Kurzinterview mit Eva:
Wie lange warst Du insgesamt mit dem Zug von Wien nach Leipzig unterwegs?
Nach Leipzig waren wir (mein Freund Roman, der immer treuer Begleiter auf meinen Hosen-Reisen ist, und ich) fast genau zwölf Stunden in eine Richtung unterwegs. Wir sind mit dem „SparNight“-Angebot im Nachtzug gefahren, da das recht günstig war, denn wir konnten uns als arme Studenten ja kein teureres Ticket leisten. Es gab damals keinen Zug, der durchgehend nach Leipzig ging, also mussten wir um 5:30 Uhr in der Früh in Naumburg/Saale aussteigen und dort eine Stunde auf den Anschlusszug nach Leipzig warten. Wir waren so müde von der Fahrt im normalen Sitzwagen, dass wir kaum unsere Augen offen halten konnten. Es war saukalt damals, daran kann ich mich noch gut erinnern, und der Bahnhof ziemlich klein und schäbig. Irgendwie haben wir dann die Stunde rumgebracht und sind in den Anschlusszug nach Leipzig gestiegen. Am Leipziger Bahnhof gab es dann Frühstück bei McDonalds, und dann haben wir dort noch einmal eine Stunde gewartet, weil dieser „Leipzig Tourist Service“, wo man die „Leipzig Card“ für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen kann, erst um 9 Uhr aufmachte. Dann haben wir unser Gepäck am Bahnhof eingeschlossen, weil wir unser Zimmer im Jugendgästehaus erst zu Mittag beziehen konnten, und haben gleich total übermüdet eine Tour durch Leipzig gemacht und gleich den Weg zum Conne Island abgecheckt. Gegen Mittag ging es dann ins Jugendgästehaus, wo wir dann vor lauter Müdigkeit sofort in unserem Zimmer eingeschlafen sind. Gott sei Dank hatten wir einen Wecker dabei, sonst hätten wir das Konzert womöglich noch verpasst. Blöd war, dass dieses Gästehaus total am anderen Ende der Stadt war – aber das war halt die billigste Unterkunft, da nimmt man gern eine längere Fahrt zum Konzert in Kauf. Als wir dann am Abend ins Conne Island kamen, waren alle Strapazen vergessen. Die Location war einfach genial – ein Konzert in so kleinem Rahmen haben wir vorher noch nie erlebt. Das war echt etwas ganz Besonderes, dass wir hier dabei sein konnten. Die Konzertkarten waren auch super: Bierdeckel – da mussten wir schon lachen! Außerdem war es auf dem Hof, bevor wir auf den Einlass gewartet haben, schon genial: Kuddel lief draußen herum und unterhielt sich mit den Fans. Dass die Hosen sich einfach so unter die Fans mischen, hatte ich vorher noch nie erlebt.
Inwiefern unterscheidet sich das deutsche und österreichische Publikum?
Mir persönlich ist es noch nie aufgefallen, dass es zwischen österreichischem und deutschem Publikum bei den Konzerten wesentliche Unterschiede gibt (bis auf den Sprache:-)). Ich habe das Gefühl, dass bei einem Hosen-Konzert die Nationalitätsunterschiede verschwimmen, weil die Hosen-Fans durch die Musik ihrer Lieblingsband alle miteinander verbunden sind, und es einfach darum geht, dass alle Spaß haben, einen netten Abend verbringen und Party machen. Campino macht bei den Österreich-Konzerten schon oft Ansagen, die nur auf Österreich passen, z.B. etwas zur aktuellen politischen Lage. Außerdem ändert er oft Liedertexte, wie z.B. bei „Bayern“, wo es ja im Original heißt: „... ich hätt' auch schon für Deutschland gespielt.“ Da hat er natürlich hier in Österreich „...für Österreich...“ gesungen. Und beim ersten Arena-Konzert 2005 wurde mir bei „Feuer frei“ ganz warm ums Herz (obwohl ich schon Frostbeulen hatte von der Kälte):-), als Campi plötzlich vom Chelsea und vom U4 gesungen hat – das fand ich besonders sympathisch. Außerdem fand ich es gut, dass Campi „Singin' in the rain“ gesungen hat, weil es an dem Abend wie aus Kübeln geschüttet hat – okay, das ist jetzt nicht gerade ein Lied spezifisch für Österreich, aber es war ziemlich passend für den Abend! Beim „Unplugged“-Konzert hatte ich das Gefühl, dass mehr Deutsche da waren als Österreicher, aber das liegt wohl auch daran, dass Deutschland wesentlich mehr Einwohner hat und daher wohl zwangsläufig auch wesentlich mehr Hosen-Fans, und da das ein so besonderes Event war, ließen sich es viele deutsche Hosen-Fans nicht entgehen und nahmen die weite Fahrt wohl gerne in Kauf. Ich selbst war damals in Begleitung meiner Freundin Stephy aus Dortmund dort, die extra für das Konzert angereist war. Ich persönlich sehe die Hosen eher als deutschsprachige Band, nicht so sehr als deutsche Band. In österreichischen Medien liest oder hört man aber schon oft den Zusatz „deutsche Punkrockband“ oder „Punkrockband aus Düsseldorf“, wenn über die Hosen berichtet wird. Für mich macht das aber keinen großen Unterschied, ob eine Band aus Österreich oder aus Deutschland kommt – Hauptsache, die Musik ist gut! Generell fällt es mir sehr schwer, Hosen-Konzerte an verschiedenen Orten miteinander zu vergleichen, da jedes Konzert etwas für sich hat, etwas Spezielles und Individuelles. Für mich ist jedes Konzert echt einmalig und einzigartig. Das Unplugged in meiner Wahlheimat Wien war total super, obwohl ich nur völlig unspektakulär mit der U-Bahn angereist bin. Das Auswärtsspiel in Leipzig war ebenfalls genial, aber wieder ganz was anderes – sowohl die Location, als auch die Fahrt dorthin:-).
Es ist ja durchaus ungewöhnlich, dass Du einen englischen Song der Hosen als Lieblingslied nennst. Welche anderen DTH-Stücke auf Englisch zählen zu Deinen Favoriten?
Außer „Daydreaming“ gefällt mir von den englischen Stücken z.B. „Pushed again“ total gut. Das war die erste Hosen-Single, die ich mir gekauft habe. Komischerweise fand ich das zuerst gar nicht so gut, doch nach dem dreißigsten Mal anhören, hat es mich nicht mehr losgelassen. „Sexual“ mag ich auch total gerne. Außer den Liedern, die original in Englisch geschrieben wurden, finde ich auch einige Übersetzungen von deutschen Versionen sehr gelungen, z.B. „Til' to the bitter end“, „All for the Sake of Love“, „Here comes Alex“, „Put your money where your mouth is (Buy me)“ und „My Land“. Obwohl mir auch viele englische Lieder der Hosen sehr gut gefallen, bin ich sehr froh, dass die Hosen überwiegend auf Deutsch singen, da ich die Texte in meiner Muttersprache halt immer noch am besten verstehe. Ich wünsche mir deshalb auch nicht, dass auf dem nächsten Album mehr englische Lieder drauf sind. Aber ich finde es gut, dass ab und zu englische Lieder auf den Alben eingestreut werden, denn das ist eine gute Mischung, und manche Sachen klingen halt einfach nicht so toll, wenn man sie auf Deutsch ausdrückt – da ist Englisch schon manchmal recht hilfreich, um einiges besser zu umschreiben („Pushed again“ würde auf Deutsch sicher nie so gut und ausdrucksstark klingen!). Einen deutschen Song der Hosen, den ich gern mal auf Englisch hören würde? Ich glaube, eine englische Fassung von „Hofgarten“ würde sehr amüsant klingen:-)
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