Zurück zum Glück – zurück zur Fortuna
17.09.2004 - Interview mit Breiti zur Saison 2004/2005
??? Im Sommer habt Ihr Euch ja einige Spiele der EURO 2004 in Portugal angeschaut. Wie hat es
Dir in Lissabon und Porto gefallen?
Breiti: Schon zu Hause hat mir die EM viel Spaß gemacht, weil die Spiele einfach
klasse waren. Und Portugal war einfach das perfekte Land für ein solches Turnier:
Die Entfernungen zwischen den Stadien waren nicht so groß, die Leute waren alle gut
drauf und jeder konnte mit jedem reden, egal woher er kam. Ich habe mir zum Beispiel
die Partie der Erzrivalen Portugal und Spanien angeschaut, und was sich danach auf den
Straßen von Lissabon abgespielt hat, das war schon sensationell. Da war die Freude
fast noch größer als später nach dem gewonnenen Halbfinale, bei dem ich dann auch
wieder dabei sein konnte. Die Portugiesen haben sich also nicht umsonst in
Milliardenschulden gestürzt, um das Ganze durchzuführen (lacht).
??? Zurück zur Fortuna: Euer Lieblingsklub ist nach zwei Jahren in der 4. Liga wieder
aufgestiegen, letztlich als Tabellenzweiter. Wie habt Ihr das Ende der Saison erlebt?
Breiti: Nach dem entscheidenden Spiel herrschte bei uns sehr, sehr große
Erleichterung. Die Mannschaft hat in der vergangenen Saison einige sehr gute Spiele
gemacht, aber anscheinend auch lange am oberen Rand ihrer Möglichkeiten gespielt. Und
man hat das ja schon oft genug gesehen, dass ein scheinbar überlegenes Team ein paar
Spiele verliert, nervös wird und einen großen Vorsprung noch verspielt. Es hat allen
Fortuna-Fans nach all den Tiefs und Nackenschlägen der letzten Jahre einfach gut getan,
mal wieder etwas erreicht zu haben. Dass es am Ende nur der zweite Platz wurde, war
sicher etwas ärgerlich.
??? Wart Ihr beim "Aufstiegsspiel" gegen die Amateure von Bayer Leverkusen selbst im Stadion?
Breiti: Ja, und ich bin nach dem Spiel in dieselbe Kneipe gegangen, in die ich auch
sonst immer vor und nach den Spielen gehe. Das ist auch gerade das Schöne am Standort des
Paul-Janes-Stadions, dass alles so nah ist. Das Stadion liegt mitten im Stadtteil Flingern
und drum herum hat sich eine Kneipenkultur rausgebildet, die es rund um das Rheinstadion
nie gab. Und zum Spiel kann man dann zwischendurch zu Fuß gehen. Es wurde für mich aber
nicht die rauschende Partynacht. Meine Gedanken gingen eher in die Richtung: Endlich
ist der Trend umgekehrt! Jeder hier will ja, dass es weiter aufwärts geht. Und das
ist dann für jeden ein Stück innere Arbeit: immer hinzugehen und mitzufiebern.
??? Mittlerweile sind die ersten Spiele in der Regionalliga gelaufen.
Wohin geht der Trend in der Saison 2004/2005?
Breiti: Diese Saison konnte ich leider noch kein Spiel sehen, weil wir mit der
Band so viel unterwegs waren. Ich werde aber während der Spiele immer per SMS auf dem
Laufenden gehalten. Für einen Aufsteiger war es erstmal ein sehr solider Start, zumal
ja einige wichtige Spieler nicht mehr dabei sind. Jetzt nach dem Spiel gegen Wuppertal
mit einer ausgeglichenen Bilanz dazustehen, sieht auch ganz gut aus. Und es beruhigt
mich zudem, dass wieder relativ wenige Gegentore zugelassen wurden. Jetzt sind auch
noch mal zwei neue Spieler verpflichtet, von denen man sich viel verspricht.
??? In Düsseldorf wird nach zwei Siegen hintereinander ja immer schnell von der
Meisterschaft gesprochen...
Breiti: Mein Wunsch in einer neuen Liga ist immer, nichts mit dem Abstieg zu tun
zu haben, damit sich die altbekannte Nervosität nicht ausbreitet, die die Beine und
das Umfeld lähmt. Und so etwas ruft ja außerdem auch immer die Lästerzungen auf den
Plan. Der Klassenerhalt ist in dieser Saison das Ziel. Natürlich wünschen wir uns alle,
dass es sofort weiter nach oben geht. Das darf man aber nicht automatisch erwarten.
Und für die Substanz der Mannschaft ist ein Jahr mehr in der 3. Liga vielleicht gar
nicht so schlecht.
??? Die Fortuna hat jetzt zum ersten Mal in der Multifunktionsarena gespielt, vor 38.123
Zuschauern. Wie denkt Ihr über einen zukünftigen Umzug dorthin?
Breiti: Ich halte überhaupt nichts von diesem Stadionneubau, weil letztendlich
alle Bau- und Unterhaltskosten bei der Stadt hängen bleiben. Und man sieht es ja bei
der Arena AufSchalke, dass so ein Stadion gar nicht gewinnbringend zu führen ist, selbst
wenn da regelmäßig 60.000 Leute zum Fußball kommen und noch viele andere Veranstaltungen
stattfinden. Der Stadthaushalt wird auf Jahrzehnte erheblich belastet sein. Das ist ein
reines Prestigeobjekt, das sehr, sehr viel Geld kostet und nichts einbringt. Und alles,
was bisher an "tollen Veranstaltungen" angekündigt war, hat sich als heiße Luft erwiesen.
??? Wie denkst Du als Fortuna-Fan über die Mutifunktionsarena?
Breiti: Fortuna kann das alles erstmal egal sein. Wenn ihnen irgend jemand
ein Stadion baut, da kann man sich erstmal drüber freuen. Ich finde aber, dass der Sprung
viel zu groß ist – von Flingern in die Arena. Wenn das Stadion zu einem Zeitpunkt gebaut
worden wäre, zu dem der Klub gerade einen Boom in der Bundesliga ausgelöst hat, dann hätte
das eventuell Sinn gemacht. Am Anfang kommen ja immer viele Zuschauer, nur um sich mal
das Stadion anzuschauen. Und die wären dann vielleicht auch geblieben. Fortuna spielt
aber halt nur in der 3. Liga, und da droht der Effekt des neuen Stadions völlig zu
verpuffen.
??? Was wäre denn die Alternative zur Arena?
Breiti: Ich wäre dafür gewesen, das Paul-Janes-Stadion schrittweise an die
Bedürfnisse anzupassen. Dass man auch mit einem Stadion von etwa 30.000 Plätzen
dauerhaft ganz oben mitspielen kann, das zeigen Beispiele von Leverkusen bis Bremen.
Man darf ja nicht vergessen, dass Düsseldorf von zahlreichen anderen Bundesliga-Klubs
umgeben ist und ein viel kleineres Einzugsgebiet hat als zum Beispiel Mönchengladbach
oder Köln. Ich lasse mich von der Stimmung in der Arena aber auch gerne eines Besseren
belehren. Es kann dem Klub natürlich auch einen Schub geben, wenn die Leute dahin strömen.
Ich sehe das Ganze aber sehr skeptisch.
??? Es stehen mittlerweile drei Argentinier im Kader der Fortuna. Da fragen sich
natürlich einige, ob Ihr da wieder Eure Hände im Spiel hattet.
Breiti: Selbst als wir Trikotsponsor waren, haben wir nicht mal den Versuch gemacht,
bei Transfers mitzureden. Ich finde es aber lustig, weil das Interesse an Fortuna immer
sehr groß ist, wenn wir in Argentinien spielen. Die Argentinier sind ja noch viel
fußballverrückter als die Deutschen. Da wird dann auch jede Bewegung in der 3. oder 4.
Liga registriert. Und wenn dann sogar ein paar Argentinier bei Fortuna mitspielen,
will man es noch genauer wissen. Ich bin mal gespannt, ob unsere argentinischen
Fans einen von denen kennen, wenn wir mal wieder in Buenos Aires spielen.
??? Wie seid Ihr der Fortuna jetzt noch über Euer Fandasein hinaus verbunden?
Breiti: Wir sind jetzt im zweiten Jahr Trikotsponsor der Jugendteams und der
2. Mannschaft, weil wir das Sponsoring nicht so abrupt auslaufen lassen wollten.
Nur auf Dauer können wir uns das natürlich auch nicht leisten. Wir haben getan,
was wir tun konnten. Und davon hat Fortuna sicherlich nicht nur finanziell profitiert.
Durch die skurrile Geschichte, dass wir Trikotsponsor wurden, haben wir Fortuna in
einer Zeit im Gespräch gehalten, als sich niemand mehr für sie interessierte. Es ist
ja immer ganz gut, wenn ein Verein über die Stadt hinaus öffentliches Interesse erregt.
So etwas kann langfristig genauso helfen wie frühere Erfolge oder große Zuschauerzahlen.
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