"Dekadenz und Größenwahn"
Interview mit Ben Becker, Schauspieler und Geschichtenerzähler (im Mai 2001)
??? Du warst auch schon mal auf Kuba und wolltest mit Fidel Castro Spaghetti essen. Hat das
geklappt?
Ben Becker: Das hat nicht funktioniert, aber ich habe immerhin Diego Maradona getroffen,
als ich das Fußballspiel Santiago de Kuba gegen Havanna angucken wollte. Ich hatte zwei
schwarze Freunde dabei und bin mit denen irgendwie an den Polizeisperren vorbeigekommen.
Die Tür ging auf und - zack - stand ich auf dem Spielfeld, neben den Trainern der beiden
Mannschaften. Ich habe so getan, als wäre ich Spielereinkäufer, und dann kam Diego Maradona
ins Stadion. Ich bin zu ihm hin und habe ihm die Hand geschüttelt. Er war ziemlich dick und
hatte blonde Haare und wusste mit mir natürlich gar nichts anzufangen. Ich wollte sogar
eigens für das Konzert der Hosen nach Havanna fliegen, musste aber in Hamburg Theater spielen.
In Kuba wohnen ein paar Freunde von mir, und ich fand es einfach genial, dass die Hosen
ursprünglich auf dem Plaza Antiimperialista spielen wollten, also direkt vor der
amerikanischen Botschaft. Dort hatten die Kubaner, als ich da war, extra eine Tribüne
aufgebaut und ihre Kundgebungen abgehalten. Der Platz ist also eigentlich ein
asphaltgewordenes "Fuck you!"
??? Zur Zeit spielst Du "Bash - Stücke der Letzten Tage" in Hamburg, Wien, Recklinghausen und Berlin. Wieviel Disziplin musst Du dafür aufbringen, zumal Du auf der Bühne täglich einen 45-minütigen Monolog hältst?
Ben Becker: Man braucht eine Wahnsinnsdisziplin dafür. Da ich ein undisziplinierter Mensch bin, macht mir das auch sehr zu schaffen. Das lutscht momentan so ziemlich alles aus mir raus! Mal abgesehen davon, dass es ein Hammer ist, so eine Menge schwierigen Text zu lernen. Das ist nicht annähernd so frei wie zum Beispiel ein Rockkonzert, man muss sich auf eine gewisse Form einlassen. Es ist außerdem sehr anstrengend, das jeden Tag zu machen, jeden Tag in der ersten Reihe zu stehen, sich jeden Tag angucken zu lassen.
??? Wenn Du so ein Stück zum 47. Mal spielst, ist das dann noch spannend für Dich?
Ben Becker: "Berlin, Alexanderplatz" habe ich damals in Berlin 70 Mal gespielt und doch war es jeden Abend irgendwie neu. Es kriegt aber irgendwann trotzdem etwas von Routine. Mich interessiert es dann nicht mehr. Ich betrete dann lieber neue Baustellen.
??? Du stammst aus einer reinen Schauspielerfamilie - inwiefern hat Dich das geprägt?
Ben Becker: Ich kann nichts anderes außer Kunst machen! Ich bin im Theater aufgewachsen, stand dort schon mit vier Jahren in der Kantine auf dem Hocker und habe Flipper gespielt. Ich hatte nie den Traum, Feuerwehrmann oder Polizist zu werden. Ich wollte immer schon Clown werden. Und letztlich bin ich das ja auch geworden.
??? Über Deinen Stiefvater Otto Sander und Dich war im Spiegel zu lesen: "Beide haben eine Vorliebe für eckige Charakterrollen, tauchen in Fernsehen und Kino auf, halten Lesungen, sind rastlos und Beide sitzen gerne in Bars."
Ben Becker: Das stimmt, das kann ich alles unterschreiben.
??? Woher stammt Dein Mitteilungsdrang, den man für eine derartige Präsenz braucht?
Ben Becker: Erstmal ist es die Liebe zu Menschen und die Beobachtung von Menschen, dann - damit verbunden - die Erkenntnis, dass bestimmte Sachen einfach schöner sein könnten. Dass irgendetwas nicht stimmt, dass manche Sachen verrückt sind in dieser Form von globalem Zusammenleben, das die Menschen betreiben. Und dann will man halt irgendwie seinen Teil dazu beitragen, das zu ändern. Ich glaube, daraus entsteht eben so ein Mitteilungsbedürfnis.
??? Stimmt es, dass Du in den 80er Jahren als kleiner Punk mit Ratte durch Berlin-Kreuzberg gerannt bist?
Ben Becker: Eine Ratte hatte ich nie, immer nur eine kleine weiße Maus dabei. Es stimmt, dass ich sehr früh angefangen habe. Mit 13 bin ich auf Punk-Rock gestoßen. Meine Mutter hat mir nämlich 1977 eine THE DAMNED-Platte aus London mitgebracht. Zu der Zeit stand ich aber noch auf ABBA und deshalb konnte ich mit THE DAMNED nicht viel anfangen. Durch einen Freund aus der Schule, der Punk-Rock und vor allem die RAMONES hörte, bin ich dann aber doch auf diese Schiene gekommen, fand das sehr spannend. Ich habe viele Konzerte besucht, viel gesehen: THE CLASH zweimal sowie die DEAD KENNEDYS und ADAM ANT im Kreuzberger SO 36.
??? Wie stellte sich die Szene in West-Berlin damals dar?
Ben Becker: In die damalige Enklave West-Berlin gab es viele Verrückte und viel ausgeflipptes Zeug. Ich war einer der Jüngsten, der in dieser Szene rumgerannt ist, habe damals schon mit DAF und MITTAGSPAUSE Off-Konzerte gegeben auf irgendwelchen Partys. Jeder hat halt irgendwas gemacht und da habe ich mir als kleiner Bub auch hin und wieder ein Mikro geschnappt. Bei einem Konzert in der TU in Berlin sind DER PLAN, DAF und MITTAGSPAUSE aufgetreten und wir waren irgendwie auf Pille und haben einen Feuerlöscher in der TU losgelassen. Das stand am nächsten Tag in der Zeitung. Die Journalisten haben damals auch gar nicht gewusst, wie DER PLAN aussieht, weil die ganze Band damals immer mit Papiertüten auf dem Kopf aufgetreten ist. Da haben wir uns backstage als DER PLAN ausgegeben und stundenlang ein Interview gegeben.
??? Der Szene-Club in Berlin war aber zu der Zeit der Dschungel...
Ben Becker: Das war damals wirklich der Club. Da sind selbst IGGY POP und DAVID BOWIE, die zu der Zeit noch in Berlin wohnten, hingegangen. NINA HAGEN war dort zu treffen. Irgendwie waren sie eigentlich alle da. Glen Matlock von den PISTOLS habe ich auch mal getroffen. Ich bin da wirklich schon mit 14 immer rein. Manchmal hatte ich Pech, da haben sie an der Tür zu mir gesagt: Heute kein Kinderprogramm! Doch meistens haben die Türsteher ein Auge zugedrückt. Das charakterisiert auch irgendwie die damalige Szene in Berlin: Dass, wenn da ein 14-jähriger Paradiesvogel ankam, der eben auch reindurfte.
??? Wie sahst Du denn als Teenager aus?
Ben Becker: Immer unterschiedlich. Ich stand tierisch auf Sid Vicious und hatte ungefähr eine Frisur wie er, nur die Haare Marlboro-rot. Und dazu Bondage-Hosen und das ganze Zeug, das dazu gehörte. Natürlich sind wir auch immer rüber gefahren nach London und haben uns da eingedeckt mit den Klamotten.
??? Wie lange war Ben Becker Punk-Rocker?
Ben Becker: Ich habe das tatsächlich ziemlich extrem und vehement betrieben. Mit 18 bin ich dann aber langsam davon runtergekommen. Ein Jahr vorher hatte auch gerade als Bühnenarbeiter am Theater angefangen. Da war dann für mich auch irgendwie die Luft raus, in dieser HAYZI FANTAYZEE- und WORLD´S END-Zeit. Das wurde mir zu modisch, und ich hatte halt etwas anderes vor. Ich dachte, dass ich auch mal irgendwas Sinnvolles im Leben machen sollte! Ich wollte also Schauspieler werden und hatte den Plan, es zunächst als Bühnenarbeiter zu versuchen. Zu dieser Zeit habe ich mich also dann so langsam aus der Szene abgeseilt.
??? Einer größeren Öffentlichkeit bist Du 1994 mit dem Film "Schlafes Bruder" bekannt geworden - wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Joseph Vilsmaier?
Ben Becker: Das war eigentlich ein ganz normales Casting in München. Vilsmaier und ich haben uns aber irgendwie gefunden und lieben gelernt. Deshalb kam es dann auch noch zu weiteren Zusammenarbeiten, in "Comedian Harmonists" und mit einem Kurzauftritt in "Marlene".
??? 1995 hast Du das Stück "Sid & Nancy" sowohl geschrieben wie inszeniert, also Deine Faszination für Sid verarbeitet?
Ben Becker: Ich habe halt auch so einen Halbstarken-Fimmel, mag Halbstarken-Liebesgeschichten: über Heimkinder oder Schwererziehbare. Sid und Nancy waren als erste Idee nur einfach ein Junge und ein Mädchen, angelehnt an die Geschichte des Sich-im-Hotelzimmer-Einschließens und dass sie da nicht mehr lebend rauskommen. Und dann habe ich mich irgendwann entschieden, nicht um den heißen Brei rumzuschreiben, sondern es direkt "Sid & Nancy" zu nennen. Es wurde dann immer mehr dazu, auch was die Kostüme angeht, eigentlich ein popartiges Junkie-Märchen, sehr verkitscht und sehr bunt. Meine Schwester Meret hat Nancy gespielt und mein Schwager, Alexander Hacke von den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, Sid.
??? Deine Nähe zu Musikern kommt nicht von ungefähr. Du hast 1997 als Sänger und Texter die CD "Und lautlos fliegt der Kopf weg" veröffentlicht...
Ben Becker: Ich bin aber nicht wirklich Musiker, ich bin eher Texter und Songschreiber. Mein Zeug ist schon sehr eigen. Deshalb hat das auch mit meinem Beruf als Schauspieler zu tun. Eigentlich war das nur eine Figur, die ich gespielt habe. In meiner Rolle als Rockstar war ich rotzfrech und konnte mir alles erlauben - zum Beispiel bei Bayern 3 sagen: "Beckenbauer ist tot". Ich war durch die Rolle geschützt, war frei und anarchisch. Die Reaktionen auf diese Äußerung waren allerdings ziemlich vehement. Es gab Morddrohungen von Hooligans vom FC Bayern. Die haben sogar T-Shirts gedruckt mit der Aufschrift: "Und lautlos fliegt sein Kopf weg". Es gab jede Menge Schlagzeilen, der FC Bayern wollte mich verklagen. Da hat sich aber dankenswerterweise Beckenbauer eingeschaltet und gesagt: "Lass mal stecken, Todgesagte leben länger!"
??? Das hat Dich aber nicht daran gehindert, Guido Westerwelle in einer Talkshow Haschisch anzubieten...
Ben Becker: Beckmann hatte den Westerwelle gefragt: "Wir haben so Hippie-Fotos von Ihnen gefunden, haben Sie denn früher auch mal Hasch geraucht?" Und da hat der Westerwelle das sowas von vehement verneint, dass ich ihm total spontan einen Pickel überreicht habe. Mit den Worten: "Ich habe Ihnen was mitgebracht. Ich glaube, da gibt es einen gewissen Nachholbedarf." Und da gab es dann auch wieder Ärger. Ich habe eine Anzeige bekommen: Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die wollten sogar meine Wohnung durchsuchen. Ich habe auf die Aktion hin aber auch wahnsinnig viele Briefe von Kiffern bekommen, die geschrieben haben: Wir kennen Dich zwar als Schauspieler überhaupt nicht, aber die Nummer war super, vielen Dank!
??? Wie bist Du im Jahr 1999 an die Hosen geraten?
Ben Becker: Die Hosen traten tatsächlich erst spät in mein Leben. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich die kennengelernt habe. Ich weiß nicht mehr, wann ich mit Campi zum ersten Mal eine Nacht durchgesoffen habe! Dass der Kontakt enger wurde, das hat auf jeden Fall erst mit dem Video-Clip zu "Schön sein" begonnen; seitdem telefonieren wir regelmäßig.
??? Wie kam es zu dem Videodreh zur ersten Singleauskopplung aus dem "Unsterblich"-Album?
Ben Becker: Campi hat mich angerufen und gefragt, ob ich Bock habe. Ich fand die Idee großartig und habe sofort zugesagt. Der Regisseur Stefan Telegdy und sein Team hatten zuerst ein bisschen Muffe, weil die nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollten. Die erwarteten wohl irgendwie den großen Star und fragten sich: Wie weit macht der was mit? Die waren wirklich alle zuerst ganz schüchtern. Ich habe dann aber sofort meinen Transen-Fummel genommen, mich nackt ausgezogen und den Pimmel nach hinten weggeklemmt. Da war dann alles klar. Da wussten sie, dass sie mit mir alles machen konnten. Ich habe mich zu meinen Punk-Rock-Zeiten auch öfter mal mit einem Kleidchen als Mädchen verkleidet und bin nachts so rumgelaufen. Ich war damals noch sehr schmal gebaut und zart; so proper wie heute bin ich erst mit 18, 19 geworden. Ich habe mir nach dem Videodreh übrigens auch passende Autogrammkarten drucken lassen. Da waren die Sammler immer total fertig, wenn die von mir so ein Bild kriegen. Die haben dann häufiger gefragt: Haben Sie auch ein Foto von sich?
??? War das der erste Musik-Clip, in dem Du mitgespielt hast?
Ben Becker: Ich hatte mal vor, bei jeder deutschen Band einmal durchs Bild zu huschen. Einmal habe ich auch bei den ÄRZTEN mitgespielt, als ich von Berlin nach Budapest geflogen bin und plötzlich in der Wartehalle mit Rod zusammensaß. Darauf haben wir uns mit den anderen in Budapest zwei Tage lang die Kante gegeben. Und in dem Clip zum Stück "Goldenes Handwerk" lag Belas Kopf dann immer irgendwo rum, auf dem Tresen oder sonstwo. Meinen ersten Video-Clip habe ich bereits im Alter von 15 Jahren mit Udo Lindenberg gedreht - zum Stück "Germans". Und dann war ich einmal bei einem Videodreh von RAMMSTEIN, wollte unbedingt als Rotkäppchen auftreten. Da aber der Regisseur dagegen war, habe ich dann doch nicht mitgespielt.
??? Du hast Deine eigene Band zuletzt erweitert - was darf man von der Tour im Juli und der zweiten CD erwarten?
Ben Becker:
ZERO TOLERANCE und ich sind auf der Bühne insgesamt sieben Leute. Das Album, das Ende Juli erscheint, wird "Wir heben ab" heißen. Darauf covern wir zum Beispiel "Heroes" von DAVID BOWIE, beschäftigen uns mit Dekadenz und Größenwahn und erzählen typische Endzeitgeschichten. Musikalisch klingt es sehr viel poppiger als das letzte Album, aber es sind wieder große Bilder geworden. Und wenn man sich drauf einlässt, wird einem so mancher Film erzählt - in Cinemascope.
Textauszüge:
"Maschine brennt, wir steigen aus, Maschine brennt, wir müssen raus, morgen bin ich da, morgen bin ich hier, morgen bin ich bei Dir, ohne Zwischenstopp habe ich gesagt, da habe ich mich vertan, Maschine brennt, wir steigen aus, Maschine brennt, wir müssen raus. Ich bin doch auch nur Passagier, wir werfen Bomben ab, wir werfen Bomben über Dubai, Bomben über Dubai."
"Wie ein Kätzchen ohne Mutter, wie ein Tiger vor dem Käfig, wie die USA im Krieg, wie Mick Jagger auf der Bühne, wie ich selber an der Bar, wie Gott im Himmel, so fühle ich mich. Nimm die Rollbahn weg, wir heben ab, ab jetzt. Einmal werden wir fliegen, ohne zu wissen wohin, wir werden fliegen ohne Maschinen, wir werden nackt sein, bis dorthin werden wir leben, Geld ausgeben, Drogen nehmen, Flüge buchen, Feuer legen, keine Angst mehr abzuheben, jetzt. Sei so dekadent, wie Du nur irgend kannst!"
Ich bezeichne mich gerne als Geschichtenerzähler, aber wenn ich Bock habe, ein Bild zu malen, male ich eben ein Bild. Ich habe es gerne abwechslungsreich. Ich mache auch gerne Lesungen gepaart mit Musik, zum Beispiel in diesem Jahr mit frühen Gedichten von Kinski - ab Juni in der Berliner "Bar jeder Vernunft". Im Hinterkopf habe ich auch noch "Gesucht wird Jesus Christus", ebenfalls von Kinski, zu inszenieren, das er damals in der Deutschlandhalle immer wieder abgebrochen hat.
??? Deine Auftritte finden auch mal an außergewöhnlichen Orten statt, einmal auf etwa dem Fernsehturm in Berlin...
Ben Becker: Da haben wir drei Konzerte gegeben, hatten noch den Rudi Moser von den NEUBAUTEN dabei. Vor den Konzerten mussten wir immer Reisetabletten schlucken. Das war wahnsinnig, denn das Publikum hat sich um uns gedreht; nur wir standen fest. Es gab insgesamt 24 Monitore, auf denen die Leute zugucken konnten.
??? "Berlin, Alexanderplatz", in dem Du 1999 und 2000 am Gorki-Theater den Franz Biberkopf gespielt hast, muss das Traumstück für Dich gewesen sein. Du bist mit fünf Jahren nach Berlin gekommen, bezeichnest Dich als "Kind dieser Stadt"...
Ben Becker: Als die mich vom Theater aus gefragt haben, hat mich das total gereizt, weil mir diese Berlin-Episoden in den Kram gepasst haben, gerade nachdem ich in "Comedian Harmonists" auch so einen Berlin-Typen verkörpert hatte. Das hatte eine Verbindung, knüpfte nahtlos aneinander an.
??? Fühlst Du Dich denn momentan in Berlin wohl?
Ben Becker: Ich lebe in Mitte, habe eine Kneipe, die "Trompete", in Tiergarten. Ich bewege mich viel in Mitte und in Kreuzberg, bin allerdings gerade auf Wohnungssuche, weil Mitte zuletzt ein bisschen langweilig geworden ist. Da laufen immer mehr Typen mit Laptop unterm Arm rum. Es ist halt teilweise sehr "schick" geworden, und das finde ich doch eher langweilig.
??? Du hast über Berlin einmal gesagt: "Wenn man in einer Großstadt lebt, muss man manchmal verreisen. Und wenn man das nötige Kleingeld nicht hat, muss man das halt anders machen. Ich trinke auch ganz gerne mal ein Bier." Insgesamt ist es aber schon ein Wanderleben, dass Du als Schauspieler führst?
Ben Becker: Ja, das ist ein richtiges Zigeunerleben. Ich sage immer: Der Wanderzirkus ist wieder unterwegs. Es ist manchmal natürlich auch anstrengend, so rastlos zu sein. Ich bin jetzt zum Beispiel seit acht Wochen auf Montage in Hamburg und hätte doch auch mal gerne wieder meine Ruhe. Das bezieht sich aber allein auf die Schauspielerei. Mit der Band, die ein Hobby ist und aus Freunden besteht, ist das ein relaxteres Arbeiten, als wenn ich irgendwo als Angestellter funktionieren muss.
??? In dem Kinofilm "Frau2 sucht HappyEnd" hast Du zuletzt auch Berlin als Thema gehabt, Dich in den abgeranztesten Ecken der Stadt rumgetrieben. Der Spiegel meinte, dass Du Dich "einmal mehr selbst" gespielt hast...
Ben Becker: Das stimmt nicht ganz, ein derart depressiver Typ wie dieser Einzelkämpfer Gregor bin ich auch nicht. Ich kann aber verstehen, dass man mir das zutraut. Das hat auch eine gewissen Mut gebraucht, einen so fertigen Typen authentisch zu geben. Ich habe den Regisseur Edward Berger übrigens interessanterweise über meine Musiker kennengelernt, weil die den ersten Film von ihm vertont hatten. Das Schöne war, dass wir uns also auch hier mit unserer Musik einbringen konnten. Es gibt zwei Stücke von mir in dem Film: Einmal so eine Art Rap mit dem Titel "Ich liebe nur mich" und "Engel wie wir", was auch als Single ausgekoppelt wurde.
??? Liebst Du nur Dich?
Ben Becker: Nein, nicht wirklich - aber manchmal bin ich doch arg selbstverliebt. Ich glaube, das muss man als Schauspieler und Künstler aber auch sein.
Alle Fotos stellte uns freundlicherweise Fritz Brinckmann zur Verfügung.
Mehr über Ben Becker:
Homepage: www.benbecker.de
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