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Die Angst von Loveness

„Das Erste, was mir auffiel, als ich in ihre kleine Hütte tief in den Slums von Lusaka kam, war ein Poster an der Wand. „Mein Leiden ist eure Fröhlichkeit“, stand darauf. Es ist der einzige Schmuck in der Behausung, in der Loveness Mabaku, 32, mit ihren Kindern lebt. Ihr Mann starb an Aids. Loveness trägt das HI-Virus ebenfalls in sich. Patrick (9) und Dennis (3) kamen mit der Krankheit zur Welt, der kleine Victor wurde gesund geboren.

Weil Loveness kein Geld hatte, Medikamente zu kaufen oder Babynahrung, infizierte sich der Säugling durch die Muttermilch.

„Ich kann nicht an morgen denken“, sagte mir die junge Witwe, ihre Stimme nur ein Wispern, „das ist schrecklich. Aber ich kenne es nicht anders“

Jeder Tag ist ein Überlebenskampf für die junge Mutter. Wie ihr geht es vielen Millionen Menschen in Afrika. Wenn sie morgens aufsteht, gegen sechs Uhr, kann sie den Kindern kein Frühstück machen. Sie ist froh, wenn sie überhaupt das Geld für eine Mahlzeit am Tag verdienen kann. Meist reicht es nur für eine Portion Mais.

Sie wäscht die Kleidung für die Nachbarn und braut ein Getränk, damit verdient sie ein paar Kwatcha, so heißt hier das Geld. Um genug Wasser zu haben, muss sie drei Mal zur Pumpe gehen, etwa eine halbe Stunde entfernt. Ein Kanister wiegt 20 Kilo. Sie nimmt den kleinen Victor auf den Rücken und Dennis an die Hand. Ihre größte Angst ist es, erzählte sie, auf dem Weg zusammen zu brechen. Sie weiß, dass sich dann niemand um die Kinder kümmern würde. Immer noch sterben Menschen in den Slums an Hunger.
Seit zwei Jahren nimmt sie Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verlangsamen. Weil sie aber keine regelmäßige Nahrung zu sich nimmt, sind die Nebenwirkungen stark. Oft ist ihr schlecht. Dann liegt sie morgens auf ihrer Matte und weiß nicht, wie sie aufstehen soll. Hilfe? Bekommt sie wenig, die Nachbarn kümmern sich nicht. Wer Aids hat, ist ein Ausgestoßener, obwohl es hier so viele trifft. Jeden Fünften in Sambia.

„Spiel nicht mit Patrick, sonst stirbst du auch“, rufen die anderen Kinder hinter ihrem Jungen her. Loveness möchte gerne aus dem Slum der Millionenstadt fortziehen, irgendwo auf ein Dorf. Weil sie hofft, dass sich jemand ihrer Kinder annimmt, wenn sie stirbt. Von der Familie ihres Mannes kann sie keine Unterstützung erwarten. Nach der Beerdigung kamen die Verwandten, um den Hausstand aufzuteilen.
Aber wovon soll sie auf dem Dorf leben? Und den Umzug könnte sie sich auch nicht leisten. Sechs US-Dollar Miete kostet ihre Hütte im Monat. „Ich sehe keinen Ausweg“, sagte mir Loveness, als wir uns zum Abschied die Hand gaben. Seit der Fahrt hinaus aus dem Slum, der keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint, stelle ich mir die Frage: Wie schafft man das, mit solchen Problemen zu leben?“