Freunde des Hauses //
Norbert Hähnel

20 Tage Haft für den "wahren Heino"

Interview mit Norbert Hähnel (im März 2000)

??? Einmal ungefähr 20 Jahre zurück: Wie hast Du die Hosen kennengelernt?

Norbert Hähnel: Eigentlich kennen wir uns schon aus den Zeiten von ZK, von Konzerten in Berlin. Ich komme ursprünglich aus Bielefeld, lebe aber seit 1974 in Berlin und hatte dort Anfang der 80er Jahre einen Plattenladen. Irgendwann hieß es am Telefon: Du, wir haben eine neue Band gegründet, wir nennen uns jetzt "Tote Hose". Ungehört haben wir die Jungs dann bei unserem traditionellen "Tanz in den Mai"-Festival im Jahr 1982 spielen lassen, zusammen mit Soilent Green, der Vorgängerband der Ärzte. Das war gleichzeitig deren Abschiedskonzert und das insgesamt zweite der Hosen-Geschichte. Einen Tag vorher hatten die in Bremen ihren ersten Gig gespielt.

??? Kurz darauf bist Du selbst mit den Hosen auf die Bühne gestiegen, als "der wahre Heino". Wie ist diese Geschichte entstanden?

Norbert Hähnel: Zu irgendeinem Jubiläum des Plattenladens bin ich mal als Heino aufgetreten, die Hosen waren zugegen und mussten am nächsten Tag in einer Badeanstalt in Hannover spielen. Ich bin dann dort sozusagen als Intro auf die Bühne geschickt worden. Zunächst war kein Mensch zu sehen, die lagen alle auf den Liegewiesen, aber nachdem ich mit meinem Auftritt fertig war, war es vor der Bühne gerammelt voll. Man hat ja immer jede Menge Ideen, die man nicht auslebt. Ich kann behaupten, dass ich zumindest die Idee "Heino" richtig ausgelebt habe.

??? Nach dem Erfolg bist Du ein fester Bestandteil des Bühnenprogramms geworden...

Norbert Hähnel: In der Zeit zwischen 1983 und 1985 war ich regelmäßig dabei. Dann folgte die Prozessgeschichte, weil der andere Heino meinte, rechtlich gegen mich vorgehen zu müssen. Das Ganze endete damit, dass ich zu 10.000 Mark Geldstrafe verurteilt wurde, ersatzweise 20 Tage Knast. Die habe ich dann in Berlin-Moabit abgesessen. Ich hatte eine Einzelzelle, worüber ich eigentlich recht froh war. Ich habe viel gelesen und bin auf keinen Fall seelisch zerbrochen. Die Zeit war nicht so dramatisch, eher langweilig. Ich durfte auch täglich Besuch empfangen, das war ja lediglich eine Zivilhaftstrafe.

??? Was hast Du unternommen, nachdem Du Dich wieder als freier Mensch fühlen durftest?

Norbert Hähnel: 1986 habe ich mein großes Abschiedskonzert gemacht, bei dem auch die Hosen und eigentlich alle, die eine Gitarre halten konnten, aufgetreten sind. Danach habe ich lange Zeit beim Radio gearbeitet, unter anderem bei Radio Fritz. Ich hatte jahrelang meine eigene Sendung, die "Heinos bunter Melodienstrauß" hieß, und heute legendär ist. Es gibt immer noch regelrechte Tauschzirkel, in denen die Kassetten ausgetauscht werden. Die Sendung lebte vor allem von der Spontanität, man wusste vorher nie, was passieren wird. Ich wusste zum Beispiel manchmal drei Minuten vor der Sendung nicht, welches Stück ich als erstes spiele. Die Hosen waren natürlich auch öfters zu Gast.

??? Neuerdings betätigst Du Dich ja auch als Gastronom...

Norbert Hähnel: ...und die Hosen schauen auch mal vorbei. Meine Kneipe "Enzian" gibt es jetzt seit fünf Jahren. Die befindet sich natürlich auch in Berlin, in der Yorckstrasse 77.

??? Zuletzt bist Du mit den alten Freunden auf der "4-Tage-4-Länder"-Tour gewesen und auch wieder mal als "Heino" aufgetreten, gibt es weitere Pläne?

Norbert Hähnel: Nein, aber solange die Kassette existiert und solange es mich gibt, kann man das ja immer mal wieder spontan machen. Um die Nationalhymne zu furzen, brauche ich allerdings eine längere Vorbereitungszeit. Es gibt da ein Spezialrezept, man muss ziemlich vegetarisch essen, vor allem viele Körner. Es ist übrigens mittlerweile erwiesen, dass Vegetarier besser furzen können als Fleischesser.

??? Was sind Deine Liebsten-Hosen-Lieder aller Zeiten?

Norbert Hähnel: Mein Lieblingssong ist "Reisefieber", möglicherweise aus Nostalgiegründen. Die Melodie kommt mir heute noch manchmal in den Kopf. Und live läuft mir bei "Alex", das ja sowieso jeder gut findet, immer noch ein Schauer über den Rücken. Es gibt viele tolle Stücke, aber "Reisefieber" ist wirklich ein ganz besonderes für mich.

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