All die ganzen Jahre //
Biographie


Das Jahr 1985

Um die notorische Leere in der Bandkasse zu überbrücken, nahmen die Toten Hosen das Angebot von Filmemacher Wolfgang Büld ("Punk in London") an, in dessen nächstem Streifen mitzuspielen. Dieser hieß "Formel-Eins-Film" und man huschte als Mexikaner-Quintett, Heavy-Metal-Band und Zulu-Rapper überaus penetrant durch das Bild. Bald stellte sich allerdings heraus, dass der Regisseur wohl in einem Formtief steckte, genau wie seine Düsseldorfer Nebendarsteller. Trotzdem veröffentlichten diese ihren musikalischen Beitrag zum Film als EP. "Battle of the Bands" war für die einen "eine apokalyptische Vision von musikalischer Freiheit" - und für die anderen nicht mehr als "ein schlechter Witz".

Im Mai startete die "Unter falscher Flagge"-Tour. Der bandeigenen Datenbank ist zu entnehmen, dass es bei 28 von 38 gespielten Konzerten Ärger gab. Schlägereien, Auftrittsverbote, ausgefallene Konzerte, der ganz normale Wahnsinn, nur diesmal am Stück. Es folgte eine längere Stippvisite in Ungarn, zu einer Zeit als der Name "Ostblock" noch für den großen Klassenfeind stand. Abgesehen von schlechten Straßen, kaputten Telefonen, spermigen Kopfkissen und vorsintflutlichen Anlagen, hatten die Hosen auf diesem Abenteuerurlaub im östlichen Ausland so viel Spaß wie selten.

Zum Ende des Jahres verließ Trini als Schlagzeuger die Band, um kurz darauf den Platz auf der "Trainerbank" einzunehmen. Und am Düsseldorfer Landgericht wurde derweil darüber verhandelt, ob der "wahre Heino" weiterhin diesen Namen tragen dürfe. Die Toten Hosen erschienen komplett mit blonden Perücken und schwarzen Sonnenbrillen; der angeklagte Norbert Hähnel wurde trotz dieses Einsatzes zu 10.000 Mark Geldstrafe verurteilt.