Fragen und Antworten
Kevin (15 Jahre) aus Erndtebrück:
Warum habt Ihr bei „Rock am Ring“ nicht wie bei euren Aufwärmkonzerten die „Moorsoldaten“ gespielt?
Das Stück wurde 1933 von Häftlingen des KZs Börgermoor im Emsland geschrieben, die von den Nazis zur Arbeit im Moor gezwungen wurden. Mit der Zeit wurde es zu einer Art Hymne der KZ-Häftlinge, was dem Lied eine ganz besondere Bedeutung und Kraft gibt. Wir haben schon vor Monaten versucht, mit unseren Mitteln eine eigene Version hinzukriegen, und wollten den Song dann auch auf den Konzerten ausprobieren. In Hamburg, Berlin und bei „Rock im Park“ haben wir das auch gemacht, bei „Rock am Ring“ entschieden wir uns kurzfristig dagegen. Wir waren uns plötzlich nicht mehr sicher, ob es in unserem Set einen gebührenden Platz geben würde. Bei einem so riesigen Festival ist es immer etwas schwierig, die richtige Wirkung zu erzielen. Wenn die Leute eher auf Party eingestellt sind, kann man nicht alle Gedankengänge plötzlich in eine andere Richtung drehen. Wir überlegen gerade, ob wir das Stück mit auf die neue Platte nehmen. Sollte das passieren, werden wir es bei den Konzerten im Winter sicherlich wieder spielen.
Steffen (26 Jahre) aus Köthen:
Warum gab es zu „Sascha“ keinen Videoclip? Das Thema hätte man doch super umsetzen können?!
Gute Frage eigentlich. Wir hatten zwischen dem Schreiben des Liedes und der Veröffentlichung nur sehr wenig Zeit. Zu wenig, um sich auch noch ein Video auszudenken. Weil wir alle Einnahmen aus dem Singleverkauf spenden wollten, haben wir auch nicht weiter darüber nachgedacht. Denn alles, was mit Video oder Film zu tun hat, ist nun einmal sehr teuer, und wir wollten die Spendensumme nicht unnötig reduzieren. Das Lied hat auch so eine große Aufmerksamkeit gefunden, war zu der Zeit wirklich ein Gesprächsthema, so dass es letztendlich auch gar nicht nötig war, das durch ein Video zu verstärken.
Stephen (15 Jahre) aus Vreden:
Habt Ihr oder hattet Ihr in den letzten Jahren noch Kontakt zu Ronald Biggs?
Der Kontakt zu Ronald Biggs ist nie abgerissen. Ich habe ihn nach den Aufnahmen zu „Learning English“ häufig in Brasilien besucht und wir sind mit der Zeit gute Freunde geworden. Als er nach England zurückgegangen ist und im Gefängnis landete, habe ich ihn dort auch noch öfter besucht. Seit ein paar Monaten ist er endlich nicht mehr im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, sondern in Norwich in einem Gefängnis mit altengerechter Betreuung. Er hat mehrere Schlaganfälle gehabt, muss künstlich ernährt werden, kann weder laufen noch sprechen. Wenn wir demnächst im Studio fertig sind, werde ich ihn auf jeden Fall wieder besuchen. Wenn man mit ihm kommunizieren will, zeigt er einfach auf ein Blatt mit Buchstaben. Mit ein bisschen Übung funktioniert das sogar ganz gut. Nur wenn er typische britische Witze macht, dauert es bei mir doch schon mal länger, bis ich genau kapiere, was er meint (lacht). Man kann sagen: Wenn er eins nicht verloren hat, dann seinen typischen Humor. Für einen dummen Spruch ist er immer noch zu haben. Ende nächsten Jahres sitzt er insgesamt zehn Jahre im Gefängnis. Nach den britischen Gesetzen müssten sie ihn dann rauslassen, auch wenn er auf dem Papier noch zwanzig Jahre vor sich hat.
Thomas (20 Jahre) aus Teterow:
Macht ihr wirklich mal alle öfter etwas zusammen, wie es bei der Serie „Friss oder Stirb“ gezeigt wurde?
Wenn wir an einem neuen Album arbeiten, uns auf eine Tour vorbereiten oder auf Tour sind, sehen wir uns sowieso jeden Tag, und das stundenlang. Wir machen also andauernd etwas zusammen… Nach dieser Zeit ist es immer total wichtig, dass man auch mal von den Anderen wegkommt, damit man sich nicht irgendwann richtig auf die Nerven geht. Tatsächlich ist es aber so, dass wir oft irgendwelche Sachen machen, die nicht direkt mit der Band zu tun haben. Campino, Andi und ich waren zum Beispiel in diesem Jahr mit ein paar Jungs zusammen Skifahren; letztes Jahr war ich mit Andi und ein paar Freunden zum Kanufahren und Zelten in Frankreich. Andi, Vom und ich haben uns vor ein paar Wochen in Düsseldorf ein Konzert der Foo Fighters angeschaut. Und vor ein paar Tagen bin ich an einem wunderschönen Sommertag mit Vom in seiner Kellerbar versackt, wobei wir stundenlang extrem laute Musik gehört haben. Bei uns ist es also längst nicht so, dass wir uns nur treffen, wenn es um die Musik geht, sondern es kann sich jederzeit ergeben, dass der eine mit dem Anderen privat etwas unternimmt. Was wir in der Serie gemacht haben, war also keinesfalls gelogen. Nur Golfspielen wären wir wohl sonst nie zusammen gegangen!
Henning (27 Jahre) aus Hohenlockstedt:
Streitet ihr euch ab und zu mal?
Die beste Gelegenheit, sich zu streiten, sind unsere so genannten Blauen Stunden: endlose Sitzungen, bei denen wir mit unserem Manager Jochen und Patrick von JKP alles besprechen, was in der nächsten Zeit ansteht. Weil wir das nur alle paar Wochen machen, dauern diese Treffen immer ziemlich lange. Das ist dann die beste Gelegenheit, um sich auch mal anzuschreien oder durchzudrehen, wenn einer dem Anderen auf die Nerven geht. Natürlich sind in einem solchen Fall die anderen Teilnehmer schnell genervt, weil es dadurch noch länger dauert, aber manchmal ist so etwas eben nötig. Im Proberaum arbeiten wir immer sehr konzentriert; das wäre der falsche Ort für so etwas. Über die Jahre haben wir einen ganz guten Weg gefunden, wie man einen Streit miteinander austragen kann, ohne dass das jetzt jeder persönlich nimmt – größtenteils zumindest (lacht). Meistens geht es bei Meinungsverschiedenheiten schon um die Sache. Die Anlässe, um sich leidenschaftlich zu streiten, sind manchmal völlig lächerlich. Ein Klassiker ist zum Beispiel immer noch die Diskussion, ob es bei „Rock am Ring“ Frikadellen oder Erbsensuppe für unsere Gäste geben soll, anzuschauen in einer Folge der MTV-Serie „Friss oder Stirb“.
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