Warum seid Ihr beim G8-Sampler dabei?
Bei dem Sampler geht es zunächst einmal um finanzielle Unterstützung. Die
Kauferlöse kommen dem Kulturprogramm von „Move Against G8“ zugute. Mit
diesem Programm soll eine größere Öffentlichkeit gegen den G8-Gipfel
hergestellt werden. Gleichzeitig unterstützen wir den inhaltlichen Ansatz
von „Move Against G8“ und damit den Protest gegen diesen Gipfel.
Wie steht Ihr persönlich zum G8-Gipfel?
Die acht Staatschefs, die sich in Heiligendamm treffen, beeinflussen mit
ihren Entscheidungen maßgeblich die Entwicklung der gesamten Welt. Die
Entscheidungen, die sie in Heiligendamm fällen, werden wieder wegweisend
sein, sei es in Bezug auf Wirtschaft, Umwelt oder Entwicklungshilfe. In der
Vergangenheit standen bei solchen Treffen immer nur die wirtschaftlichen und
machtpolitischen Interessen der G8-Staaten im Mittelpunkt und keinesfalls
„Wachstum und Verantwortung“, wie in diesem Jahr das Motto lautet. Wachstum
und Verantwortung, bezogen auf die restliche Welt, habe ich bei diesen
Treffen nie feststellt. Was 2005 in Gleneagles bezüglich der
Entwicklungshilfe beschlossen wurde – 50 Milliarden Euro für Schuldenerlass
und Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2010 – war ein Schritt in die richtige
Richtung. Leider wurden die zugesagten Summen bis zum jetzigen Zeitpunkt
nicht eingehalten. Bei den Protesten geht es also auch darum, den Politikern
auf die Füße zu treten und sie an ihr Versprechen zu erinnern.
Gibt es ein politisches Thema, das Euch im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel
besonders am Herzen liegt?
Unser Thema heißt sicherlich Afrika. Dass praktisch ein ganzer Kontinent
brennt, interessiert die Weltgemeinschaft herzlich wenig. Das halten wir für
einen Skandal. Wir sind schon im Vorfeld des letzten Gipfels in Gleneagles
bei „Live 8“ aufgetreten, waren anschließend in Schottland auch vor Ort und
haben uns an der Aktion „Make Poverty History“ beteiligt. Dabei konnten wir
feststellen, dass eine bestimmte Form von Öffentlichkeit durchaus Politiker
dazu bewegen kann, sich mit einem solchen Thema zu beschäftigen. Die
G8-Länder haben die Macht, diesen Zustand zu ändern. Und uns liegt viel
daran, dass sie es in Zukunft auch wirklich tun werden.
Kann man heutzutage mit Musik politisch noch etwas erreichen?
Zumindest kann man seine Popularität gezielt einsetzen. Wenn wir nicht
glauben würden, dass sich mit unserem Engagement etwas erreichen ließe,
würden wir es nicht machen. Politiker reagieren nun einmal auf alles, was
öffentlich gemacht wird, weil das natürlich auch Einfluss darauf hat, wie
sie von ihren Wählern wahrgenommen werden. Die Zusagen, die in Gleneagles
gegeben wurden, hatten definitiv damit zu tun, dass sich reichlich Leute
dafür eingesetzt haben. Man wird die Welt nicht von heute auf morgen
verändern, man kann aber auf jeden Fall etwas bewirken.
Gehört Protest in der deutschen Rock/Pop-Szene zum guten Ton?
In Deutschland gehört es eher zum guten Ton, Leute zu kritisieren, die sich
für so etwas engagieren. Ich kann das nicht nachvollziehen. Warum sollte man
sich nicht für eine Sache einsetzen, hinter der man hundertprozentig steht?
Ich weiß in Deutschland aber schon vorher, dass man uns dafür kritisieren
wird, wenn wir uns für so etwas einsetzen.
Werdet Ihr im Juni beim Gipfel mitdemonstrieren?
Wir werden am 7. Juni in Rostock beim „P8“-Gipfel-Konzert auftreten. Das
Konzert läuft unter dem Motto „Deine Stimme gegen Armut“. Wir sehen das aber
eher als Statement, denn als richtiges Konzert. Jeder Band wird lediglich
zwei oder drei Stücke spielen. Darauf kommt es allerdings auch gar nicht an.
Es geht für uns alle darum, den G8-Staatschefs zu zeigen: Wir sind auch
diesmal wieder vor Ort und treten Euch auf die Füße. Erinnert Euch daran,
was Ihr vor zwei Jahren versprochen habt!
Was bedeutet Globalisierung für Euch?
Eigentlich könnte Globalisierung etwas Gutes sein, sie läuft nur in der
Realität ganz anders ab. Das Ungleichgewicht auf der Welt wird nicht
aufgehoben; die Kluft zwischen Arm und Reich stattdessen immer größer. Es
geht den reichen Ländern ausschließlich darum, wirtschaftliche Interessen
durchzusetzen, sich den wirtschaftlichen Zugang zu Produktionsstätten und
Rohstoffen zu sichern. Eigentlich bräuchte es für eine gelungene
Globalisierung eine ganz andere soziale Verantwortung von Firmen und
Regierungen.
Wie könnte eine gerechtere Welt aussehen?
Das lässt sich schwierig in drei Sätzen beantworten... Wir brauchen ein
grundlegendes Umdenken, so dass eine bessere Welt nicht nur etwas mit
steigenden Firmengewinnen zu tun hat, sondern mit der Frage, wie es allen
Menschen auf der Welt besser gehen kann. Die frappierenden sozialen
Unterschiede weltweit müssen ausgeglichen werden. Doch bis heute herrscht
bei den meisten Regierungen der Gedanke vor: Wie kann es meinem Land besser
gehen? Das ist allerdings extrem kurzsichtig gedacht, nicht nur in Bezug auf
die Wirtschaft, sondern auch auf die Umwelt. Die Probleme, die aus diesem
Handeln entstehen, sind heute schon für jeden sichtbar.
Wünscht Ihr Euch, dass Eure Fans an den Protesten im Juni teilnehmen?
Wir waren noch nie eine Zeigefingerband, die jetzt sagen würde: Ihr müsst
alle dahin kommen und dagegen protestieren! Wir freuen uns natürlich über
alle, die im Juni an die Ostsee reisen, um ihren Protest kund zu tun. Wir
werden aber sicherlich nicht gewerkschaftsmäßig dazu aufrufen. Das sollte
schon jeder für sich selbst entscheiden. Wir können nur unsere Meinung zu
dem Thema sagen. Wenn jemand etwas damit anfangen, freuen wir uns natürlich
darüber.
Was erhofft Ihr Euch von den Protestaktionen beim G8-Gipfel?
Konkret erhoffen wir uns, dass die G8-Staaten zu ihren Versprechen in Bezug
auf Afrika stehen. Es ist sicherlich legitim, gewählte Regierungen darauf
hinzuweisen, dass sie etwas versprochen haben. Möglicherweise werden sich
die Denkweisen der G8-Staaten aber nur langsam ändern. Vielleicht geht es
nur in kleinen Schritten voran, aber je größer eine solche Aktion ist und je
mehr Leute protestieren, umso mehr wird das die Aufmerksamkeit der Politiker
erregen. Wenn die sehen, dass eine ganze Menge Menschen nicht mit ihnen
einverstanden sind, werden sie umdenken müssen, weil sie nunmal auf
Wählerstimmen angewiesen sind.