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Andi über das „P8“-Gipfel-Konzert,
das Gipfelthema Afrika und „Move against G8“

In einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht Andi über die Motivation der Hosen, bei dem „P8“-Gipfel-Konzert aufzutreten, begründet noch einmal, warum ihnen das Thema Afrika besonders am Herzen liegt, und versucht eine Antwort darauf zu finden, wie eine bessere Welt aussehen könnte.

Warum seid Ihr beim G8-Sampler dabei?

Bei dem Sampler geht es zunächst einmal um finanzielle Unterstützung. Die Kauferlöse kommen dem Kulturprogramm von „Move Against G8“ zugute. Mit diesem Programm soll eine größere Öffentlichkeit gegen den G8-Gipfel hergestellt werden. Gleichzeitig unterstützen wir den inhaltlichen Ansatz von „Move Against G8“ und damit den Protest gegen diesen Gipfel.

Wie steht Ihr persönlich zum G8-Gipfel?

Die acht Staatschefs, die sich in Heiligendamm treffen, beeinflussen mit ihren Entscheidungen maßgeblich die Entwicklung der gesamten Welt. Die Entscheidungen, die sie in Heiligendamm fällen, werden wieder wegweisend sein, sei es in Bezug auf Wirtschaft, Umwelt oder Entwicklungshilfe. In der Vergangenheit standen bei solchen Treffen immer nur die wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen der G8-Staaten im Mittelpunkt und keinesfalls „Wachstum und Verantwortung“, wie in diesem Jahr das Motto lautet. Wachstum und Verantwortung, bezogen auf die restliche Welt, habe ich bei diesen Treffen nie feststellt. Was 2005 in Gleneagles bezüglich der Entwicklungshilfe beschlossen wurde – 50 Milliarden Euro für Schuldenerlass und Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2010 – war ein Schritt in die richtige Richtung. Leider wurden die zugesagten Summen bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht eingehalten. Bei den Protesten geht es also auch darum, den Politikern auf die Füße zu treten und sie an ihr Versprechen zu erinnern.

Gibt es ein politisches Thema, das Euch im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel besonders am Herzen liegt?

Unser Thema heißt sicherlich Afrika. Dass praktisch ein ganzer Kontinent brennt, interessiert die Weltgemeinschaft herzlich wenig. Das halten wir für einen Skandal. Wir sind schon im Vorfeld des letzten Gipfels in Gleneagles bei „Live 8“ aufgetreten, waren anschließend in Schottland auch vor Ort und haben uns an der Aktion „Make Poverty History“ beteiligt. Dabei konnten wir feststellen, dass eine bestimmte Form von Öffentlichkeit durchaus Politiker dazu bewegen kann, sich mit einem solchen Thema zu beschäftigen. Die G8-Länder haben die Macht, diesen Zustand zu ändern. Und uns liegt viel daran, dass sie es in Zukunft auch wirklich tun werden.

Kann man heutzutage mit Musik politisch noch etwas erreichen?

Zumindest kann man seine Popularität gezielt einsetzen. Wenn wir nicht glauben würden, dass sich mit unserem Engagement etwas erreichen ließe, würden wir es nicht machen. Politiker reagieren nun einmal auf alles, was öffentlich gemacht wird, weil das natürlich auch Einfluss darauf hat, wie sie von ihren Wählern wahrgenommen werden. Die Zusagen, die in Gleneagles gegeben wurden, hatten definitiv damit zu tun, dass sich reichlich Leute dafür eingesetzt haben. Man wird die Welt nicht von heute auf morgen verändern, man kann aber auf jeden Fall etwas bewirken.

Gehört Protest in der deutschen Rock/Pop-Szene zum guten Ton?

In Deutschland gehört es eher zum guten Ton, Leute zu kritisieren, die sich für so etwas engagieren. Ich kann das nicht nachvollziehen. Warum sollte man sich nicht für eine Sache einsetzen, hinter der man hundertprozentig steht? Ich weiß in Deutschland aber schon vorher, dass man uns dafür kritisieren wird, wenn wir uns für so etwas einsetzen.

Werdet Ihr im Juni beim Gipfel mitdemonstrieren?

Wir werden am 7. Juni in Rostock beim „P8“-Gipfel-Konzert auftreten. Das Konzert läuft unter dem Motto „Deine Stimme gegen Armut“. Wir sehen das aber eher als Statement, denn als richtiges Konzert. Jeder Band wird lediglich zwei oder drei Stücke spielen. Darauf kommt es allerdings auch gar nicht an. Es geht für uns alle darum, den G8-Staatschefs zu zeigen: Wir sind auch diesmal wieder vor Ort und treten Euch auf die Füße. Erinnert Euch daran, was Ihr vor zwei Jahren versprochen habt!

Was bedeutet Globalisierung für Euch?

Eigentlich könnte Globalisierung etwas Gutes sein, sie läuft nur in der Realität ganz anders ab. Das Ungleichgewicht auf der Welt wird nicht aufgehoben; die Kluft zwischen Arm und Reich stattdessen immer größer. Es geht den reichen Ländern ausschließlich darum, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, sich den wirtschaftlichen Zugang zu Produktionsstätten und Rohstoffen zu sichern. Eigentlich bräuchte es für eine gelungene Globalisierung eine ganz andere soziale Verantwortung von Firmen und Regierungen.

Wie könnte eine gerechtere Welt aussehen?

Das lässt sich schwierig in drei Sätzen beantworten... Wir brauchen ein grundlegendes Umdenken, so dass eine bessere Welt nicht nur etwas mit steigenden Firmengewinnen zu tun hat, sondern mit der Frage, wie es allen Menschen auf der Welt besser gehen kann. Die frappierenden sozialen Unterschiede weltweit müssen ausgeglichen werden. Doch bis heute herrscht bei den meisten Regierungen der Gedanke vor: Wie kann es meinem Land besser gehen? Das ist allerdings extrem kurzsichtig gedacht, nicht nur in Bezug auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Umwelt. Die Probleme, die aus diesem Handeln entstehen, sind heute schon für jeden sichtbar.

Wünscht Ihr Euch, dass Eure Fans an den Protesten im Juni teilnehmen?

Wir waren noch nie eine Zeigefingerband, die jetzt sagen würde: Ihr müsst alle dahin kommen und dagegen protestieren! Wir freuen uns natürlich über alle, die im Juni an die Ostsee reisen, um ihren Protest kund zu tun. Wir werden aber sicherlich nicht gewerkschaftsmäßig dazu aufrufen. Das sollte schon jeder für sich selbst entscheiden. Wir können nur unsere Meinung zu dem Thema sagen. Wenn jemand etwas damit anfangen, freuen wir uns natürlich darüber.

Was erhofft Ihr Euch von den Protestaktionen beim G8-Gipfel?

Konkret erhoffen wir uns, dass die G8-Staaten zu ihren Versprechen in Bezug auf Afrika stehen. Es ist sicherlich legitim, gewählte Regierungen darauf hinzuweisen, dass sie etwas versprochen haben. Möglicherweise werden sich die Denkweisen der G8-Staaten aber nur langsam ändern. Vielleicht geht es nur in kleinen Schritten voran, aber je größer eine solche Aktion ist und je mehr Leute protestieren, umso mehr wird das die Aufmerksamkeit der Politiker erregen. Wenn die sehen, dass eine ganze Menge Menschen nicht mit ihnen einverstanden sind, werden sie umdenken müssen, weil sie nunmal auf Wählerstimmen angewiesen sind.