Kurzinterview mit Jessica:
Wie kam es dazu, dass Du zu „Rock am Ring“ mit einem ausrangierten Krankenwagen gefahren bist?
Den Wagen hatten wir von einem Geschäftskollegen eines Kumpels, dessen Quellen sind mir leider nicht bekannt. Der Krankenwagen war zwar ausrangiert, machte optisch aber immer noch einiges her. Einige Motorsport-Aufkleber auf der Außenseite irritierten scheinbar
niemanden. So gab es schon auf der Hinfahrt verdutzte Blicke, wenn wir durch die Fenster Bierflaschen in die Fahrerkabine vorgereicht haben (natürlich nur für den Beifahrer), oder unterwegs nach dem Weg gefragt haben. Die Leute sind unheimlich hilfsbereit, wenn man sich aus einem Krankenwagen nach dem Weg erkundigt! Der Einzige, der gleich erkannte, dass wir kein Rettungsteam im Dienst waren, war der Platzwart bei Rock am Ring, der uns nicht auf den schon überfüllten Camping-Platz lassen wollte. Im Nachhinein war das ein
Glück, denn so landeten wir auf einem privaten Parkplatz keine 5 Minuten vom Haupteingang entfernt. Während des Festivals kam es noch zu einigen Verwechslungen, wenn Gott
sei dank nur leicht verletzte Festival-Besucher bei uns Hilfe suchten, und im Inneren unseres Wagens statt Mullbinden und Rettungskoffern nur Grill und Bierkästen fanden. Aus wesentlich mehr Bestand unsere Ladung tatsächlich auch nicht, und die Nächte wurden großteils um die Ohren geschlagen, denn zwischen Bierkästen und Grill oder in der viel zu
engen Fahrerkabine schlief es sich nicht wirklich gut. So kam es auch, dass unser Fahrer nach dem sehr anstrengenden und ereignisreichen Wochenende mit nur 5 Stunden Schlaf seit Freitag uns in der Nacht zum Montag wieder nach Hause fuhr, um anschließend gleich weiter zur Arbeit zu fahren (nicht ohne vorher die ein oder andere Koffein-Tablette genommen zu haben).
Was macht das Besondere eines Festivalkonzerts, speziell bei „Rock am Ring“, aus?
Ein Festival-Konzert ist schon etwas Besonderes, da es Teil einer größeren Veranstaltung ist, auf der man den ganzen Tag oder das ganze Wochenende verbringt. Die Stimmung vor dem Konzert ist eine völlig andere, man wird nicht plötzlich aus dem Alltag gerissen und geht auf
ein Konzert, sondern man ist schon Tage vor dem Auftritt der Hosen selbst auf dem Veranstaltungsgelände und hört andere Bands. Meist spielen die Hosen dann als krönender Abschluss, und man geht noch einmal bis an seine Grenzen. Gerade bei Rock am Ring ist natürlich die Größe noch einmal etwas ganz Besonderes, obwohl die Hosen ja auch in Düsseldorf vor beachtlicher Kulisse spielen können. Dafür bieten der Nürburgring und überhaupt Rock am Ring mit seiner ganzen Tradition eine beeindruckende Atmosphäre, die einen einfach mitreißt. Das Publikum scheint sich allerdings kaum vom normalen Konzertpublikum zu unterscheiden, da die Hosen natürlich ein ungeheurer Publikums-Magnet sind und viele Fans mitreisen. Gerade in den vorderen Rängen sieht man daher nur noch Hosen-Fans und man kann vergessen, dass man eigentlich bei Rock am Ring ist. Man kann wirklich den Eindruck bekommen, dass alle scheinbar nur wegen den Toten Hosen
angereist wären. Da aber tatsächlich nicht nur eingefleischte Fans, sondern auch neugierige Festivalbesucher da sind, finden sich im Publikum alle Zonen, die sich ein Fan wünschen kann: Menschentrauben, in denen alle dicht gedrängt stehen, Stellen, an denen nur dem Pogo
gefrönt wird, Chöre die mitgrölen, und so weiter. Ein solch buntes Publikum findet man bei Konzerten selten. Und da sich die Hosen bei Festival-Konzerten ja auch besonders anstrengen, kann man sicher sein, auf seine Kosten zu kommen (wenngleich die Kosten für Festivals in letzter Zeit zu explodieren scheinen). Lediglich in der Spiellänge wird man als verwöhnter Hosen-Fan vielleicht etwas enttäuscht, aber meist ist man am Ende eines Festivals ohnehin so ausgepowert, dass man kaum noch Kraft hat, länger durchzuhalten.
Welche Erwartungen hattest Du an das „Unplugged“-Konzert?
Mit das Schönste an einem Unplugged-Konzert ist, dass man vorher überhaupt nicht weiß, was einen erwartet. Dennoch sind die Erwartungen natürlich ungeheuer hoch. Man möchte von dem Konzert begeistert werden, am liebsten noch seinen Enkeln und Urenkeln davon erzählen können, möchte auf jeden Fall eine einzigartige Erinnerung mitnehmen. Eine große Aufgabe für die Band, aber die Einzigartigkeit des Konzerts ist schon allein durch das Unplugged-Spielen gegeben. Die Location im Wiener Burgtheater mit ihrem auf den ersten Blick zu Punk-Rock unpassenden, aber dann doch harmonischen Flair und ihrer genialen
Akustik tat dazu ihr Übriges. Zu Beginn des Konzerts war man dann aber doch etwas geschockt, denn die Unplugged-Versionen sind doch etwas gewöhnungsbedürftig, und ein
Konzert im Sitzen war auch eine neue Erfahrung. Man gewöhnte sich dann aber schnell an die Situation und schon bald hielt es ohnehin niemanden mehr auf den Sitzen. Meiner Meinung nach war die Stimmung bei „All die ganzen Jahre“ und „Helden und Diebe“ am Besten,
vielleicht ein Grund warum sie nicht mit auf der CD waren? Jedenfalls wurde da eifrig mitgesungen! Das Konzert hat sich auf jeden Fall gelohnt, betrachtet man den niedrigen Eintrittspreis, war es ohnehin ein Muss! Und auch wenn ich mich allein auf den Weg nach Wien gemacht habe, nirgends lernt man schneller Leute kennen als vor einem Hosen-Konzert.
|