"Alles ist legitim, was der Fortuna hilft"
Campino über sein Engagement beim Düsseldorfer Fußballklub.
Campino (38),
Sänger der Punkrockband Die Toten Hosen ist Düsseldorfer und seit seiner Kindheit
Fan von Fortuna Düsseldorf. Nun stieg die Band beim notleidenden Klub als Sponsor ein.
Campino, wann übernehmen Sie den Vorsitz von Fortuna Düsseldorf?
Campino: Das wird nicht passieren. Wir unterstützen den Verein jetzt in der schlimmsten
Krise, aber wir stellen uns nicht als Klugscheißer hin, die es in die
Verwaltung drängt.
Die schlimmste Krise, das ist der Abstieg des ehemaligen Europapokal-Finalisten
in die vierte Liga und der drohende Lizenzentzug...
Campino: ...noch ist Hoffnung. Wir haben erstmals mit einem Prinzip gebrochen. Niemals wollten
wir uns sponsern lassen, jetzt lassen wir unsere Tournee von einer Brauerei
mitfinanzieren, und eine Million Mark leiten wir direkt an Fortuna weiter.
Dass die Brauerei vom linken Niederrhein kommt, stört Sie nicht?
Campino: Das ist jetzt gemein, einen Altbierkrieg zu eröffnen. Natürlich gibt's
in Düsseldorf auch Brauereien, wir haben sogar nahezu familiäre Beziehungen
zu einer, aber das sind Privatunternehmen, die sind genauso wenig in der Lage wie
wir, so schnell mal eine Million locker zu machen. Und grundsätzlich: Alles
ist legitim, was der Fortuna hilft, auch eine Brauerei von der anderen Rheinseite.
Die finanzielle Unterstützung von Fortuna ist nichts Neues für die Toten Hosen.
Campino: In den achtziger Jahren haben wir schon einmal einen Teil vom Plattenerlös
für den Ankauf von Stürmer Anthony Baffoe hergegeben...
was offensichtlich nicht viel genutzt hat.
Campino: Der hat viele Tore für uns geschossen, wir sind aufgestiegen in die erste Liga,
Alexandar Ristic, der Trainer damals, stand noch voll im Saft, doch, wir hatten
eine gute Zeit.
Wie wird das jetzige Engagement aussehen?
Campino: Das ist alles noch nicht geklärt. Es ging jetzt erst einmal um schnelle,
unbürokratische Hilfe. Es steht noch nicht einmal fest, ob wir als Sponsor
auf dem Trikot stehen. Ich stelle mir ganz nett vor, wenn wir die klassischen
Trikots aus den glorreichen siebziger Jahren neu auflegen, und darauf können
wir ja eine Songzeile schreiben: "Bis zum bitteren Ende!"
Das Fansein hört nie auf?
Campino: Für mich nicht. Für mich ändert sich ja existentiell nichts, wenn
mein Verein in der vierten Liga oder in der Bundesliga spielt. Ich finde Fortuna
gut oder finde sie nicht gut, das ist nicht abhängig von der Liga.
Eine etwas anachronistische Haltung in erfolgsorientierten Zeiten und einer
erfolgsorientierten Stadt wie Düsseldorf.
Campino: Mag sein. Ich ticke so, weil ich auch erfahren habe, dass man als Fan im Leiden
eine wesentlich tiefere Dimension des Sports empfindet, als wenn man von Sieg zu
Sieg eilt.
Diesbezüglich haben Sie mit der Fortuna einen reichen Erfahrungsschatz
sammeln können. Wird es noch einmal besser werden?
Campino: Natürlich fände ich es schön, wenn ich meinen Verein noch einmal
in der Bundesliga spielen sehen könnte, aber das wird wohl noch dauern. Jetzt
gehen wir erst einmal raus aus dem großen Rheinstadion ins vereinseigene
Stadion am Flinger Broich.
Sie gucken sich die vierte Liga an?
Campino: Noch steht nicht fest, wer alles in der dritten Liga bleiben darf und wer nicht.
Und wenn ich ehrlich bin, so furchtbar schlimm fände ich eine Zeit in der
vierten Liga nicht, in der dritten Liga bliebe alles so chaotisch wie bisher. Wenn
wir aber ganz unten am Boden zerstört sind, dann haben wir die Zeit und Ruhe
um aufzuräumen.
Sie werden ziemlich einsam sein im Stadion.
Campino: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube, wir haben in Düsseldorf ein
Potenzial von etwa 30000 Fans. Zum letzten Heimspiel gegen Fortuna Köln
kamen 17000.
Um zu kondolieren.
Campino: Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in Düsseldorf das Leiden gewohnt sind.
Von der Fortuna lernen, heißt verlieren lernen, und man lernt nie aus.
Das Gespräch führte Helmut Schümann.
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