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08.08.2003 - Teil 4 mit Campino

Nach Andi, Breiti und Vom beantwortet diesmal Campino fünf Fragen von Euch.

Hier könnt Ihr online Eure Fragen stellen:

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Fragen und Antworten

Christoph (19) aus Chemnitz:

??? Wer war der schlimmste Fernsehmoderator, den Ihr je kennen gelernt habt?

!!! Campino:
In dieser Wertung ist Peter Illmann nach wie vor weit vorne dabei, als oberflächlicher Depp. Eine Gefahr für die Allgemeinheit war er allerdings nicht. Dieter Thomas Heck ist auch so ein Typ, dem wir ein Leben lang aus dem Weg gehen wollten. Der hat mit seinen Shows schon viel verbrochen - und ist somit auch schuldig für die aktuelle Lage der Nation. Der hat vor Jahren mit seinen Sendungen das gesät, was heute Realität ist (lacht). Ich freue mich ansonsten aber eher, wenn jemand gut ist. Friedrich Küppersbusch hat mit "ZAK" in den 90ern ein echtes Highlight geliefert. Ich gucke diese Boulevardmagazine einfach nicht und treffe deren Moderatoren auch nicht, als dass ich sagen könnte: "Das sind alles Vollidioten." Ein Andreas Türck muss in der Bewertungsklasse "ätzend" allerdings erst mal geschlagen werden...

Flo (26) aus Wien:

??? Fühlst Du Dich nicht mittlerweile als Berufsjugendlicher, wenn Du mit Deinen 41 Jahren über Festivaldächer kriechst?

!!! Campino:
Berufsjugendlicher ist ein Kunstwort, das ich schon an sich dämlich finde. Ob ich da als 80-Jähriger oder als 20-Jähriger übers Dach latsche, ist doch egal. Ich persönlich hätte dabei übrigens vor einem 80-Jährigen mehr Respekt als vor einem 20-Jährigen. Ich weiß nicht, was sich die Leute vorstellen. Wenn ich auf eine Bühne gehe und live spiele, dann schalte ich meinen Kopf, meine Herkunft und mein Alter aus. Woher ich komme und wohin ich gehe, interessiert mich in dem Moment gar nicht. Was in mir drin ist, das ist kein Programm. Und solange sich das gut anfühlt, mache ich das auch mit voller Leidenschaft.
Früher war ich dabei noch risikobereiter, habe auch oft mal einen Salto ins Publikum gemacht. Ich weiß nicht, wie viele Leute dabei verletzt worden sind. Ein Einschnitt war dann das Rheinstadion-Konzert. Seitdem überlege ich mir sehr viel genauer, was ich mache. Wenn man will, kann man mir also höchstens einen Vorwurf machen, dass ich mittlerweile eine Vernunftssperre im Kopf habe. Wenn ich eines Tages mal auf dem Dach ausrutsche, ist die Diskussion sowieso vorbei...
Viel interessanter ist doch, was man zu sagen hat. Alter ist nicht das Entscheidende. Ich befasse mich ständig damit. Ich denke ständig über mich nach, ob ich weitergekommen bin, weil ich in vielen Dingen nicht so weiterkomme, wie ich möchte. Das ist aber eine Auseinandersetzung, die jeder mit sich selbst führen muss. Das geht nicht erst mit 35 los. Ich spreche auch längst nicht mehr für die 20-Jährigen, ich spreche für mich, ich spreche für die Band. Und ansonsten spreche ich allerhöchstens noch für die, die mit uns in eine Richtung gehen wollen, aber nicht mehr für eine Generation.

Sebastian (15) aus Lennestadt:

??? Schon mal keinen Bock auf ein Konzert gehabt?

!!! Campino:
Klar, das kommt vor. Wenn du 40 Grad Fieber hast, schon ein paar Wochen unterwegs bist und dann in einer total unfreundlichen, miesen Halle spielen musst. In einer Halle, in der es kalt ist, in der es keine Heizung gibt, auch nicht im Winter. Dann willst du da eigentlich nur wieder raus. Ich glaube auch, dass das legitim und normal ist. Wenn du einen Fußballer fragst, ob er wirklich jeden Samstag Bock hat aufzulaufen, wird er das sicherlich auch nicht rückhaltlos bejahen. Was wir als Band machen, ist für uns aber immer noch unser Traum. Ich tue mich nach wie vor schwer damit, das als meinen Beruf zu bezeichnen. Trotzdem kommt es schon mal vor, dass man keinen Bock hat. Wenn allerdings Höhepunkte anstehen, Konzerte in der Heimatstadt oder an besonderen Orten, würde mir das nie passieren. In der Dortmunder Westfalenhalle könnte ich jeden Abend auftreten.

Julia (16) aus Mannheim:

??? Glaubt Ihr an Gott? Was haltet Ihr von der Kirche?

!!! Campino:
An irgendeine Dimension, die wir nicht erfassen können, glaube ich schon. Ob man das jetzt als Gott bezeichnen will oder nicht, ist eine andere Frage. Ich persönlich nenne das "Gott" und glaube daran. Ob irgendjemand anderes auf der Welt, das unter Gott versteht, was ich darunter verstehe, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt, der in Kategorien "gut" und "böse" aufteilt. Ich glaube eher an Vorsehung und ein bisschen auch an Schicksal. Und ich glaube an Ausstrahlung: Wie du durch das Leben gehst, so kommt das irgendwie auch zurück. Es gibt einfach immer wieder Dinge, die rational nicht zu erklären sind. Ein Beispiel: In einer psychiatrischen Klinik dreht einer durch, der dünn wie ein Strich ist. Der schlägt plötzlich sechs Wärter zusammen, mit einer Kraft, die er eigentlich gar nicht haben dürfte. Woher kommt diese Kraft? Es kommt ab und zu vor, dass Menschen in einer bestimmten Sache einen Durchsetzungswillen haben, den sie als Charakter eigentlich gar nicht besitzen. Und das sind Dinge, die für mich in diese Diskussion über Gott und Übersinnliches reingehören. Zur Kirche habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Die Kirche hat viel Unheil über die Weltgeschichte gebracht, aber aus ihr sind auch eine Menge Personen hervorgegangen, die Gutes getan haben. Zu gewissen Zeiten war die Kirche wichtig, um den Menschen moralische Vorstellungen zu geben, weil sonst alle übereinander hergefallen wären. Es gab eine Menge Leute, die mit ihrem Glauben nur das Beste wollten, andere haben den Glauben auf übelste Art und Weise missbraucht.

Judith (16) aus Leipzig:

??? Was entgegnet Ihr Leuten, die die Toten Hosen wegen ihres kommerziellen Erfolgs ablehnen?

!!! Campino:
Wenn ich alles ablehnen würde, was kommerziell erfolgreich ist, wäre in meinem Plattenschrank ein trauriges Loch: Keine Sex Pistols, Nirvana und Metallica, keine The Clash und Rage Against The Machine, keine Red Hot Chili Peppers... Kommerzieller Erfolg alleine kann kein Bewertungskriterium sein. Man sollte danach entscheiden, ob einem die Texte und die Musik gefallen. Ich möchte niemanden überreden. Ich verkaufe meine Musik nicht wie ein Gebrauchtwagenhändler. Entweder mag man das, was wir veranstalten, oder nicht. Ich habe zwar in meinem Leben eine Menge Kompromisse und Fehler gemacht, kann mit dem, was mit uns geschehen ist, aber definitiv leben. Wir haben in unserem Leben so wenig Angriffsfläche geboten, dass der Kommerzvorwurf irgendwie immer das letzte Mittel ist, um uns anzuschießen. Ich glaube aber nicht, dass das so richtig gut funktioniert.

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