All die ganzen Jahre //
Biographie


Das Jahr 1990

Ob es der lange Studio-Entzug, die Nachwirkungen der Wiedervereinigung oder schlichte Genialität war, kann nicht mehr überprüft werden. "Kreuzzug ins Glück" wurde jedenfalls kein einfaches Vinyl, sondern im Mai als Doppelalbum veröffentlicht. Darauf unter anderem enthalten: Ein "Drama in drei Akten", das in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt und der Kapelle Biermösl Blosn entstand.

Bevor die Platte dann zur ersten Nummer eins aufstieg und damit zum "Eintritt in die Champions League" wurde, wie Breiti es einmal ausdrückte, absolvierte die Band im Frühjahr noch eine Fahrradtour. Drei Wochen fuhr man mit dem Zweirad durch die neuen Länder, hinter den Hosen in Lauerstellung befand sich stets der Bandbus mit den Instrumenten für spontane, ungeplante Gigs. Ein paar Nummern größer war kurz darauf das Konzert im Vorprogramm der Rolling Stones im Müngersdorfer Stadion in Köln. "Für uns war es wie ein Auswärtsspiel", beschrieb Campino den Auftritt, "wir mußten mit den Platzverhältnissen klarkommen." Folgerichtig folgte ein Abstecher nach Italien - zur Fußball-WM, von der die Hosen täglich in der "taz" und für diverse Radiosender berichteten.

Dann hieß es einmal mehr Koffer packen: Erst noch zum "New Music Seminar nach New York - und dann wieder zu Hause auf dem "Kreuzzug ins Glück" durch die bundesdeutschen Hallen. Nachdem schon die Horrorshow-Tour unbekannte Dimensionen mit sich gebracht hatte, gab es noch einmal eine Steigerung: Ekstase auf allen Ebenen. Immer lustig und Vollgas - aber fast schon zu oft, ohne die Bremse zu treten. Ein junger Mann aus England schrieb in der britischen Metal-Bibel Kerrang! über das Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle: "Ich kam nach Deutschland und erwartete, eine kleine deutsche Punkband in einem verräucherten kleinen deutschen Club zu sehen. Statt dessen sah ich eine großartige Rockband in einer gigantischen, ausverkauften Halle!"

Am Ende der Tour war die Band fertig, erschöpft und ausgebrannt. Was die Hosen brauchten war eine neue, frische Idee, die den schlingernden Rennwagen auf den richtigen Kurs zurückbrachte. Und die kam ihnen gegen Ende des Jahres, als sie zum ersten Mal in London einige Shows spielten: "Learning English Lesson one".