Fragen und Antworten
Judith (22) aus Konstanz:
Warum habt ihr so selten deutschsprachige Vorbands?
Der Grund ist ganz einfach, dass es gar nicht so viele deutschsprachige
Bands gibt. Und darunter sind dann noch weniger, bei denen es sinnvoll ist,
dass sie mit uns auf Tour gehen. Auf der aktuellen Tour haben wir mit ZSK
gespielt - einer Band aus Berlin, die wir sehr mögen. Kumpelbasis und
Terrorgruppe sind andere Beispiele aus der letzten Zeit. Wenn wir mit den
Beatsteaks und Donots spielen, dann hört das aber schon wieder auf, weil
viele deutsche Bands einfach auf Englisch singen. Wir haben jetzt mit
spanischsprachigen Bands gespielt, die aus Kalifornien und Mexiko kamen. Wir
haben mit skandinavischen und australischen Bands gespielt. Wir sind einfach
gerne mit Bands unterwegs, mit denen wir uns auch privat gut verstehen und
deren Musik wir auch mögen. Und dann kommt noch hinzu: Die Bands müssen auch
mit der besonderen Situation klarkommen. Wenn eine Band noch nicht sehr oft
gespielt hat oder nur im Jugendzentrum vor 100 Leuten, dann wäre man wohl
doch damit überfordert, in einer Halle vor 10.000 Leuten zu spielen. Das
muss man alles auch erstmal lernen.
Seve (20) aus Pfäffikon (Schweiz):
Bei den letzten Konzerten in der Schweiz habt ihr jeweils ein Lied gespielt,
bei dem ein Countdown gezählt wird. Wie heißt das Lied und gibt es dieses
auf auch auf Platte?
Das Lied "Feuer frei" haben wir extra für die aktuelle Tour geschrieben. Wir
fanden die Idee gut, dass es ein Lied gibt, das speziell für jede Stadt
umgeschrieben werden kann. Die Worte sind jeden Abend anders. Bestimmte
Sachen wiederholen sich zwar, aber Teile des Textes werden jeden Abend
geändert, je nachdem wo wir gerade sind. Wir freuen uns zu sehen, dass das
offenbar super ankommt, obwohl die Leute das Lied noch nie vorher gehört
haben. Das Stück wäre deshalb natürlich ein Kandidat für eine Live-Platte,
wenn wir irgendwann mal wieder eine machen. Oder je nachdem, wie sich das
Lied noch verändert, wäre es vielleicht auch etwas für ein Studioalbum. Aber
weil wir darüber zur Zeit gar nicht nachdenken, ist es schwierig zu sagen,
ob das jemals auf einer Platte landen wird.
Julia (16) aus Regensburg:
Wie sollen sich Jugendliche eurer Meinung nach engagieren, wenn sie etwas
gegen den Ausländerhass unternehmen wollen? Es ist nach eigener Erfahrung
absolut sinnlos, was an eine Wand zu sprayen. Was also tun, nicht jeder kann
schließlich Musik machen?!
Tatsächlich stehen viele Leute erstmal alleine und ratlos da, wenn ihnen
das, was von Rechts kommt, auf die Nerven geht und sie gerne etwas dagegen
tun würden. Da es aber auf Dauer sowieso zu wenig ist, nur GEGEN etwas zu
sein, sollte man sich überlegen, worum es einem überhaupt geht. Was denkt
man selbst, was die Regeln des Zusammenlebens sein sollten? Ich bin bei
dieser Fragestellung immer auf die Menschenrechte gestoßen. Genauso sollte
man sich damit beschäftige, was Faschisten und Nazis für ein Weltbild
anstreben und was die wirklich wollen. Bei mir war es dann kein weiter Weg,
entsprechende Organisationen zu finden, die sich um Randgruppen und
Unterprivilegierte kümmern oder andere Menschen, denen grundlegende
Menschenrechte vorenthalten werden. Und so wird jeder irgendwas finden, was
ihn interessiert und wo er gerne mitmachen würde. Und alles, was man in
diese Richtung und damit FÜR jemanden macht, ist gleichzeitig auch etwas
gegen Rechts, gegen faschistische Weltbilder und deren Anhänger. Je mehr man
sich mit Menschenrechten beschäftigt, umso leichter fällt es einem auch, mit
Menschen zu diskutieren, die Ansichten vertreten, mit denen man überhaupt
nicht einverstanden ist. Bei vielen Leuten sind rassistische Vorurteile
einfach in den Kopf reingeschraubt, ohne dass sie groß drüber nachdenken.
Jemanden zum Nachdenken zu bringen, damit ist schon etwas gewonnen. Und man
sollte sich nie davon verunsichern lassen, wenn man sich engagiert, dass
sich scheinbar allgemein scheinbar nichts verändert. Alles, was man in
dieser Richtung macht, ist wertvoll. Und da braucht man schon mal einen
langen Atem, Hartnäckigkeit und Geduld und sollte für sich selbst auf keinen
Fall aufgeben.
Thorben (31) aus Emden:
Welche Organisationen, die sich um Menschenrechte kümmern, unterstützt ihr
selbst?
Bei uns als Band ist die wichtigste Organisation Pro Asyl, weil
Asylsuchenden in Deutschland grundlegende Menschenrechte nicht gewährt
werden. Die werden skandalös behandelt und deshalb war es für uns ein
logischer Schritt, Pro Asyl zu unterstützen. Wir haben auch immer wieder mal
was mit dem Kinderhilfezentrum in Düsseldorf gemacht. Das Zentrum kümmert
sich um Kinder, die entweder gar keine Eltern mehr haben oder aus den
verschiedensten Gründen zeitweise nicht bei ihren Eltern wohnen können.
Privat interessiere ich mich noch für Asphalt e.V., die Wohnprojekte für
Obdachlose organisieren oder den Verkauf der Obdachlosenzeitung in
Düsseldorf. Es ist auch schon viel erreicht, wenn man sich "nur"
Informationen besorgt, es ist aber noch mehr erreicht, wenn man Mitglied
wird. Für solche Organisationen ist das sehr wichtig, weil sie mit
Mitgliedsbeiträgen fest rechnen und kalkulieren können. Spenden gibt es mal
mehr, mal weniger. Und jede dieser Organisationen hat auch mehr Gewicht,
wenn sie dann mit Stadtverwaltungen redet oder mit Mitgliedern des
Bundestags. Wenn die wissen, dass das nicht irgendein kleiner Verein mit ein
paar hundert Mitgliedern ist, wird man ganz anders empfangen und
wahrgenommen.
Jeanette (21) aus Mount Airy, MD (USA):
I really like the new song "Freunde" and I think it is even better than the
album version! The video is amazing! How much influence do you have on a
video?
Bei einem neuen Lied ist das meistens so, dass wir schon ein bisschen im
Kopf haben, wie das Video aussehen soll. Oft ist es aber auch so, dass wir
uns einen Regisseur aussuchen, den wir wegen seiner bisherigen Arbeiten für
ein Lied besonders geeignet halten und erstmal völlig frei überlegen lassen.
Es ist einfach wichtig zu wissen, was der sich unter dem Lied vorstellt,
auch damit wir nicht dazu neigen, immer in dieselbe Richtung zu denken. Wenn
es dann eine Idee gibt, die uns gefällt, versuchen wir zusammen mit ihm
rauszukriegen, was die beste Umsetzung für das Lied ist - wobei es auch
immer ein bisschen Glückssache ist oder seine Eigendynamik hat, wie sich das
während der Dreharbeiten entwickelt. Beim Videoclip zu "Freunde" wussten wir
von Anfang an, dass wir diesen Effekt benutzen wollten, bei dem alle fünf
immer dieselbe Bewegung machen und dann wie eine Person rüberkommen. Der
Regisseur hatte das auch schon mit anderen Personen ausprobiert. Wie das
letztendlich mit uns werden würde, wussten wir vorher nicht, weil jeder von
uns komplett anders aussieht und es auch ziemliche Größenunterschiede
zwischen uns gibt. Deswegen war das auch ein bisschen Glückssache und
Risiko, wie das letztendlich funktionieren würde. Wir hatten uns zusätzlich
mit dem Regisseur aber auch noch eine zweite Ebene im Video überlegt,
nämlich dass wir Bilder von Freunden im allerweitesten Sinne dazu
reinschneiden wollten. Diese Bilder haben wir dann selber ausgesucht oder
Freunde gebeten, welche auszusuchen. Und alleine mit diesen Bildern, die da
zusammenkamen, hätte man ein komplettes Buch voll machen können. Leider
konnten wir für das Video nur einige wenige verwenden. Uns macht es aber
deshalb aber immer noch besonderen Spaß, dieses Video zu sehen, weil da
Bilder vorkommen, an denen für uns eine Menge Geschichten hängen.
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