"Fickende Legosteine in Chrom"
Interview mit Bernie Luther, weltberühmter Tattoo-Künstler aus Wien (im Januar 2002)
??? Wann hattest Du Dein erstes eigenes Tattoo?
Bernie Luther: Das war in meiner Punk-Zeit. Da war ich 15 Jahre alt und bin von einem Punk aus Stuttgart
gestochen worden, der immer wegen Konzerten nach Wien gekommen ist. Der hatte eine
selbstgebastelte Maschine, ein tierisch primitives Ding aus einem Kugelschreiber, dem Motor
eines Kassettenrekorders und einem Löffel. Der hat aber anständige Arbeit abgeliefert, so
dass ich mir einen selbst gezeichneten Teufelskopf habe tätowieren lassen.
??? Hast Du Dich von dieser Erfahrung inspirieren lassen?
Bernie Luther: Ich habe mir die Maschine genau angeguckt und mir dann zu Hause nachgebaut. Damit habe
ich mir dann selbst einen schwarzen Stern tätowiert und meine Kumpels anschließend
angerufen und gesagt: "Ich kann tätowieren." Eine Woche lang habe ich aber nicht gewusst,
dass man die Haut dabei spannen muss, so dass es mir immer wieder passiert ist, dass ich
hängen geblieben bin. Das war echt der Hammer! So habe ich die ersten drei Jahre meine
eigenen Erfahrungen gemacht, bis ich dann zu meiner ersten richtigen Tattoo-Maschine
gekommen bin.
??? Wann ist der Punk nach Wien gekommen?
Bernie Luther: A bisserl spät. Die Wiener sind halt immer etwas lahmarschig; die Wiener Gemütlichkeit ist
ein Fluch. Ich habe die ersten Bilder von Punks in Wien 1979 gesehen, 1981 gab es dann
auch die ersten besetzten Häuser. Und wenn wir einmal ein Haus besetzt hatten, dann hat
das auch eine Ewigkeit gedauert, bis uns die Bullen da wieder raus hatten! Die sind in Wien
nämlich genauso lahmarschig wie alle anderen. 1982 ist dann die Gaga gekommen, ein
ehemaliges Schulgebäude mit Hof herum. Das war dann unsere Burg. Und da drin habe ich
dann richtig zu tätowieren angefangen.
??? Innerhalb der Wiener Subkultur hattest Du zu der Zeit eine Monopolstellung damit...
Bernie Luther: Das hat sich relativ schnell rumgesprochen, weil es in Wien überhaupt niemanden gab, der
tätowiert hat. Es gab damals nur einen Club, der allerdings zum Biker-Milieu gehörte und
somit überhaupt nichts mit uns zu tun hatte. Ich habe dann also am Anfang in der Punkszene
tätowiert, und es hat nicht lange gedauert, bis auch andere Randgruppen dazukamen:
Skinheads, Mods und Teds. Damals war ich mit meinen 15, 16 Jahren für die die einzige
Möglichkeit, sich tätowieren zu lassen.
??? Wie sah das Leben im Innern der Gaga aus, gab es zum Beispiel auch Konzerte?
Bernie Luther: Die Musikszene in Wien ist bis heute ganz arm. In den letzten 30 Jahren kann man da
namentlich vielleicht zwei, drei Bands nennen, die von sich hören lassen haben: Opus und
Falco. Unsere Kultband damals in der Gaga waren "Pöbel", die waren für uns die Pistols aus
Wien. In unserem jugendlichen Wahn sahen die auch genauso aus! Die hatten eine Single
raus mit dem Titel "Es lebe hoch die Perversion!", davon kann ich heute noch jede Strophe
singen.
??? Wohin hat es Dich 1985 nach der Räumung der Gaga verschlagen?
Bernie Luther: Zuerst bin ich nach Hamburg gezogen. Ich war damals ein tierischer Slime-Fan. Das war die
Zeit, als die sich gerade wieder zusammengetan haben - und ich war mit im Proberaum. Dirk
habe ich klassisch ein Monster mit zerfetzter Ami-Fahne tätowiert und ein Monster, das eine
Hakenkreuzfahne zerschlägt. Elf habe ich eine Kreation von mir tätowiert, einen Dämon,
dessen Schwanz zum Gitarrenhals wird.
??? Deine ersten Eindrücke von Berlin waren noch aufregender?
Bernie Luther: Ich habe 1987 in Berlin miterlebt, wie das dreistöckige Kaufhaus "Bolle" abgebrannt ist. Da ist
mir echt die Muffe gegangen. Ich war gerade fünf Tage in Berlin und man sagte mir: "Morgen
gibt es wieder schöne Straßenschlachten mit den Bullen." Es gab dann halt ein Straßenfest
mit allen möglichen Bands und es waren bestimmt 5.000 Leute auf der Straße. Und weil drei
Tage vorher eine Druckerei durchsucht worden war, formierte sich dann eine
Spontan-Demonstration mit 300 Leuten. Die standen alsbald um eine Wanne herum und
haben daran gerüttelt, bis die umfiel und die Bullen wegliefen. Ich habe nur
dagestanden und gedacht: "Was geht da ab? Wo wird das enden?"
??? Danach bist Du endgültig zum Weltreisenden in Sachen Tätowieren geworden?
Bernie Luther: 1989 bin ich nach Amerika rüber und habe dort zwei Jahre gewohnt. In der Zeit habe ich viele
Bands tätowiert, zum Beispiel den gesamten Rücken von einer Frau von L7. Da kannte die
noch keiner. Die haben mir damals erzählt, sie könnten mit viel Glück Vorgruppe werden von
den Red Hot Chili Peppers. Ich bin damals viel rumgetingelt. Ich hasse zwar Kalifornien, habe
aber relativ viel Zeit dort verbracht. Die Regierung in Kalifornien war dermaßen konservativ. Die
Leute haben Panik gehabt wegen einem Joint in der Hand! Tätowiert habe ich in der Folge
außerdem noch Mitglieder von Biohazard, Machine Head, Beasts Of Bourbon, Bad Seeds
oder von den Lurkers.
??? Hattest Du damals schon einen Namen als Tätowierer, so dass der Kontakt zu den Bands
darüber zustande kam?
Bernie Luther: Damals war das mit dem Tätowieren noch ganz anders. Bei meiner ersten Covention in
England, zu der ich gefahren bin, waren nur alte, dicke Biker und Seemänner. Junge Künstler
gab es da nicht. Selbst wenn ich 28 Jahre gewesen wäre, wäre ich noch nicht halb so alt
gewesen als alle anderen dort. Es hat allenfalls zwei, drei Personen gegeben, die sich für die
alten japanische Meister interessierten und versucht haben, das Tätowieren etwas
salonfähiger zu machen. Es gab auch einen Engländer, der schon in den 20er Jahren Portraits
gemacht hat, die sich von den heutigen kaum unterscheiden. Es hat sich in der Technik des
Tätowierens nie etwas geändert. Die Maschine, die ich heute benutze, ist 1890 erfunden
worden.
??? Mit welcher Technik arbeitest Du?
Bernie Luther: Es gibt bei Tätowiermaschinen zwei grobe Unterschiede, die häufigere Methode ist die mit
Magnetspulen, die laut surren, und wo man hinten auch schon mal einen kleinen Funken
sieht. Und es gibt Maschinen, die auf Motorenbasis funktionieren. Die sind fast geräuschlos.
Da dreht sich dann ein Teil und das funktioniert fast wie bei einer Eisenbahn. Ich arbeite lieber
mit der anderen. So wahnsinnig es mich macht, brauche ich das Geräusch. Ich stelle meine
Maschine sogar nach dem Geräusch ein. Ich weiß genau, wie sie klingen muss, damit sie
richtig läuft.
??? Gibt es wirklich dieses ungeschriebene Gesetz, dass man sich erst selbst tätowiert haben
muss, bevor man andere tätowieren darf?
Bernie Luther: Ausgesprochen gibt es das nicht, aber ich bin der Meinung: als Tätowierer muss man sich
vorher selbst tätowiert haben. Das muss nicht unbedingt von eigener Hand passieren, aber ich
muss mich vorher tätowieren lassen haben. Dass es mittlerweile viele Tätowierer gibt, die
keine Tattoos am Körper tragen, finde ich nicht gut. Ich würde auch nicht zum vegetarischen
Fleischer gehen. Wenigstens die Erfahrung sollte jeder mal gemacht haben.
??? Bist Du nach Deinem "learning by doing" auch noch bei anderen Tätowierern in die Lehre
gegangen?
Bernie Luther: Ich sage immer, ich bin Autodidakt. Aber ich bin schon mit 16 Jahren mit meinem
Tattoo-Equipment nach Portugal gereist - und erst nach acht Monaten in Lissabon
zurückgekommen. 1987 habe ich dann zum ersten Mal in einem richtigen Tattoo-Studio
gearbeitet, in Dänemark. Das war richtig klischeemäßig im Hafen gelegen: vier Tattoo-Studios
nebeneinander, Segelschiffe und besoffene finnische Seemänner. Da habe ich richtig
tätowieren gelernt. Ich habe zwar zu dem Zeitpunkt schon sechs Jahre tätowiert, aber mein
Chef hat mir direkt meine Maschine weggenommen. Dann hat er mir die Paul Rodgers,
die Harley Davidson unter den Tätowiermaschinen, in die Hand gedrückt.
??? Er war so eine Art Mentor für Dich?
Bernie Luther: Wenn ich von einem Meister rede, der mir einiges beigebracht hat, dann ist das dieser Mann
gewesen. Der hat mir gezeigt, dass man für eine größere Fläche eine größere Nadel und für
eine größere Nadel einen stärkeren Motor braucht. Und der hat mir dann auch die Kontakte
besorgt. Der hat alle alten Hasen aus der Tätowierszene gekannt. Die Künstler, die ich nur
aus Büchern gekannt habe, die hatte er teilweise angelernt. Er hat mich auch zu dieser ersten
Convention in London gebracht. Und dort habe ich gleich einen Preis gewonnen. Da ist es
losgegangen, von da an bin ich von allen eingeladen worden.
??? Was waren das für Motive, die Du im Hafenstudio stechen musstest?
Bernie Luther: Mit den Motiven ist es von Ort zu Ort anders. Wo Du bist, wollen die Leute andere Sachen. In
Dänemark habe ich wirklich mehr Wikinger und Biker-Dinger gemacht, die ich eigentlich nicht
so mag. Mein Chef hatte aber eine schöne Motiv-Sammlung an der Wand, von
verschiedensten Koryphäen der Tätowier-Geschichte. Und er wollte gleich, dass ich auch was
für diese Wand male. Ich habe da fünf, sechs Sachen gemalt - und wenn ich alle Jahre wieder
mal in Kopenhagen vorbeischaue, hängen die noch immer da.
??? Ist es so, dass Du Leute triffst und erkennst, dass die ein Motiv am Leib haben, dass Du
entworfen hast?
Bernie Luther: Ich habe mir das regelrecht zum Beruf gemacht, Motive zu verkaufen. Damit habe ich mehr
verdient als mit dem Tätowieren selbst. Dadurch, dass ich das Tätowieren vorher nicht richtig
gelernt hatte, wusste ich zunächst nicht, was überhaupt möglich ist. Zu der Zeit waren bei mir
eher politische Motive gewünscht. Ich habe viele Atompilze, aufplatzende Totenköpfe sowie
Amerika- und Russlandflaggen machen müssen, zu Zeiten des kalten Krieges. In Spanien
waren es zum Beispiel fast immer Heiligenmotive. Ich habe 1985/86 in Südspanien tätowiert,
in Cadiz, direkt am Hafen und die fiesesten Kerle - Junkies, Diebe, Messerstecher - wollten
Heilige tätowiert haben.
??? Hast Du Dich bei den Motiven, die Du gemalt hast, irgendwann auf etwas spezialisiert?
Bernie Luther: Ich habe immer so meine Phasen gehabt. Am Anfang hatte ich meine Troll-Phase. Da habe
ich mich schwer von dem Film "Der dunkle Kristall" und vom "Großen Buch der Elfen"
beeinflussen lassen. Dann bin ich ein bisschen in diese Barbaren-Schiene reingekommen,
irgendwelche muskulösen Frauen mit Helmen gegen Kreaturen, die halb Biest, halb Mann
waren. Das mache ich auch heute noch gerne. Und dann habe ich diese biomechanische
Phase gehabt. "Hellraiser" ist rausgekommen - und ich habe Haken, Ketten und Blutlappen
gemalt.
??? Woher nimmst Du die Ideen für Deine Motive?
Bernie Luther: Die kommen rein aus meiner Phantasie. Ich lasse mich zwar auch beeinflussen, aber ich mag
es nicht, groß mit Referenzen zu arbeiten. Wenn jemand ein Portrait von einer bestimmten
Person haben will, dann nehme ich schon das Foto und mache mir eine Schablone. Wenn die
Leute aber mit drei, vier Büchern ankommen, gucke ich mir die nur kurz an, klappe die zu -
und mache daraus meine eigene Interpretation.
??? Heute betreibst Du Dein eigenes Studio in Wien?
Bernie Luther: Das habe ich schon seit 1984, in der Turnergasse im 15. Bezirk. Im Studio arbeiten drei Jungs
und ein Mädel. Ich bin meistens einen Monat im voraus ausgebucht, mache zwei, drei Tattoos
am Tag. Und außerdem bin ich in jedem Jahr vier Monate in Bali und habe dort auch ein
Studio, in der Doublesix Road Nummer 15.
??? Wie viele Leute kommen mit konkreten Vorstellungen zu Dir?
Bernie Luther: Bei mir im Studio sind wir alle Freihand-Tätowierer, können also alles direkt auf die Haut
zeichnen. Manchmal wünschen die Leute sich aber, das etwas genauso sein muss, wie es in
irgendeinem Buch steht, dann machen wir halt eine Schablone. Der Kunde ist König. Natürlich
möchte ich schon meinen künstlerischen Senf dazugeben, aber ich will ja auch sein Geld.
Manchmal kommen die Leute auch mit einer Kinderzeichnung. Dann frage ich sie schon, ob
sie das ernst meinen. Aber wenn die sagen "Das hat mein achtjähriger Sohn gezeichnet!",
dann frage ich gar nicht weiter, dann mache ich das. Kinderportraits und lustigerweise
Hundeportraits sind sehr beliebt. Die Leute lassen sich sehr oft ihre Hunde tätowieren, vor
allem wenn sie verstorben sind.
??? Was sind die typischen Wiener Motive?
Bernie Luther: Ich habe alle möglichen Wiener Musiker tätowiert. Den Ambos, den Danzer. Der Danzer ist
ohnmächtig geworden, nachdem ich ihm einen kleinen Schmetterling tätowiert habe. Ich habe
richtig Schiss gekriegt und gerufen: "Der Georg Danzer liegt bei uns ohnmächtig auf dem
Boden rum." Der Hans Platzgumer, der heute in der New Yorker Jazz-Szene zugange ist,
der war früher so ein kleiner Punk. Der hat sich damals in der Gaga mit seinem Verstärker
und seiner Gitarre auf den Tresen gestellt und ohne Mikro gesungen. Der hat mich echt
fasziniert. Und dem habe ich einen Krimi tätowiert, einen Fernseher, in dem gerade ein Krimi
läuft.
??? Dein spektakulärstes Motiv?
Bernie Luther: Zwei fickende Legosteine in Chrom, das war mal meine Idee. Dadurch dass ich Freehand
gemalt und viel Fantasy-Kram gemacht habe, waren die Leute manchmal etwas sehr offen mit
ihren Angaben. Ich habe sehr oft gehört: "Mach, was Du willst!" Da habe ich mir irgendwann
den Spruch angewöhnt: "Dann mache ich Dir zwei fickende Legosteine in Chrom." Darauf
haben sich die meisten Leute dann genauer festgelegt. Es ging aber soweit, dass ich das mal
in einem Interview erwähnt habe - und seitdem haben mich wirklich schon sieben oder acht
Leute nach fickenden Legosteinen in Chrom gefragt.
??? In den 90er Jahren war es ja irgendwann "schick", ein Tattoo zu haben. Lag es vielleicht
daran, dass den Leuten das Motiv relativ egal war?
Bernie Luther: Beim ersten Tattoo kam das öfters vor. Es gibt aber auch eine Kategorie von Leuten: die
Sammler. Die wollen unbedingt ein Tattoo von mir auf ihrer Haut haben. Da spielt das Motiv
keine Rolle, außer dass es mich repräsentieren sollte. Ich habe mir halt auch die
sprichwörtliche Waschmaschine tätowiert, weil ich immer diese Geschichte gehört habe: "Ich
kenne einen, der wollte einen Tiger auf dem Rücken, dann hat er eine Waschmaschine
tätowiert bekommen." Das habe ich so oft gehört, dass es eigentlich mehr Waschmaschinen
als Tiger auf dem Rücken geben müsste! Bei meiner ist da ein Gesicht in der Waschtrommel
drin, Socken fliegen raus und daneben steht Waschpulver. Küchengeräte sind ziemlich
populär geworden...
??? Gibt es irgendwas, was Du schon immer tätowieren wolltest? Das könnten wir jetzt mit
diesem Interview in Umlauf bringen...
Bernie Luther: Da die verchromten, fickenden Legosteine nicht mehr "up-to-date" sind, muss ich mir
eigentlich wirklich mal etwas Neues einfallen lassen. Es gibt aber nichts, was so verrückt
wäre, als dass es sich die Leute nicht tätowieren lassen würden.
??? Wann sind Dir die Hosen über den Weg gelaufen?
Bernie Luther: Kiki kannte ich noch aus den 80ern und hatte den da auch schon tätowiert. Campino habe ich
erst Anfang der 90er bei einer DoRo-Fete in Wien getroffen. Das Treffen mit
Campino war schon länger geplant gewesen, nur bin ich zu der Zeit viel rumgereist, und deshalb
hat es sich erst bei diesem Anlass ergeben. Ich habe ihn dann aber direkt am nächsten Tag tätowiert.
??? Was hast Du ihm zur Premiere tätowiert?
Bernie Luther: Er ist mit tausend Sachen gekommen: "...und eine Rose und ein Totenkopf und ein Clownkopf
und ein Würfel und Flammen." Da habe ich richtig Schiss gehabt und mir vorher eine
Schablone gemacht. Selbst wenn ich das sonst immer gemacht habe, direkt auf die Haut zu
zeichnen, hatte ich damals noch diese Berühmtheits-Barriere. Ich habe die Hosen ja schon
1982 in Wien das erste Mal gesehen oder 1986 in Roskilde. In Wien haben die Hosen im U4
gespielt, wo die Punks Hausverbot hatten. Die mussten uns dann aber reinlassen, weil
die Hosen gesagt haben, sonst würden sie nicht spielen.
??? Als nächstes Bandmitglied hat sich dann Kuddel in Deine Hände begeben?
Bernie Luther: Das war lustig. Der hat sich beim ersten Mal direkt drei Sachen machen lassen. Das werde
ich nie vergessen. Der ist mit einem Tetrapack Reiswein in unser Studio reingekommen und
hat mir von einer Maske und einem Pinguin erzählt - und dann habe ich ihm außerdem noch
einen kleinen Anker nachgezogen.
??? Die Hosen waren seither zufriedene Kunden...
Bernie Luther: Die waren zu der Zeit sowieso ständig in Wien, haben zum Beispiel auf der Donauinsel
gespielt. Dann bin ich auch bald das erste Mal nach Düsseldorf gekommen, habe das Design
für ein Weihnachts-T-Shirt gemacht. Da habe ich mir die Sex-Pistols-Platte "The Great
Rock´n´Roll Swindle" zum Vorbild genommen, ein Bild, auf dem Johnny Rotten von einem
Schiff runterkotzt, und das auf die Hosen umgemodelt, auf einem Schlitten. Breiti hat auch
drei Sachen von mir. Der war immer besonders schwierig, weil er mit Motiven aus dem
Azteken-Kalender angekommen ist. Bei der ersten Sitzung hatten wir noch ein fixes Motiv, bei
der zweiten haben wir dann schon verschiedene Sachen zusammengestellt. Egal ob Campino,
Kuddel oder Breiti - alle hatten immer sehr konkrete Vorstellungen.
??? Bei der VIVA-Woche hast Du fünf Tage lang Kuddels Rücken bearbeitet...
Bernie Luther: Da konnte ich ihn bei der Motivwahl auch etwas beeinflussen, weil ich vorher eine Zeichnung
gemacht hatte. Das ist ein sechsarmiger Geist geworden. Und natürlich ein Unikat. Ich mache
kein Tattoo doppelt.
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