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27.08.2004 - Teil 16 mit Breiti

Im August ist Breiti wieder an der Reihe.

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Fragen und Antworten

Maria (28) aus Dresden:

??? Wie ist das Lied "Ülüsü" gemeint?

!!! Breiti: "Ülüsü" ist ein Lied auf der 1983 erschienen LP "Opel Gang". In dem Lied geht es darum, daß ein Junge auf einer Party ein Mädchen kennenlernt und sich beide näher kommen. Als er erfährt, dass sie Türkin ist, will er aber aus rassistischen Motiven nichts mehr mit ihr zu tun haben. "Ülüsü" ist das erste einer Reihe von Liedern ("Fünf vor zwölf", "Willkommen in Deutschland", "Sascha - ein aufrechter Deutscher") in denen Fremdenhaß oder Rassismus ein Thema ist.

Als "Ülüsü" 1983 erschien, spielten wir für ein überschaubares Publikum und wir waren davon überzeugt, dass jeder die Ironie des Liedes verstehen würde. Denn das Lied soll ausdrücken, dass der Junge, der das Mädchen verläßt, als er erfährt, dass sie eine Türkin ist, ein Riesenarschloch ist. Das hat damals auch jeder so verstanden, es ist in dem Text auch deutlich auf diese Weise dargestellt.

Als unser Publikum wesentlich größer geworden war, kam 1990 auf der LP "Kreuzzug ins Glück" "Fünf vor zwölf" heraus. In diesem Lied verzichteten wir auf jede Ironie und drückten ganz direkt unsere Meinung aus. Da wir aber fanden, dass Ironie in Liedtexten oft ein wirksames Mittel ist, ist der 3 Jahre später entstandene Text von "Sascha - ein aufrechter Deutscher" reinster Sarkasmus. Die einzelnen Textzeilen zu hören tut fast körperlich weh und das Lied hat eben dadurch seine Wirkung.

Max (20) aus Wien:

??? Wer genau sind die "Wellenreiter" im "Wort zum Sonntag"?

!!! Breiti:
Mit den Wellenreitern sind Leute, auch Journalisten gemeint, die gerne auf jeder Welle mitschwimmen. Die eine Band aus dem Nichts in den Himmel jubeln und als "das" neue tolle Ding anpreisen, um sie spätestens zwei Jahre später, nach dem nächsten Album, in Grund und Boden zu schreiben. In Deutschland gibt es dann noch die beliebte Variante, eine Band, unbedingt scheiße finden zu müssen, bloß weil sie ein bisschen Erfolg hat

Mir fällt da zum Beispiel ein Interview mit den Donots im "Visions" zur ihrem vorletzten Album ein, wo sie sich über zwei Seiten rechtfertigen mussten, warum sie jetzt so erfolgreich sind und ob das noch alles cool ist, was sie machen. Kein Wort über das neue Album! Dabei ist das Visions vollgestopft mit Werbung für irgendwelchen Scheiß, für das die Donots niemals Werbung machen würden, der Herausgeber will mit dem Blatt auch Geld verdienen und der Schreiber des Interviews wurde für seine Arbeit hoffentlich auch angemessen bezahlt.

Völlig ins Groteske driftet dieses Phänomen bei einem anderen Beispiel ab, das mir noch einfällt. In einem Fanzine wurde Muff Potter, vorgeworfen, doch jetzt so tierisch erfolgreich und damit komplett unglaubwürdig zu sein. Dabei können Muff Potter froh sein, wenn sie von den Erlösen einer Platte vielleicht das Studio für das nächste Album bezahlen können und pro Jahr eine Tour von 3 Wochen zusammenbekommen. Leben müssen sie sowieso von anderen Jobs.

Ich würde mir einfach wünschen, dass eine Band nach ihren Texten, ihrer Musik und ihren Auftritten beurteilt wird. Und nicht durch das Nachplappern von Hypes oder aufgrund der Tatsache, ob sie erfolgreich ist oder nicht.

Albi (14) aus Schöppingen:

??? Habt ihr gar keine Probleme mit euren Ohren? Ihr müsst doch von diesen vielen Konzerten schlechte Ohren kriegen. Ich spiele auch Schlagzeug und habe Schiss, dass ich noch schlechter höre, als ich es ohnehin schon tue.

!!! Breiti:
Vor gut 10 Jahren haben wir spaßeshalber mal einen Hörtest gemacht. Schon damals wurden bei jedem mehr oder weniger schwere Schäden festgestellt. Bei mir zum Beispiel funktionieren die Höhen im linken Ohr nicht mehr so richtig. Wahrscheinlich weil ich links hinter mir immer das Schlagzeug habe und mir die Becken ganz schön in den Ohren klingeln. Nach Konzerten habe ich auch immer ein hohes Pfeifen auf dem linken Ohr, das bei längeren Ruhepausen aber fast vollständig verschwindet. Den anderen geht es da ähnlich. Im Proberaum benutze ich deswegen inzwischen spezielle Ohrstöpsel, die die nervigsten Höhen und Frequenzen abhalten. Live ist es schwierig, etwas in den Ohren zu haben, weil man dann nicht dasselbe Gefühl und denselben Spaß beim Spielen hat.

Janni (17) aus Martinroda:

??? Was haben Eure Eltern gesagt bzw. getan, als Ihr zum ersten Mal mit bunten Haaren (o.ä.) vor ihnen standet?

!!! Breiti:
Das erste Haarefärben hat seinerzeit die eine oder andere familiäre Verwicklung ausgelöst. Andi färbte sich das erste Mal mit Campino die Haare. Als Andis Vater nach Hause kam, bekam der einen mittleren Anfall und schmiss beide erstmal raus. Andis Hausverbot wurde einige Zeit später wieder aufgehoben, Campinos blieb noch jahrelang bestehen.

Als Vom mit schöner, neuer Frisur nach Hause kam, drehte sein Mutter komplett durch und hämmerte mit den Fäusten so fest vor die Wände, dass die Nachbarn herüberkamen, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Dann schleifte seine Mutter ihn zum Frisör, der alles wieder in die natürliche Haarfarbe zurückverwandeln musste. Eine Woche später war Vom wieder stolzer Träger frisch gefärbter Haare. Um sich den Ärger diesmal zu ersparen, zog er direkt aus der Kleinstadt in Essex nach London.

Bei mir war meine Mutter nicht begeistert, aber was sollte sie machen. Ihr habe ich mit anderen Sachen einen Schock versetzt, zum Beispiel als ich mit dem Kindersarg auf dem Autodach vorfuhr, den wir eine Zeit lang als Gitarrenkoffer benutzten.

Annina (17) aus Laubach:

??? Ist es nicht ein komisches Gefühl, wenn Mädchen wie ich so auf eure Musik und eure Einstellung und so weiter stehen? Jeder von euch könnte altersmäßig mein Vater sein.

!!! Breiti:
Wenn wir neue Lieder schreiben, dann tun wir das erstmal nur für uns, denn in den ersten Wochen und Monaten bekommt niemand außer uns die neuen Ideen zu hören. Darin werden dann eben Erfahrungen und Gedanken von um die 40-Jährigen verarbeitet. Deswegen freue ich mich aber umso mehr, wenn auch Jüngere oder sogar wesentlich jüngere Leute als wir mit den Liedern etwas anfangen können.

Besonders bei den Konzerten mag ich, wenn das Publikum altersmäßig und in jeder anderen Hinsicht gemischt ist. Wenn nur 40-Jährige vor der Bühne stehen würden, wäre die Stimmung sicher nicht halb so gut. Die gehen zwar auch ab, aber vor allem, weil die Jüngeren sie mitreißen.

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