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29.02.2007 - Teil 48 mit Breiti

Im Februar beantwortet Breiti Eure Fragen.

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Fragen und Antworten

5 Fragen an Breiti:

Kerstin (16 Jahre) aus Hohndorf:
Was ist mit dem „Alles wird gut“-Video? Gibt es das wirklich?

Ja, es existiert ein Video… Das ist allerdings so schlecht, dass wir das nie verwendet haben und es auch nirgendwo mehr veröffentlichen wollen. Zu manchen Sachen, die daneben gegangen sind, muss man einfach stehen. Dieses Video war uns aber so peinlich, dass wir es unter den Tisch haben fallen lassen. Das hatte nichts damit zu tun, dass wir zu der Zeit wenig Geld hatten. Schließlich kann man mit einer guten Idee auch mit wenig Geld ein ordentliches Video drehen. In diesem Fall war aber schon die Idee schlecht! Wir haben das Video auf einer Burg in Österreich gedreht, irgendwo an der Donau. Die Sachen, mit denen uns der Regisseur zuvor begeistern wollte, haben überhaupt nicht funktioniert, sei es die Verkleidungen oder bestimmte Einstellungen, die alle nach Mittelalter aussehen sollten. Das konnte ja nichts werden! Das Einzige, was bei dem Videodreh nachträglich einen Nutzen hatte, war der Umstand, dass sich Wölli seinen Spitznamen als „Kirschwasserkönig“ erworben hat. Wenn man ein Video dreht, entstehen halt öfter mal Pausen, weil irgendetwas umgebaut wird. Was soll man in dieser Zeit schon groß tun? Praktischerweise gab es auf der Burg ein Lokal mit reichlich lokalen Obstlern. Wölli entschied sich für das Kirschwasser und von dem Tag an hatte er seinen Titel weg. Ich möchte aber betonen: Die reichhaltige Palette an Schnäpsen war nicht der Grund, warum das Video daneben gegangen ist.

Cilian (17 Jahre) aus Heidelberg:
Wie habt ihr damals den Fall der Mauer erlebt?

In der Nacht, als die Mauer fiel, haben wir in Paris gespielt. Ich war nach dem Konzert noch mit ein paar Franzosen durch die Kneipen von Montmartre gezogen. Morgens kam ich in das Hotel, in dem wir untergebracht waren, und in der Lobby lief ein Fernseher. Ich sah die Menschen mit der Deutschland-Fahne auf der Mauer herumspringen. Zuerst habe ich gar nicht kapiert, was da gerade vor sich geht, und musste dreimal hingucken. Bis dahin war die Mauer eine der undurchdringlichsten Grenzen der Welt gewesen und es völlig undenkbar, dass man zwischen West- und Ost-Berlin herumlaufen konnte, geschweige denn auf die Mauer zu klettern, ohne erschossen zu werden. Mein erster Gedanke war: Scheiße, jetzt geht das wieder los! Ich befürchtete einen neuen Ausbruch von Nationalismus, was sich später ja auch teilweise bestätigt hat. Damit schlagen wir uns ja heute noch herum, im Osten wie im Westen… Diese Bedenken waren aber verflogen, als wir am nächsten Tag nach Berlin fuhren, um an einem Festival in der Deutschlandhalle teilzunehmen. Ich war begeistert von der besonderen Atmosphäre, die in der Stadt herrschte. Alle haben sich gefreut, einfach wieder von West nach Ost und vor allem von Ost nach West rüberspazieren zu können. Und ich fand es toll, das miterleben zu können und bin mit einer Bekannten durch die Stadt gelaufen. Die Stimmung kann man nicht mit rheinischem Karneval oder einer Fußball-WM vergleichen, es war einfach ein ganz besonders glücklicher Augenblick, nachdem man so lange Zeit auf so brutale Art und Weise voneinander getrennt war. Es war weniger von Euphorie geprägt als von einer tiefen Zufriedenheit, diesen Zustand jetzt endlich überwunden zu haben. Wir selbst durften ja nie offiziell in der DDR auftreten, haben da lediglich ein paar Geheimkonzerte gespielt. Die Menschen, die das organisiert haben oder in den Vorbands gespielt haben, sind damals teilweise verhaftet worden und im Gefängnis gelandet. Nicht zuletzt deshalbn waren wir froh, dass die Mauer endlich gefallen war und es einen Wandel gab. Vor allem die erste Zeit – als die alten Herren weg waren und die neuen noch nicht da – produzierte in der DDR einen Zustand von Anarchie, in der zum Beispiel die Radiosender spielen konnten, was sie wollten. Oder da wurde irgendwo in Halle im 4. Stock eines Wohnblocks illegal ein Club eröffnet. Und niemanden hat es interessiert, über mehrere Wochen. Eine unglaublich spannende Zeit, aber gleichzeitig kündigten sich die Probleme an, die später mit Neonazis und ihren Sympathisanten entstanden sind.

Ulrike (48 Jahre) aus Oberhausen:
Wird es einen gemeinsamen Auftritt von Campino und Juanes z.B. bei Rock am Ring geben oder bei einer anderen Gelegenheit? Wäre genial, "Bandera de Manos" live von beiden gesungen zu hören!

Als Juanes vor ein paar Monaten in Europa auf Tour war, hat er im Fernsehen Ausschnitte von unserem „Unplugged“-Konzert gesehen. Ihm hat Campino als Sänger sofort sehr gut gefallen und von da an interessierte er sich dafür, womit wir uns in unseren Liedern beschäftigen. Er stellte fest, dass sich die Inhalte – obwohl die Musik schon sehr verschieden ist – bei vielen Themen decken. Dann hat er Campino gefragt, ob er das Stück mit ihm zusammen singen will. Campino hat das gerne gemacht, auch weil wir tatsächlich bei vielen Themen inhaltlich auf einer Wellenlänge liegen. Gemeinsame Auftritte sind aber nicht geplant, ganz sicher nicht bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass wir mal mit ihm auf irgendeine Bühne steigen, vielleicht in Südamerika. Wer weiß? In seinem Heimatland Kolumbien sind wir ja bislang noch nicht gewesen.

Lars (23 Jahre) aus Korbach:
Warum habt ihr in den letzten Jahren eure Bühnendeko auf das Nötigste beschränkt? Ich fand das Outfit der Bühne während der „Ewig währt am längsten“-Tour klasse.

Die „Ewig währt am längsten“-Tour haben wir gespielt, nachdem die „Opium fürs Volk“ erschienen war. Während des ersten Teils der Tournee wollten wir weg von den knalligen und bunten Elementen, die wir in den Jahren zuvor benutzt hatten. Unser Plan war eigentlich, die Deko ein bisschen auf „Mad Max“ zu trimmen. Das Experiment ist aber ein wenig abgedriftet, erinnerte eher an Billig-Industrial, was dann doch nicht so richtig zu uns passte (lacht). Deshalb haben wir während der zweiten Tour-Hälfte mit den Motiven aus dem Cover herumgespielt, mit diesen revolutionären Motiven und Fahnen. Das hat dann wirklich sehr gut funktioniert. Wir finden es gut, wenn das Licht und die Bühnendeko das unterstützen, was wir als Band machen, und nicht umgekehrt. Was wir abliefern, ist ja keine Show á la Madonna. Wir sind ja immer noch eine Rockband, die auf die Bühne geht. Die Musik sollte also im Mittelpunkt stehen, sinnvoll unterstützt vom Licht. Wir machen uns vorher schon immer sehr viele Gedanken, speziell wenn das Publikum in großen Hallen oder Stadien etwas weiter von der Bühne entfernt ist. Die Bühne gehört zum Gesamteindruck. Wir sind bei unseren Bemühungen aber auch etwas eingeschränkt, weil wir auf bezahlbare Eintrittspreise achten – und für irgendwelche Spezialeffekte kann man sehr schnell sehr viel Geld ausgeben. Trotzdem denken wir sehr genau darüber nach, die Bühne und das Licht aussehen sollen. Ein weiterer Grund, warum es heute manchmal wie „auf das Nötigste beschränkt“ aussieht, ist der Umstand, dass die PAs heute sehr viel kleiner sind als früher. Man braucht nicht mehr so viele und sehr viel kleinere Boxen. Und was auch noch dazu kommt: In den modernen Hallen müssen auch die Leute, die an der Seite sitzen, möglichst ungehindert auf die Bühne schauen können. Da können wir nichts mehr in den Weg hängen, was die Sicht behindern könnte.

Valentin (21 Jahre) aus Bremen:
Habt ihr live oder im Proberaum schon mal einen Song von "Die Ärzte" nachgespielt?

Als wir 2002 auf Sylt aufgetreten sind, haben wir natürlich „Westerland“ gespielt. Das fanden wir an diesem Ort angemessen. Es ist ja auch so, dass viele Leute, die weder Ärzte noch Hosen richtig gut kennen, das öfter mal durcheinander bringen, von wem der Song eigentlich ist. Das war dann aber, glaube ich, auch das einzige Mal, das wir etwas von den Ärzten gecovert haben…