Fragen und Antworten
Nicole (27) aus Bonn:
??? Habt Ihr noch Kontakt zu früheren Vorbands von Euch (z.B. Green Day, Jingo
de Lunch, Mighty Migthy Bostones, Janus Stark etc.)?

und

Matthias (21) aus Kassel:
??? Habt Ihr noch Kontakt zu Ronnie Biggs und den anderen Gruppen, die auf der
Learning English CD sind?

!!! Breiti: Natürlich haben wir zu den meisten Bands noch Kontakt,
insbesondere wenn wir mit denen auf Tour gewesen sind. Da telefoniert man
aber nicht alle drei Tage miteinander oder schreibt abwechselnd Postkarten,
sondern trifft sich einfach, wenn man zusammen ein Festival spielt - oder
geht zu deren Konzerten, wenn man gerade in derselben Stadt ist. Und auch wenn
man sich dann länger nicht gesehen hat, kann man meistens wieder da anfangen,
wo man beim letzten Mal aufgehört hat.
Charlie Harper von den U.K. Subs habe ich zum Beispiel neulich zum ersten Mal nach
sieben oder acht Jahren wieder getroffen. Und es war so, als ob nur vier Wochen
vergangen wären. Es gibt aber natürlich auch Leute, die man extra besucht: Knox
von den Vibrators rufe ich eigentlich immer an, wenn ich in London bin. Und Andi
hat letztens Billy Gould, den alten Bassisten von Faith No More, in Barcelona
besucht. Es gibt also schon Kontakte, die über Festivals und Konzerte hinausgehen.
Speziell unsere Beziehungen zu den Bands, die auf der "Learning English" drauf waren,
sind sehr eng - weil wir diese Leute wirklich schon lange kennen und viel Zeit mit
ihnen verbracht haben. Besonders Ronnie Biggs ist nach wie vor ein guter Freund von
uns, speziell von mir. Nachdem wir ihn für die Aufnahmen in Rio besucht hatten, bin
ich noch ein paar Mal privat zu ihm hingefahren. Und seitdem er zurück in England ist,
besuche ich ihn auch regelmäßig im Gefängnis.
Michael (17) aus CH-Niederscherli:

??? Was ist eure Meinung zur ganzen Downloadgeschichte, die im Moment abgeht?

!!! Breiti: Ich mache niemandem persönlich einen Vorwurf, der sich Musik
kostenlos aus dem Internet holt. Aber ich finde diese grundsätzliche Einstellung,
dass Musik umsonst sein muss, überhaupt nicht gut. Jemand, der Musik macht, hat
genauso ein Recht auf Bezahlung und davon zu leben, wie einer, der Schreiner ist,
und einen Tisch baut. Es geht mir dabei auch weniger um uns, sondern viel mehr um
solche Bands, die früher von ihrer Musik hätten leben können. Die müssen heutzutage
teilweise froh sein, wenn sie überhaupt noch eine Platte aufnehmen können, obwohl
eigentlich ziemlich viele Leute ihre Musik hören und zu ihren Konzerten kommen. Sie
verkaufen aber eben keine Platten mehr!
Die großen Plattenfirmen haben es völlig verpennt, auf diese Entwicklung zu reagieren.
Sie waren unverständlicherweise nicht in der Lage, eine Alternative anzubieten, über
die man sich Musik legal und gegen Bezahlung aus dem Internet hätte holen können. Dass
das funktionieren kann, dafür gibt es ja Anzeichen, zum Beispiel bei Apple in Amerika.
Ich finde es auch schwachsinnig, dass häufig gesagt wird, dass das Internet für unbekannte
Bands so tolle Möglichkeiten eröffnet. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade bei der Flut
an Angeboten im Internet werden natürlich auch nur die ausgewählt, die man irgendwoher
kennt. Und das führt noch mehr dazu, dass sich das Ganze auf die Bands konzentriert, die
aus den Medien bekannt sind. Unbekannte Künstler haben es dadurch noch schwerer, an die
Öffentlichkeit zu kommen.
In manchen Ländern läuft das ja auch ganz anders: In England wurden im Dezember 2003 die
meisten CDs aller Zeiten verkauft! In Deutschland gibt es aber einfach nicht diese Rock- und
Pop-Kultur, bei der eine Masse von Leuten ein wirkliches Interesse an einer Band hat,
und die Platte dann auch so haben will, wie sie sich die Band gedacht hat - in der
Zusammenstellung und mit dem Cover. Hierzulande würden sich die meisten Leute wohl
wieder nur die Songs runterladen, die sie aus dem Radio und Fernsehen kennen. Dabei
würden dann die Lieder, die man als Musiker gerne anbietet und die typische Album-Tracks
sind, völlig untergehen. Das ist eine mögliche Entwicklung, die ich auch nicht gut finde.
Laszlo (26) aus Budapest/ Ungarn:
??? Wie betrachtet Ihr die Verbindung zwischen Musik und Geschäft?

und

Eike (25) aus Neuss:
??? Sagt mal, kann man unter der Band 'Toten Hosen' nicht schon eine Firma
sehen, wie z.B. den Fussballverein Borussia Dortmund (AG)?

!!! Breiti: Ich empfinde es als ein ganz großes Glück, dass wir irgendwann
von der Musik leben konnten. Ab diesem Zeitpunkt war es uns erst möglich, uns voll
auf die Musik zu konzentrieren, und damit genau das tun, was wir am liebsten machen.
Dadurch dass wir dann sogar sehr, sehr viele Platten verkauft haben, ergaben sich
schließlich Möglichkeiten, von denen wir sonst nur hätten träumen können. Eine Platte
wie die "Learning English" hätte es ohne den vorherigen kommerziellen Erfolg niemals
gegeben. Die Musiker zusammenzusuchen und in London, New York und Rio ins Studio zu
gehen, wäre finanziell völlig unmöglich gewesen. Und für uns als Band war das ja im
Nachhinein eine der wichtigsten Platten, die wir je gemacht haben.
Auch "schwachsinnige Aktionen" wie die Teilnahme am Rosenmontagszug wären nicht möglich
gewesen. Das ging auch nur, weil wir genug Geld hatten, um uns diesen Wagen bauen zu
lassen, wie wir ihn haben wollten. Und da könnte ich noch viele weitere Beispiele
aufzählen. Wir haben letztendlich eine große Unabhängigkeit gewonnen: Wir bestimmen,
welche Platte wir rausbringen, was darauf kommt und in welches Studio wir gehen. Wir
bestimmen, wann wir wo in welcher Halle spielen und mit welcher Band zusammen. Jeder,
der Musik macht und Platten herausbringt, freut sich natürlich darüber, wenn viele
Leute seine Musik hören. Man macht Platten ja nicht, um sie nur seinen fünf besten
Freunden vorzuspielen...
Wenn man viele Platten verkauft und viele Leute zu den Konzerten kommen, muss man aber
auch irgendwie damit umgehen. Und dann muss man sich eben auch um Sachen kümmern, die
mit Geschäft und Verträgen zu tun haben. Man sollte nur aufpassen, dass man hinterher
nicht mehr mit der geschäftlichen Seite zu tun hat als mit der Musik. Es ist aber auch
nicht so, dass wir von Anfang an so viele Platten verkauft haben. Das hat sich bei uns
von Jahr zu Jahr gesteigert, und da haben wir uns eben auch eine ganze Zeit lang mit
völlig bescheuerten Nebenjobs über Wasser gehalten.
Margit (45) aus Stuttgart:

??? Wie sehen eure Konzert-Abrechnungen aus? Z.B. für Böblingen 2002 oder
Zugspitze 2002? Könntet ihr da mal wieder so eine Abrechnung vorlegen, wie
sie im Buch "Bis zum bitteren Ende" auf S. 259-261 abgedruckt ist?

!!! Breiti: Für Konzerte wie auf der Zugspitze gilt grundsätzlich: Das ist reines
Spaßprogramm, da bleibt für uns nichts übrig, da zahlen wir sogar drauf. Für das Buch
hatten wir das Beispiel von den beiden Weihnachtskonzerten in der Düsseldorfer
Philipshalle ausgewählt, weil wir da wirklich alles extra für diese Konzerte anmieten
mussten. Auf einer Tour sieht das etwas anders aus. Es wäre einfach schwachsinnig, an
drei Tagen hintereinander in Dortmund, in Böblingen und auf der Zugspitze zu spielen,
weil das jeweils ein anderes technisches Equipment verlangt und auch die Zahl der
benötigten Roadies variiert. Wir versuchen deshalb möglichst die großen und die
kleinen Hallen jeweils am Stück hintereinander zu spielen.
Es ist nicht immer alles so zu planen, wie man das will, und dann verliert man auf
einem kleineren Konzert auch schon mal Geld, das man dann in der Westfalenhalle wieder
reinholen muss. Unsere Kalkulation einer Tour sieht so aus, dass wir bei 85 Prozent
verkauften Tickets bei Plus/Minus-Null sind. Wenn die Konzerte dann aber ausverkauft sind,
bleibt auch Geld übrig. Wir haben halt bisher immer gesagt: Wir verdienen mit den Platten
genug Geld und können es uns deshalb leisten, die Eintrittspreise so niedrig wie möglich
zu halten.
Zuletzt wird ja häufiger positiv erwähnt, dass alle großen Live-Konzerte so gut laufen
würden. Ich sehe das Ganze eher zweischneidig: Die Leute sind zwar bereit für Bands,
die sie aus den Medien kennen, mehr Geld als früher auszugeben. Bei Robbie Williams
war die Tour im letzten Jahr ausverkauft, obwohl die Tickets das vier- oder fünffache
kosteten, als das bei den Ärzten oder bei uns der Fall ist. Solche Preise zahlen die
Leute dann, ohne mit der Wimper zu zucken, sind aber nicht bereit, für eine unbekannte
Band, die bei ihnen um die Ecke spielt, mal 15 Euro auszugeben.
Katharina (15) aus Düsseldorf:

??? Wie kommen die anderen Band-Mitglieder damit klar, dass Campi immer im
Mittelpunkt steht?

!!! Breiti: Welches Bild die einzelnen Bandmitglieder in der Öffentlichkeit abgeben,
das entspricht schon den persönlichen Vorlieben. Für mich ist es extrem komfortabel,
dass Campino die meisten Sachen übernimmt, die in der Öffentlichkeit stattfinden, weil
ich das überhaupt nicht mag. Ich stehe halt nicht gerne im Mittelpunkt, weder privat,
noch mit der Band. Ich liebe es, vor vielen tausend Leuten auf der Bühne zu stehen
und ein Konzert zu spielen, aber ich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, in eine
Fernsehsendung zu gehen.
Was mir allerdings Spaß macht, sind Radiosendungen, die live ausgestrahlt werden, wo ein
guter Moderator sitzt, und in denen ich Platten spielen kann, die mir gefallen. Jeder
in der Band hat halt seine speziellen Aufgaben: Andi und ich kümmern uns neben anderen
Sachen zum Beispiel um das Bühnenbild, wenn wir auf Tour gehen. Kuddels Aufgaben sind
fast ausschließlich Dinge, die mit Musik zu tun haben. Das kann er am allerbesten und
Interviews sind nun mal nicht so seine Sache.
Bei uns war auch noch nie der eine auf den anderen eifersüchtig, weil der etwas mehr in
der Öffentlichkeit steht. Wir haben außerdem auch das Geld immer zu gleichen Teilen durch
alle Bandmitglieder geteilt, weil jeder auf seine Weise gleich großen Anteil am Erfolg hat.
Und es gilt bis heute, dass keiner gezwungen wird, irgendwas zu machen, was er nicht machen
will. Kuddel wird also auch in Zukunft nicht vor irgendwelche Kameras gezerrt.
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