All die ganzen Jahre //
Biographie


Das Jahr 1982

Das Jahr 1982 bedeutete einen tiefen Einschnitt für dieses Land: Unvergessen sind das unsägliche 1:0 der Nationalmannschaft bei der Fussball-WM gegen Österreich, die sogenannte Wende im Kanzleramt - und das Erscheinen der Toten Hosen am Plattenhimmel. Dass das Jahr für die letzteren die Eintrittskarte in die Welt der verwüsteten Hotelzimmer und der gebrochenen Herzen sein sollte, konnte 1982 noch niemand ahnen.

Die Debütsingles "Wir sind bereit" und "Reisefieber" wurden an nur einem Nachmittag in "Rudas Tonstudio" in Düsseldorf eingespielt, "dem einzigen Ort an dem wir nicht vorab bezahlen mussten und unser Wort noch was galt". Die Nachwuchsmusiker hatten sich vorher hingebungsvoll mit musikalischen Klassikern von Gary Glitter, Slade, Chelsea, Peter and the Test Tube Babies und Motörhead beschäftigt. Und auch diverse Studienfahrten nach London zahlten sich aus; das war leicht rauszuhören. Dank Trinis genialer Einkaufsstrategie ("Wenn wir mehr nehmen, wird es billiger") konnten die Hosen noch Jahre später ihre Freunde mit diesen Kleinoden beschenken - ob die nun wollten oder nicht. Campino erinnert sich: "Keiner von uns konnte spielen. Andi hatte nur zwei Saiten auf dem Baß, und das Schlagzeug hatte keine Toms."

Im Herbst begaben sich die sechs jungen, tatendurstigen Männer auf ihre erste Deutschlandtour. Diese führte die Hosen unter anderem nach Gelsenkirchen, Berlin und Kirkel. Dass es sich bei den Protagonisten auf der Bühne um "mehr oder weniger erfolgreiche Überlebende der deutschen Punkbewegung in ihrer ersten Generation" handelte, verriet das erste Bandinfo. Die Toten Hosen bestanden zu diesem Zeitpunkt aus Trini Trimpop (ex-KFC) am Schlagzeug, Andi (ehemaliger ZK-Roadie) am Bass, Kuddel (ex-ZK), Breiti und Walter (ex-Aram und die Schaffner) an der Gitarre sowie Campino (ex-ZK) am Gesang.

Die häufig als Nachfolgeband von ZK bezeichnete Kapelle wollte für kleine Eintrittspreise vor kleinem Publikum spielen, "und was sie genau wollen, wissen sie eigentlich nicht, sonst wären sie auch keine Toten Hosen", hieß es treffend im Bandinfo. Folgerichtig ging unterwegs natürlich alles schief, was schief gehen konnte: kaputte Anlagen, Mikrofone und Boxen, keine Gagen, keine Schlafplätze. Mit anderen Worten: Das absolute Chaos und die Hosen mittendrin. Dennoch hatte die Urformation und wohl auch meistens ihr Publikum viel Spaß. Manchmal sogar während der Konzerte.