Fragen und Antworten
Julia (15) aus Frankfurt:
Nach dem Konzert in Frankfurt habt ihr irgendeinen Walzer abspielen lassen.
Welcher war das?
Das war Dmitri Shostakovich, „Walzer Nr. 2 “. Wir benutzen die Musik zur Zeit auf Tour als „Rausschmeißer“. Letztendlich beginnt das Konzert ja schon mit dem Einlass der Leute. Sämtliche Musik, die an so einem Abend gespielt wird, haben wir vorher selbst zusammengestellt. Die zwei Stunden vom Band, die vor dem eigentlichen Auftritt laufen, sind von uns selbst gewählt. Diesmal waren es Andis Lieblingsplatten, in den anderen Jahren habe ich mich da meistens drum gekümmert. Auch das Band zwischen Vor- und Hauptgruppe kommt von uns. Das ist eine Mischung aus Lieblingsliedern und Liedern, die mittlerweile zu einem Toten-Hosen-Konzert einfach dazu gehören, weil sie zum Ritual geworden sind. Genauso wie das Intro schon unmittelbarer Bestandteil des Konzerts ist, so läuft es auch mit der Abschlussmusik, wenn die Leute rausgehen.
Jeannine
(16) aus CH-Thalwil
:
Campino, was machst Du, wenn Du während einer Tour heiser bist?
1.:den Mund halten! 2. Feststellen, warum man heiser ist. Wenn das nur von der Überanspruchung der Stimmbänder kommt, dann geht es darum vorzubeugen – und nicht erst zu reagieren, wenn man schon angeschlagen ist. Denn dann kann es nur noch darum gehen, dass es nicht schlimmer wird. Während einer Tournee hat die Stimme so wenig Gelegenheit, sich zu erholen, dass es dann kaum noch möglich ist, dass sie wieder „besser“ wird. Man kämpft von Anfang an dagegen an, dass sie sich nicht von Tag zu Tag verschlechtert. Und das kann man durch verschiedene Tricks erreichen: Es ist immer gut, sich vorher warm zu singen. Tees mit Honig schaden auch nicht. Wenn man mit einer öligen Emulsion inhaliert, kann das auch helfen. Man darf nur unter keinen Umständen Mittel benutzen, die den Hals austrocknen.
Markus (15) aus Stackholt :
Was habt ihr damals von der RAF gehalten oder was haltet ihr jetzt noch von der RAF?
Die Geschichte der RAF ist hochinteressant und für mich vielleicht das faszinierendste Kapitel der Nachkriegsgeschichte in Deutschland. Das ist schon irre, wie sich das Ganze entwickelt hat – von den ersten Anfängen als Studenteninitiative über die APO bis hin zu einer gewaltbereiten und gewaltsamen Zelle. Wenn man sich das differenziert anschaut, kann man für Vieles, was damals passiert ist, Verständnis haben. Ich glaube, dass die Leute von der RAF mit der Zeit am Ende in eine Psycho-Spirale geraten sind, aus der sie nicht mehr rauskamen. Sie sind einen fatalen Weg gegangen. Aber die ersten Aktionen, auch von der „Bewegung 2. Juni“, waren teilweise durchaus mit Augenzwinkern und einem gewissen Humor versehen. Die haben aus einer Protesthaltung heraus stattgefunden, die ich total nachvollziehen kann. Die Sache ist dann aber von beiden Seiten eskaliert, auch weil der Staat überreagiert und die Leute von Anfang an kriminalisiert und verteufelt hat. So blieb ihnen nicht viel übrig, als in diese Einbahnstraße zu gehen, aus der sie nie wieder rausgekommen sind. Generell ist die Geschichte der RAF auch ein Beweis dafür, dass man einen Konflikt mit einer demokratisch gewählten Staatsmacht nicht mit Gewalt lösen kann.
Christine (17) aus Itzehoe:
Wer waren die interessantesten Menschen, die ihr jemals kennen gelernt habt?
Da könnte ich jetzt endlos erzählen. Denn das ist einer der Gründe, warum ich so glücklich bin, in dieser Band zu sein. Über die Musik haben wir wahnsinnig viele Leute getroffen, die faszinierend oder cool waren. Ich weiß auch nicht, ob das fair ist, einzelne Leute herauszuheben. Ich versuche es mal ganz vorsichtig: das Kennenlernen mit Ronnie Biggs, Joe Strummer und Joey Ramone – das waren schon Erlebnisse, die man nicht vergisst. Es ging aber auch weit über die Musik hinaus. Wenn ich nicht in der Band gewesen wäre, wäre ich z. B. nie dem Ehepaar Gorbatschow begegnet. Mit denen habe ich damals nach einer TV-Show eine Tasse getrunken. Von solchen Anekdoten gibt es ganz viele, ob es Schauspieler, Sportler oder sonst irgendwelche Figuren waren. Es gab aber auch genauso viele Begegnungen mit langweiligen Menschen (lacht).
Dominik (17) aus Halle (Saale):
Findet ihr es notwendig, zu jedem Album vier Singles auszukoppeln? Würden nicht zum Beispiel zwei reichen?
Das ist keine Frage von Notwendigkeit, sondern letztendlich eine Sache der Abstimmung. Wir haben nicht alle dieselben Lieblingslieder. Wenn einer sagt, er möchte gerne das Lied X als Single haben, dann gibt es manchmal den Kompromiss, dass dann eben das Lied, das von einem anderen gewünscht wurde, später dran kommt. Bei den Single-Veröffentlichungen geht es grundsätzlich darum, einen Einblick zu geben, was für den Rest des Albums repräsentativ ist. Und so hat sich das dann bei uns eingebürgert, 4 Singles pro Album zu veröffentlichen, es ist aber kein Muss. Manche Bands machen drei, manche sechs, manche aber auch nur eine. Das muss jeder für sich entscheiden. Bei den ersten drei Singles aus „Zurück zum Glück“ waren wir uns diesmal in der Band komplett einig. Nur bei der vierten hatten wir im Vorfeld keinen festen Plan, welcher Song das werden sollte. Da haben wir uns gerade extra einen ganzen Tag lang getroffen, um uns zu beraten.
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