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12.03.2004 - Teil 12 mit Breiti

Breiti hat sich diesmal vor allem Fragen ausgesucht, in denen es um das Musikgeschäft geht. Er sagt seine Meinung zum Downloaden von Musikstücken, klärt auf, ob noch Kontakt zu früheren Vorbands besteht - und erzählt, wie die anderen Bandmitglieder damit klarkommen, dass Campino "immer im Mittelpunkt" steht.

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Fragen und Antworten

Nicole (27) aus Bonn:
??? Habt Ihr noch Kontakt zu früheren Vorbands von Euch (z.B. Green Day, Jingo de Lunch, Mighty Migthy Bostones, Janus Stark etc.)?

und

Matthias (21) aus Kassel:
??? Habt Ihr noch Kontakt zu Ronnie Biggs und den anderen Gruppen, die auf der Learning English CD sind?

!!! Breiti: Natürlich haben wir zu den meisten Bands noch Kontakt, insbesondere wenn wir mit denen auf Tour gewesen sind. Da telefoniert man aber nicht alle drei Tage miteinander oder schreibt abwechselnd Postkarten, sondern trifft sich einfach, wenn man zusammen ein Festival spielt - oder geht zu deren Konzerten, wenn man gerade in derselben Stadt ist. Und auch wenn man sich dann länger nicht gesehen hat, kann man meistens wieder da anfangen, wo man beim letzten Mal aufgehört hat.

Charlie Harper von den U.K. Subs habe ich zum Beispiel neulich zum ersten Mal nach sieben oder acht Jahren wieder getroffen. Und es war so, als ob nur vier Wochen vergangen wären. Es gibt aber natürlich auch Leute, die man extra besucht: Knox von den Vibrators rufe ich eigentlich immer an, wenn ich in London bin. Und Andi hat letztens Billy Gould, den alten Bassisten von Faith No More, in Barcelona besucht. Es gibt also schon Kontakte, die über Festivals und Konzerte hinausgehen.

Speziell unsere Beziehungen zu den Bands, die auf der "Learning English" drauf waren, sind sehr eng - weil wir diese Leute wirklich schon lange kennen und viel Zeit mit ihnen verbracht haben. Besonders Ronnie Biggs ist nach wie vor ein guter Freund von uns, speziell von mir. Nachdem wir ihn für die Aufnahmen in Rio besucht hatten, bin ich noch ein paar Mal privat zu ihm hingefahren. Und seitdem er zurück in England ist, besuche ich ihn auch regelmäßig im Gefängnis.

Michael (17) aus CH-Niederscherli:

??? Was ist eure Meinung zur ganzen Downloadgeschichte, die im Moment abgeht?

!!! Breiti:
Ich mache niemandem persönlich einen Vorwurf, der sich Musik kostenlos aus dem Internet holt. Aber ich finde diese grundsätzliche Einstellung, dass Musik umsonst sein muss, überhaupt nicht gut. Jemand, der Musik macht, hat genauso ein Recht auf Bezahlung und davon zu leben, wie einer, der Schreiner ist, und einen Tisch baut. Es geht mir dabei auch weniger um uns, sondern viel mehr um solche Bands, die früher von ihrer Musik hätten leben können. Die müssen heutzutage teilweise froh sein, wenn sie überhaupt noch eine Platte aufnehmen können, obwohl eigentlich ziemlich viele Leute ihre Musik hören und zu ihren Konzerten kommen. Sie verkaufen aber eben keine Platten mehr!

Die großen Plattenfirmen haben es völlig verpennt, auf diese Entwicklung zu reagieren. Sie waren unverständlicherweise nicht in der Lage, eine Alternative anzubieten, über die man sich Musik legal und gegen Bezahlung aus dem Internet hätte holen können. Dass das funktionieren kann, dafür gibt es ja Anzeichen, zum Beispiel bei Apple in Amerika. Ich finde es auch schwachsinnig, dass häufig gesagt wird, dass das Internet für unbekannte Bands so tolle Möglichkeiten eröffnet. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade bei der Flut an Angeboten im Internet werden natürlich auch nur die ausgewählt, die man irgendwoher kennt. Und das führt noch mehr dazu, dass sich das Ganze auf die Bands konzentriert, die aus den Medien bekannt sind. Unbekannte Künstler haben es dadurch noch schwerer, an die Öffentlichkeit zu kommen.

In manchen Ländern läuft das ja auch ganz anders: In England wurden im Dezember 2003 die meisten CDs aller Zeiten verkauft! In Deutschland gibt es aber einfach nicht diese Rock- und Pop-Kultur, bei der eine Masse von Leuten ein wirkliches Interesse an einer Band hat, und die Platte dann auch so haben will, wie sie sich die Band gedacht hat - in der Zusammenstellung und mit dem Cover. Hierzulande würden sich die meisten Leute wohl wieder nur die Songs runterladen, die sie aus dem Radio und Fernsehen kennen. Dabei würden dann die Lieder, die man als Musiker gerne anbietet und die typische Album-Tracks sind, völlig untergehen. Das ist eine mögliche Entwicklung, die ich auch nicht gut finde.

Laszlo (26) aus Budapest/ Ungarn:
??? Wie betrachtet Ihr die Verbindung zwischen Musik und Geschäft?

und

Eike (25) aus Neuss:
??? Sagt mal, kann man unter der Band 'Toten Hosen' nicht schon eine Firma sehen, wie z.B. den Fussballverein Borussia Dortmund (AG)?

!!! Breiti: Ich empfinde es als ein ganz großes Glück, dass wir irgendwann von der Musik leben konnten. Ab diesem Zeitpunkt war es uns erst möglich, uns voll auf die Musik zu konzentrieren, und damit genau das tun, was wir am liebsten machen. Dadurch dass wir dann sogar sehr, sehr viele Platten verkauft haben, ergaben sich schließlich Möglichkeiten, von denen wir sonst nur hätten träumen können. Eine Platte wie die "Learning English" hätte es ohne den vorherigen kommerziellen Erfolg niemals gegeben. Die Musiker zusammenzusuchen und in London, New York und Rio ins Studio zu gehen, wäre finanziell völlig unmöglich gewesen. Und für uns als Band war das ja im Nachhinein eine der wichtigsten Platten, die wir je gemacht haben.

Auch "schwachsinnige Aktionen" wie die Teilnahme am Rosenmontagszug wären nicht möglich gewesen. Das ging auch nur, weil wir genug Geld hatten, um uns diesen Wagen bauen zu lassen, wie wir ihn haben wollten. Und da könnte ich noch viele weitere Beispiele aufzählen. Wir haben letztendlich eine große Unabhängigkeit gewonnen: Wir bestimmen, welche Platte wir rausbringen, was darauf kommt und in welches Studio wir gehen. Wir bestimmen, wann wir wo in welcher Halle spielen und mit welcher Band zusammen. Jeder, der Musik macht und Platten herausbringt, freut sich natürlich darüber, wenn viele Leute seine Musik hören. Man macht Platten ja nicht, um sie nur seinen fünf besten Freunden vorzuspielen...

Wenn man viele Platten verkauft und viele Leute zu den Konzerten kommen, muss man aber auch irgendwie damit umgehen. Und dann muss man sich eben auch um Sachen kümmern, die mit Geschäft und Verträgen zu tun haben. Man sollte nur aufpassen, dass man hinterher nicht mehr mit der geschäftlichen Seite zu tun hat als mit der Musik. Es ist aber auch nicht so, dass wir von Anfang an so viele Platten verkauft haben. Das hat sich bei uns von Jahr zu Jahr gesteigert, und da haben wir uns eben auch eine ganze Zeit lang mit völlig bescheuerten Nebenjobs über Wasser gehalten.

Margit (45) aus Stuttgart:

??? Wie sehen eure Konzert-Abrechnungen aus? Z.B. für Böblingen 2002 oder Zugspitze 2002? Könntet ihr da mal wieder so eine Abrechnung vorlegen, wie sie im Buch "Bis zum bitteren Ende" auf S. 259-261 abgedruckt ist?

!!! Breiti:
Für Konzerte wie auf der Zugspitze gilt grundsätzlich: Das ist reines Spaßprogramm, da bleibt für uns nichts übrig, da zahlen wir sogar drauf. Für das Buch hatten wir das Beispiel von den beiden Weihnachtskonzerten in der Düsseldorfer Philipshalle ausgewählt, weil wir da wirklich alles extra für diese Konzerte anmieten mussten. Auf einer Tour sieht das etwas anders aus. Es wäre einfach schwachsinnig, an drei Tagen hintereinander in Dortmund, in Böblingen und auf der Zugspitze zu spielen, weil das jeweils ein anderes technisches Equipment verlangt und auch die Zahl der benötigten Roadies variiert. Wir versuchen deshalb möglichst die großen und die kleinen Hallen jeweils am Stück hintereinander zu spielen.

Es ist nicht immer alles so zu planen, wie man das will, und dann verliert man auf einem kleineren Konzert auch schon mal Geld, das man dann in der Westfalenhalle wieder reinholen muss. Unsere Kalkulation einer Tour sieht so aus, dass wir bei 85 Prozent verkauften Tickets bei Plus/Minus-Null sind. Wenn die Konzerte dann aber ausverkauft sind, bleibt auch Geld übrig. Wir haben halt bisher immer gesagt: Wir verdienen mit den Platten genug Geld und können es uns deshalb leisten, die Eintrittspreise so niedrig wie möglich zu halten.

Zuletzt wird ja häufiger positiv erwähnt, dass alle großen Live-Konzerte so gut laufen würden. Ich sehe das Ganze eher zweischneidig: Die Leute sind zwar bereit für Bands, die sie aus den Medien kennen, mehr Geld als früher auszugeben. Bei Robbie Williams war die Tour im letzten Jahr ausverkauft, obwohl die Tickets das vier- oder fünffache kosteten, als das bei den Ärzten oder bei uns der Fall ist. Solche Preise zahlen die Leute dann, ohne mit der Wimper zu zucken, sind aber nicht bereit, für eine unbekannte Band, die bei ihnen um die Ecke spielt, mal 15 Euro auszugeben.

Katharina (15) aus Düsseldorf:

??? Wie kommen die anderen Band-Mitglieder damit klar, dass Campi immer im Mittelpunkt steht?

!!! Breiti:
Welches Bild die einzelnen Bandmitglieder in der Öffentlichkeit abgeben, das entspricht schon den persönlichen Vorlieben. Für mich ist es extrem komfortabel, dass Campino die meisten Sachen übernimmt, die in der Öffentlichkeit stattfinden, weil ich das überhaupt nicht mag. Ich stehe halt nicht gerne im Mittelpunkt, weder privat, noch mit der Band. Ich liebe es, vor vielen tausend Leuten auf der Bühne zu stehen und ein Konzert zu spielen, aber ich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, in eine Fernsehsendung zu gehen.

Was mir allerdings Spaß macht, sind Radiosendungen, die live ausgestrahlt werden, wo ein guter Moderator sitzt, und in denen ich Platten spielen kann, die mir gefallen. Jeder in der Band hat halt seine speziellen Aufgaben: Andi und ich kümmern uns neben anderen Sachen zum Beispiel um das Bühnenbild, wenn wir auf Tour gehen. Kuddels Aufgaben sind fast ausschließlich Dinge, die mit Musik zu tun haben. Das kann er am allerbesten und Interviews sind nun mal nicht so seine Sache.

Bei uns war auch noch nie der eine auf den anderen eifersüchtig, weil der etwas mehr in der Öffentlichkeit steht. Wir haben außerdem auch das Geld immer zu gleichen Teilen durch alle Bandmitglieder geteilt, weil jeder auf seine Weise gleich großen Anteil am Erfolg hat. Und es gilt bis heute, dass keiner gezwungen wird, irgendwas zu machen, was er nicht machen will. Kuddel wird also auch in Zukunft nicht vor irgendwelche Kameras gezerrt.

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