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27.06.2003 - Teil 2 mit Breiti

Nachdem Ihr uns seit ein paar Wochen mit vielen wirklich guten Fragen die Mailbox füllt, ist es diesmal an Breiti, fünf Fragen zu beantworten.

Hier könnt Ihr online Eure Fragen stellen:

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Fragen und Antworten

Sandrina (17) aus Hennickendorf:

??? Wie oft habt Ihr ernsthaft darüber nachgedacht, die Band aufzulösen?

!!! Breiti:
Soweit ich mich erinnern kann, haben wir nie zusammen gesessen und uns gefragt: "Sollen wir uns auflösen?" Es gab aber natürlich auch in unserer Bandgeschichte extreme Tiefpunkte. Dann lautete die Frage aber nie, OB es weitergeht, sondern immer: "WIE geht es weiter?" Ernsthafte Schwierigkeiten gab es zum Beispiel in der Zeit, als wir unsere Drogenprobleme noch nicht unter Kontrolle hatten. Das war ungefähr die Zeit vor und nach dem "Kauf Mich"-Album. Hätten wir das damals nicht aussortiert bekommen, hätte sich die Frage eventuell irgendwann von selber gelöst, ohne dass wir sie uns jemals gestellt hätten.

Woran ich mich auch noch erinnere sind ein paar persönliche Ausraster. Das war zum Beispiel ganz zu Anfang, als Trini noch Schlagzeuger war. Der hat mal einen Koller gekriegt und ist nach Italien abgehauen - obwohl ein paar Gigs anstanden. Unser Manager Jochen Hülder hat ihn dann ausfindig gemacht und überredet, zurück zu kommen. Das nächste Konzert hat dann aber natürlich trotzdem ohne ihn angefangen, mit dem Schlagzeuger von der Vorband. Dem mussten wir dann immer vor jedem Lied das Tempo ansagen. Und ich glaube, wir haben jedes Stück zusammen angefangen und meistens auch zusammen aufgehört. Nach der Hälfte vom Set war Trini dann plötzlich wieder da und hat kommentarlos weitergespielt.

Stefanie (16) aus Jena:

??? Was wollt Ihr in Eurem Leben unbedingt noch tun?

!!! Breiti:
Schwer zu sagen, denn im Moment ist noch jeder von uns voll und ganz mit der Band beschäftigt. Sicherlich spielen wir immer mal mit dem Gedanken, wie lange das wohl noch gehen wird und was man danach noch mal gerne machen will, aber das sind mehr Spinnereien und Spielereien. Ich persönlich habe auch keine Lust, mir über etwas den Kopf zu zerbrechen, was in drei oder fünf Jahren doch wieder ganz anders aussieht. Was ich unbedingt noch mal machen will, ist allerdings in einem anderen Land zu leben. Früher war mein Lieblingsland immer Brasilien, meine Lieblingsstadt Rio de Janeiro. Da wäre ich früher wohl sofort hingegangen. Aber auch das lasse ich jetzt einfach auf mich zukommen. Das hängt ja auch immer von der aktuellen privaten Situation ab.

Felix (14) aus Karlsruhe:

??? Wo lässt Breiti seine Gitarren mit den genialen Motiven (Totenköpfe) anfertigen und von welchem Hersteller sind die Gitarren?

!!! Breiti:
Die schwarzen Gitarren mit den grünen Skeletten hat die japanische Gitarrenfirma ESP für uns hergestellt. Mal davon abgesehen, dass die Gitarren einfach gut aussahen, waren sie auch wirklich sehr gute Instrumente! Die Gitarren, die ich in der letzten Zeit live benutze, hat mein Bruder bemalt, der übrigens auch unsere Bühnenbilder macht. Und was Andi so an Bemalung auf seinem Bass hat, das hat er sogar meistens selbst gemacht. Wer also etwas Ähnliches vorhat, braucht nur in den nächsten Baumarkt zu gehen und ein paar Farbtöpfe zu kaufen. Das kann man nirgendwo bestellen...

Frances (16) aus Düsseldorf:

??? Könnt Ihr immer noch mit voller Überzeugung mit Che-Guevara- und Karl-Marx-T-Shirt auftreten?

!!! Breiti:
Das Portrait von Karl Marx haben wir im Zusammenhang mit dem Album "Opium fürs Volk" benutzt. Der Plattentitel entstammt ja einem Ausspruch von ihm. Das Zitat bezieht sich im Original auf die Religion; wir haben es aber auch noch auf viele andere Sachen bezogen, auf unsere Musik oder auch auf das Radio und Fernsehen. Es ging darum, inwieweit das Ganze Gehirnwäsche ist und ob man noch die Chance hat, sich seine eigenen Informationen zu beschaffen bzw. die vorgesetzten Informationen kritisch zu überprüfen.

Wir haben also Karl Marx nicht als Flagge vor uns her getragen und gesagt: "Wir verbreiten jetzt das Kommunistische Manifest!" Das wäre auch total unglaubwürdig bis lächerlich gewesen. Und Che Guevara habe ich bewusst nie öffentlich auf einem T-Shirt getragen. Wenn wir das als Band machen würden, bekäme das eine Bedeutung, als ob da bei uns eine bestimmte Ideologie dahinter stünde. Und bei allem, was mir am Leben von Che Guevara wirklich sympathisch ist, habe ich doch nie seine Meinung in dem Extrem geteilt, wie er sie vertreten hat. Jeder weiß, dass wir in einer privilegierten Situation sind, nicht nur finanziell, aber wir würden uns wohl selbst total überfordern, wenn wir versuchen würden, eine geschlossene Ideologie zu vertreten. Das ist auch nicht der Sinn einer Band. Man kann aber einzelne Werte vertreten, wie Toleranz und Solidarität, und sollte zu bestimmten Themen einfach auch Antworten haben. Ich freue mich aber jedes Mal ausdrücklich, wenn ich sehe, dass bei Fortuna eine Che-Guevara-Fahne aufgehängt wird oder Leute bei unseren Konzerten in Che-T-Shirts rumlaufen.

Frances (16) aus Düsseldorf:

??? Warum seid Ihr gegen Dinge wie Pelzfarmen, unterstützt aber durch Euren Fleischkonsum die Massentierhaltung?

!!! Breiti:
Erstmal möchte ich wissen, woher du weißt, dass ich Fleisch esse (lacht)... Das sind für mich zwei völlig verschiedene Dinge. Die Tiere, die gezüchtet werden, um Pelze zu erhalten, werden unter total qualvollen Bedingungen gehalten - und das nur, um hinterher einen Mantel daraus zu machen, für den man auch andere Materialien hätte verwenden könnte. Ich bin aber im Prinzip überhaupt nicht dagegen, ein Tier zu töten, um es zu essen, um mich davon zu ernähren, auch wenn ich insgesamt eher wenig Fleisch esse. Ich achte aber sehr genau darauf, wo das Fleisch herkommt, welches ich esse, und wie die Tiere gehalten und ernährt werden. Ich ziehe auch Lederschuhe an, und ich schließe auch nicht aus, dass ich mir irgendwann mal wieder eine Lederjacke tragen werde. Und wenn die dann aus einer ordentlich gehaltenen und ernährten Kuh gemacht ist, die sowieso gegessen wurde, finde ich das eine sinnvolle Verwertung und steht für mich in überhaupt keinem Widerspruch.

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