alles wieder weggestellt. Was ist mit dem Essen?Das Catering ist elementar. Wenn man auf Tour schlechtes Essen bekommt, kannst du zugucken, wie die Laune im Team schlechter wird. Wenn es eine gute und professionelle Tour ist, wird darauf geachtet. Wenn man mal mit einer kleineren Produktion unterwegs ist, passiert es schon mal, dass man morgens zum Club kommt – und es ist noch kein Kaffee da! Wenn man Glück hat, hat man noch eine Kaffeemaschine im Bus. Dann muss man sich halt dort hinten anstellen (lacht). Wie viel Kaffee trinkst Du auf Tour?Mittlerweile halte ich mich etwas zurück, aber früher waren es zwei Kannen am Tag. Oder sogar drei. So ein Arbeitstag geht ja ziemlich lang, wenn man um 7 Uhr morgens anfängt. Immer gegen 23.30 Uhr beginnt der Abbau, um 2 oder halb drei machen wir den Truck wieder zu. Zwischendurch hat man bei einer großen Tour maximal zwei, drei Stunden Zeit. Wenn man schlau ist, legt man sich hin, zum Beispiel auf einem mitgebrachten Campingstuhl. Nach der zweiten Kanne Kaffee geht es aber nicht mehr so gut mit dem Hinlegen... Wir haben einen gepflegten 20-Stunden-Tag. Und manchmal sagt der Körper zu einem: Du bist jetzt fertig! Wann schlaft Ihr dann wirklich?Das Bett steht im Bus, fest verankert. Da schläft man sofort ein, nach zwei, drei Sturzbier. Was wir tagsüber abliefern, wird recht schnell zur Fließbandarbeit. Nur die Halle ist jeden Tag eine andere. Es soll Menschen geben, die in den zwei, drei Stunden, die wir Zeit haben, durch die Stadt schlendern, um ein bisschen vom Rock´n´Roll runterzukommen. Es ist ein schizophrenes Dasein: Zu Hause hat man ein Kind, Familie undsoweiter. Und dann schaltet man für zweieinhalb Monate komplett um. In der Zeit kommt man normalerweise auch gar nicht nach Hause und hat immer nur dieselben Gesichter um sich herum. Die sind aber bei den Hosen extrem gut zusammengestellt, kennen sich teilweise schon seit Jahrzehnten. Wie ist das beim „Dreckigen Dutzend“?Zwölf gute Freunde in einem Bus. Wir kennen uns auch schon seit Ewigkeiten und verstehen uns blind. Das „Dutzend“ hat 1996 das erste Mal für die Hosen gearbeitet, nachdem Kiki sechs, sieben Kollegen angesprochen hatte. Ich bin erst 1998 im Winter eingestiegen, zur Rote-Rosen-Tour. In den ersten Jahren gab es noch etwas Fluktuation, seit 2000 ist der Haufen aber nahezu unverändert. Dass wir immer genau zwölf sind, war naheliegend: Wenn man einen der kleineren Nightliner fährt, ist das genau eine komplette Busbelegung. Wie bist Du zu Deinem Job beim „Dutzend“ gekommen?Ich habe in Berlin bei einer Eventagentur gearbeitet, als mich einer vom „Dutzend“ angesprochen hat. Ich habe keine 30 Sekunden überlegt, bevor ich zugesagt habe. Im Nachhinein war das für mich wie ein Sechser im Lotto. Die Crew ist so zusammengestellt, dass sie als Menschen miteinander funktionieren. Fachwissen ist natürlich auch vorhanden, aber in erster Linie geht es um die Menschen. In anderen Crews gibt es auch mal Mimosen, die komplizierter sind als die Musiker. Bei uns gibt es genau fünf Stars – und die stehen auf der Bühne. Welche Fähigkeiten zeichnen das „Dutzend“ aus?Es ist nicht so, dass man zwölf Leute auf der Straße eingesammelt hätte. Wir haben gelernte Gerüstbauer dabei, Techniker, die abseits der Touren für andere Firmen arbeiten und mich, der ich vorher als Tonassistent tätig war. Die Hälfte wohnt in Berlin, die andere Hälfte außerhalb, viele in Sachsen und Thüringen. Ungefähr ein Jahr vor einer Tour erfahren wir die Eckdaten, damit wir uns die Zeit freihalten können. Meistens ist das im Winter, über Weihnachten, und im Frühjahr. Mit den Hosen haben wir jetzt zweimal hintereinander den Winter gemacht: Die Jungs haben mir also zweimal Weihnachten versaut, danke schön! (lacht) Wie hältst Du Dich zwischen zwei Touren über Wasser?Wenn ich nicht auf Tour bin, übernehme ich bei meiner alten Firma die Produktionsleitung für irgendwelche Stadtfeste. Ich bin aber nicht nur mit den Hosen unterwegs. Für KKT begleiten wir auch die Ärzte und Beatsteaks. Und irgendjemand von denen ist letztendlich doch immer auf Tour. Früher haben sich die beiden Großen, Hosen und Ärzte, herrlich abgewechselt, Jahr für Jahr. Dann haben die Hosen ein Jahr Bandpause gemacht, die Ärzte betreiben ihre Soloprojekte. Deshalb bin ich, kurz vor den Weihnachtskonzerten, mit Bela mitgefahren. Die alte Frage: Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Hosen und Ärzten?Mit den Ketzereien haben die schon vor Jahren aufgehört. Früher war das ein guter Gag für die Fans. Da gab es dann ja auch wirklich zwei Lager: „Bist Du Hosen oder Ärzte?“ Heute gibt es keine Sticheleien mehr, weder in Interviews, noch auf der Bühne. Man sieht auch immer wieder welche aus der einen Band beim Konzert der anderen. Die Ärzte kommen zu Hosen-Konzerten – und umgekehrt genauso. Man sagt sich da auch hinter der Bühne ganz normal „Guten Tag“. Welche Unterschiede bemerkt Ihr, wenn Ihr nacheinander mit den beiden Bands unterwegs seid?Bei den Hosen mag ich ganz besonders die Zusammensetzung der Tourcrew, von den Ärzten war ich schon als kleiner Junge Fan. Jede Band hat natürlich ihre Eigenheiten. Wenn der Backstage-Bereich groß genug ist, dürfen bei den Hosen ziemlich viele Leute rein, von denen man die Hälfte nicht kennt. Das ist bei den Ärzten ganz anders. Dort kann halt nicht jeder so viele Gäste Backstage holen, wie er will. Dort ist es „privater“. Bei den Ärzten herrscht halt etwas mehr Ruhe, während man bei den Hosen zick-zack laufen muss, um den Leuten auszuweichen (lacht). Wie macht man sich mit einer Band bekannt?Bei den Hosen lief das über Kiki. Bei den Ärzten hatten wir auch so etwas wie ein Vorstellungsgespräch. Die haben das „Dutzend“ gesammelt an der Garderobe antreten lassen und gesagt: „Wir haben viel von Euch gehört. Ihr sollt ja ganz schöne Chaoten sein!“ Das war natürlich ein Gag von denen, weil uns in den ersten Jahren der Ruf vorauseilte: „zwölf Vollfreaks, dauerbesoffen“. Die Wahrheit war: Wer mit uns gearbeitet hatte und uns wirklich kannte, hat uns geliebt. Es mag anfangs aber schon mal vorgekommen sein, dass einer der Jungs morgens aus dem Bus gestiegen, sich eine Flasche Bier aufgemacht hat und versuchte, die örtlichen Helfer einzuweisen. Das kam dann nicht so gut an... Seid Ihr heutzutage geläutert?NEIN. Wir erfüllen auf Tour die Punk-Quote. Spaß werden wir bei uns im Bus immer haben, leere Bierkästen auch. Was für Musik hört Ihr nach Eurem Zwanzig-Stunden-Tag im Bus?Krach natürlich nicht. Das geht eher Richtung Klassik, zurzeit bevorzugt Vivaldi: „Vier Jahreszeiten“ zum Einschlafen (lacht). Klar ist, dass es eher etwas Dezentes sein muss. Und natürlich auf keinen Fall die Band, die vorher auf der Bühne stand. Gibt es noch Stücke, auf die Ihr Euch live freut?Es gibt immer irgendwelche Songs, auf die man sich freut. Sei es, dass man sie intern umgedichtet hat, oder dass es Stücke sind, die nicht jeden Abend in der Setlist stehen. Wenn da mal drei alte Gassenhauer der jeweiligen Band kommen, finde ich das immer gut. Was ich von der letzten Hosen-Platte gerne höre, ist vor allem „Auflösen“. Privat höre ich aber eher die Beatsteaks oder Sachen wie Dinosaur Jr. und Tool. Wie kamst Du zu den Beatsteaks?Die Beatsteaks habe ich tatsächlich als Support-Band von Hosen und Ärzten kennengelernt, also auf Tour. Die haben als Vorband einfach herausgestochen, waren schon immer eine Vorwärts-Kapelle. Die haben damals nicht nur das Publikum, sondern auch die Crew beeindruckt. Die „Buletten“ durften seitdem auch schon ein-, zweimal in unseren Tourbus – und da kommt wirklich nicht jeder rein. Das ist schließlich unser Zuhause. Bei den Weihnachtskonzerten habe ich mich besonders auf die Mimmi´s gefreut. Die waren auch so eine Band, die ich in meiner Jugend gehört habe. Was sind Eure persönlichen Berührungspunkte mit den Hosen?Wenn die um 16 Uhr in die Halle kommen, begrüßt man sich freundlich. Es ist aber nicht so, dass man sich dann zusammen hinsetzt und erstmal ein Bier trinkt. Die Hosen müssen ja auf ihrer Baustelle auch erstmal arbeiten, angefangen mit dem Soundcheck. Im Essensraum gibt es dann aber schon immer mal einen Kommentar, wenn sich irgendjemand irgendeinen Fauxpas erlaubt hat... Gibt es da ein aktuelles Beispiel?Ja, leider, mich. Beim dritten Weihnachtskonzert bin ich mit der Konfettikanone, die ich während der sechs Konzerte bedienen durfte, mit dem Hebel an der Bühne hängen geblieben. Das Ergebnis: Die Kanone ist zu früh losgegangen. Da hieß es am nächsten Tag hinter der Bühne natürlich: „Na, Frühstarter, was ist denn da passiert? Wir haben schon gedacht, Du schießt jetzt alles ab.“ Umgekehrt legt die Crew dem Sänger aber auch mal ein Textblatt hin, wenn er mal wieder den Text vergessen hat... Nachdem Du fast zwölf Jahre mit den Hosen unterwegs bist: Was war das herausragende Ereignis?Es gab ein Konzert, bei dem im Backstage-Bereich plötzlich alles verstopft war. Da ist die Scheiße hinter der Bühne aus den Gullis gelaufen. Es wurden als erste Maßnahme erst einmal Paletten herangeholt, damit man sich dort überhaupt noch bewegen konnte. Wir mussten das Schlamassel dann während des Konzerts beheben, damit die Sachen hinterher verladen werden konnten. Da haben die Helfer die Kabel mit Tüchern abgerieben und die Scheiße mit der Hand runtergekratzt. Wie viel Gepäck hast Du auf einer großen Tour dabei?Eine große Reisetasche. Man hat nie so viele Sachen zur Hand, wie man für die ganze Zeit braucht. Dann müsste man ja einen Kleiderschrank einpacken! Wir suchen uns also an den freien Tagen immer eine Wäscherei/Waschsalon. Wer uns mal treffen will, hat also gute Chancen im Waschsalon – oder in der Kneipe daneben (lacht). Da waschen wir dann die wichtigsten Sachen: Schlüpper, Socken, T-Shirts. Die Jeans kann ruhig schmutzig sein. Ich habe immer für drei Wochen frische Klamotten dabei. Wenn die zur Neige gehen, muss ich spätestens los. Ein Blick in die Zukunft: Wo feierst Du Weihnachten 2010?Mal schauen, die letzten vier habe ich nicht zu Hause gefeiert, weil ich auf Tour war. Ist ja auch langweilig: immer an derselben Stelle zu feiern. Irgendwelche Touren wird es in dem Zeitraum mit Sicherheit geben. Ich weiß schon, dass ich im Winter wieder Arbeit haben werde. Ob an Weihnachten, das wird mir mein Busenkumpel Tino von KKT noch zu gegebener Zeit mitteilen. 2009 sind zwei enge Freunde der Hosen gestorben: Manfred Meyer und Uwe Faust. Wie sehr fehlen die Beiden?Extremst. Das sind zwei Menschen, die nicht zu ersetzen sind. Die Kompetenz des einen und die Menschlichkeit des anderen. Manfred Meyer stand jedes Mal vorne vor der Bühne und hat seinen Job als Person so unglaublich souverän gemacht. Faust war so ein lieber, netter Mensch, mit all seinen Ecken und Kanten. Seine Grummelart war total liebenswert, allein, wie er beim Soundcheck auf der Bühne lag. Dass die Beiden nicht mehr an Bord sind, da haben alle aus der Crew dran zu knabbern. Ihre Jobs machen jetzt jeweils zwei, drei Leute. Sie fehlen an allen Ecken und Enden. Da hat man auch mal zwischendurch Pipi in den Augen. Ich bin mir aber sicher, dass sie sich die Weihnachtskonzerte von oben angeschaut haben! |
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