Fragen und Antworten
Christoph (19) aus Chemnitz:

??? Wer war der schlimmste Fernsehmoderator, den Ihr je kennen gelernt habt?

!!! Campino: In dieser Wertung ist Peter Illmann nach wie vor weit vorne dabei, als
oberflächlicher Depp. Eine Gefahr für die Allgemeinheit war er
allerdings nicht. Dieter Thomas Heck ist auch so ein Typ, dem wir ein
Leben lang aus dem Weg gehen wollten. Der hat mit seinen Shows schon
viel verbrochen - und ist somit auch schuldig für die aktuelle Lage der
Nation. Der hat vor Jahren mit seinen Sendungen das gesät, was heute
Realität ist (lacht). Ich freue mich ansonsten aber eher, wenn jemand
gut ist. Friedrich Küppersbusch hat mit "ZAK" in den 90ern ein echtes
Highlight geliefert. Ich gucke diese Boulevardmagazine einfach nicht und
treffe deren Moderatoren auch nicht, als dass ich sagen könnte: "Das
sind alles Vollidioten." Ein Andreas Türck muss in der Bewertungsklasse
"ätzend" allerdings erst mal geschlagen werden...
Flo (26) aus Wien:

??? Fühlst Du Dich nicht mittlerweile als Berufsjugendlicher, wenn Du mit
Deinen 41 Jahren über Festivaldächer kriechst?

!!! Campino: Berufsjugendlicher ist ein Kunstwort, das ich schon an sich dämlich
finde. Ob ich da als 80-Jähriger oder als 20-Jähriger übers Dach
latsche, ist doch egal. Ich persönlich hätte dabei übrigens vor einem
80-Jährigen mehr Respekt als vor einem 20-Jährigen. Ich weiß nicht, was
sich die Leute vorstellen. Wenn ich auf eine Bühne gehe und live spiele,
dann schalte ich meinen Kopf, meine Herkunft und mein Alter aus. Woher
ich komme und wohin ich gehe, interessiert mich in dem Moment gar nicht.
Was in mir drin ist, das ist kein Programm. Und solange sich das gut
anfühlt, mache ich das auch mit voller Leidenschaft.
Früher war ich dabei noch risikobereiter, habe auch oft mal einen Salto
ins Publikum gemacht. Ich weiß nicht, wie viele Leute dabei verletzt
worden sind. Ein Einschnitt war dann das Rheinstadion-Konzert. Seitdem
überlege ich mir sehr viel genauer, was ich mache. Wenn man will, kann
man mir also höchstens einen Vorwurf machen, dass ich mittlerweile eine
Vernunftssperre im Kopf habe. Wenn ich eines Tages mal auf dem Dach
ausrutsche, ist die Diskussion sowieso vorbei...
Viel interessanter ist doch, was man zu sagen hat. Alter ist nicht das
Entscheidende. Ich befasse mich ständig damit. Ich denke ständig über
mich nach, ob ich weitergekommen bin, weil ich in vielen Dingen nicht so
weiterkomme, wie ich möchte. Das ist aber eine Auseinandersetzung, die
jeder mit sich selbst führen muss. Das geht nicht erst mit 35 los. Ich
spreche auch längst nicht mehr für die 20-Jährigen, ich spreche für
mich, ich spreche für die Band. Und ansonsten spreche ich allerhöchstens
noch für die, die mit uns in eine Richtung gehen wollen, aber nicht mehr
für eine Generation.
Sebastian (15) aus Lennestadt:

??? Schon mal keinen Bock auf ein Konzert gehabt?

!!! Campino: Klar, das kommt vor. Wenn du 40 Grad Fieber hast, schon ein paar Wochen
unterwegs bist und dann in einer total unfreundlichen, miesen Halle
spielen musst. In einer Halle, in der es kalt ist, in der es keine
Heizung gibt, auch nicht im Winter. Dann willst du da eigentlich nur
wieder raus. Ich glaube auch, dass das legitim und normal ist. Wenn du
einen Fußballer fragst, ob er wirklich jeden Samstag Bock hat
aufzulaufen, wird er das sicherlich auch nicht rückhaltlos bejahen. Was
wir als Band machen, ist für uns aber immer noch unser Traum. Ich tue
mich nach wie vor schwer damit, das als meinen Beruf zu bezeichnen.
Trotzdem kommt es schon mal vor, dass man keinen Bock hat. Wenn
allerdings Höhepunkte anstehen, Konzerte in der Heimatstadt oder an
besonderen Orten, würde mir das nie passieren. In der Dortmunder
Westfalenhalle könnte ich jeden Abend auftreten.
Julia (16) aus Mannheim:

??? Glaubt Ihr an Gott? Was haltet Ihr von der Kirche?

!!! Campino: An irgendeine Dimension, die wir nicht erfassen können, glaube ich
schon. Ob man das jetzt als Gott bezeichnen will oder nicht, ist eine
andere Frage. Ich persönlich nenne das "Gott" und glaube daran. Ob
irgendjemand anderes auf der Welt, das unter Gott versteht, was ich
darunter verstehe, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es einen Gott
gibt, der in Kategorien "gut" und "böse" aufteilt. Ich glaube
eher an Vorsehung und ein bisschen auch an Schicksal. Und ich glaube an
Ausstrahlung: Wie du durch das Leben gehst, so kommt das irgendwie auch
zurück. Es gibt einfach immer wieder Dinge, die rational nicht zu
erklären sind. Ein Beispiel: In einer psychiatrischen Klinik dreht einer
durch, der dünn wie ein Strich ist. Der schlägt plötzlich sechs Wärter
zusammen, mit einer Kraft, die er eigentlich gar nicht haben dürfte.
Woher kommt diese Kraft? Es kommt ab und zu vor, dass Menschen in einer
bestimmten Sache einen Durchsetzungswillen haben, den sie als Charakter
eigentlich gar nicht besitzen. Und das sind Dinge, die für mich in diese
Diskussion über Gott und Übersinnliches reingehören.
Zur Kirche habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Die Kirche hat viel
Unheil über die Weltgeschichte gebracht, aber aus ihr sind auch eine
Menge Personen hervorgegangen, die Gutes getan haben. Zu gewissen Zeiten
war die Kirche wichtig, um den Menschen moralische Vorstellungen zu
geben, weil sonst alle übereinander hergefallen wären. Es gab eine Menge
Leute, die mit ihrem Glauben nur das Beste wollten, andere haben den
Glauben auf übelste Art und Weise missbraucht.
Judith (16) aus Leipzig:

??? Was entgegnet Ihr Leuten, die die Toten Hosen wegen ihres kommerziellen
Erfolgs ablehnen?

!!! Campino: Wenn ich alles ablehnen würde, was kommerziell erfolgreich ist, wäre in
meinem Plattenschrank ein trauriges Loch: Keine Sex Pistols, Nirvana und
Metallica, keine The Clash und Rage Against The Machine, keine Red Hot
Chili Peppers... Kommerzieller Erfolg alleine kann kein
Bewertungskriterium sein. Man sollte danach entscheiden, ob einem die
Texte und die Musik gefallen. Ich möchte niemanden überreden. Ich
verkaufe meine Musik nicht wie ein Gebrauchtwagenhändler. Entweder mag
man das, was wir veranstalten, oder nicht. Ich habe zwar in meinem Leben
eine Menge Kompromisse und Fehler gemacht, kann mit dem, was mit uns
geschehen ist, aber definitiv leben. Wir haben in unserem Leben so wenig
Angriffsfläche geboten, dass der Kommerzvorwurf irgendwie immer das
letzte Mittel ist, um uns anzuschießen. Ich glaube aber nicht, dass das
so richtig gut funktioniert.
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