Stand: 01.02.2012
Im Juli beantwortet Campino Eure Fragen
Hier könnt ihr online Eure Fragen stellen »
Soweit ich mich erinnern kann, war ich das. Eigentlich sollte der Grafiker alles umschreiben, aber er fand, dass das einen besonderen Charme hätte und hat es so gelassen. Wir fanden es damals lustig, dass außer mir kaum jemand diese Schriftzeichen entziffern konnte.
Jo ist die Tochter meines Bruders John. Sie war damals vier oder fünf Jahre alt, ist heute angehende Rechtsanwältin, und es hat lange gedauert, bis sie Frieden mit dieser Sache geschlossen hat. Sie hatte das Lied nur zum Spaß für sich aufgenommen. Ich hab’ die Kassette heimlich kopiert, um die Aufnahme den anderen vorzuspielen. Wir fanden den Gesang großartig und wollten sie mit der Veröffentlichung überraschen, aber das ging total daneben. Sie hat vor Wut geweint und meine Aktion als großen Verrat empfunden. Wenn ich damals gewusst hätte, wie unglücklich sie darüber sein würde, wäre das Stück niemals auf Platte erschienen!
Letztendlich steht das Thema „Buch“ oder „Geschichten“ immer im Raum - auf eine bestimmte Art sind wir ja Geschichtenerzähler. Der Gedanke mit den Toten Hosen mal ein Hörbuch zu veröffentlichen, kam öfter schon auf, bisher hat sich aber noch keine zwingende Idee in diese Richtung ergeben. Eine Bandbio („Bis zum bitteren Ende... Die Toten Hosen erzählen IHRE Geschichte“) gibt es bereits, die ist aber vergriffen und deckt auch leider die letzten 15 Jahre nicht ab.
Unter gewissen Umständen wäre das tatsächlich möglich. Zum Beispiel bekommt jeder Spieler, der mindestens 10 Jahre im Team von Liverpool gespielt hat, ein sogenanntes „Memorial Game“. Sollte Sami Hyypiä das Spiel, das ihm noch zusteht, wirklich mal realisieren, hat er bereits bei uns vorgefühlt, ob wir uns vorstellen könnten, für ihn da zu spielen! Ansonsten ist die Anfield Road für mich eher meine Kirche, und ich denke selten daran, wenn ich in die Kirche gehe, dass die Toten Hosen hier auch mal gespielt haben müssen!
Ich kann es nicht genau beschwören, aber ich meine, das war so um 1979/1980 rum. Den Laden, Fineline, gibt es sogar immer noch in Düsseldorf, ob das allerdings noch die Betreiber von früher sind, kann ich nicht sagen. Jedenfalls war mein Erstversuch ein Joker auf dem Oberarm.
„Friss oder Stirb“ war mehr oder weniger ein Selbstversuch, sich als Band eine zeitlang mit der Kamera zu begleiten und darüber hinaus den Leuten auf eine andere Art als durch normale Interviews zu vermitteln, wie wir funktionieren. Es war eine ganz schön stressige Zeit und niemand von uns hat momentan das Bedürfnis, so ein Experiment ein zweites Mal durchzuziehen. Vielleicht kommt die Idee in zehn Jahren noch mal auf, dann könnte es passieren, ist aber überhaupt nicht angedacht. Es war auch von Anfang an klar, dass das Projekt eher eine Erfahrung sein sollte, die wir machen wollten und für die wir letztendlich auch ganz dankbar sind. Später ist es bestimmt interessant, sich die Aufnahmen wieder anzusehen, auch wenn sich während der Dokumentation niemand darum gerissen und wirklich wohl gefühlt hat.
Man kann in meinem Fall nicht davon sprechen, dass ich die Liebe zum Vinyl wiederentdeckt habe, weil ich sie nie verloren hatte! Ich habe Schallplatten immer gemocht, allein schon wegen des Covers – im Verhältnis dazu finde ich eine CD doch recht langweilig. Es gab aber einen Zeitpunkt, an dem es die Mühe einfach nicht mehr wert war, weiterhin auf Vinyl zu veröffentlichen, da heutzutage kaum noch jemand einen Plattenspieler hat. Doch inzwischen hat sich so eine Art „Fankreis Vinyl“ entwickelt, den wir natürlich gerne mit einer kleinen Auflage bedienen. Vinyl ist ein feines Medium, wird allerdings wohl für die Zukunft immer nur etwas für „Feinschmecker“ und Sammler bleiben!